Anerkennung und ECTS-Zuteilung

 Vergabe und Zuordnung von ECTS-Credits
 Anerkennung von Lernerfahrungen
 Ergänzung: Durchlässigkeit


Vergabe und Zuordnung von ECTS-Credits

Mit ECTS-Anrechnungspunkten (ECTS-AP)1oder ECTS-Credits ist der relative Anteil der mit den einzelnen Studienleistungen verbundenen Arbeitsbelastung (workload) zu bestimmen. Das Universitätsgesetz setzt fest, dass die Arbeitsbelastung eines Jahres 1.500 (Echt-)Stunden zu betragen hat und dieser Arbeitsbelastung 60 Anrechnungspunkte zugeteilt werden. Aus der Rechnung mit diesen Operanden ergibt sich, dass 25 Arbeitsstunden 1 ECTS-AP ergeben.

 Erstellung

Im Zuge der Curriculums-Erstellung obliegt es den ErstellerInnen/Verantwortlichen diese Vorgaben umzusetzen. Das heißt, wenn feststeht

  • welche Module in welcher Größenordnung (ECTS-AP) die Ziele eines Studiums befördern und
  • welche Lehrveranstaltungen das einzelne Modul umfasst,

sind die für das einzelne Modul zur Verfügung stehenden ECTS-AP auf die Lehrveranstaltungen aufzuteilen.

 Umsetzung

Im Rahmen der Durchführung eines Studiums sind die einzelnen Lehrveranstaltungsleitungen verpflichtet die Anforderungen so zu dimensionieren, dass (durchschnittliche) Studierenden - mit der im Curriculum dafür vorgesehenen Arbeitsbelastung - die Lehrveranstaltung / das Modul positiv absolviere können.

Zur Arbeitsbelastung zu zählen ist jede Leistung, die zur Erreichung des Lernzieles notwendig ist, insbesondere:

  • Teilnahme an den Lehrveranstaltungen (Zusammentreffen von Studierenden mit der Lehrveranstaltungsleitung zum Zwecke der Vermittlung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Methoden = Präsenzstunden) wobei eine Unterrichtseinheit 45 Minuten beträgt,
  • Selbststudium, Recherche, Verfassung von schriftlichen Arbeiten,
  • Prüfungsvorbereitung, Ablegen der Prüfung (soweit diese Zeit nicht in den Rahmen der Präsenzstunden fällt)

Studierenden erwerben die Anrechnungspunkte erst mit der positiven Absolvierung der zugehörigen Prüfung(en).

 Berechnung von ECTS-AP

Abstrakt:

1 Präsenzstunden á 45 Minuten, ein Semester á 15 Wochen à 1 x 0,75 x 15 = 11,25 Stunden
+ Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit; diese differiert auch nach Art der Lehrveranstaltung, jedenfalls steht sie aber in direktem Zusammenhang mit der Beschreibung der Lehrveranstaltung (Lernziel, Lerninhalt) vgl. Curriculum.
+ Prüfungsvorbereitung(en)
= X Stunden / 25 ~ ECTS-AP

Beispiel:

Lehrveranstaltung mit immanentem Prüfungscharakter, 2 SSt2, mehrere Leistungsüberprüfungen:

22,5 Stunden Präsenzzeit (2 x 0,75 x 15)
22,5 Stunden Vor- und Nachbereitung
15 Stunden Vorbereitung auf Leistungsüberprüfungen
= 60 Stunden / 25 = 2,4 ~ 2,5 ECTS-AP

Vorgaben Satzungsteil, Studienrechtliche Bestimmungen3 (Auszüge):

„(…) Die gemäß § 54 UG4 eingerichteten ordentlichen Studien sowie die Universitätslehrgänge sind in Module zu gliedern. (…). Module sind thematische Einheiten, die 2,5 vorzugsweise 5 ECTS-AP oder ein Vielfaches davon umfassen (…). Ein Modul erstreckt sich in der Regel über ein Semester; ausnahmsweise kann es sich über mehrere Semester erstrecken. (…)

(…) Name, Umfang, inhaltliche Bezeichnung und kurz gefasste Beschreibung der Lernziele der Modul sind in den Curricula festzulegen. (…) Module haben mehrere Lehrveranstaltungen zu umfassen. In besonders begründeten Fällen kann ein Modul aus nur einer Lehrveranstaltung bestehen. (…) Titel, Art, und Umfang der Lehrveranstaltungen sind in den Curricula festzulegen, wobei die ECTS-AP in Schritten von 1, in begründeten Ausnahmefällen von 0,5 zuzuteilen sind (…).“

Empfehlungen der nationalen Bologna Follow Up Gruppe5 (Auszug):

„(…) Der europäische Mittelwert für Module bzw. deren Größen entspricht in etwa 6 oder 5 ECTS-AP, d.h. pro Semester 5x6 = 30 ECTS-AP (…)“

1European Credit Transfer System - Anrechnungspunkte

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Anerkennung von Lernerfahrungen

Erfahrungen mit Mobilitätsprogrammen haben gezeigt, dass eine transparente und faire Anerkennung von Lernerfahrungen ein wesentliches Kriterium für die Anziehungskraft europäischer Hochschulen darstellt und Motor für die Weiterentwicklung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes sein kann.  Bereits 1988 wurde im Rahmen der Magna Charta der Universitäten die Idee eines gemeinsamen Hochschulraumes diskutiert. 1997 kam die Idee eines gemeinsamen europäischen Studienraums in der „Lissabon Konvention“ bzw. im „Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europ. Region (Europarat / UNESCO 1997)“ zum Ausdruck. Ins Rollen kam diese Idee aber erst mit dem „Bologna-Prozess(vgl. Bologna Erklärung 1999).

