Veranstaltungen

  • Bericht zur Tagung „Naturgefahren, Risikowahrnehmung und strafrechtliche Haftungsfragen am Berg“ - 17.-18.03.2022 in Bozen

Am 17.-18.03.2022 fand an der EURAC Research in Bozen die Tagung „Naturgefahren, Risikowahrnehmung und strafrechtliche Haftungsfragen am Berg“ statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung von der Universität Innsbruck im Rahmen des EUREGIO- Forschungsprojekts „Naturgefahr Berg: Risikomanagement und Verantwortung“, das von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol - Abteilung Innovation, Forschung, Universität und Museen über die Ausschreibung „Research Südtirol/Alto Adige 2019“ gefördert wird. Projektpartner sind, neben zahlreichen technischen Partnern, die Universitäten Innsbruck, Bozen und Trient sowie das Forschungszentrum EURAC Research.

Gegenstand der Tagung waren einerseits die Themen Naturgefahren, Verhalten im alpinen Gelände und Risikowahrnehmung bei Ausübung sportlicher Aktivitäten am Berg, andererseits die Untersuchung strafrechtlicher Haftungsfragen, die bei Bergunfällen auch und v.a. in Bezug auf diese Themen auftreten. Zentral ist dabei insbesondere die Frage, ob ein eigenverantwortliches Verhalten des verunglückten Bergsportlers zu einem Ausschluss strafrechtlicher Verantwortlichkeit von etwaigen Dritten führen kann.  

Die rege Teilnahme vor Ort und über Online-Streaming zeigten, wie aktuell und brisant das Thema ist. Unter den Teilnehmer*innen befanden sich insbesondere Rechtsanwälte, Alpinisten, Geologen und Ingenieure aus dem In- und Ausland, sowie schließlich zahlreiche Bergbegeisterte. Es zeigt sich, dass Haftungsfragen am Berg längst nicht mehr nur ein in juristischen Fachkreisen diskutiertes Thema sind, sondern das Thema auch von ganz allgemeinem Interesse ist.  

Der erste Tagungstag war technisch-alpinistischen und juristischen Inhalten gewidmet. Vertreter*innen verschiedener Organisationen und Projektpartner setzten sich mit den Gefahren am Berg in den verschiedensten Situationen auseinander und schilderten dabei Erfahrungen aus erster Hand. Im Zuge der am Runden Tisch stattfindenden Diskussion wurden schließlich zentrale Aspekte der Risikowahrnehmung aus den verschiedensten Blickwinkeln genauer diskutiert, auch anhand spannender Fälle aus der Rechtspraxis und im grenzüberschreitenden Kontext.  

Wesentlicher Bestandteil des ersten Tagungstages war darüber hinaus die Vorstellung erster Ergebnisse einer im Sommer/Herbst 2021 immer im Rahmen des Projekts durchgeführten empirischen Untersuchung zur Risikowahrnehmung am Berg. An den Umfragen, von denen eine vor Ort im Raum Sexten (Südtirol) und die andere mittels Online-Fragebogen im EUREGIO-Raum durchgeführt wurde, nahmen insgesamt knapp 4.000 Personen teil. Diese kombinierte Untersuchung ist von grundlegender Bedeutung, da sie direkt auf das Verhalten und die Entscheidungsprozesse von Personen bei Ausübung von Bergsportaktivitäten abzielt und als solche eine rechtlich präzisere Analyse von Unfällen am Berg ermöglicht.  

Am zweiten Tag dominierten juristische und rechtsvergleichende Fragestellungen. Insbesondere wurde das Thema der Eigenverantwortung und der möglichen Einordnung des eigenverantwortlichen Verhaltens der verletzten Person im Strafrechtsaufbau analysiert. In der österreichischen Rechtslehre und Rechtsprechung ist das Prinzip der Eigenverantwortung (auch Autonomieprinzip genannt) als Strafausschließungsgrund mehrheitlich anerkannt. Die Diskussion beschränkt sich daher in erster Linie auf die Voraussetzungen bzw. die Grenzen der Anwendbarkeit dieses Prinzips. In Italien ist man davon aktuell noch relativ weit entfernt, wenn sich auch gerade in den letzten Jahren zeigt, dass das Prinzip der Eigenverantwortung von einem Teil der Rechtslehre und in einzelnen Gerichtsentscheidungen durchaus anerkannt wird und dessen vermehrte Berücksichtigung fordert. In diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen ist, dass die bislang zögerliche Haltung Italiens sich dadurch erklären lässt, dass diese einerseits auf den unterschiedlichen Aufbau der Strafrechtssysteme im deutsch- und italienischen Rechtsraum zurückzuführen ist. Andererseits resultiert das Bestehen teils gegensätzlicher Meinungen zum Thema in einer Unsicherheit über die korrekte dogmatische Einordnung des Eigenverantwortlichkeitsprinzips im italienischen Strafrecht.  

