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Das Abkommen von Jalta 1945 - "Hauptziel des Krieges ist der Frieden"

(ausgearbeitet von Karin Schmid)

 

Mit dem Wunsch bzw. Wille zum Frieden trafen sich Jossif  W. D. Stalin, Franklin Delano Roosevelt und Winston Churchill 1945 in Jalta, im Nordosten der Krim-Halbinsel gelegen. Der Jalta-Konferenz waren langwierige Planungen vorausgegangen; Roosevelt äußerte als erster den Wunsch nach einem weiteren Treffen "der drei" (nach Teheran 1943) , die endgültigen Einladungen ergingen von Seiten Stalins.

Zum Zeitpunkt der Konferenz standen die Alliierten vor einem militärischen Sieg, die Planungen dar-über, was nach diesem geschehen solle, waren aber weit hinter den militärischen Bemühungen zu-rück geblieben. Die Zeit auf Jalta sollten hauptsächlich dazu genutzt werden Politik und Strategie zu koordinieren.
Die zentralen Gesprächsthemen der einwöchigen Tagung waren die baldige Beendigung des Krieges und die damit zusammenhängende Auswahl der dazu nötigen Mittel. Neben diesen Punkten stand auch das Paradoxon der "Zerstörung und Zukunft" Deutschlands im Mittelpunkt.


GETEILTE WELT -  NICHT-GETEILTE ANSICHTEN:

Churchill will einen "günstigen" Frieden. Er ist primär an der Sicherung der britischen Insel interessiert und in diesem Sinne an einer Intensivierung der Freundschaft mit Frankreich und der Bildung einer möglichst großen Besatzungszone in Norddeutschland. Arthur Comte spricht in seinem Werk "Die Teilung der Welt" von der "Einsamkeit Großbritanniens" angesichts des destruierten Frankreichs, des zerrüttelten Italiens und des in Trümmern liegenden Deutschland. Churchill wünscht sich eine mächti-ge Familie rund um den Atlantik. Er ist - im Gegensatz zu Roosevelt - gegen die finanzielle Unterstüt-zung Chinas, da er mit dessen baldigen Aufstieg und somit Konkurrenz von chinesischer Seite rech-net. Der Kopf der britischen Delegation fürchtet die Naivität der Amerikaner und misstraut Stalin. Er hat Angst vor dessen Handlungsschritten, sollten im britisch-amerikanischen Bündnis Risse auftreten.  Churchill nimmt bei den Besprechungen - zu seinem Ärger - eine defensive Rolle ein. Zu sehr auf die Gespräche konzentriert nimmt er das Misstrauen- Stalin und Roosevelt halten ihn für einen habgieri-gen Imperialisten - um sich herum nicht wahr.

Roosevelt seinerseits will einen raschen Frieden. Die Vernichtung Hitlers sieht er als die zentrale Auf-gabe der Amerikaner. Deutschland und Japan sollen bestraft werden. Der Präsident der vereinten Staaten drängt auch auf schnellst möglichen Frieden, da er atomare Angriffe seitens der Deutschen fürchtet. Roosevelt will einerseits unter allen Umständen einen Separatfrieden zwischen Deutschland und den Sowjets verhindern und die Russen andererseits zum Kriegseintritt gegen Japan bringen. Für den amerikanischen der drei Freunde müssen die UdSSR und die USA mit ihrer Autorität die Haupt-träger der Vereinten Nationen bilden, damit die Organisation fähig wird dauerhaften Frieden zu garan-tieren.
Roosevelt hegt neben dem Wunsch nach Frieden den Willen als Mann des Friedens in die Geschichte einzugehen.

Stalin will einen "den Umständen angepassten" Friede. Für ihn ist es von Bedeutung Russland von den Todeszuckungen der kapitalistischen Welt abzuschirmen. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen hielt er es für nötig hinter den Außengrenzen Russlands eine möglichst große Anzahl von Satelliten-staaten zu installieren. Und zweitens, da er - im Gegensatz zu Churchill - das Misstrauen gegenüber seiner Person verspürte, die Bedenken der westlichen Welt zu zerstreuen.  Die Vereinten Nationen sah man in Moskau als eine Art heilige Allianz, in der die kapitalistischen Staaten die Mehrheit stellen würden. Um dieser Gefahr zu entgehen brachte die russische Delegation den Vorschlag einen Rat der großen Drei mit Veto-Recht über die Vereinten Nationen zu stellen.
Die Russen waren von einem baldigen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Europa überzeugt und glaubten sich den Briten überlegen. Aus diesem Grund lehnt Stalin eine Stärkung Frankreichs vehement ab, da die Franzosen die englischen Interessen unterstützen und so die russischen gefähr-den könnten.


