News 2008

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50 Tage Probenmarathon an der Donau –
Daten für die Zukunft eines Flusses und seiner Bewohner

Joint Danube Survey 2 Team, Probenahme in der Donau, zwei der drei Forschungsschiffe, Fotos: JDS2

Joint Danube Survey 2 Team, Probenahme in der Donau, zwei der drei Forschungsschiffe, Fotos: JDS2

Im September 2007 endete die größte, in diesem Jahr durchgeführte, wissenschaftliche Flussuntersuchung der Welt in Tulcea, Rumänien. Im sogenannten „Joint Danube Survey 2 (JDS2)“ starteten Mitte August drei Schiffe gleichzeitig von Regensburg in Deutschland um die 2375km lange Strecke der Donau bis zum Delta in 50 Tagen zu beproben. Die Auswertung der enormen Datenmengen aus 124 ausgewählten Probenstellen der Donau und ihrer Zubringer wird die Wissenschafter, unter ihnen den Algenökologe Prof. Martin Dokulil, vom Institut für Limnologie (ÖAW) in Mondsee, bis Ende des Sommers 2008 beschäftigen.

Ziel dieses Projekts war es vergleichbare und seriöse Informationen über die Wasserqualität der gesamten Donau und vieler ihrer Hauptzuflüsse zu erhalten. Diese Daten sind für die Umsetzung der Donauschutzkonvention, die im Jahr 1994 von den Donaustaaten unterzeichnet wurde, sowie der EU Wasserrahmenrichtlinie, die vermutlich die stärkste Wassergesetzgebung der Welt darstellt, von essentieller Bedeutung.

In die umfangreiche Beprobung, welche vom Sekretariat der IKSD in Österreich (Internationale Kommission zum Schutz der Donau) organisiert wurde und mehr als eine Million Euro kostete, sind 18 Wissenschafter involviert, die von zahlreichen anderen Wissenschaftern aus den betroffenen Donaustaaten unterstützt werden. Die IKSD ist eine internationale Organisation, die im Jahr 1998 gegründet wurde und aus den EU Staaten und 13 kooperierenden Ländern besteht. Mittlerweile hat sich die Kommission zu einer der größten internationalen Körperschaften im Bereich des  Flussgebietsmanagements entwickelt.

Im Rahmen der JDS2 wurden Wasser- und Sedimentproben sowie Muscheln und Fische  gesammelt und zum Teil noch an Bord der Schiffe getestet bzw. untersucht. Viele Proben wurden an Speziallabors in ganz Europa weitergeleitet und dort hinsichtlich toxischer Pestizide, Medikamente, Schwermetalle und Bakterien analysiert. Die finanziellen Mittel wurden sowohl von den Donaustaaten als auch der Europäischen Union und der Privatwirtschaft zur Verfügung gestellt.

Die Wissenschafter konnten verschiedene vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zum ersten Mal in den nationalen Abschnitten der Donau nachweisen. So war zum Beispiel der Wasserschlauch Utricularia, eine „fleischfressende“ Wasserpflanze, bisher für die Donau der Slowakei noch gar nicht bekannt gewesen und die, im 20. Jahrhundert in der Donau aufgrund der Wasserverschmutzung, verschwundenen Eintagsfliegen konnten in enormer Anzahl wiedergefunden werden. Neben der Erhebung der chemischen, biologischen und physikalischen Daten wurden auch mehr als 10,000 Fotografien der Flussstruktur angefertigt um auch hydrologische Daten in die Auswertung einfließen lassen zu können. Ebenso wurden neue Techniken und Technologien im Rahmen dieser wissenschaftlichen Großveranstaltung erfolgreich eingesetzt und getestet. Dazu gehörte auch der Einsatz eines Fluoreszenz­­gerätes, mit dem die photosynthetische Leistung des pflanzlichen Planktons erstmals im gesamten Verlauf der Donau erfaßt werden konnte. Quantitative Erhebungen der Menge des pflanzlichen Planktons über ihre Biomasse bzw. über die Menge an Chlorophyll haben im Vergleich zur ersten Bereisung vor sechs Jahren, einen erheblichen Rückgang und eine entsprechende Verbesserung der Wasserqualität vor allem im mittleren Abschnitt der Donau ergeben. Im Gegensatz zum Hauptstrom weisen allerdings mehrere Zuflüsse der Donau immer noch sehr schlechte Wasserqualität auf. An der Zusammensetzung des Planktons hat sich nur wenig geändert. Erwähnenswert ist hingegen, dass in einem Abschnitt der Donau eine fadenförmige Grünalge (Spirogyra) in Fortpflanzung beobachtet werden konnte, was nur selten vorkommt.

