Seit 1. September 2026 ist Andree Burke am Institut für Praktische Theologie Universitätsprofessor für Pastoraltheologie und Homiletik. Er war zuvor Leiter der „Pastoralen Dienststelle“ („Seelsorgeamt“) im Erzbistum Hamburg. Im Sommer 2025 übersiedelte er mit seiner Familie nach Innsbruck und startete mit viel Elan und neuen Ideen am Institut. Unsere Studentinnen und Studenten konnten ihn im vergangenen Wintersemester bereits in Vorlesungen und Seminaren sowie im USG Pastoral kennenlernen. Für die Leserinnen und Lesern des Newsletters stellt er sich hier vor.
Lieber Professor Burke, lieber Andree, zunächst: Herzlich willkommen an unserer Fakultät! Ich starte mit der Bitte, dass Du Dich den Leserinnen und Lesern des Newsletters mit ein paar Worten zu Deiner Person vorstellst.
Vielleicht darf ich als Erstes einfach sagen: Ich bin gerne Theologe. Mich hat die Theologie schon früh in ihren Bann gezogen und bis heute nicht losgelassen. Eher im Gegenteil.
Deshalb freue ich mich sehr darüber, nach einigen guten und lehrreichen Jahren im Erzbistum Hamburg, nach der Promotion in Münster und der Habilitation in Tübingen jetzt hier an der Katholisch-Theologischen Fakultät aus der Perspektive meines Faches an einer diskurs- und gegenwartsfähigen Theologie auf höchstem akademischem Niveau mitarbeiten zu dürfen.
Was begeistert Dich am Fach Pastoraltheologie?
Mich bewegt immer wieder das Zusammenlegen von Erkenntnissen aus verschiedenen theologischen Disziplinen, seien es etwa Erkenntnisse zur biblischen Offenbarung, zur Geschichte der Theologie und der Kirche, des systematischen Nachdenkens über Gott, Welt und Mensch oder mittels der Reflexion praktischer Vollzüge als theologiegenerativer Orte. Die Perspektiven gehören am Ende für mich zusammen. Die Pastoraltheologie ist auch deshalb „mein“ Fach geworden. Sie versucht explizit, das Ganze der Theologie im Blick zu halten und zeigt sich dabei als besonders kooperations- und netzwerkfreudig.
Daneben reizt mich an der Pastoraltheologie aber auch, dass sie sich, angelehnt an eine Formulierung von Rainer Bucher, dem Risko der Gegenwart zu stellen wagt. Pastoraltheologie setzt sich unabgeschlossenen Prozessen aus und ist allein deshalb schon ein riskantes Unternehmen, das nicht immer geradlinig und nach Plan verläuft. Mich reizt das. Und zwar auch deshalb, weil gerade das Unabgeschlossene als Raum des ereignishaften Wirkens Gottes in der Gegenwart entdeckt werden kann. Es geht um das Ringen um Zugänge zum Leben. In diesem Sinne sucht Pastoraltheologie nach Spielräumen – also Räume, in denen Entscheidendes noch aussteht.
Und was sind Deine persönlichen Forschungsschwerpunkte?
„Spielräume“ interessieren mich aktuell auch in meinem Forschen – ich darf mich jetzt im Sommer etwa an einer Vortragsreihe der Forschungsgruppe Game studies hier an der Universität Innsbruck beteiligen und fragen, ob und inwiefern das Spielen Sinn stiftet. Und auch meine Antrittsvorlesung am 15. Juni wird sich auf die „Suche nach Spielraum“ begeben.
Daneben habe ich bis hierher auch in verschiedenen Zusammenhängen am Verständnis des Seelsorgeereignisses gearbeitet und zuletzt vor allem an Fragen der Beruflichkeit in der kirchlichen Pastoral bzw. an der Notwendigkeit, neue Vorstellungen von Professionalität in der kirchlichen Pastoral zu etablieren. Nicht zuletzt arbeiten wir aktuell am Institut für Praktische Theologie in einer kleinen Arbeitsgruppe zum Thema „Predigt und KI“.
Was ist Dir in Deinen Lehrveranstaltungen und in der Arbeit mit den Studierenden besonders wichtig?
Ich bin dankbar dafür, dass ich in meinem ersten Semester hier an der Fakultät schon vielen ganz aufgeschlossenen und begabten Studierenden begegnen durfte, die sich mit meinem Ansatz von Pastoraltheologie auseinandersetzen mögen. In der Lehre ist mir dabei ganz im Sinne meines Verständnisses von Pastoraltheologie wichtig, den Dialog über gegenwärtige Themen und Entwicklungen zu eröffnen und dabei Praxiserfahrungen einzubeziehen.
Mein Ziel ist es, in der Lehre nicht nur fertiges Wissen weiterzugeben, sondern vor allem auch dazu anzuregen, eigene Interessen zu entdecken und miteinander ins Denken zu kommen. Mir ist klar, dass das anspruchsvoller ist als das bloße Auswendiglernen von Theoremen. Aber gerade das erscheint mir als eines der größten Potenziale des Theologiestudiums in dieser Zeit. Eine gute Theologin oder ein guter Theologe zeichnet sich für mich nicht nur durch das aus, was sie oder er weiß, sondern vor allem dadurch, dass sie oder er eine Persönlichkeit ist, die unter Rückgriff auf theologische Ressourcen eigenständig und begründet Position beziehen kann. Das wird immer wichtiger.
Du bist mit Deiner Familie von der Nordseeküste in die Berge nach Tirol gezogen. Was hast Du von Tirol schon kennengelernt, was ist Dein erster Eindruck und der größte Unterschied?
Wir haben als Familie „Land und Leute“, die Stadt Innsbruck und die Tiroler Mentalität ganz schnell schätzen gelernt. Und wir lernen sie Woche für Woche besser kennen. Ich bin vor allem sehr dankbar für den warmen Empfang hier am Institut für Praktische Theologie, für viele kollegiale Tipps und Hinweise, die sich weit über das Berufliche hinaus erstreckt und uns das Ankommen leicht gemacht haben.
Natürlich ist so manches in Tirol anders als in Hamburg. Ganz offensichtlich wird für mich etwa immer wieder, dass Innsbruck die „Stadt der kurzen Wege“ ist. Was in Hamburg als kurzer Arbeitsweg galt, reicht in Innsbruck, um vom einen bis an das andere Ende der Stadt zu gelangen. Und inmitten der Alpen zu wohnen, ist natürlich auch anders als zwischen Elbe und Alster.
Aber ehrlich gesagt wäre es mir wichtiger, als kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten, die kreativen Potenziale ihrer Abstände zu betonen. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Situationen in Europa, aber auch mit Blick auf die globale politische Situation erscheint es mir als eine sehr wichtige, auch theologische Herausforderung in den Zeichen der Zeit, aus den Unterschieden Abstände zu machen, innerhalb derer man etwas entdecken und schätzen lernen kann.
Das Interview mit Andree Burke führte Johannes Panhofer.
