Dogma und dramatische Geschichte

Raymund Schwager

Raymund Schwager: Dramatische Theologie

Dramatische Theologie als Form interdisziplinären Theologietreibens im Dienst eines friedvolleren Zusammenlebens. Erschließung, Edition und Kommentierung des Nachlasses von Raymund Schwager SJ

Der 2004 verstorbene Innsbrucker Dogmatiker Raymund Schwager hat einen innovativen theologischen Ansatz vertreten, der die Theologie in den Kontext der Gewalt- und Friedensproblematik stellt.

Zentraler Gedanke seines Ansatzes ist es, dass Offenbarung Gottes als interdependentes geschichtliches Handeln von Gott und Mensch zu verstehen ist und daher die das Offenbarungsgeschehen bezeugenden biblischen Schriften nach dem Modell eines Dramas zu deuten sind. Schwager entwickelte diesen Anatz in regem Austausch mit dem Kulturwissenschaftler René Girard und der von diesem formulierten mimetischen Theorie. Dabei ist davon auszugehen, dass sich der dramatische Ansatz Schwagers und die mimetische Theorie Girards gegenseitig beeinflusst haben.

Das FWF-Forschungsprojekt "Raymund Schwager: Dramatische Theologie" stellt sich die Aufgabe, diesen Ansatz weiterzuführen. Dabei soll zum einen das z.T. noch fragmentarische Werk Schwagers "Dogma und dramatische Geschichte. Christologie im Kontext von Judentum, Islam und moderner Marktkultur" in einer kritischen Edition mit sachkundigen Begleitkommentaren herausgebracht werden; zweitens soll der Briefwechsel zwischen R. Schwager und R. Girard, ebenfalls in kommentierter Form, publiziert werden. Das Projekt stützt sich dabei in erster Linie auf das Material im Innsbrucker Raymund-Schwager-Archiv, in dem der wissenschaftliche Nachlass des 2004 überraschend verstorbenen Dogmatikers gelagert wird ... 

Nähere Informationen

Ass.-Prof. PD Dr. phil. Dr. theol.
Mathias Moosbrugger

Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie
Karl-Rahner-Platz 1 (Erdgeschoß, Raum E 09)
6020 Innsbruck
Tel.: + 43(0)512/507-85630
E-Mail: mathias.moosbrugger@uibk.ac.at

Sprechstunde: nach Vereinbarung

Buchcover Dogma und dramatische Geschichte

Raymund Schwager, Dogma und dramatische Geschichte. Christologie im Kontext von Judentum, Islam und moderner Marktkultur (Gesammelte Schriften 5), hg. von Józef Niewiadomski und Mathias Moosbrugger, Freiburg i. Breisgau 2014.

Christologie im Kontext von Judentum, Islam und moderner Marktkultur

Der erste Band der auf insgesamt acht Bände konzipierten "Gesammelten Schriften" Raymund Schwagers ist erschienen!

"Dogma und dramatische Geschichte" ist Raymund Schwagers letzte groß angelegte Studie, mit der er sein Modell theologischen Denkens im Feld der Dogmengeschichte erproben wollte. Er entwickelt darin nicht zuletzt einen neuen Zugang zur dogmatischen Denkform der Kirche, die er nicht als ausschließendes Machtinstrument, sondern als Instrument einer auch widerstrebende Anliegen "dramatisch" umfassenden Lebensform erschließt. Die Sprengkraft des christlichen Dogmas wird dabei klar konturiert, zugleich werden aber auch Engführungen im Laufe der Geschichte kritisch ins Auge gefasst.

Wegen seines Todes im Februar 2004 ist das Buch Fragment geblieben - die darin entwickelten aufregenden neuen Perspektiven sind allerdings gerade heute mehr als nur bedenkenswert. In dieser kritisch edierten Ausgabe werden sie erstmals publiziert.

Als nächster Band der Reihe erscheint Ende 2014 Schwagers Briefwechsel mit René Girard. Daran anschließend werden seine monographischen Hauptwerke, wichtige Aufsätze und auch noch unpublizierte Materialien veröffentlicht. Bis 2017 sollen jeweils zwei Bände pro Jahr erscheinen.


Teilnehmer Arbeitskonferenz

Die (meisten) Teilnehmer der Arbeitskonferenz im Raymund-Schwager-Archiv

Arbeitstagung

Im Dezember 2012 fand an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck eine internationale Arbeitskonferenz im Rahmen des Forschungsprojekts "Raymund Schwager: Dramatische Theologie" statt. Dabei wurde der dogmengeschichtliche Entwurf "Dogma und dramatische Geschichte" von R. Schwager und seine Korrespondenz mit R. Girard intensiv diskutiert und die weitere Vorgehensweise bei der Veröffentlichung besprochen.