Spirogyra

Spirogyra, Foto: Dokulil, ÖAW Mondsee

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit über den Zustand der Donau und Information über die Aktivitäten der JDS2 Crew war ein weiteres, wichtiges Ziel der Aktion. In Kooperation mit lokalen und nationalen Repräsentanten wurde die Bevölkerung im Rahmen der Kampagne  „Watch your Danube“ in vielen Veranstaltungen im Vorfeld der Beprobungen und bei vielen Stopps während der Beprobungsaktion entlang der Donau informiert. Eine spezielle Webseite veröffentlichte die aktuellen Ergebnisse und die nationalen Medien berichteten in regelmäßigen Abständen.

Am 25. September erreichten die Forschungsschiffe das Ziel des Probenmarathons: das Schwarze Meer. In weiteren sechs Monaten sollen sämtliche Proben analysiert und bewertet und die Ergebnisse den Regierungen der Donauländer übergeben werden. „Die Ministerien werden dann in einer viel besseren Position sein um zu entscheiden welche Maßnahmen bezüglich der Verschmutzung und der anderen Probleme des Donauraumes getroffen werden müssen,“ meint  der IKSD Sekretär Philip Weller, „die endgültigen Ergebnisse werden im nächsten Frühling veröffentlicht.“

Weitere Links:


Mehr Raum für Gewässerforschung am Mondsee

Institut für Limnologie Schaufeln

„vorübergehender Baustopp seit Dezember 2008“ Foto: © PR Limnologie Mondsee

Das 1981 eröffnete Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Mondsee wird mit Mitteln der ÖAW und des Landes OÖ erweitert und neu adaptiert.

Die ÖAW ist Trägerorganisation von 65 Forschungseinrichtungen an 10 Standorten in Österreich. Das Institut für Limnologie stellt das einzige außeruniversitäre Forschungsinstitut in Österreich dar, welches sich die Grundlagenforschung im Gewässerbereich und in der Biodiversitäts- und Ökosystemforschung zur Hauptaufgabe gemacht hat. Wichtige Erkenntnisse im Bereich der mikrobiellen Ökologie, Algen- und Klimaforschung sowie der Zooplankton- und Fischökologie in unseren Seen sind auf Forschungsprojekte des Instituts in Mondsee zurückzuführen. Darüber hinaus ist das Institut auch Sitz von internationalen Ausbildungsprogrammen (IPGL). Seit Eröffnung des Instituts wurden in diesen Master-Studienprogrammen und Fachkursen 422 Wissenschafter aus mehr als 60 Ländern erfolgreich im Master-Studienprogramm und Fachkursen ausgebildet.

Die Zunahme des Personalstandes am Institut für Limnologie von 14, im Eröffnungsjahr 1981, auf heute 40 beschäftigte Personen am Institut für Limnologie, hat einen Ausbau des Forschungsinstituts dringend notwendig gemacht. Die positive Personalentwicklung hat sich vor allem durch die deutliche Zunahme der bewilligten Forschungsprojekte ergeben. So konnten allein im letzten Jahr ca. 1 Mio. € an Drittmittel lukriert und somit zusätzliche Projektmitarbeiter angestellt werden.

Als Baumaßnahmen sind am Standort Mondsee einerseits die straßenseitige Erweiterung des bestehenden Institutsgebäudes, die Aufstockung des Bibliothekstraktes und Anbindung der Bibliothek an das Hauptgebäude sowie der Ausbau des Dachgeschosses vorgesehen.

