Projektbeschreibung

Joseph Resch war einer der bedeutendsten Intellektuellen, die im 18. Jh. in Südtirol gewirkt haben. Neben zahlreichen historischen Werken verfasste er auch eine Reihe von Dramen, die für die schulische Aufführung gedacht waren. Entstanden sind sie in den Jahren 1745–1761, als Resch Präfekt des Hochfürstlichen Gymnasiums zu Brixen war. 15 dieser Stücke haben sich in Drucken oder Handschriften erhalten. Letztere befinden sich heute in der Bibliothek des Priesterseminars Brixen. In dem Projekt „Brixner Schultheater: Edition und Übersetzung der neulateinischen Dramen von Joseph Resch“ sollen alle 15 Dramen online ediert und übersetzt werden.

Auszug aus der "Rhetorica" (1751); SEM F17; keine Paginierung; sechste Szene

Das Vorhaben rückt nicht nur die zu Gunsten seiner anderen Werke vernachlässigte dramatische Produktion von Resch in den wissenschaftlichen Fokus, sondern leistet im Bereich der Grundlagenforschung auch einen bedeutenden Beitrag zur quellengeschichtlichen Erschließung des Neulateinischen Schultheaters im 18. Jh. Denn während das 16. und 17. Jh. in dieser Hinsicht gut erschlossen sind, wurde das 18. bisher zu Unrecht vernachlässigt. Erst seit kurzer Zeit ist hier ein Umdenken festzustellen: Mittlerweile gibt es auf internationaler Ebene einige Bestrebungen, dem neulateinischen Schultheater des 18. Jh.s jenen Platz in der Kulturgeschichte einzuräumen, der ihm gebührt. Das Projekt zu Reschs Dramen wird diesem Trend nicht nur folgen, sondern dürfte ihn sogar verstärken.

Die Projektlaufzeit beträgt 29 Monate. In den ersten Monaten werden die Handschriften fotografiert, die Wissensgrundlage der ProjektmitarbeiterInnen komplettiert und gemeinsame Übersetzungs- und Editionsprinzipien erarbeitet. In der Hauptphase werden die Stücke transkribiert und übersetzt, kurze Einleitungen erstellt sowie verständnisrelevante Anmerkungen ergänzt. Die Ergebnisse werden dann neben dieser Website auch auf dem online-Portal Latinitas Tyrolensis publiziert, das lateinische Texte aus Tirol im Internet zugänglich und elektronisch durchsuchbar macht.

Bereits während der Projektlaufzeit wird großer Wert auf eine weitreichende Dissemination der Forschungsergebnisse gelegt ("Aktuelles"). So wird in Brixen eine wissenschaftliche Tagung zum Neulateinischen Schultheater im 18. Jh. stattfinden, in der Reschs Dramen vor ihrem zeitgenössischen Kontext betrachtet und einem Fachpublikum vorgestellt werden. Dieses wird auch durch die Publikation der dazugehörigen Akten und über weitere Vorträge erreicht, welche die ProjektmitarbeiterInnen auf anderen Tagungen und Kongressen präsentieren. Ein wichtiger Bereich für die weitere Verbreitung der Projektergebnisse ist die Schule. Hier konnte mit dem Humanistischen Gymnasium „Vinzentinum“ in Brixen ein besonders attraktiver Projektpartner gewonnen werden. Geplant sind 1. die Konzeption und Erprobung einer Unterrichtsreihe zu Reschs Dramen, die in einer führenden fachdidaktischen Zeitschrift publiziert und in Südtirol über eine LehrerInnenfortbildung publik gemacht werden soll, und 2. die Aufführung eines Resch-Stücks im hauseigenen Theater. Der Reiz einer solchen Vorstellung liegt darin, dass nicht nur die Forschungsergebnisse in einer unkonventionellen Weise einem relativ breiten Publikum weitervermittelt werden, sondern auch in der Möglichkeit, eines der Dramen in der Stadt seiner Erstaufführung ein zweites Mal auf die Bühne zu bringen.

Für den Raum Südtirol ist das Projekt deshalb von besonderer Bedeutung, weil es das literarische Erbe eines prominenten Tiroler Gelehrten sowohl der internationalen Forschergemeinde als auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht und einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgeschichte des Landes leistet.