dies-facultatis-2017_1800x1080

Im Fokus

Dies facultatis und Diözesantag 2017 „500 Jahre Reformation“

Olivier Dantine Dies facultatis 2017Am Donnerstag, den 27. April 2017, fand wieder der Dies facultatis der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Diözesantag der katholischen Diözese Innsbruck statt. Anlässlich des Gedenkjahres 500 Jahre Reformation befasste sich die Veranstaltung mit den geschichtsverändernden Ereignissen des 16. Jahrhunderts und ihren Wirkungen auf die Theologie. Dabei war ein wichtiger Teil auch dem heutigen Stand der ökumenischen Bemühungen um Einheit in der Christenheit gewidmet.

Entsprechend dem Thema zeichneten mehrere Institutionen in ökumenischer Verbundenheit für den Tag verantwortlich: die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck, die katholische Diözese Innsbruck, die Evangelische Superintendenz A.B. Salzburg und Tirol, das Evangelische Bildungswerk in Tirol, die Ökumenische Initiative Tirol und die KPH Edith Stein Innsbruck.

Nach den Grußworten von Dekan Prof. Dr. Josef Quitterer, dem Superintendenten der evangelisch-lutherischen Diözese Salzburg-Tirol Mag. Olivier Dantine (siehe Bild oben) und dem Diözesanadministrator der katholischen Diözese Innsbruck Mag. Jakob Bürgler startete das erste Panel. Dieses war der Geschichte der reformatorischen Bewegung im mehrheitlich katholischen Tirol gewidmet. Prof. Dr. Rudolf Leeb (Wien) sprach zum Thema „Protestantismus und evangelische Kirche als Teil der Geschichte in Tirol“. Das Koreferat hielt Prof. Dr. Stefan Ehrenpreis (Innsbruck). Deutlich wurde, dass schon vor der Reformation große Unzufriedenheit mit den kirchlichen Zuständen herrschte und die reformatorische Lehre guten Rückhalt in der Bevölkerung fand, zuerst im Geheimen, dann auch offen. Interessant war, dass der Adel damals, wenn auch selbst katholisch bleibend, offensichtlich die Verbreitung reformatorischer Lehre duldete.

Nach einer Kaffeepause sprach im Rahmen des zweiten Panels Prof. Dr. Dorothea Wendebourg (Berlin) über den Ort der Reformation in der Geschichte am Beispiel des Abendmahles. Sie kam zu dem Schluss, dass die Reformation Kontinuität und Bruch bedeutet. Prof. Dr. Reinhard Meßner (Innsbruck) sah den Bruch im Ritus, die Kontinuität jedoch in der Tiefendimension des Abendmahles.

Nach dem Mittagsgebet in der Jesuitenkirche und einem Mittagessen im Jesuitenkolleg wurde der Dies mit dem dritten Panel fortgesetzt. Prof. Dr. Alexander Deeg (Leipzig) reflektierte sehr lebendig über „Schatz und Krise: Die Bibel, das Schriftprinzip und das evangelisch-katholische hermeneutische Miteinander“. Dabei stellte er fest, dass die Lust am Bibellesen zum Teil größer in der katholischen Kirche ist als in den evangelischen Kirchen. Seine leidenschaftliche Aufforderung war, das Wort Gottes gemeinsam zu lesen und zu erkennen. Als Koreferent hat Prof. Dr. Józef Niewiadomski (Innsbruck) geantwortet. Auch er trat leidenschaftlich dafür ein, dass die Lust auf das Bibellesen wachsen möge.

Das vierte Panel war schließlich dem Thema „Noch Visionen? Stand und Perspektiven der Ökumene“ gewidmet. Mag. Esther Handschin (evangelisch-methodistische Pastorin in Salzburg und Wien) stellte ihre Kirche vor. Dabei fragte sie, wie wir in Zukunft gemeinsam Ressourcen in ökumenischer Verbundenheit nutzen könnten. Bischof Dr. Manfred Scheuer (Linz) antwortete als Koreferent und ermutigte dazu, Konflikte auszuhalten und gemeinsam Buße zu tun. Im Blick auf die Zukunft stellte er unter anderem fest, dass eine ökumenische Verständigung über das Wesen der Kirche noch aussteht und daran Weiterarbeit erforderlich ist.

Für den Tagesrückblick konnten Mag. Elisabeth Rathgeb (Seelsorgeamtsleiterin Innsbruck) und Superintendent Mag. Olivier Dantine gewonnen werden. Ein ökumenischer Gottesdienst, musikalisch gestaltet vom Studierendenchor der Theologischen Fakultät Innsbruck und dem Gemeindechor der Christuskirche Innsbruck rundeten den Tag ab und ließen ihn geistlich-ökumenisch ausklingen.

Spürbar war die gegenseitige Wertschätzung, die Dankbarkeit füreinander und der Wille, gemeinsam als Schwestern und Brüder in Christus weiterzugehen. Ein großer Dank gebührt dem konfessionell gemischt besetzten Vorbereitungsteam, das in ökumenischer Verbundenheit diesen Tag gestaltet hat.

Markus Schmidt SJ