Während der Umbauphase wird der Forschungsbetrieb in Labors des erst kürzlich in Mondsee eröffneten Technologiezentrums Mondseeland sowie in Büros im Industriegebiet von Mondsee  ausgelagert.

Eröffnung des Technologiezentrum Mondseeland von links nach rechts: BM KR Mierl, LR KR Sigl, DI Gaigg (GF des TechnoZ Mondseeland), LH Dr. Pühringer, Prof. Weisse




Eröffnung des Technologiezentrum Mondseeland von links nach rechts:
BM KR Mierl, LR KR Sigl, DI Gaigg (GF des TechnoZ Mondseeland), LH Dr. Pühringer, Prof. Weisse
© OÖ Landesregierung


Die IPGL-Programme finden vorübergehend im Wassercluster Lunz (NÖ) statt.

http://www.uibk.ac.at/limno
http://www.ipgl.at


Neue Publikationen (Mitarbeiter hervorgehoben) /
new articles published (staff members in bold):

  • Montagnes, D.J.S., Morgan, G., Bissinger, J. E., Atkinson, D. & T. Weisse (2008): Short-term temperature change may impact freshwater carbon flux: a microbial perspective. Global Change Biology 14: 2810-2822 _27.11.08

Lange Nacht der Forschung

Lange Nacht der Forschung Fotos Limnologie: Aufbau»  Stationsbetrieb» Lange Nacht der Forschung Fotos Allgemein »

„Lange Nacht der Forschung“ in Wien: Einblick in die verborgene Vielfalt des Lebens unserer Gewässer Das Institut für Limnologie Mondsee (ÖAW) nimmt am 8. November 2008 an der „Langen Nacht der Forschung“ in Wien teil und präsentiert sich in der Aula der Wissenschaften im 1. Bezirk mehr...

StationIn der Station „Wasserlabor“, des Instituts für Limnologie Mondsee inder Aula der Wissenschaften in Wien, können interessierte Besucher die verborgene Vielfalt des Lebens im Wasser kennenlernen. 

Folgende Themen werden vorgestellt: 

  • Beobachten Sie lebende, winzige Planktonorganismen und andere Lebewesen aus unseren Seen und Flüssen in Aquarium und Mikroskop und erfahren Sie Wissenswertes zur Lebensweise dieser wichtigen Winzlinge unserer Gewässer. 
  • Algenblüten in Gewässern können Toxine enthalten. Ist aufbereitetes Trinkwasser aus diesen Gewässern auch wirklich unbedenklich? Die Forschung beschäftigt sich mit dem Nachweis von unsichtbaren Toxinen im Trinkwasser. Sie als Besucher können mittels einfacher enzymatischer Tests dieses Wasser überprüfen. 
  • Wie arbeiten Gewässerforscher im Freiland? Bekommen Sie einen Einblick in die Arbeitsweise von Gewässerforschern und lassen Sie sich Probenahmegeräte und Methoden demonstrieren. 
  • Der See als Klimadatenbank der Vergangenheit – Bereits vor 6000 Jahren, zur Zeit der Römer und im Mittelalter gab es Wärmephasen, die mit unseren heutigen vergleichbar sind. In der Paläolimnologie lassen sich mittels Sedimentproben Rückschlüsse auf das Klima während der letzten 20.000 Jahre ziehen. 
  • Wie unterscheiden sich Seen von Flüssen? Warum ist für manche Organismen die Wasserströmung lebenswichtig? Wie haben sich die Organismen an die Strömung angepasst ? Welche Organismen zeigen die Gewässergüte in Flüssen und in Seen an ? Wie sauber sind die Gewässer in Österreich ? 
  • Limnomemory und Wassermandalas für Kinder und Junggebliebene 
  • Filme zu gewässerökologischen Themen


Die Präsentation des Institut für Limnologie Mondsee finden Sie:

Wo: Aula der Wissenschaften, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wollzeile 27a, 1010 Wien
   STATION P07

Wann: 16:25 – 24:00 Uhr

Zielgruppe: Besucher jeden Alters

Die Lange Nacht der Forschung am 8. November 2008 findet an 6 Standorten in Österreich statt: Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien und Wr. Neustadt.  Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen präsentieren Wissenswertes von der Grundlagenforschung über die angewandte bis hin zur industriellen Forschung.