So unterschiedlich die geographische Herangehensweise der großen Drei zu diesem Gipfel war, so groß war die inhaltliche. Am Abschlusstag der Konferenz wurden schlussendlich folgende Punkte einvernehmlich im Rahmen der neun Punkte umfassenden "Kommuniqué vom 11. Februar" festgelegt:

1: Die Besiegung Deutschlands: Es wurde ein noch regerer Informationsaustausch und noch besser aufeinander abgestimmte militärisches Vorgehen beschlossen. Somit gilt Nazi-Deutschland als "dem Untergang geweiht".
2. Die Besetzung und Kontrolle Deutschlands: Eine bedingungslose Kapitulation Deutschlands wird gefordert. Die drei Mächte - plus Frankreich - sollen jeweils eine separate Zone des Landes beset-zen.
3. Deutschlands Reparationen: Es wird als gerecht angesehen, dass Deutschland Sachentschädigun-gen in möglichst hohem Ausmaß entrichten muss.
4. Konferenz der Vereinten Nationen: Die Errichtung einer "allgemeinen internationalen" Organisation soll rasch geschehen. China und Frankreich sollen mit Großbritannien, den USA und Russland die Einladungen entsenden.
5.Erklärung über das befreite Europa: Eine separate Erklärung über das befreite Europa beinhaltet das Versprechen der drei Mächte alle Entscheidungen im Sinne von der Naziherrschaft befreiten Völ-ker getroffen werden. .."die befreiten Völker in die Lage versetzen, die letzten Spuren des Nationalso-zialismus und des Faschismus zu beseitigen und demokratische Einrichtungen nach ihrer eigenen Wahl zu schaffen..."
6. Polen: Die drei Vertragspartner einigten sich darauf in Polen eine überarbeitete provisorische Re-gierung einzusetzen, welche zur Abhaltung möglichst baldiger "allgemeiner und geheimer" Wahlen angehalten werden solle.
7. Jugoslawien: " Wir haben beschlossen Marschall Tito und Dr. Subasic zu empfehlen, dass das Ab-kommen zwischen ihnen unverzüglich in Kraft treten und eine neue Regierung auf der Grundlage diese Abkommens gebildet werden soll." 
8: Sitzungen der Außenminister: Treffen der Außenminister der drei teilnehmenden Staaten in Jalta erwiesen sich als fruchtbar, und sollen deshalb in Zukunft regelmäßig stattfinden.
9: Einigkeit in Krieg und Frieden: "Nur durch fortwährendes und wachsendes Zusammenarbeiten und Verstehen zwischen den drei Ländern und zwischen allen friedliebenden Nationen kann der größte Wunsch der Menschheit verwirklicht werden - ein sicherer und fortdauernder Friede...." 

Eine weitere - besonders auch für die Kosaken - relevante Entscheidung fiel -allerdings inoffiziell - in Jalta: Jener über die Repartierung der "sowjetischen Staatsbürger". Die Forderungen der UdSSR be-züglich dieses Punktes lauteten am 10. Februar 1945: .."Dass sowjetische Staatsangehörige ohne Rücksicht auf ihre eigenen Wünsche und notfalls unter Gewaltanwendung zu repatriieren seien..."
Das Dokument der diesem Verlangen zustimmte wurde in letzter Konsequenz von allen drei Seiten unterschrieben, nachdem es lange Diskussionen darüber gegeben hatte, wer denn nun als sowjeti-scher Staatsbürger anzusehen sei.
Offiziell wurden sowjetische Staatsbürger nach folgenden Kriterien ermittelt:

1.) Ständiger Aufenthalt vor dem 3. September 1939 auf dem Gebiet der UdSSR in ihren damali-gen Grenzen
2.) Gefangennahme nach dem 11. Februar 1945 (Tag der Unterzeichnung des Jalta-Abkommens)

Die Amerikaner wie die Briten erkannten die Annexion der Westukraine, West-Weißrusslands, Lett-lands, Litauens und Estland durch die Sowjetunion von 1939/1940 nicht an, und zählte folglich die "Kinder" aller dieser Staaten nicht als sowjetische Staatsbürger.
Nach den Genfer Konventionen waren Soldaten aus der Sowjetunion in deutscher Uniform, die sich noch dazu selbst als Deutsche bezeichneten, als ebensolche zu behandeln. Über diesen Umstand wusste tragischerweise die Mehrzahl der Offiziere nicht Bescheid.

