Heime in Tirol und Vorarlberg

Heime in Tirol und Vorarlberg

Landeserziehungsheim Jagdberg, Schlins Mädchenerzeihungsheim Scharnitz Mädchenheim Martinsbühle, Zirl Städtisches Kinderheim Mariahilf, Innsbruck Städtisches Kinder- und Jugendheim Pechegarten, Innsbruck Landeserziehungsheim Kleinvolderberg Landeserziehungsheim St. Martin, Schwaz Knabenheim St. Josef (Bubenburg), Fügen Landeserziehungsheim für Mädchen Kramsach-Mariatal Städtische Jugendheimstätte Holzham-Westendorf

Mädchenheim Martinsbühel Zirl

MartinsbuehelMartinsbühel hieß bis ins 19. Jahrhundert St. Martinsberg und liegt auf einem Felsrücken am Fuß der Martinswand am Inn – in der Nähe von Zirl. Benediktinerpater Edmund Hager (1826-1906) vom Stift St. Peter/Salzburg, der die „Kinderfreunde-Benediktiner“ gegründet hatte, erwarb 1888 den Besitz der frühen Burganlage zur Errichtung eines Klosters mit dem Ziel, nach dem Vorbild Don Boscos eine Erziehungsanstalt und Ausbildungsstätte für Knaben zu errichten. Martinsbühel gehört seither und bis heute zum Besitz des Stifts St. Peter in Salzburg. Die Benediktiner­brüder richteten in Martinsbühel 1895 vorerst ein (Lehrlings-)Heim ein, in dem als verwahrlost geltende Jugendliche im Schneider-, Schuster-, Schlosser- und Gärtnergewerbe ausgebildet wurden. Edmund Hager hatte mehrere Heime für Jugendliche in Tirol errichtet: in Volders (mit Privatgymnasium), Mieming (für eine landwirtschaftliche Ausbildung) und Scharnitz für „schulentlassene Mädchen“ (a. a. O.).

Nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten befand sich in Martinsbühel von 1938 bis 1945 eine Schule für „schwererziehbare Kinder“, dann ein Heim für Südtiroler Auswanderer und ein Kriegsgefangenenlager. Seit 1947 betrieben hier die Benediktinerinnen aus Scharnitz, die dem Mutterkloster Melchtal/Schweiz zugehörten, in den Gebäuden links vom Stein­haus ein konfessionelles Mädchenheim mit an­geschlossener Sonder­schule (Neubau der Schule noch 1988). Zeitweilig über 100 Kinder, die einer sonderpädagogischen Beschulung für bedürftig galten, waren hier untergebracht. Nachdem Ende 2008 die letzten verbliebenen Klosterschwestern ins Benedik­tiner­innenkloster nach Scharnitz übersiedelten, steht der Gebäudekomplex einschließlich der Schu­le – diese seit 2010 – weitgehend leer, bzw. wird in Teilen von einem Gutsverwalter (dem Künstler Ferdinand Lackner) bewirtschaftet und bewohnt. In der ehemaligen Sonderschule finden sich ein Medien- und Verlagsbüro.

Kurzinfo Martinsbühel:

Gründung

als konfessionelles Lehrlingsheim für Knaben 1895

Neugründung

(nach der NS-Zeit) als konfessionelles Mädchenheim 1947

Träger

Benediktiner des Stifts St. Peter/Salzburg, dann Benediktinerinnen aus Scharnitz (Mutterkloster Melchtal/Schweiz)

Schließung

2008