Die "Tragödie an der Drau"

 

Von Italien über den Plöckenpaß kommend, gelangten im Mai 1945 etwa 25.000 Kosaken in das Gebiet von Oberkärnten und Osttirol. Die Einheiten standen unter dem Kommando von General Domanov und hatten auf der Seite der Wehrmacht für das Nationalsozialistische Deutschland und gegen Stalin und die Sowjetische Armee gekämpft. Dabei waren die kämpfenden Einheiten alles andere als zimperlich oder harmlos, wenn es galt, einen blutigen Kapmpf gegen norditalienische oder jugoslawische  Partisanen zu führen. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands bedrohte sie mit dem Tod oder zumindest der Verbannung nach Sibirien. Deshalb flohen sie in Richtung Österreich. In der Gegend um Lienz glaubte man sich in Sicherheit, wurde das Gebiet doch von den Engländern kontrolliert.

 

 

kos_04 Im Tross der Kosaken befanden sich auch Frauen, Kinder, alte Menschen und tausende Pferde. Ende Mai 1945 jedoch wurden, nachdem man die Führungsoffiziere verhaftet hatte, alle Kosaken interniert und an die Sowjetunion ausgeliefert. Die Deportation aus Lienz dauerte mehrere Tage. Im Lager spielten sich infolge der brutalen englischen Vorgangsweise unbeschreibliche Schreckensszenen ab. Mütter stürzten sich mit ihren Kindern in die Hochwasser führende Drau, Väter erschossen zuerst ihre Kinder, dann sich selbst. Nur wenigen gelang die Flucht in die Wälder rund um Lienz. 

 

Die Bevölkerung reagierte 1945 angesichts der großen Zahl von Kosaken mit Angst, Furcht und Mißtrauen. Die Pferde fraßen innerhalb weniger Tage die Felder kahl. Die Vorbehalte gegenüber den "Fremden" waren deshalb sehr groß. Dennoch gab es  unterschiedlichste Kontakte zwischen Einheimischen und Kosaken, die von Hilfestellung bis zur Mithilfe an der Deportation  reichten. Nach der "Repatriierung" wurden die Kosakenlager nach allerlei Brauchbarem durchstöbert und untersucht, sodaß sich noch heute zahlreiche kosakische Ausrüstungsgegenstände in Osttiroler bzw. Oberkärntner Privatbesitz befinden.

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Die Ereignisse liegen mittlerweile 60 Jahre zurück. Nur wenig erinnert noch an die damalige Tragödie. Viele Zeitzeugen sind bereits verstorben. Die Nachfolgegenerationen sind sich über die Bedeutung der in ihrem Besitz befindlichen kosakischen Gegenstände nicht bewusst und so landen diese, weil das Wissen dazu fehlt, oft im Altwarenhandel oder auf dem Müll.