Wie sich im Zuge der Tagung gezeigt hat, ist gerade der interdisziplinäre Austausch zur Haftung am Berg sehr interessant und insbesondere lohnend für die weitere Projektarbeit mit Abschluss Ende 2022, in die auch die Datenauswertung der Umfragen und deren rechtliche Einordnung fallen wird. Die Komplexität der Risikowahrnehmung im alpinen Raum bleibt dabei zentrales Thema. Denn wie sowohl in den gehaltenen Vorträgen als auch in den stattgefundenen Diskussionen hervorgehoben wurde, hängt diese von einer Reihe von Variablen ab (wie z.B. der Persönlichkeit, der Ausbildung und der Erfahrung des Bergsteigers oder etwa auch davon, ob der Sport einzeln oder in der Gruppe ausgeübt wird). Darüber hinaus scheinen die im Rahmen der empirischen Untersuchung erhobenen Daten darauf hinzudeuten, dass Unterschiede in der Risikowahrnehmung vor Ort (während der sportlichen Betätigung) und jener außerhalb des spezifischen Kontextes der Ausübung einer bestimmten Sportart (z.B. zu Hause bei der Planung einer Wanderung usw.) bestehen. All dies ist einerseits aus rechtlicher Sicht von grundlegender Bedeutung, denn nur unter Bezugnahme auf die tatsächlich bestehende Risikowahrnehmung kann ein Bergunfall rechtlich korrekt eingeordnet und bewertet werden. Andererseits ist es auch aus praktischer Sicht wichtig zu verstehen, wie das Risiko bei Ausübung von sportlichen Aktivitäten am Berg wahrgenommen wird, um daran anknüpfend auch die Art der Information und Aufklärung über Risiken noch effizienter zu machen. Gerade das Wissen um Wahrnehmungsverzerrungen vor Ort ist wichtig, um hier anzusetzen und präventiv tätig zu werden, um noch gezielter die Sicherheit am Berg zu erhöhen und Bergunfälle weiter zu verringern.  

Die Gesamtanalyse der erhobenen Daten und die daraus erzielten abschließenden Forschungsergebnisse werden im Herbst auf der Abschlusstagung des Forschungsprojekts am 10.-11.11.2022 an der Universität Innsbruck vorgestellt werden.

 

Hier zur Aufzeichnung der Tagung: 

https://www.youtube.com/watch?v=pqBvHCgSes8

https://www.youtube.com/watch?v=xeXQCg7XX74 

 

  • Workshops mit praxiserfahrenen Experten

Screenshot Workshop

Am 3. März 2022 fanden zwei online-Workshops mit Projektpartnern und weiteren praxiserfahrenen Experten statt.

Gegenstand des Zusammentreffens war die Vorbereitung der Tagung: „Naturgefahren, Risikowahrnehmung und strafrechtliche Haftungsfragen am Berg“, welche vom 17.-18. März in der EURAC Bozen stattfinden wird.

Aufgrund der vielen Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern wurden zwei Workshops abgehalten. Neben den internen Projektpartnern nahmen folgende Experten teil: Michael Larcher (ÖAV);  Giovanni Galatà (SAT); Peter Warasin (AVS);  Ernst Winkler (Bergrettung Südtirol AVS);  Thomas Mair (Bergrettung Südtirol AVS); Volkmar Mair (Amt für Geologie und Materialprüfung der Autonomen Provinz Bozen);  Igor Chiambretti (AINEVA); Willigis Gallmetzer (Agentur für Bevölkerungsschutz der Autonomen Provinz Bozen); Carlo Ancona (ehemaliger Richter am Landesgericht Trient);  Klaus Schwaighofer (Institut für Strafrecht Universität Innsbruck).

