Forschung

Laufende Forschungsprojekte

Das Genre autobiografischer Computerspiele – zwischen persönlichen Selbstzeugnissen und künstlerischen Ausdrucksformen

Dissertationsprojekt
Laufzeit März 2020 bis Februar 2024
Felix Tenhaef, M.A., Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck

computerspiele

Autobiografische Computerspiele sind ein innerhalb des breiten Spektrums der Game Studies bisher wenig untersuchtes Phänomen. Besonders interessant sind sie, weil sie einerseits unter dem Aspekt des autobiografischen Nacherzählens betrachtet werden können, was sie in die unmittelbare Nähe dokumentarischer Spiele rückt, aber andererseits als Darstellungen des Selbst einer Autorin oder eines Autors durch sich selbst immer auch als (künstlerische) Selbstinszenierung verstanden werden müssen.

Zu dieser im Autobiografischen stets gegebenen Gegenläufigkeit tritt als weiterer Faktor das Dispositiv des Computerspiels hinzu. Wegen seiner Anlage als hybrides Medium, dem in seiner Eigenschaft als Spiel strukturell Beteiligungsangebote und -prozesse inhärent sind, ist es nicht möglich, den gewählten Untersuchungsgegenstand als nacherzählend in einem klassischen Sinne zu betrachten. Autobiografische Spiele können zwar nacherzählende oder dokumentarische Elemente wie Schrift, Einzelbilder, Videos, etc. enthalten; sie garantieren jedoch wegen ihrer Vielzahl an möglichen Spielverläufen nicht, eine nachzuerzählende Ereignisfolge exakt wiederzugeben. Hingegen geben sie vor, als Simulation autobiografische Gegebenheiten oder gar Gefühle der sich repräsentierenden auktorialen Instanz nacherlebbar werden zu lassen. So würde sich der autobiografische Anspruch auf das Nacherzählen (wie es gewesen sei), in einen Anspruch auf das Nacherleben lassen (wie es gewesen sei) wandeln.

Ziel des Promotionsvorhabens ist daher, zu analysieren, wie sich die verschiedenen autobiografischen Spiele in diesem Spektrum zwischen Nacherzählen und Simulieren verorten lassen und inwieweit dabei auch im Medium Computerspiel der selbstinszenatorische Aspekt zu berücksichtigen ist. Im Vordergrund der Analyse stehen somit die Spielstruktur, die audiovisuelle Gestaltung sowie die daraus erwachsenden Handlungs- und Rezeptionsangebote seitens der Spiele. In einem weiteren Schritt werden die untersuchten Spiele einer diskuranalytischen Betrachtung unterzogen. Als meist weniger aufwändige Produktionen, entwickelt von kleineren Gruppen oder sogar Einzelpersonen, stehen sie in einem Spannungsfeld zwischen Independent Games, Art Games und Serious Games und sind somit ein wichtiger Teil des Diskurses über das Vermögen von Computerspielen, jenseits einer kompetitiven oder auf Gewalt beruhenden Grundlage Bedeutung zu erlangen.


Die verborgenen Ursprünge des österreichischen Humanismus
Kunsthistorisches Teilprojekt: Johannes Fuchsmagen und die Kunst

FWF-Einzelprojekt P 31209 fwf-logo
Laufzeit: März 2019 bis Februar 2022 
Projektleiter: Prof. Dr. Martin Wagendorfer, Historisches Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität, München
Bearbeiter und Nationaler Forschungspartner: Dr. Erwin Pokorny, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck 

projekt-fuchsmagenDas Verhältnis des Humanisten und kaiserlichen Rates Johannes Fuchsmagen (Hall in Tirol um 1450–1510 Wien) zur Kunst im Umkreis Kaiser Maximilians I. war bislang noch nicht Gegenstand einer gesonderten Untersuchung. Es sind wenige, gleichwohl sehr aufschlussreiche Kunstwerke, für die sich Fuchsmagen als Auftraggeber feststellen lässt. Hier ist zunächst der sogenannte Fuchsmagen-Teppich zu nennen, der den hl. Leopold mit seiner Familie und dem Stifter zeigt. Fuchsmagen ließ ihn vermutlich in Brüssel produzieren und stiftete ihn der Kirche der Augustiner Chorherren St. Dorothea in Wien, wo er später an seinem Grab hing. Nach der Profanierung der Kirche 1786 kam der spätgotische Bildteppich an das Stift Heiligenkreuz. Im Allgemeinen wird der Fuchsmagen-Teppich zwischen 1499 und 1510 datiert, weil Fuchsmagen ab 1499 in St. Dorothea zwei Messen lesen ließ: eine vor dem Leopoldsaltar und eine am Feiertag des St. Hieronymus, der rechts im Hintergrund des Teppichs zu sehen ist. Da der Teppich das Grab des hl. Leopold im Stift Klosterneuburg als von Votivgaben überhäufte Wallfahrtsstätte zeigt, die es vor der 1506 erfolgten Translation der Gebeine aus der Gruft in die Leopoldkapelle noch nicht gab, müsste man ihn in die letzten Lebensjahre Fuchsmagens, also um 1506–1510 datieren. Hier irritiert allerdings der Umstand, dass die dargestellten Architekturformen – anders als der verwendete Schrifttyp – noch ganz der Gotik verpflichtet sind.  

Eine andere bedeutende Hinterlassenschaft Fuchsmagens stellen die zwölf Federzeichnungen einer Abschrift des spätrömischen Filocalus-Kalenders dar, die sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek (Cod. 3416) befinden. Die Zeichnungen des frühen 16. Jahrhunderts stellen Personifikationen der zwölf Monate dar, die gegenüber anderen Kopien des Kalenders eine ungewöhnliche künstlerische Freiheit des Kopisten erkennen lässt. Die Zeichnungen sind eine stilanalytische Herausforderung, sowohl was ihre Datierung als auch ihre Zuschreibung an Lucas Cranach den Älteren betrifft. Die vorläufige Datierung des Papierwasserzeichen widerspricht jedenfalls der seit Friedrich Winkler favorisierten Bestimmung als Frühwerk Cranachs aus den Jahren 1501–1503.


Die Karikatur als neue Bildform – Die Karikatur als prekäre Bildform

Beginn: April 2017
Projektleitung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Sybille Moser-Ernst, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck
Projektmitarbeiterin: Mag. Dr. Ursula Marinelli, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck

Karikatur

Abbildungsnachweis: Cartoons from the Hindi Punch, 5th Album of Cartoons, Bombay 1904, p. 52.


Patterns of Transregional Trails.
The materiality of art works and their place in the modern era. Bombay, Paris, Prague, Lahore, ca. 1920s to early 1950s.

FWF-Einzelprojekt P 29536-G26 fwf-logo
Projektleiterin: Dr. Simone Wille
, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck

Das durch den Wissenschaftsfond (FWF) geförderte Projekt beschäftigt sich mit einer Gruppe von Künstlern, die zwischen den 1930er Jahren und den 1950er Jahren dieselben Kunstschulen in Bombay, Paris und Prag besuchte. Der Fokus der Studie auf Künstler der ehemaligen Peripherie erwirkt nicht nur eine Ergänzung bzw. Korrektur in der bestehenden Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sondern wird auch Verbindungen zwischen Orten und Praktiken aufzeigen, Netzwerke analysieren und dabei auf die Verbreitung von Informationen und Ideen eingehen.


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