 Zusätzliche Informationen zur Anerkennung von Vorleistungen finden Sie hier.

 Anerkennung von Prüfungen

Gemäß § 78 Abs. 1 UG (Universitätsgesetz 2002) sind positiv beurteilte Prüfungen, die ordentliche Studierende an einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung, einer berufsbildenden höheren Schule, einer Höheren Anstalt für Lehrer- und Erzieherbildung, in Studien an anerkannten inländischen Bildungseinrichtungen, deren Zugang die allgemeine Universitätsreife erfordert, oder in einem Lehrgang universitären Charakters abgelegt haben, sowie positiv beurteilte Prüfungen aus künstlerischen und künstlerisch-wissenschaftlichen Fächern, die von ordentlichen Studierenden an Musikgymnasien bzw. an Musischen Gymnasien abgelegt wurden, auf Antrag der oder des ordentlichen Studierenden vom für die studienrechtlichen Angelegenheiten zuständigen Organ bescheidmäßig anzuerkennen, soweit sie den im Curriculum vorgeschriebenen Prüfungen gleichwertig sind. Die an einer inländischen Universität oder an einer Universität der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes für ein Fach abgelegten Prüfungen sind für das gleiche Fach im weiteren Studium desselben Studiums an einer anderen inländischen Universität jedenfalls anzuerkennen, wenn die ECTS-Anrechnungspunkte gleich sind oder nur geringfügig abweichen. Solche Anerkennungen können im Curriculum generell festgelegt werden. Die Anerkennung von Prüfungen, die entgegen der Bestimmungen des § 63 Abs. 8 und 9 UG an einer anderen Universität abgelegt wurden, ist ausgeschlossen.

Gemäß § 78 Abs 2 UG sind die an österreichischen Konservatorien mit Öffentlichkeitsrecht abgelegten Prüfungen auf Antrag der oder des ordentlichen Studierenden bescheidmäßig anzuerkennen, soweit sie den im Curriculum vorgeschriebenen Prüfungen gleichwertig sind. Solche Anerkennungen können im Curriculum generell festgelegt werden.

 Ablauf Anerkennung von Prüfungen inkl. Mobilitätsprogramme

Gemäß § 78 Abs. 5 UG ist auf Antrag ordentlicher Studierender, die Teile ihres Studiums im Ausland durchführen wollen, bescheidmäßig festzustellen, welche der geplanten Prüfungen den im Curriculum vorgeschriebenen Prüfungen gleichwertig sind. Die für die Beurteilung notwendigen Unterlagen sind von der Antragstellerin oder dem Antragsteller vorzulegen.

 Anerkennung von „vorherigen Lernerfahrungen“ (recognition of prior learning)

Die gesetzliche Regelung des Hochschulzugangs in Österreich sieht eine formale Qualifikation (Matura) vor. Für Studieninteressierte ohne Matura wurden die Möglichkeiten der Berufsreifeprüfung und der Studienberechtigungsprüfung geschaffen, die beide als Anerkennung von „vorherigem Lernen“ (recognition of prior learning) gesehen werden können.

Anerkennung von Vorleistungen für BHS-AbsolventenInnen in Tirol: Die Ausbildung an Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) sowie an Höheren Anstalten der Lehrer- und Erzieherbildung dauert fünf Jahre. Somit verfügen diese Schulen im Vergleich zu den vier Jahre dauernden Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) gemäß der „International Standard Classification of Education“ über einen höheren Bildungsstandard. AbsolventInnen der BHS profitieren von dieser längeren Ausbildungszeit, indem sie sich für gewisse Studienrichtungen bereits ECTS anrechnen lassen können. Weitere Informationen zu den Anerkennungsmöglichkeiten nach einem BHS-Abschluss finden Sie hier.

 Berufsreifeprüfung

Die Berufsreifeprüfung wird als der Matura gleichwertig gesehen; damit berechtigt eine positiv abgelegte Berufsreifeprüfung zum Studium an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen.

 Bundesgesetz über die Berufsreifeprüfung

 Studienberechtigungsprüfung

Für Studieninteressierte, die mindestens 20 Jahre alt sind und die   eine  eindeutig über die Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht  hinausgehende erfolgreiche berufliche oder außerberufliche  Vorbildung für das angestrebte Studium nachweisen ist es möglich, Zugang zu  diesem Studium zu erlangen. Neben  einem Aufsatz über ein allgemeines Thema müssen Studieninteressierte drei weitere fachbezogene Prüfungen ablegen, die in Verbindung zu ihrem an der Universität  angestrebten Studium stehen. Die positive Absolvierung der Studienberechtigungsprüfung bedeutet also eine „eingeschränkte“ Studienberechtigung.

