Flucht in die Hoffnungslosigkeit. Die Kosaken in Osttirol

25.5.2005 - 10.7.2005

Durch die effektive Zusammenarbeit zwischen Inform-Akademie (Tammerburg, Lienz), dem Institut für Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie und dem Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Innsbruck wurde es möglich, vom 26.05.2005 - 10.07.2005 durch eine Ausstellung an die Ereignisse von 1945 zu erinnern.

Das Besondere daran ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten aus den Fächern Zeitgeschichte (Dr. Martin Kofler), Archäologie (Prof. Harald Stadler) und Volkskunde (Mag. Karl C. Berger), die es erstmals zu schaffen vermag, die großen politischen Zusammenhänge mit aufschlussreichen Funden zum Lagerleben der Kosaken zu verknüpfen. Ausgehend vom Faktum, dass Osttirol mit der Repatriierung der im Lienzer Talboden zu Kriegsende gestrandeten Kosaken durch die Briten an die Sowjets das einzige (!) Mal Schauplatz der Weltgeschichte gewesen ist, wird der Fokus durch Zeitzeugenaussagen und Dokumente auch auf die Reaktion der lokalen Bevölkerung gelegt.

Ausstellung01 "Raum der Erinnerung"

 

 

Das Herzstück der Ausstellung, der rote Faden gewissermaßen, bildet aber eine einmalige Präsentation zahlloser neuer Schaustücke, welche den langen Weg der mit der Deutschen Wehrmacht verbündeten Kosaken auf dem Rückzug vor der Roten Armee dokumentiert: Von Südrussland gelangte der Tross schließlich mit "Kind und Kegel" über Oberitalien und den Plöckenpass sowie Gailberg Ende April/Anfang Mai 1945 in das Osttiroler Drautal.

Ausstellung "Flucht"


Als einmalige Quelle dokumentiert das extra für die Ausstellung edierte Tagebuch des Kosaken Iwan Nikolajewisch Tscherenkow den langen mühsamen Weg der Kosaken von den Tiefen des Kaukasus bis in unsere Heimat. Während nun die Lienzer NS-Stadtverwaltung eine rasche Weiterleitung der bedrohlich wirkenden Menschenmasse mit ihren mehreren tausend Pferden nach Südtirol befürwortet hätte, wurde dieser Wunsch von der Geschichte überholt. Mit dem Einmarsch der britischen Besatzer wenige Tage später endete der Zweite Weltkrieg auch in Osttirol. Das Schicksal der Kosaken sollte aber eine ganz andere Wendung nehmen.

 

Ausstellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Steine zeigen das Zahlenverhältnis zwischen Kosaken und Einheimischen"

 

Das Abkommen von Jalta zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion hatte im Feber 1945 festgelegt, dass die durch die Engländer und Amerikaner "befreiten" Sowjetbürger an die UdSSR repatriiert werden würden. Die Briten überfüllten diese Vereinbarung aber sogar, in dem sie alle Kosaken (also auch sog. "alte Emigranten" aus der Zeit des russischen Bürgerkriegs, die nie Bürger der Sowjetunion gewesen waren) zwangsweise auslieferten. Nach der Finte einer erfundenen Konferenz in Spittal an der Drau, wodurch man der Kosaken-Offiziere habhaft werden konnte, folgte am 1. Juni 1945 unter z.T. brutalem Vorgehen der Briten das Einladen tausender Kosaken in die Bahnwaggons in der Peggetz. Manche Kosaken konnten fliehen, einige wurden totgetrampelt, und andere sprangen in die reißende Drau oder erhängten sich in den nahenden Wäldern - um der sicheren "Sendung in den Tod" zu entgehen. Die "Tragödie an der Drau" dürfte mehreren hundert Kosaken den Tod gebracht haben.