Konkret wurden den Teilnehmern die ersten Ergebnisse des Fragebogens zur Risikowahrnehmung am Berg vorgestellt, welcher letzten Herbst durchgeführt wurde. Durch die langjährige Erfahrung der teilnehmenden Experten konnten die erhobenen Daten aus einer praxisnahen Perspektive betrachtet werden. Die anschließende Diskussion ergab deshalb wichtige Impulse für die finale Auswertung der Ergebnisse, die bei der Tagung vorgestellt werden sollen.

 

Bild Tagung

Am 17.-18. März 2022 findet an der EURAC Research in Bozen die im Rahmen des Forschungsprojektes „Naturgefahr Berg: Risikomanagement und Verantwortung“ vom Institut für Italienisches Recht an der Universität Innsbruck (Leadpartner des Projektes) organisierte Tagung zu den Themen NaturgefahrenSicherheit und Risikowahrnehmung bei der Ausübung sportlicher Aktivitäten am Berg statt. 

Bei dieser Veranstaltung werden die Ergebnisse einer letzten Herbst durchgeführten Umfrage vorgestellt und diese einer ersten rechtlichen Einordnung unterzogen. Außerdem werden verschiedene, bei Bergunfällen auftretende rechtliche Fragestellungen behandelt und diskutiert. Neben der Teilnahme in Präsenz kann die Tagung auch per Streaming mitverfolgt werden. 

Einschreibung für die Teilnahme in Präsenz bis 14.03.2022 mit E-Mail an Stefan.Schwitzer@uibk.ac.at

Anmeldung zum online-Streaming unter folgendem Link:

https://scientificnet.zoom.us/webinar/register/WN_wEBah593S5KuWTx6Bf7_PA


  • Vortragsreihe ELSA Innsbruck - Italian Affairs - Vol. 1: Naturgefahr Berg, Risikomanagement & Verantwortung

Am 15. Juni 2021 fand eine von ELSA Innsbruck - Italian Affairs organisierte Veranstaltung zum Projekt „Naturgefahr Berg: Risikomanagement und Verantwortung“ statt.
Prof. Margareth Helfer und Mag. Stefan Schwitzer stellten den Teilnehmer*innen dieses Forschungsprojekt näher dar. Neben den Eckdaten zum Projekt wurden insbesondere Grund, zentrale Inhalte und Ziele dargelegt. Darüber hinaus wurde die bereits getätigte Forschungsarbeit sowie anstehende nächste Arbeitsschritte geschildert.
Im Anschluss an die Präsentation hatten die Veranstaltungsteilnehmer*innen die Möglichkeit, Fragen an die Vortragenden zu stellen und mit diesen diverse Aspekte betreffend das Forschungsprojekt zu diskutieren. Dabei wurden mehrere spannende Fragen strafrechtlicher Verantwortung und zivilrechtlicher Haftung bei Bergunfällen aufgeworfen und anhand konkreter Fallbeispiele näher ausgeführt.
Eine Frage wurde zum tragischen Unfall am Lago Maggiore gestellt. Im Zuge der Diskussion konnte eine erste strafrechtliche Einordnung der problematischen Aspekte erfolgen. Darauf hingewiesen wurde schließlich, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle und die Entscheidung der Richter abzuwarten sei. Es bleibe spannend den Strafprozess weiter zu verfolgen.

Im Herbst ist eine weitere Veranstaltung von ELSA Innsbruck - IA geplant. Dabei wird wiederum auf das Thema Naturgefahr Berg eingegangen. Im Vordergrund wird dabei die Diskussion konkreter Fälle und der unterschiedlichen rechtlichen Ansätze zur Bewertung der strafrechtlichen Haftung stehen.

 

  • Workshop zur Rechtsprechung im Bereich strafrechtliche Verantwortung am Berg

Am 11. Juni 2021 fand im Rahmen des Projekts M_Risk ein Workshop über die Rechtsprechung zur strafrechtlichen Verantwortung am Berg statt. Neben den Projektmitarbeitern der Universität Innsbruck, der Freien Universität Bozen und der Universität Trient nahmen an dieser Veranstaltung zudem Experten aus der italienischen Rechtsprechung teil. Konkret wurden Carlo Busato (Präsident der Strafsektion des LG Bozen), Stefan Tappeiner (Richter am LG Bozen) und Carlo Ancona (ehemaliger Richter am LG Trient) eingeladen.