Die Lange Nacht der Forschung 2008 wird von drei Bundesministerien getragen:

  • BMVIT - Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (Bundesminister Werner Faymann, Staatssekretärin Christa Kranzl)

  • BMWA - Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (Bundesminister Martin Bartenstein)
  • BMWF - Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (Bundesminister Johannes Hahn)

150 Jahre Fischforschung in Österreich - Rückblick, Standortbestimmung und Ausblick

Veranstaltung zum Jubiläum der Publikation:
Heckel, J. und Kner, R. (1858): Die Süßwasserfische der östreichischen Monarchie. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 388 pp.

Fotos Symposium »

Logo ÖAWNaturhistorisches Museum Wien


Vertreter der wichtigsten, in Österreich tätigen Institutionen, die sich mit ichthyologischer Forschung beschäftigen, geben in Fachvorträgen einen Überblick über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Forschungsaktivitäten. Ergänzt wird das Programm durch Vortragende aus Deutschland und Tschechien sowie einer Podiumsdiskussion mit Vertretern Technischer Büros, von Fischereiverbänden und öffentlicher Institutionen. Als Zielgruppe dieser Veranstaltung sollen nicht nur Wissenschafter, sondern auch Gewässerökologen, Fischereisachverständige und andere interessierte Personen von dieser Veranstaltung angesprochen werden.

Veranstaltungsort: Naturhistorisches Museum Wien, Burgring 7, 1010 Wien

am  23.10.2008         09:00 - 17:00 Uhr
und 24.10.2008         09:00 - 13:00 Uhr

Organisation:
Univ-Doz Dr. Josef Wanzenböck, Dr. Sabine Wanzenböck, Institut für Limnologie Mondsee der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, in Kooperation mit Dr. Ernst Mikschi, Naturhistorisches Museum Wien

Anmeldung und Rückfragen:
Dr. Sabine Wanzenböck, Institut für Limnologie Mondsee, ÖAW, Mondseestrasse 9, 5310 Mondsee,
T ++43(0)6232 3125-48 F ++43(0)6232 3578 E-Mail sabine.wanzenboeck@oeaw.ac.at Teilnahme kostenlos!

Links:  
1) Detailprogramm PDF              
2) Anmeldeformular DOC

Eintrag: 20.8.2008


2008 – Europäisches Jahr des interkulturellen Dialogs, der Dialog mit internationalen Wissenschaftern findet in Mondsee seit mehr als 32 Jahren statt.

Menschen am BootLogo Europäisches Jahr des Interkulturellen Dialogs

IPGL-Programme, Foto: Winkler, ÖAW Mondsee

Die Limnologie ist die Lehre der biologischen Eigenschaften der Binnengewässer, also Seen und Flüssen in ihrem physikalisch-chemischen Umfeld. Diese Wissenschaft untersucht dabei nicht nur die Lebewesen, die in unseren Gewässern vorkommen, sondern auch ihre Wechselbeziehungen untereinander und die Gewässer als Ganzes.

In vielen Ländern der Erde sind Wasser und aquatische Ressourcen limitierende Faktoren für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung und Fachleute im Bereich Gewässerschutz und Gewässermanagement fehlen.

Aus diesem Grund haben sich die Wissenschafter am Institut für Limnologie schon in den 1970er Jahren zum Ziel gesetzt ihr limnologisches Fachwissen zu vermitteln und im Gegenzug von internationalen Fachleuten auf verschiedenen Ebenen zu lernen. Seit mittlerweile 32 Jahren kommen internationale Wissenschafter und Studenten nach Mondsee um am Institut für Limnologie zu forschen, zu lehren und zu lernen. Im Rahmen der IPGL-Programme (IPGL = International Programmes in Limnology) finden jährlich Fachkurse zu limnologischen Themen und ein 18-monatiges Master-Studienprogramm für Teilnehmer aus Entwicklungsländern statt, die in Zusammenarbeit von österreichischen und internationalen Universitäten und Institutionen organisiert werden. Das Master-Studienprogramm wird in Kooperation mit UNESCO-IHE, dem “Wasserinstitut” der Vereinten Nationen (UNO) durchgeführt. In Vorlesungen, praktischen Kursteilen und Exkursionen werden Techniken und Know-how in vielen limnologischen Bereichen vermittelt, z.B.: Gewässerökologie und Gewässermanagement; Gewässergüte und Wasserqualität; Fischerei und Fischzucht; Naturschutz und Biodiversität; Umweltverträglichkeitsprüfungen und ökologische Wasserbaumaßnahmen. Mittlerweile haben 422 Wissenschafter aus 60 Ländern die IPGL-Programme absolviert.

