Besuch eines befreiungstheologischen Praktikers
Luis Zambrano, peruanischer Seelsorger und Dichter, konnte am 10. November 2025 danke einer Initiative von Michael Plangger von der KMB an der Katholisch-Theologischen Fakultät begrüßt werden. Zambrano wurde wenige Tage später in Graz mit dem Romero-Menschrechtspreis der Katholischen Männerbewegung 2025 ausgezeichnet und besuchte daher Österreich. Es war ihm ein Anliegen auch nach Innsbruck zu kommen, wo 1978 sein Diplomstudium in Theologie mit einer Arbeit bei H. B. Mayer SJ über Eucharistie und die Verantwortung für die Armen abschloss. Zambrano ist Alt-Canisianer und freute sich besonders, Menschen wiedersehen zu können, die er damals im Rahmen des Studiums und im Umfeld des Jesuitenkollegs kennengelernt hatte. Nach seiner Innsbrucker Zeit promovierte der 1946 in Peru geborene Priester in Tübingen. Seit den 1980er-Jahren ist Zambrano in den Gemeinden Puno und Juliaca am Titicacasee im peruanischen Hochland tätig. Dort kämpft er für und mit der indigenen Bevölkerung um ihre Rechte. Zambrano und sein Begleiter, der als Laie mit ihm in der Pastoral tätig ist, berichteten davon, wie herausfordernd und gefährlich diese Tätigkeit sein kann. Erst Anfang 2023 wurden friedliche Proteste der Landbevölkerung mit brutaler Polizeigewalt niedergeschlagen. Zambrano sieht es als seine Pflicht, als Priester und Verkünder des Evangeliums an der Seite der Armen zu stehen. Die Option für die Armen, so sagte er im Rahmen eines Austausches an der Fakultät, sei ja nicht von Befreiungstheologen wie Gustavo Gutierrez erfunden worden, sie sei das, was Gott selbst uns aufträgt.
(Wilhelm Guggenberger)
Katholisch-islamische Zusammenarbeit bei der Herlinde-Pissarek-Hudelist-Vorlesung
Unter der Anwesenheit von Studierenden, Gästen, Kolleg:innen und Familie sowie Freunden von Herlinde Pissarek-Hudelist fand am 20. November 2025 zum 10. Mal die Vorlesung zu Ehren der ehemaligen Dekanin und Professorin für Katechetik und Religionspädagogik statt. Thema des Vortrags war der Beitrag der Naturalisierung von Geschlechterstereotypen zu deren Beständigkeit im kulturellen Diskurs. Während Jadranka Rebeka Anić dies aus katholisch-theologischer Sicht beleuchtete, veranschaulichte Zilka Spahić Šiljak dies aus muslimischer Perspektive. Beide Referentinnen sprachen sich vehement für die Verschränkung von säkularem und religiösem Diskurs in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit aus.
Die Vorlesung gab zudem den beiden Sprecherinnen von Sophia forscht, Sigrid Şirin Moser und Gertraud Ladner, die Gelegenheit die Zusammenarbeit von muslimischen und katholischen Wissenschaftlerinnen einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.
Am Folgetag vertieften die Wissenschaftlerinnen von Sophia forscht das Thema in einem interreligiösen Workshop zum Stand der Kontroversen um Gender in den Religionsgemeinschaften. Die 10. Herlinde-Pissarek-Hudelist-Vorlesung kann auf online nachgesehen werden.
(Gertraud Ladner)
9. Religionspolitologisches Forum
Das Ergebnis von zwei intensiven Diskussionstagen war ernüchternd und aufschlussreich zugleich: Anti-Gender-Kampagnen sind keine spontanen kulturellen Reaktionen, sondern sorgfältig orchestrierte Strategien zur Festigung autoritärer Macht. Dieses System funktioniert auf drei miteinander verbundenen Ebenen: strukturelle patriarchalische Ordnungen, die die Grundlage für Anti-Gender-Narrative bilden, religiöse Netzwerke, die moralische Legitimität und transnationale Infrastruktur bieten, und metapolitische Subkulturen, die diese Ideen normalisieren, bevor sie überhaupt in die formale Politik Einzug halten. In dieser Konfiguration fungiert „Geschlecht“ als symbolischer Klebstoff, der soziale Ängste verdichtet und autokratische Projekte legitimiert, indem er in unsicheren Zeiten moralische Gewissheit verspricht. Anti-Gender-Rhetorik kann durch religiöse Sprache über „Familienwerte“ und „Kinderschutz“, durch nationalistische Rahmenkonzepte zur Verteidigung der Zivilisation oder durch scheinbar säkulare Bedenken über die „biologische Realität“ eingesetzt werden. Was dabei konstant bleibt, ist das zugrunde liegende Ziel: Körper zu kontrollieren, Freiheiten einzuschränken und Hierarchien zu stabilisieren, die durch den demokratischen Pluralismus bedroht sind.