 Verordnung des Rektorats über die Studienberechtigungsprüfung gemäß § 64a UG

 Informationsseite Studienberechtigungsprüfung

 Anerkennung von non formal und / oder informell erworbenen Lernerfahrungen

Die Möglichkeiten der Universität für die Anerkennung von non formal und / oder informell erworbenen Lernerfahrungen sind stark eingeschränkt.

Ergänzungsprüfung

Ergänzungsprüfungen sind die Prüfungen zur Erlangung der allgemeinen Universitätsreife oder für den Nachweis der Kenntnis der deutschen Sprache oder der körperlich-motorischen Eignung.

 Beispiel Ergänzungsprüfung sportmotorische Eignung

Wissenschatliche Tätigkeiten

Eine Anerkennung von wissenschaftlichen Tätigkeiten in Betrieben oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die eine wissenschaftliche Berufsvorbildung vermitteln können ist gemäß § 78 Abs. 4 UG möglich.

Universitäre Weiterbildung

Im Weiterbildungsbereich (außerordentliche Studien) der Universität kann eine Anerkennung von non formal und / oder informell erworbenen Lernerfahrungen (beispielsweise eine einschlägige Berufserfahrung) im Rahmen der Zulassungsbestimmungen festgeschrieben werden.

 Zur universitären Weiterbildung

Für die Anerkennung weiterer non formaler und / oder informell erworbener Lernerfahrungen durch die Universität fehlt zurzeit die rechtliche Grundlage.


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Ergänzung: Durchlässigkeit

Im Rahmen des (nationalen) tertiären Bildungssektors ist die (vertikale) „Durchlässigkeit“ der einzelnen (tertiären Bildungs-)Sektoren im Wesentlichen von den für die Überprüfung der Gleichwertigkeit und der fachlichen Eignung herangezogenen Kriterien und deren Beurteilung abhängig. Das Rektorat, an der Universität Innsbruck konkret die oder der Vizerektor/Vizerektorin für Lehre und Studierende als zuständiges Rektoratsmitglied, ist für die Zulassung zu Studien zuständig. Mit der Überprüfung der gesetzlichen Voraussetzungen werden von ihr oder ihm fachlich geeignete Personen (in der Regel Studiendekaninnen oder Studiendekane) beauftragt. Die ausführende Abteilung ist die Studienabteilung.

Zur Überprüfung werden neben offiziellen Zeugnissen (Nachweis über die allgemeine Universitätsreife, Nachweis über den erworbenen akademischen Grad) auch auf nachfolgende (Transparenz-)Instrumente des Bolognaprozesses zurückgegriffen:

  • Diploma Supplement(inkl. transcript of records)
    • Aufstellung ECTS-Anrechnungspunkte
    • Lernzielformulierung (learning outcomes)

Prüfung der Gleichwertigkeit, Gesetzliche Grundlagen, rechtlicher Rahmen

 Nachweis der allgemeinen Universitätsreife für die Zulassung zu Doktoratsstudien

Gemäß § 64 Abs. 4 UG (Universitätsgesetz 2002) gilt der Nachweis der allgemeinen Universitätsreife für die Zulassung zu Doktoratsstudien jedenfalls durch den Nachweis des Abschlusses eines fachlich in Frage kommenden Diplomstudiums oder Masterstudiums, eines fachlich in Frage kommenden Fachhochschul-Diplomstudienganges oder Fachhochschul-Masterstudienganges gemäß § 5 Abs. 3 Fachhochschul-Studiengesetz, oder eines anderen gleichwertigen Studiums an einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung als erbracht.

Wenn die Gleichwertigkeit grundsätzlich gegeben ist und nur einzelne Ergänzungen auf die volle Gleichwertigkeit fehlen, ist das Rektorat berechtigt, die Feststellung der Gleichwertigkeit mit der Auflage von Prüfungen zu verbinden.

 Nachweis der allgemeinen Universitätsreife für die Zulassung zu Masterstudien

Gemäß § 64 Abs. 5 UG setzt die Zulassung zu einem Masterstudium den Abschluss eines fachlich in Frage kommenden Bachelorstudiums oder eines fachlich in Frage kommenden Fachhochschul-Bachelorstudienganges oder eines anderen gleichwertigen Studiums an einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung voraus. Wenn die Gleichwertigkeit grundsätzlich gegeben ist und nur einzelne Ergänzungen auf die volle Gleichwertigkeit fehlen, ist das Rektorat berechtigt, die Feststellung der Gleichwertigkeit mit der Auflage von Prüfungen zu verbinden, die während des jeweiligen Masterstudiums abzulegen sind.

Der Nachweis der allgemeinen Universitätsreife gilt durch den Nachweis dieser Zulassungsvoraussetzung jedenfalls als erbracht.


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