IPGL steht aber nicht nur für die Ausbildung von Wasserexperten, sondern auch für die Bildung von Netzwerken im Wasserbereich. So hat sich im Jahr 2003 aus AbsolventInnen der IPGL-Programme und anderen im Wasser/Umweltbereich tätigen Fachleuten in Ostafrika die Eastern Africa Water Association (EAWA) zusammengeschlossen. Bei regelmäßigen Treffen werden aktuelle Probleme im Wasser- und Umweltbereich präsentiert, Lösungsansätze diskutiert und regionale Aktivitäten ausgearbeitet. --> IPGL, Gerold Winkler


New research project granted:

"Use of Cyanobacteria for the production of ethanol and natural products research" PDF


Neue Publikationen (Mitarbeiter hervorgehoben) /
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  • Christiansen G, Molitor C, Philmus B, Kurmayer R (2008): Non-Toxic Strains of Cyanobacteria are the Result of Major Gene Deletion Events Induced by a Transposable Element, Mol. Biol. Evolution Volume 25, 2008 Link 20.05.08

Kleiner Fisch ohne Sex gewinnt den Kampf ums Überleben

Amazonenkärpfling

Amazonenkärpfling,
Foto: Lamatsch, ÖAW Mondsee

Der Amazonenkärpfling, Poecilia formosa, ein kleiner Fisch aus Nordamerika, der mindestens 70 000 Jahre ohne sexuelle Vermehrung ausgekommen ist, schwimmt gegen den Strom der Evolution. Im Gegensatz zur Vorhersage von Computermodellen stirbt dieser Fisch nicht aus. Wissenschaftler der Universitäten Edinburgh und Würzburg sowie des Instituts für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) untersuchen, wie es der Amazonenkärpfling trotzdem schafft, seit so langer Zeit zu überleben.

Da der Amazonenkärpfling nur Weibchen ausbildet, wurde sein Artname von den männerlosen Reiterinnen der griechischen Mythologie, den Amazonen, abgeleitetet. Seine sexuellen Begegnungen mit Männchen einer Schwesternart dienen lediglich dazu, an Spermien zu gelangen und damit die Entwicklung der Embryonen anzuregen. Die Erbsubstanz der Männchen wird dabei normalerweise nicht an die Nachkommen weitergegeben, sondern es werden nur die Gene der Mutter vererbt. Diese Fortpflanzungweise kann mit ‚natürlichem’ Klonen verglichen werden. Eine derartige eingeschlechtliche Vermehrung über mehrere Generationen, ohne die Auffrischung des genetischen Materials, ist normalerweise mit nachteiligen Erbgutveränderungen verbunden, die in der Folge zu Problemen bei den Nachkommen führen können. Letztendlich ist das Aussterben dieser Art vorprogrammiert. Wie lange das dauert, hängt von vielen Faktoren ab und ist daher schwer vorherzusagen. Genau solch eine Vorhersage ist jedoch kürzlich gelungen. Wie die Zeitschrift „BMC Evolutionary Biology“ berichtet, konnten alle wichtigen Faktoren genau genug bestimmt werden, um mit einem einfachen mathematischen Modell abzuschätzen, wie lange es dauert, bis der Amazonenkärpfling aufgrund nachteiliger Erbgutveränderungen ausgestorben sein müsste. Überraschenderweise ist diese berechnete Zeit kürzer als das geschätzte Mindestalter der Art. Die Forscher glauben daher, dass spezielle genetische Überlebenstricks dem Amazonenkärpfling helfen könnten, weiterhin in den Flüssen im Südosten Texas und Nordosten Mexikos zu leben. Einer dieser Tricks könnte sein, dass gelegentlich doch etwas Erbsubstanz von den artfremden Männchen übernommen wird, um die eigenen Gene aufzufrischen und am Leben zu bleiben, eine Vermutung, die auf Prof. Manfred Schartl von der Universität Würzburg zurückgeht. Das entsprechende Evolutionsmodell wurde von Dr. Laurence Loewe an der Universität Edinburgh mit Hilfe von evolution@home durchgerechnet. Evolution@home ist das erste global verteilte Rechensystem für die Evolutionsbiologie und hat seine Ursprünge in Deutschland. Die Lebensdaten, welche die Evolution des Amazonenkärpflings besonders gut beschreiben, wurden von Dr. Dunja Lamatsch erhoben, die seit Januar 2008 am Institut für Limnologie Mondsee, beschäftigt ist.