(Katerina Koci und Dietmar Regensburger)
Mitgestaltung der fachdidaktischen Vortragsreihe „Didaktik am Abend“
Im vergangenen Wintersemester 2025/26 gestaltete der Fachbereich Katechetik/Religionspädagogik und Religionsdidaktik die fachdidaktische Vortragsreihe „Didaktik am Abend“ mit, die vom Institut für Fachdidaktik der Fakultät für LehrerInnenbildung veranstaltet wird. Diese Vortragsreihe, die aktuell räumlich im Geiwi-Turm verortet ist, wird von den verschiedenen fachdidaktischen Disziplinen verantwortet.
Als Vortragender für Montag, 26. Jänner 2026 – den abschließenden Termin im Wintersemester –, konnte erfreulicherweise Hans Mendl, Professor für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts am Department für Katholische Theologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Passau, gewonnen werden.
Hans Mendl widmete sich in seinen Ausführungen dem Thema: #Heroesnextdoor. Das didaktische Potenzial von Held:innen des Alltags und Sinnfluencer:innen.
Dabei stellte er didaktische Möglichkeiten vor, Kinder und Jugendliche mit Personen aus dem Nahbereich oder mit Sinnfluencer:innen, die sich in digitalen Formen für nachhaltige Projekte einsetzen, in Kontakt zu bringen. Dadurch werden die Heranwachsenden angeregt, die präsentierten Personen und deren Anliegen zu diskutieren und so die eigenen Vorstellungen eines guten und verantwortbaren Lebens auszuloten.
Es waren spannende, sehr konkrete Überlegungen, die Hans Mendl in seinem Vortrag präsentierte, die die erfreulicherweise zahlreich erschienenen Studierenden und Lehrenden quer durch die verschiedenen fachdidaktischen Disziplinen zu regem Mit- und Weiterdenken in einem lebendigen Austausch anregten.
(Karin Peter)
Die Fakultät beim TheoTag und beim Theo-Forum
Fast 300 Schülerinnen und Schüler konnte der TheoTag der Diözese Innsbruck am 5. Februar 2026 im Haus der Begegnung begrüßen. Gleichzeitig fand in Vorarlberg das ebenfalls sehr gut besuchte Theo-Forum der Diözese Feldkirch statt.
Beide Veranstaltungen informieren Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Schulstufe aller Schulformen in abwechslungsreichem Rahmen über kirchliche und kirchennahe Berufe sowie über Studienmöglichkeiten an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein und an unserer Fakultät.
An beiden Veranstaltungen boten unsere Wissenschaftler:innen Einblick in ihre Forschungen. In Innsbruck bot Andrew Doole vom Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie in bewährter Weise einen Workshop unter dem Titel „Jesus Memes“ an und gab Einblicke in bibelwissenschaftliche Forschungsmethoden und Befunde. Maria Juen vom Institut für Praktische Theologie stellte ihren Workshop unter den Titel „Von Regenbogentor und Gottestür: Wie Religionspädagog:innen die Himmelsvorstellung von Kindern erforschen“ und präsentierte damit zugleich die Möglichkeit religionspädagogischer Studien. Daniel Wehinger vom Institut für Christliche Philosophie fragte in seinem Workshop „Kann man sich Liebe verdienen?“ und erschloss damit Zugänge zu unseren Philosophiestudien. Claire Geyer betreute in Innsbruck den Fakultätsstand auf dem „Markt der Möglichkeiten“ und bot die Gelegenheit, über die Universität Innsbruck und die Studienmöglichkeiten an unserer Fakultät näher ins Gespräch zu kommen.
In Vorarlberg stellte Winfried Löffler mit „Gott. Beweisbar? Eher nicht. Glaubwürdig? Ja!“ die Frage nach Gottesbeweisen. Und Sabine Konrad stellte sich mit „Aber Gott will es so! Wenn Politiker:innen und Influencer:innen mit dem Glauben Stimmung machen: Wie erkenne ich, was richtig ist?“ einer Frage, mit der sich nicht nur Jugendliche auseinandersetzen müssen.
Unsere Fakultät beteiligt sich seit vielen Jahren am TheoTag und am Theo-Forum und wird auch in Zukunft gerne weiter dabei sein!
(Liborius Lumma)





