Tourismus im Zentrum

Kommentar 01_2020

Der Tiroler Tourismus braucht Vielfalt - für ein Mehr an Diversität!
Mike Peters / Mai 2020
 
Covid-19 Krise trifft den Tourismus hart. Viele Betriebe mit dünner Finanzdecke rutschen schnell in eine Existenzkrise und für einige wird dies der Todesstoss sein. Das erfolgreiche Ankurbeln des Tourismus hängt natürlich ab von der Öffnung der Grenzen zu unseren stärksten Sendeländern - aber bis dahin wir es sicher noch einige Wochen dauern. Was können wir nun tun in dieser schweren Zeit. Einerseits reflektieren was geschehen ist, andererseits in die Zukunft schauen und handeln.
Die Reflexion betrifft den Umgang mit der Krise, und wir müssen uns Fragen gefallen lassen, ob unser Krisen- und Risikomanagement gut aufgestellt ist oder inwieweit Gemeinden, Branchen und Institutionen zusammen für mehr Widerstandskraft bzw. Resilienz sorgen könnten. Hier gibt es natürlich viele Kläger und (vermeintlich) Schuldige - sachlich geht es hier aber kaum zu. Ich hoffe auf ein Gremium, das sachlich und unvoreingenommen aufarbeitet was geschehen ist und darauf aufbauend Schlüsse ziehen kann (nicht nur Anklagen sondern auch Optimierungen für die Zukunft). 
Andererseits müssen wir aber auch die Zeit nutzen, um langfristig einiges besser zu machen. Einige Destinationen haben schon klargestellt, dass sie ihr „Image" korrigieren möchten - andere reden wieder von „Nachhaltigkeit" und "sozialer Verantwortung". Das ist richtig - ABER geht das aus eigener Kraft?
 
Der Tiroler Tourismus ist in den letzten drei Jahrzehnten extrem innovativ gewesen, gerade weil er sich über die Branchen und über die Grenzen hinweg geöffnet hat, gerade weil man sich neuen Technologien und wissenschaftlichen Erkenntnissen bedient hat - jene Erkenntnisse, die aber ein Wachstum behindern (Stichwort: Klimaveränderung), die hat man gerne mal negiert. 
Offenheit ist aber gerade jetzt notwendig: Gremien müssen auch Nicht-TouristikerInnen und vor allem ausgewogen Frauen und Männer zulassen und idealerweise über den „Tellerrand“ blicken. Für eine kritische Diskussion, wie es mit dem Tiroler Tourismus weitergeht braucht es mehr Frauen in den sog. Expertengremien, mehr Wissenschaft (ja, das ist mein Eigeninteresse), VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen, der Unternehmen, der Einheimischen etc. - und weniger Parteipolitik. Es gibt sie, die erfolgreichen und selbstkritischen TouristikerInnen in Tirol und es wäre schön, wenn wir diese gemeinsam mit einer Vielfalt an Interessierten konstruktiv und kritisch an einen Tisch bekommen würden - mit Betonung auf „Vielfalt“. Das würde dem Tiroler Tourismus gut stehen und im übrigen auch dessen Image verbessern!

 
 
 

 Publikationsverzeichnis

In unserem Publikationsverzeichnis finden Sie alle Veröffentlichungen, an denen Forscher unseres Instituts beteiligt waren [mehr]

 

 

Nach oben scrollen