Zum Programm

2014 startet mit der Publikation von "Dogma und dramatische Geschichte" und von Schwagers Korrespondenz mit Girard eine achtbändige Ausgabe der "Gesammelten Schriften" Schwagers. Die Kommentare zu diesen beiden Bänden, die die Teilnehmer der Arbeitskonferenz erstellt haben, werden als Begleitband der "Gesammelten Schriften" 2015 erscheinen.

Kooperationspartner

Das Forschungsprojekt ist sowohl strukturell als auch personell besonders intensiv in das Teilprogramm "Dramatische Theologie" des Forschungszentrums "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung" (RGKW) an der Theologischen Fakultät Innsbruck, das zur universitären Forschungsplattform "Politik, Religion, Kunst" (PRK) gehört, eingebettet. Als wichtiges Instrument der Vernetzung des Projekts auf internationaler Ebene ist das "Colloquium on Violence and Religion" (COV&R) zu nennen, in dem Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen vertreten sind, die sich in gegenseitigem Austausch intensiv mit der mimetischen Theorie nach René Girard beschäftigen. Es bestehen in diesem Zusammenhang zahlreiche Kooperationen mit Wissenschaftlern in Europa und Nordamerika, die bei der Erstellung der kommentierenden Beiträge in den beiden Bänden, die herausgegeben werden sollen, einbezogen werden.  

1. Sitzung des COV&R-Boards (mit R. Schwager)

1. Sitzung des COV&R-Boards (mit R. Schwager)

International

René Girard (Stanford)

James G. Williams (Syracuse University, N.Y.)

Benoît Chantre (Association Recherches Mimétiques, Paris)

Elmar Koziel (Universität Würzburg), Michael Kirwan (Heythrop College, London), Ralf Miggelbrink (Universität Duisburg-Essen)

Archiv Hans Urs von Balthasar (Basel)

National

Gerhard Larcher (Universität Graz)

Jan-Heiner Tück (Universität Wien)

Kooperation mit dem Forschungszentrum RGKW an der Theologischen Fakultät Innsbruck

Roman A. Siebenrock (Dogmatische Theologie und Fundamentaltheologie)

Wilhelm Guggenberger (Christliche Gesellschaftslehre)

Wolfgang Palaver (Christliche Gesellschaftslehre)

Projektbeschreibung  

Im Zentrum des Forschungsprojektes (2010-2013) steht die Rekonstruktion des spezifischen theologischen Ansatzes R. Schwagers mit besonderem Blick auf seine Relevanz für die Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen nach einem friedvollen gesellschaftlichen Zusammenleben der globalisierten Menschheit. In besonderer Weise sollen dabei die methodische und thematische Entwicklung der Dramatischen Theologie, die Verbindungen zwischen Dramatischer Theologie und mimetischer Theorie, der Mehrwert des dramatischen Zugangs für die Klärung des kultur- und religionswissenschaftlich fassbaren engen Konnexes zwischen Religion und Gewalt, sein Beitrag zu einer "Lösung" dieses prekären Verhältnisses sowie Schwagers Methodik für die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaften in den Blick genommen werden. Dabei soll eine sowohl genetische als auch systematische Herangehensweise an die Thematik dabei helfen, den theologischen Ansatz R. Schwagers in seinem soziopolitischen, akademischen und theologisch-kirchlichen Umfeld zu verorten.

R. Schwager misstraute vorschnellen, "einfachen" Lösungen grundsätzlich, da sie in seinen Augen dazu neigen, die unterschwelligen Konflikte zu übertünchen anstatt sie wirklich ernst zu nehmen. "Wo jedoch der Mut [... zur] Dramatik fehlt und die Versöhnung vorschnell gesucht wird, dort dürfte nicht mehr der allumfassende Geist am Wirken sein, sondern eher eine götzenhafte Verabsolutierung sichtbarer Strukturen sich abzeichnen." Diese Grundüberzeugung leitete Schwager auch in seinem theologischen Arbeiten. Er griff deshalb auch besonders gerne "heiße Eisen" auf, die, um eines meist oberflächlichen Burgfriedens willen, vernachlässigt worden waren, und geriet dadurch nicht selten in tiefgreifende Auseinandersetzungen mit anderen TheologInnen und ForscherInnen über die Grenzen der Theologie hinaus. Es ist von daher anzunehmen, dass die Genese von Schwagers theologischem Denken gerade auf dem Hintergrund dieses dramatischen Dialogs mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern zu rekonstruieren ist.

