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Panel 1 “Sprechen und Schweigen: Diskuse, Positionierungen, Identitäts(de-)konstruktionen“

Moderation Dr. Doris Eibl, Institut für Romanistik

Das Panel “Sprechen und Schweigen: Literaturwissenschaftliche Perspektiven“ beschäftigt sich vorwiegend mit der diskursiven Untersuchung von Identitäten in Migrationsgesellschaften, wobei besonderes Augenmerk auf die Genderperspektive der zu untersuchenden Autorinnen und deren Darstellung von Identität als Selbstwahrnehmung bzw. Positionierung gegenüber Fremdbeschreibungen ihrer eigenen Identität von ’außen’ gelegt wird. Die Konstruktion und Dekonstruktion von Selbst- und Fremdwahrnehmung sind somit ein Indikator dafür, wie Sprechen (und Schweigen) zur Identitätsfindung beitragen bzw. die Differenzkategorien Geschlecht und ethnische/soziale Herkunft bestimmen kann.

Ulrich Pallua wird in seinem Vortrag mit dem Titel “The Re-semanticisation of Nigerian Indentit(y)ies in Chimamanda Adichie’s Novels“ den Fokus auf die 'single story' legen, also die noch immer vorherrschenden stereotypen Vorstellungen, die mit Afrika in Verbindung gebracht werden. Eine Re-semantisierung der Identität im Falle von Adichie basiert auf einer heterogen diasporischen Dimension in der zeitgenössischen nigerianischen Literatur. Adichies feministische ’Revision’ ist folglich eine Aneignung und Inversion der ersten Generation von nigerianischen Autoren, insbesondere Chinua Achebe, und konzentriert sich somit auf die Erlebnisse der ’female characters’ in Nigeria und der nigerianischen Diaspora.

Der Vortrag von Wiebke Sievers mit dem Titel “Migration und Literatur: ein literatursoziologischer Ansatz“ wird erste Ergebnisse aus dem Projekt “Literature on the Move“ vorstellen. Das Projekt untersucht, wann, wie und warum es ImmigrantInnen in Österreich gelingt, als AutorInnen zu Wort zu kommen und damit zur ‚Repräsentation der sozialen Welt‘ im Sinne Pierre Bourdieus beizutragen. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die Tatsache, dass diese AutorInnen ImmigrantInnen waren, in ihrem Werk, ihrer Rezeption und ihrer Kanonisierung eine Rolle spielte. Während sich bei früheren Autoren wie Elias Canetti, Milo Dor und György Sebestyén kaum Hinweise darauf finden, dass sie als Zuwanderer kamen, können GegenwartsautorInnen wie Dimitré Dinev, Julya Rabinowich oder Anna Kim dieser Zuschreibung kaum entkommen, auch wenn sie es wie Anna Kim bewusst versuchen.

Vinz zückt eine imaginierte Pistole, fuchtelt damit herum, zieht groteske Grimassen, beschimpft sein eigenes Spiegelbild – und drückt ab. Kamel stellt sich als Stand-up Comedian in Dschihad-Montur auf die Bühne, puscht sich mit billigen Terrorismus-Witzen ins mediale Interesse – und sprengt sich schließlich vor Publikum tatsächlich in die Luft. Laura Fuchs-Eisner behandelt in ihrem Vortrag den Film La Haine (1995) von Mathieu Kassovitz‘ und den Roman Allah Superstar (2003) von Yassir Benmiloud, die beide in das in Frankreich seit den 90er Jahren verstärkt rezeptierte Genre des banlieue- Romans bzw. Films fallen. Dieses nimmt sich der malaise des banlieues, der Problematik des Zusammenlebens und der Perspektivenlosigkeit in jenen französischen Vorstädten an, die spätestens seit den Unruhen 2005 international ein Begriff sind. Wurde die weibliche Identitätsproblematik, besonders für den verwandten beur-Roman*, mittlerweile sehr ausführlich untersucht, sind Analysen der Repräsentation von Männlichkeit in diesem Kontext verhältnismäßig selten. Der Vortrag will daher die beiden ‚Texte‘ auf die von ihnen inszenierten Männlichkeitsbilder hin untersuchen und dabei besonders auf die Rolle von Humor und Parodie als subversives Element in ihrer Repräsentation gängiger bzw. stark klischierter Männlichkeitsbilder und der Darstellung männlicher Gewaltbereitschaft innerhalb der französischen Migrationsgesellschaft eingehen.

*(beur = umstrittener Begriff für Nachkommen maghrebinischer Einwanderer in Frankreich)

 

09.00

Panel1 "Sprechen und Schweigen: Diskurse, Positionierungen, Identitäts(de-)konstruktionen"

Moderation: Doris Eibl, Romanistik, Universität Innsbruck

09.05 – 09.25

Laura Fuchs-Eisner, Romanistik, Universität Innsbruck:
La Haine und Allah Superstar: Gesellschaft ohne morgen? Inszenierung und Parodie männlicher Gewaltbereitschaft in der französischen Migrationsgesellschaft

09.25 – 09.45

Ullrich Pallua, Anglistik, Universität Innsbruck:
The Re-semanticisation of Nigerian Identit(y)ies in Chimamanda Achidie's Novels

09.45 – 10.05

Wiebke Sievers, Stadt- und Regionalforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften:
Migration und Literatur: ein literatursoziologischer Ansatz

10.05 – 10.30

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