No sex for all-girl species, Dunja Lamatsch 16.06.08


Neue Publikationen (Mitarbeiter hervorgehoben) /
new articles published (staff members in bold):

  • Weisse, T. (2008): Distribution and diversity of aquatic protists: an evolutionary and ecological perspective Biodiversity and Conservation  17, 243-259. Link

New Research Project granted:

"Evolution of asexuality in experimental rotifer populations" mit Abstract (Abstracts in EN/D) und Presseartikel.


Seesedimente dokumentieren Klimaerwärmung bereits nach der letzten Eiszeit

Sedimentbohrkerne mit Jahresschichten

Sedimentbohrkerne mit Jahresschichten,
Foto: Schmidt, ÖAW Mondsee

Die Klimaerwärmung wird von den meisten Menschen als „modernes“ Phänomen gesehen, dabei wissen die wenigsten, dass es vergleichbar warme  Zeitperioden schon vor ca. 6000 Jahren, in der Römerzeit und im Mittelalter gegeben hat. Ablagerungen alpiner Seen sind somit bedeutende Klimaarchive und können helfen die klimatischen Veränderungen der Geschichte zu erforschen.

Am Grund von Seen sammeln sich im Lauf der Jahrtausende Schlammschichten an, die sogenannten Sedimente. In diese  sind  Reste mikroskopisch kleiner pflanzlicher und tierischer Lebewesen eingebettet, wie jene von Kiesel- und Goldalgen oder Larven von Zuckmücken. Die Artenzusammensetzung und Häufigkeit dieser Bioindikatoren im Sediment vermittelt uns, zusammen mit der Sedimentbeschaffenheit, ein Bild des Klimas der Vergangenheit. Zu diesem Zweck werden die Reste der Bioindikatoren in einem Bohrkern aus einem geeigneten See im Licht- und Elektronenmikroskop ausgezählt und gegen die Zeit aufgetragen. Dies macht eine genaue Datierung (mit Hilfe von Jahresschichten, siehe Foto, oder mit Radioisotopen) der Bohrkerne notwendig. Für die Rekonstruktion klimatischer Kenngrößen, wie etwa Wassertemperatur oder Durchmischungszeiten, müssen die Bioindikatoren geeicht (kalibriert) werden. Dies geschieht dadurch, dass man Arten- und Mengenverteilungen in den Oberflächensedimenten einer möglichst großen Zahl von Seen (Kalibrierseen) mit gemessenen chemisch-physikalischen Kenngrößen (z.B. Temperaturmessungen) dieser Seen in Beziehung setzt. Mit Hilfe statistischer und anderer mathematischer Methoden werden Modelle für die einzelnen Kenngrößen erstellt. Diese werden verwendet, um die einzelnen Kenngrößen aus der Zusammensetzung der fossilen Bioindikatoren der Bohrkerne zu errechnen.

