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Verknüpfte Analyse von Mehrsprachigkeiten am Beispiel der Universität Salzburg (VAMUS)

Die aktuelle gesamtgesellschaftliche Situation ist vor dem Hintergrund von Migrationsprozessen, (Bildungs-)Mobilität und Globalisierung geprägt von vielfältigen Formen der Mehrsprachigkeit (u.a. innere und äußere Mehrsprachigkeit). Während diese Formen der Mehrsprachigkeit im täglichen Leben fest miteinander verwoben sind, werden sie in der Forschung zumeist getrennt behandelt. An diesem Punkt setzt das Projekt „VAMUS“ an, indem es die jeweiligen Perspektiven auf Mehrsprachigkeit synoptisch zusammenführt und einen verstärkten Austausch bisher getrennter Forschungsrichtungen initiiert.

Dieser innovative Ansatz soll am Beispiel der Universität Salzburg Anwendung finden: Als international orientierte Bildungseinrichtung spielt die äußere Mehrsprachigkeit an der Universität eine zentrale Rolle (u.a. Studierenden- und Lehrendenmobilität; Englisch als Wissenschaftssprache und z.T. als lingua franca). Gleichzeitig ist die Universität eine regional fest verankerte Institution, an der DialektsprecherInnen aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet ebenso wie Personen aus dem gesamten deutschen Sprachraum (hier kommen die Formen der inneren Mehrsprachigkeit zum Tragen) und international mobile Menschen mit anderen Erstsprachen als Deutsch aufeinandertreffen, und zwar als Studierende, Forschende und in der Verwaltung.

Ziel des Forschungsprojekts „VAMUS“ ist es denn auch, diese drei Gruppen in ihren Sprachattitüden, -einschätzungen sowie Selbsteinschätzungen sprachlichen Handelns und sprachlicher Entwicklung zu erfassen und zu analysieren, um ein klares und diastratisch differenziertes Bild von Funktionen und Entwicklung der Mehrsprachigkeit an der Institution Universität zu gewinnen. Dies soll u.a. dazu führen, dass regional und international mobile Lehrende und Studierende gezielter angesprochen und ggf. unterstützt werden können, dass die Verwendung von Sprache(n) in Wissenschaft und universitärer Verwaltung kritischer reflektiert werden.

Zu diesem Zweck wurde in den drei Gruppen der Studierenden und Lehrenden (jeweils mit Unterscheidung der kultur-und-gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen und juridischen Fakultät) sowie des Verwaltungspersonals eine breit angelegte Online-Fragebogen-Enquete durchgeführt. Aufgrund der hohen Rücklaufquote (ca. 5% der Studierenden, 10% der Lehrenden und 20% des Verwaltungspersonals der Universität Salzburg) konnten Daten von über 1.200 SprecherInnen gewonnen werden. Dieses Material wurde zur qualitativen Vertiefung durch 120 leitfadengestützte Einzelinterviews mit Studierenden, Lehrenden und Personen aus der Verwaltung im Umfang von jeweils ca. 30–90 Minuten ergänzt. Die Analyse dieser Daten erfolgt z.Z. quantitativ und qualitativ, erste Ergebnisse in Form von wissenschaftlichen Präsentationen und Veröffentlichungen, aber auch studentischen Abschlussarbeiten liegen bereits vor und zeigen ein facettenreiches Bild der universitären Mehrsprachigkeit und den Einstellungen zu ihr.

Neben diesen Daten mit Selbstaussagen der drei SprecherInnen-Gruppen wurden auch Sprachgebrauchsdaten in Form von 20 Video- und Audioaufnahmen von unterschiedlichen Lehrveranstaltungstypen und Servicegesprächen erhoben. Sie dienen der Dokumentation des tatsächlichen sprachlichen Verhaltens an der Universität ebenso wie sie den anderen Datentypen kontrastiv zur Seite gestellt werden können. Auch diese Daten wurden und werden z.Z. quantitativ und qualitativ ausgewertet.

Ein eigenes Subkorpus bilden 19 Leitfadeninterviews mit universitären EntscheidungsträgerInnen sowie schriftliches Datenmaterial zur Sprachenpolitik an der Universität. Dieser Datentyp wurde als einziger zusätzlich auch universitätsübergreifend an den Universitäten Bozen, Innsbruck und Wien erhoben, um einen Vergleich zwischen diesen Universitäten zu ermöglichen und einen umfassenden Blick auf die sprachpolitischen Entscheidungen und Rahmenbedingungen hinsichtlich universitärer Mehrsprachigkeit zu gewährleisten.