Aufgrund der eingetretenen Besserung der epidemiologischen Situation konnte der Workshop in hybrider Form abgehalten werden: Einige Teilnehmer konnten in Innsbruck zusammentreffen, andere wurden telematisch zugeschaltet. Gegenstand dieser Veranstaltung, die von Margareth Helfer (Projektleiterin) moderiert wurde, war eine Diskussion über verschiedene Aspekte zur Thematik der Eigenverantwortung im Strafrecht und zur Rechtsprechungstätigkeit bei Bergunfällen. Stefania Rossi trug über die strafrechtliche Relevanz eigenverantwortlichen Handelns bei Bergunfällen, Matteo Leonida Mattheudakis über die Eigenverantwortung des Opfers in anderen Bereichen (wie z. B. im Straßenverkehr) und schließlich Stefan Schwitzer und Elias Beltrami über das eigenverantwortliche Handeln des Opfers im Strafrecht aus einer rechtsvergleichenden Perspektive unter Heranziehung der italienischen, österreichischen und deutschen Rechtsordnung vor.

Anschließend folgten Beiträge der einzelnen Richter, die dabei ihre beruflichen und persönlichen Erfahrungen in die Diskussion einbrachten. Der Workshop wurde mit Beiträgen von Alessandro Melchionda (Projektkoordinator für die Universität Trient), Kolis Summerer (Projektkoordinatorin für die Freie Universität Bozen) und Domenico Rosani (Mitglied Projektteam der Universität Innsbruck).

Dieser impulsreiche und überaus interessante Austausch mit den Richtern konnte wertvolle Denkanstöße für die zukünftige Projektarbeit liefern. Aufgrund des einschlägigen Erfolges dieser Veranstaltung ist im Laufe des Projektes ein weiterer Workshop mit Vertretern aus der Rechtsprechung geplant. Bei diesem wird man dann bereits die Gelegenheit haben, erste Ergebnisse aus der empirischen Projektforschung in die rechtliche Analyse miteinfließen zu lassen.


  • Videokonferenz mit der Euregio-Arbeitsgruppe Fit4Co

Am 4. März 2021 fand ein Treffen mit der Euregio-Arbeitsgruppe Fit4Co statt, die auf Verwaltungsebene an verschiedenen Initiativen arbeitet, um ein bewusstes Verhalten in den Bergen zu fördern und u. a. dadurch mehr Sicherheit am Berg zu erreichen. So wird derzeit an einer Sensibilisierung der Gesellschaft in Bezug auf Eigenverantwortung und sozialen Medien, insbesondere den teils gefährlichen Auswirkungen von Posts gearbeitet.

Bei diesem Treffen wurde der Euregio-Arbeitsgruppe das Forschungsprojekt M_Risk vorgestellt und die bereits durchgeführte Projektarbeit sowie die nächsten Schritte dargelegt. Anschließend fand ein sehr spannender Austausch statt, im Rahmen welchem Erfahrungen geteilt sowie beidseitiges Interesse für eine zukünftige Zusammenarbeit geäußert wurde.

Meeting Fit4Co

 

  • Kick-off-Veranstaltung zum Forschungsprojekt "Naturgefahr Berg: Risikomanagement und Verantwortung"

Am Donnerstag, den 19. November 2020 fand die Kick-off-Veranstaltung des Forschungsprojektes „Naturgefahr Berg: Risikomanagement und Verantwortung“ statt. Aufgrund der epidemiologisch angespannten Situation und der dadurch ergriffenen Maßnahmen musste die Veranstaltung telematisch abgehalten werden.

Die Kick-off-Veranstaltung wurde mit einer kurzen Vorstellungsrunde begonnen. Die einzelnen Projektpartner und -mitarbeiter stellten sich vor und legten kurz ihre Erwartungen zum Projekt dar.

Anschließend führte Prof. Helfer, Projektleiterin, in das Projekt ein. In ihrer Präsentation legte sie den Forschungsgegenstand, dessen rechtliche und soziale Relevanz sowie die Ziele des Projektes dar.

Im Anschluss daran stellte Mag. Rosani, Projektmitarbeiter, den Zeitplan des Projektes und die einzelnen Arbeitsmodule vor.

Es folgte eine Diskussions- und Feedbackrunde, im Laufe derer einzelne wesentliche Aspekte des Forschungsprojektes angeschnitten und besprochen wurden. Die bereits dadurch gewonnen Impulse werden in die Forschungstätigkeit einfließen. Eine nähere Auseinandersetzung damit lässt innovative Erkenntnisse zum Projektgegenstand erwarten.

 

 [zurück zur Startseite]

Nach oben scrollen