11. Mai 1945: Prominente Geiseln aus deutschen Konzentrationslagern am Pragser Wildsee

In den ersten Nachkriegstagen erregten einige spektakuläre Ereignisse die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die bekannteste Begebenheit war wohl die Befreiung prominenter ehemaliger Häftlinge aus deutschen Konzentrationslagern (KZ) am Pragser Wildsee.
Prominente Geiseln Pragser Wildsee
(Credit: ARCH & APC MP, National Archives, Washington DC, RG 111: Accession III-NAV-210)

Die Ankunft der prominenten und politischen Flüchtlinge mit dem Flugzeug in Neapel. Unter ihnen Pastor Martin Niemoeller, Kurt von Schuschnigg und Fritz Thyssen. Die ehemaligen Gefangenen steigen in wartende Autos. In den ersten Nachkriegstagen erregten einige spektakuläre Ereignisse die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die bekannteste Begebenheit war wohl die Befreiung prominenter ehemaliger Häftlinge aus deutschen Konzentrationslagern (KZ) am Pragser Wildsee. Bereits ab März 1945 wurden in den KZs prominente Insassen sowie ehemalige in Ungnade gefallene NS-Größen, so genannte „Sippenhäftlinge“ und ehemalige, in Ungnade gefallene hohe Funktionäre und Weggefährten Hitlers unter der Kategorie „Prominente und führende Persönlichkeiten“ gesammelt. In den letzten Apriltagen wurden diese Sippen- und Sonderhäftlinge, insgesamt 139 Personen, in mehreren Transporten von Dachau nach Innsbruck ins Lager Reichenau gebracht. Am 27. April starteten sie von dort in Richtung Südtirol, in den Morgenstunden des nächsten Tages blieben sie an einer Kreuzung vor Niederdorf im Pustertal stehen. Sie wurden danach ins Hotel Pragser Wildsee verbracht, ihre SS-Bewachung durch einen Wehrmachtstrupp ersetzt. In den frühen Morgenstunden des 4. Mai wurden US-Einheiten angewiesen, die Geiseln zu befreien. Da sie die 150 Personen am See in Sicherheit vorfanden, blieb lediglich die Aufgabe, die vier deutschen Wehrmachtsoffiziere und ihre 137 Männer zu entwaffnen und den Weitertransport der Prominenten zu organisieren. Zwischen 8. und 10. Mai wurden sie Neapel zur Befragung gebracht. Unter ihnen befanden sich beispielsweise der letzte österreichische Bundeskanzler vor dem Anschluss, Kurt von Schuschnigg, Prinz Leopold von Preussen, der ungarische Ministerpräsident Miklós Kállay, der ehemalige französische Ministerpräsident Léon Blum, der Neffe des britischen Premierministers, Jack Churchill, und der Neffe des sowjetischen Außenministers, Vassilij Kokorin Molotov. Die nach dem Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 verhafteten Mitglieder der Familien Stauffenberg, Goerdeler, Gisevius und Hammerstein-Ecquord und verschiedene Personen aus dem Bekanntenkreis der Attentäter sowie auch solche, die sonst in Ungnade gefallen waren, waren ebenfalls unter den Gefangenen.

 

 

(Credit: ARCH & APC MP, National Archives, Washington DC, RG 111: Accession III-NAV-210)

 

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