22. Mai 1945: Afro-amerikanische GIs in Tirol

Unter den US-Truppen, die Tirol befreiten, befanden sich auch afroamerikanische GIs.
Afro GIs
(Credit: National Archives, Office of War Information, 578 PB)

Die US Army hatte bis weit in den Zweiten Weltkrieg an der Segregation afroamerikanischer Soldaten festgehalten und diese vor allem in ungeliebten Service-Einheiten zusammengefasst. Erst in den letzten Kriegsmonaten zerfiel angesichts der zahlreichen Verluste bei den Kämpfen an der Westgrenze Deutschlands und dem Mangel an „manpower“ das System der Segregation. Die Lücken in den Infanteriedivisionen wurden ab Februar 1945 auch mit etwa 5.000 schwarzen Soldaten aufgefüllt.
Panzerjäger des 761st Battalion, die sich „Black Panther“ nannten, verstärkten die Cactus Division ab den Kämpfen an der Siegfried-Linie und bis nach Tirol. Um den Brennerpass möglichst schnell zu erreichen, erhielt das 411th Regiment der Division Ende April zudem Verstärkung durch ein Platoon Panzerjäger des afroamerikanischen 614th Tank Destroyer Battalion.
Die vorherrschende Ansicht, sie seien nicht geeignet für den Frontkampf, widerlegten die afroamerikanischen Soldaten rasch. Das zeigen Berichte von Kommandeuren von Einheiten, die Seite an Seite mit schwarzen Bataillonen kämpften. Aber weder auf Signal-Corps-Fotos noch auf den gesammelten Schnappschüssen der Divisionen in Tirol finden sich afroamerikanische Soldaten. Abordnungen der beiden Bataillone nahmen noch an der Siegesparade am 9. Mai in Innsbruck teil. Besatzungspflichten wurden ihnen jedoch keine zugeteilt. Sie kehrten zu ihren Stammverbänden zurück.
Das undatierte Foto zeigt die Ehrung von afroamerikanischen Sergeants des 761st Tank Battalion mit der Bronze Star Medal bei einer Zeremonie in Steyr (OÖ), „where the Battalion ended operations on May 6, after fighting its way to a junction with the First Ukrainian Army”. Im Bild zu sehen v. l. n. r.: Sgt. Moses Ballard, Sgt. Emory G. Thomas, Sgt. Ivery Fox.
Eigene Erfahrungen des gemeinsamen Kampfes, die rassistische Vorurteile entkräften konnten, machten vergleichsweise wenige weiße GIs. Dennoch traten viele Veteranen für ein Ende der rassistischen Segregation in Armee und Gesellschaft ein. Nach der Befreiung der rassistisch Verfolgten in Europa schob die moralische Kriegsführung gegen die Nazis auch den antirassistischen Kampf des Civil Rights Movement in den USA an.

 

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