Geschichte des Instituts

Das Institut für Stahlbau und Holzbau wurde unmittelbar nach dem Entstehen der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur im Jahre 1969 eingerichtet.

Der erste Vorstand war Herr em.o.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Felix CICHOCKI. Er hat wesentlichen Anteil am Aufbau der Lehre und Forschung in der schwierigen Gründungszeit des Instituts. In der Lehre wird versucht, den Studenten ein gründliches Basiswissen auf dem Stand der Technik im Stahl- und Holzbau zu vermitteln. Gleichzeitig mit Einführung des neuen Studienplanes im Jahre 1992 bot sich die Gelegenheit, den Lehrstoff zu entrümpeln und zu konzentrieren. Die Lehre wird in Form von Vorlesungen, Übungen und Seminaren abgehalten.

Im Jahre 1980 wurde im Zusammenhang mit der Neubesetzung des Ordinariates für Stahlbau und Holzbau ein Labor für Bauteilprüfung eingerichtet. Dieses Labor wurde geplant, um das wirkliche Verhalten von Bauteilen aus Stahl, Holz und Verbund zu erforschen. Hier geht es vor allem um das nichtlineare Last-Verformungsverhalten dieser Bauteile.

Einen Schwerpunkt der Forschung bildet die Verbindungstechnik. Hier wurden grundlegende Erkenntnisse über das nichtlineare Verhalten von Rahmenknoten (Riegel-Stützen-Verbindungen) in Stahl-, Holz- und Verbundbauweise gewonnen.

Eine wesentliche Weiterentwicklung war die Mischbautechnologie mit ihren vielfältigen Verbindungstechniken. In Anerkennung der in Innsbruck geleisteten Forschung auf diesem Gebiet war es wohl ein Höhepunkt für das Institut, daß im September 1997 die Internationale Konferenz "Composite Construction - Conventional and Innovative" veranstaltet durch IABSE, CEB, CIB, ECCS, FIP, RILEM und ASCCS in Innsbruck stattfand, wobei das Institut die Hauptorganisation zu tragen hatte. Sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftlich war dieser Kongreß mit 860 Teilnehmern aus 80 Nationen ein großer Erfolg. Ganz persönlich hat mich gefreut, daß beim Kongreß mein Lehrer und Mentor der Verbundbauweise, Herr Prof. Dr. Konrad SATTLER im Alter von 92 Jahren beim Kongreß geehrt werden konnte.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung betrifft die Untersuchung der Ermüdungsfestigkeit von Verbindungen. Hier wurden insbesondere die Schweißverbindungen in den Konstruktionsdetails von dynamisch hochbelasteten Bauteilen, wie Fahrbahnübergängen von Brücken, untersucht. Im Holzbau waren Forschungsschwerpunkte membranbespannte Holzkonstruktionen und das Brandverhalten von Holzkonstruktionen.

Alle diese Aktivitäten fanden im Rahmen von internationalen Kooperationen z.B. im Rahmen des Forschungsprojektes COST C1 und auf dem Gebiet der Fahrbahnübergänge mit der Lehigh University in USA statt.

Aufgaben des Labors sind Zulassungsversuche für Verbundbauteile und Fahrbahnübergänge. Vielfältige andere Versuche von angewandter Forschung für die Industrie wurden im Rahmen von Gutachten durchgeführt, so daß sich inzwischen seit dem Bestehen des Forschungslabors die Zahl der durchgeführten Versuche auf annähernd 1.500 beläuft. Viele dieser Untersuchungen haben zu Diplomarbeiten und Dissertationen geführt.

Die Einrichtungen des Labors konnten dadurch ständig auf den neuesten Stand gebracht werden, so daß die Meßdatenerfassung und Auswertung voll computerunterstützt abläuft.

Allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen am Institut, welche die umfangreichen Aufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung mit großer Begeisterung und unermüdlichem Engagement bewältigt haben, wird damit ein herzlicher Dank ausgesprochen.

Die Forschung bewegte sich im nationalen wie auch im internationalen Rahmen. Die vielfältige Forschungstätigkeit hat sich in Publikationen und Vorträgen niedergeschlagen. Das Institut ist auch in die nationale und internationale Normung eingebunden.

Inzwischen ist es gelungen, ein Anwendungszentrum für die Mischbautechnologie zu gründen, das in Zukunft die Aufgabe hat, die erzielten Forschungsergebnisse des Institutes im Forschungstransfer direkt der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Nach der schweren Erkrankung und dem plötzlichen Tod von Herrn o.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Ferdinand TSCHEMMERNEGG war der Lehrstuhl für Stahlbau und Holzbau einige Jahre lang verwaist.

Die Neubesetzung des Lehrstuhles für Stahlbau erfolgte im Jahr 2002 mit Herrn Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Josef FINK, der durch seine frühere Tätigkeit als Leiter der Brückenbauabteilung der (MCE) VOEST vor allem auf dem Fachgebiet Stahl- und Stahlverbundbrückenbau neu Akzente in der Lehre setzte.

Nachdem Herr Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Josef FINK im Jahr 2004 den Ruf nach Wien folgte, folgte wiederum einen interimistischen Zeitraum für den Stahlbaulehrstuhl, der im Jahr 2006 mit der Neubesetzung durch Herrn Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerhard LENER beendet wurde. Prof. Lener, der u.a. auf eine lange Erfahrung im Kran- und Seilbahnbau zurückblicken kann, hat die Lehre vor allem durch seine hervorragenden Kenntnisse auf dem Gebiet der numerischen Methoden wesentlich bereichert und die Berechnungsmethodik und Einsatzmöglichkeiten der Finiten Elemente den Studierenden nähergebracht.

Innsbruck, im August 2011

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