Im Rahmen von Forschungsprojekten des Instituts für Limnologie der ÖAW, des Österreichischen Forschungsfonds (FWF) und des Programms Alpenforschung der ÖAW, zeigte die multidisziplinäre Auswertung der Bohrkerne eines alpinen Sees in den Niederen Tauern (Lungau), dass vor ca. 6000 Jahren, in der Römerzeit und im Hochmittelalters bereits Temperaturen erreicht wurden, die mit den aktuellen Temperaturdaten vergleichbar sind. Mögliche Unterschiede zur heutigen durch den Menschen mitverursachten Erwärmung könnten jedoch unterschiedliche saisonale Verteilungsmuster von Temperatur und Niederschlag sein.
Die Arbeitsgruppe Paläoliomnologie (Leitung Prof. R. Schmidt) am Institut für Limnologie veranstaltete im März 2008 ein Workshop mit dem Ziel der Zusammenführung klimarelevanter Daten (PALDAT) der letzten 20 000 Jahre, also seit dem Ende der letzten Eiszeit. Neben Seesedimenten sollen Gletscher, Baumringe, Höhlensedimente, Moore u.a. Klimazeugen herangezogen bzw. deren Klimasignale miteinander verglichen werden, um die Variabilität und die Dynamik des Klimas in der Zeit zu erforschen.

Paläolimnologie, Roland Schmidt


22. Mai 2008 - Internationaler Tag der Artenvielfalt (Biodiversität)

Convention on Biological Diversity (Logo)International Day for Biological Diversity 22 May 20085 Biodiversity and Agriculture Banner

Die weltweite Zerstörung von Lebensräumen bedrohter Arten nimmt in dramatischem Maße zu. Etwa 16.000 der bisher bekannten Tier- und Pflanzenarten waren im Jahr 2007 laut Weltnaturschutzunion (IUCN) vom Aussterben bedroht, dabei sind viele Arten noch gar nicht erforscht. Einige Spezies werden voraussichtlich schon aussterben, bevor sie vom Menschen überhaupt entdeckt worden sind. Das Aussterben von Arten ist zwar ein natürlicher Prozess, der auch ohne das Zutun des Menschen vor sich gehen würde, durch den starken anthropogenen Einfluss wird die Geschwindigkeit, mit der Arten aussterben, jedoch drastisch erhöht. Allein zwischen den Jahren 1970 und 2000 hat die Gesamtzahl der bekannten Arten um 40% abgenommen.

Unter dem Begriff „Biodiversität“ versteht man nicht nur die Anzahl der verschiedenen, existierenden Pflanzen- und Tierarten, sondern auch deren genetische Vielfalt und die Variabilität ihrer Lebensräume (Ökosysteme).
Im Jahr 2002 beschlossen die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention das „2010-Ziel“: Die Rate des Verlustes der biologischen Vielfalt soll bis zum Jahr 2010 signifikant reduziert werden. Dies soll einerseits helfen die biologische Vielfalt,  andererseits auch die Vielfältigkeit von Ökosystemen zu erhalten und deren Degradation entgegenzuwirken. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft wurde im Jahr 2001 sogar der Stopp des Verlustes an biologischer Vielfalt bis 2010 gefordert.
Durch die Einführung sogenannter „Natura 2000“ Gebiete durch die Europäische Union (EU), wurde ein ökologisches Netz an besonderen Schutzgebieten im Gebiet der europäischen Union geschaffen. Natura 2000 ist ein europaweites System von Schutzgebieten, das mit dem Ziel errichtet wird, die Vielfalt der Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten auf Dauer zu erhalten. Rechtliche Grundlage der Natura 2000 Gebiete ist die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU.