Die Amerikaner bestanden ursprünglich darauf, dass nur jene Personen als Angehörigen der Sowjet-union galten, die sich selbst als sowjetische Staatsbürger "deklarierten" und auch die Briten schlugen vor, auf die individuellen Wünsche der Gefangenen einzugehen.
Schlussendlich wurde aber in den beiden getrennten Vereinbarungen - zum einen der amerikanisch-sowjetischen, zum anderen der britisch-sowjetischen, alle Forderungen Stalins erfüllt.

Die Folgen der Repartierung merkten General Ratow (UdSSR) und Brigadier H. Firebrace (GB) am eigenen Leib, als sie dazu bestimmt wurden, angebliche "Nicht-Sowjets" Sprachtests zu unterziehen; wer jenen "bestand", und beweisen konnte, dass er vor 1939 nicht in der UdSSR wohnhaft gewesen war, kam in ein Zwischenlager, was aber keinesfalls einer Rettung gleichkam.  Firebrace belastete die Situation sehr, er handelte gegen seine Überzeugung: "...höhere Politik.."  ;man hatte ihm gesagt, es habe seinen guten Grund, dass das in Jalta in dieser Weise abgemacht worden sei und unbedingt eingehalten werden müsse."
Hätte er gegen die russischen Interessen gehandelt, wären englische Offiziere in Odessa zurückbe-halten worden. 
Dasselbe galt für die Franzosen, sie lieferten die "Sowjets" aus, da sie im Gegenzug die Rücksendung der französischen Gefangenen aus sowjetischer Gewalt erwarteten.

Darüber, was mit den deutschen Soldaten aus der Sowjetunion - die teilweise gewaltsam zum Eintritt in das deutsche Heer gezwungen wurden -  geschehen sollte, äußerte sich Stalin nur wage. Es hieß, dass man sich darum kümmern würde wenn die Soldaten heimischen Boden betreten hätten.
So sehr die sowjetische Regierung bestrebt war alle sowjetischen Staatsbürger zurück zu holen, so sehr befürchteten sie deren "westlichen" Einfluss auf die wahren Sowjets. Um diese Gefahr zu ban-nen, plante Stalin die Repartierten von der restlichen Bevölkerung abzuschotten.
Kriegsgefangene wie Zivilverschleppte sollten in eine Heimat geführt werden die nicht ihre war. Alle Menschen fürchteten sich in einer dunklen Zeit, die noch dunklerer Schatten der Zukunft vorauswarf vor einer Heimkehr.
"Man schlug also vor, nicht den Bürger, sonder den Staat als Subjekt für das "Recht auf Rückkehr" zu sehen!" 
Andererseits glaubte man nicht daran, dass so viele Menschen umgebracht werden könnten, wie zur Rückkehr gezwungen wurden. Viele gingen davon aus, dass nur einige Exempel statuiert werden würden. 

Die Kosakenkavalleriekorps samt ihren Angehörigen galten als sowjetische Staatsbürger. Es wird berichtet, dass den englischen Befehlshabern sehr wohl bewusst war, dass sich die Kosaken nicht freiwillig nach Russland senden lassen würden, vor allem dann nicht, wenn ihnen ihre Offiziere das Gegenteil befehlen würden. 


VERWENDETE LITERATUR:

Bethell, Nicholas: Das letzte Geheimnis. Die Auslieferung russischer Flüchtlinge an die Sowjets durch die Alliierten 1944-47. London 1974.

Clemens, Shaver, Diane: Jalta. Oxford University Press 1970.

Conte, Arthur: Die Teilung der Welt. Jalta 1945. Paris 1964.

Polian, Pavel: Deportiert nach Hause. Sowjetische Kriegsgefangene im "Dritten Reich" und ihre Re-partierung. München (Oldenbourg 2001.