Das Oppolzersche Zenitteleskop

Historische Ansicht des Zenitteleskops, aufgenommen 1929

Historische Ansicht des Zenitteleskops, aufgenommen 1929

Das Oppolzersche Zenitteleskop heute. (Foto: Volker Witt)

Das Oppolzersche Zenitteleskop heute.
(Foto: Volker Witt)


  
Dieses etwa 2 Meter lange waagrecht montierte Zenitteleskop ist eine Eigenkonstruktion Oppolzers, und dessen Aufstellung an einem optimal geeigneten Ort war für ihn ein wesentlicher Grund, seine Professur in Innsbruck der Berufung nach Prag vorzuziehen.

Zenitteleskope sind Weiterentwicklungen der Meridiankreise und dienen wie diese zur Bestimmung der Zeit und der Sternorte, allerdings nur von Sternen, die sich in der Nähe des Zenits, also senkrecht über dem Teleskop, befinden.

Diese Einschränkung auf Sterne nahe dem Zenit steigert die Messgenauigkeit ganz enorm: Zenitteleskope können die Koordinaten ihrer Aufstellungsorte auf Dezimeter genau messen. Sie sind so präzise, dass – in Zusammenarbeit mehrerer beteiligter Sternwarten – ein jährliches spiralförmiges Taumeln der Erdpole um mehrere Meter entdeckt werden konnte; zudem noch, dass der Nordpol pro Jahrhundert um etwas mehr als 10 Meter nach Westen driftet, was durch Massenverlagerungen im Erdinneren verursacht wird. Auch das Innsbrucker Zenitteleskop war in solche internationale Forschungen zur Messung der Polhöhenschwankungen eingebunden.

Bereits 1899 publiziert Oppolzer, noch ist er Assistent an der deutschen Universität Prag, seine Pläne für dieses Instrument mit einem Linsendurchmesser von 10,8cm und einer Brennweite von 200cm. Bauen lässt er das Zenitteleskop 1901 von Gustav Heyde in Dresden und präsentiert die Eigenkonstruktion im darauffolgenden Jahr seinen Kollegen auf der Tagung der Astronomischen Gesellschaft in Göttingen.

Wegen des frühen Todes Oppolzers und des Ersten Weltkriegs kommt es erst 1923 durch Viktor Oberguggenberger zu einem intensiven Einsatz des Zenitteleskopes und zu einer Publikation der Polhöhen-Messungen. Ein letztes Mal spielt das Innsbrucker Zenitteleskop 1957 im Rahmen des Internationalen Geophysikalischen Jahres eine wichtige Rolle, in den 1960er Jahren übernehmen dann modernere Methoden zunehmend die Aufgabe der Zenitteleskope.