Das Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beschäftigt sich schon seit Beginn dieses Jahrtausends mit dem Forschungsschwerpunkt Biodiversität. Zur Zeit werden am Institut in Mondsee gewässerökologische und genetische Untersuchungen zum Thema „Entstehung und Erhaltung der Diversität und Komplexität auf der Ebene des Individuums, der Population, der Art und des Ökosystems“ durchgeführt. Der Mondsee in Oberösterreich, welcher selbst eines der Natura 2000 Gebiete darstellt, ist dabei einer der Lebensräume, der von den Limnologen untersucht wird. Ausschlaggebend für die Ernennung dieses Natura 2000 Gebietes war das eng begrenzte Vorkommen des Perlfisches, eines karpfenartigen Fisches,  in Mond- und Attersee. Im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut für Limnologie wurden die ökologischen Bedürfnisse dieser Art untersucht und somit die Grundlage für einen nachhaltigen Schutz dieser Art gebildet (Österreichs Fischerei Mayr & Wanzenböck 2006). In einem weiteren Forschungsprojekt werden genetische Untersuchungen an Coregonen (Reinanken) im See durchgeführt um dadurch Daten über eine mögliche Kreuzung von Besatzfischen mit den ursprünglich in den Seen vorhandenen Fischarten zu erhalten. Der Schutz ursprünglicher Coregonenarten und ihrer Lebensräume steht dabei im Vordergrund. Bei den Projekten des Instituts im mikrobiologischen Bereich (Weisse, Boenigk, Hahn, Kurmayer) geht es vor allem um die Erforschung der genetischen und physiologischen Anpassung bekannter und bisher noch unbekannter Einzeller und Kleinstlebewesen in ihrem Lebensraum. 

Internationaler Tag der Artenvielfalt

Weiterführender Link: http://ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm (englisch)


ÖAW-Thema des Monats:

Forscher des Instituts für Limnologie der ÖAW rekonstruieren den Einfluss saisonaler Klimabedingungen auf die Entwicklung der alpinen Landnutzung. Link


22. März 2008 WELTWASSERTAG

Weltwassertag

Die ununterbrochene Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist für viele Menschen in den reichen Industriestaaten zur Selbstverständlichkeit geworden. Hingegen sind verunreinigtes Wasser und mangelhafte oder fehlende Abwasserentsorgung die Hauptursache für 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern.

Im Jahr 1992 wurde der 22. März jedes folgenden Jahres von den Vereinten Nationen zum Weltwassertag ernannt. Jeder Weltwassertag steht dabei unter einem speziellen Thema. Das Jahr  2008 ist das “Internationale Jahr der sanitären Grundversorgung“ („International Year of Sanitation“, IYS 2008).

 „Der Zugang zur sanitären Grundversorgung ist eng mit den Millenium Development Goals (MDGs) verknüpft, insbesondere mit denen die Umwelt, Ausbildung, Gleichberechtigung und die Reduktion von Kindersterblichkeit und Armut beinhalten“, sagte kürzlich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. „Etwa 42000 Menschen sterben jede Woche an Krankheiten die von geringer Wasserqualität und dem Fehlen adäquater Sanitärversorgung verursacht werden. Diese Situation ist inakzeptabel!“

Mit dem Weltwassertag sind die Industriestaaten aufgerufen auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Ziel der Vereinten Nationen ist es bis zum Jahr 2015 die Anzahl jener Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser und Abwasserentsorgung haben zu halbieren.  

Ein großer Schritt in diese Richtung wird in Österreich durch die Ausbildung von internationalen Experten aus Entwicklungsländern im Wassersektor schon seit mehr als 30 Jahren erfolgreich vorgenommen. Ziel der am Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften organisierten „International Postgraduate Programmes in Limnology (IPGL)“ ist es, die Kapazität von Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen in Entwicklungsländern zu stärken um adäquate Lösungen für aktuelle und zukünftige Probleme im Wasser- und Umweltbereich zu erarbeiten. Seit 1976 wurden - mit Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA)- 422 WissenschafterInnen aus 60 Ländern am Institut für Limnologie im Rahmen von Master-Studienprogrammen und Fachkursen ausgebildet. Den Schwerpunkt für diese Programme stellt Ostafrika dar. Die akademischen Weiterbildungsprogramme werden in Kooperation mit österreichischen und afrikanischen Institutionen sowie dem „Wasserinstitut“ der Vereinten Nationen (UNESCO-IHE) durchgeführt.

In praktisch-angewandten Laborkursen, Feldstudien und Exkursionen werden Techniken und Know-how aus vielen Bereichen der Limnologie vermittelt: etwa in der Gewässerökologie und im Gewässermanagement, der Gewässergüte und Wasserqualität, der Fischerei und Fischzucht, im Naturschutz und der Biodiversität sowie bei Umweltverträglichkeitsprüfungen und ökologischen Wasserbaumaßnahmen.


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