Gendersensibilität als Lehrkompetenz an der Universität

 

Im alltäglichen Handeln und Sprechen ordnen wir quasi unvermeidlich die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, in „weiblich“ bzw. „männlich“ ein. Annahmen über Geschlechterstereotypen spielen dabei meist unbewusst eine bedeutende Rolle. Dies trifft auch auf den Lehralltag zu. Universitäre Lehre wird zwar oft für geschlechtsneutral gehalten, ist im Allgemeinen jedoch geschlechterunsensibel, da zumeist Gender-Fachwissen nicht ausreichend vorhanden ist.

„Gender-Kompetenz“ bedeutet die Fähigkeit, im eigenen Aufgabenbereich Geschlechteraspekte zu erkennen und in das Handeln einzubeziehen. Dies ist ein lang dauernder Prozess, der immer wieder – am besten im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen – zu hinterfragen und zu reflektieren ist.

Gendersensible Hochschuldidaktik ist eine bewusste und verstärkte Bedachtnahme jener Aspekte, die sich bei der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen im Zusammenhang mit dem Geschlechterverhältnis auftun. Ihr Ziel ist der anerkennende und gleichberechtigte Umgang mit der Vielfalt von Menschen; Geschlecht ist dabei nur ein Faktor, der jedoch als „eye-opener“ für die Wahrnehmung anderer Unterschiede wirken kann.

Im Konkreten geht es dabei sowohl um die Vorbereitung als auch um die Durchführung von Lehrveranstaltungen und – darüber hinaus – um das gesamte Setting des Lehr- und Lernprozesses.

Prof. Gesine Spieß, langjährige Expertin auf diesem Gebiet von der Fachhochschule Erfurt, rät z.B.: „Studentinnen brauchen weibliche Vorbilder. Lassen Sie diese in der Lehre aufleben! Erwähnen Sie die Forscherinnen, bedeutende Frauen und Wissenschaftlerinnen Ihres Fachs und zitieren Sie diese.“ Interesse an weiteren einschlägigen Tipps von Gesine Spieß?

 

Die Universität konstruiert ihre eigenen „Geschlechterarrangements“, eine Tatsache, die nur selten explizit thematisiert wird.

Gendersensible akademische Didaktik geht aber über das individuelle Wollen und Können einzelner Personen hinaus, denn es steht im Kontext der gesamten Universität. Es ist ein Zusammenwirken von Individuum, Institution, Kultur und Gesellschaft. Die (Weiter)Entwicklung von Gender-Kompetenz in der Lehre ist also auch Aufgabe der Hochschule selbst.


Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, bietet der Bereich Gender Studies im Büro für Gleichstellung und Gender Studies der LFU Innsbruck Unterstützung an:

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