Das Forschungsprojekt wird diese hermeneutischen und methodischen Leitlinien in Schwagers Denken in der konkreten Erarbeitung zweier Bände aufgreifen:

R. Girard an R. Schwager, 8. April 1974

 R. Girard an R. Schwager, 8. April 1974

Bd. 1 wird sich dabei der Korrespondenz zwischen Raymund Schwager und René Girard widmen, der als einer der wichtigsten intellektuellen Gesprächspartner Schwagers gelten kann. Die Dramatische Theologie in ihrer spezifischen Offenheit für Fragen human-, kultur- und religionswissenschaftlichen Zuschnitts verdankt sich nicht zuletzt der intensiven Auseinandersetzung mit der mimetischen Theorie R. Girards. Um der gegenseitigen Befruchtung von Dramatischer Theologie und mimetischer Theorie näher auf die Spur zu kommen, soll der sich im R.-Schwager-Archiv in Innsbruck befindliche französischsprachige Briefwechsel (1974-1991) im Umfang von 99 Stücken kritisch transkribiert, übersetzt und mit entsprechenden Kommentaren versehen herausgegeben werden (Herausgeber: N. Wandinger, K. Peter; Übersetzer: S. de Keukelaere).

R. Schwager an R. Girard, 30. Juni 1976

R. Schwager an R. Girard, 30. Juni 1976

Mit Bd. 2 soll das teilweise noch unvollendet gebliebene letzte Werk R. Schwagers, "Dogma und dramatische Geschichte. Christologie im Kontext von Judentum, Islam und moderner Marktkultur" veröffentlicht werden. Das Manuskript ist in vieljähriger Arbeit entstanden und hat in dieser Zeit mehrere Restrukturierungen und Überarbeitungen erfahren. In diesem Band soll auf der Basis des vorhandenen Materials (R.-Schwager-Archiv) die Genese des Manuskripts und damit gleichzeitig das dramatische Ringen Schwagers mit verschiedensten theologischen und human- und kulturwissenschaftlichen Positionen rekonstruiert werden; es stellt in dieser Hinsicht nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch den theologischen Ansatz Schwagers in seiner reifsten, wenn auch unglücklicherweise Fragment gebliebenen Form dar. Die kritische Edition soll den Text Schwagers in der letzten Fassung erschließen. Auf dieser Basis sollen Kommentare von Weggefährten und intimen Kennern Schwagers seinen theologischen Ansatz intensiv beleuchten und dessen Relevanz für eine Theologie des 21. Jahrhunderts herausarbeiten (Herausgeber: J. Niewiadomski, M. Moosbrugger).

Um eine interaktive Zusammenarbeit der KommentatorInnen zur Korrespondenz und zur edierten Monographie zu ermöglichen, wird eine entsprechende Intranetplattform erstellt. Darüber hinaus wird im dritten Arbeitsjahr des Projektes eine Konferenz in Innsbruck organisiert, die die nationalen und internationalen MitarbeiterInnen zusammenführen und einen fruchtbaren Austausch ermöglichen soll.

W. Palaver, J. Niewiadomski, R. Schwager und R. Girard (v.l.n.r.) im Gespräch

W. Palaver, J. Niewiadomski, R. Schwager und R. Girard (v.l.n.r.) im Gespräch

Projektteam

Das Projektteam: S. de Keukelaere, J. Niewiadomski, K. Peter, M. Moosbrugger, N. Wandinger (v.l.n.r.)

Das Projektteam: S. de Keukelaere, J. Niewiadomski, K. Peter, M. Moosbrugger, N. Wandinger (v.l.n.r.)

Bd. 1: "Dogma und dramatische Geschichte. Christologie im Kontext von Judentum, Islam und moderner Marktkultur"

Univ.-Prof. Dr. Józef Niewiadomski (Projektleiter)

Dr. Mathias Moosbrugger (Projektkoordinator)

Bd. 2: Briefwechsel zwischen R. Schwager und R. Girard

Univ.-Ass. Mag. Dr. Nikolaus Wandinger

Dr. Karin Peter

Mag. Simon de Keukelaere

Raymund Schwager

Zur Biographie

ausführliche Biographie

Raymund Schwager wurde am 11. November 1935 im schweizerischen Balterswil als zweites von sieben Kindern einer Bauernfamilie geboren. Er trat 1955 der Gesellschaft Jesu bei und studierte im Rahmen seiner ordensinternen Ausbildung Philosophie (Pullach, 1957-1960) und Theologie (Lyon-Fourvière, 1963-1967) und wirkte als Erzieher im Jesuitengymnasium Stella Matutina in Feldkirch (Vorarlberg). 1966 wurde er zum Priester geweiht, im Anschluss daran absolvierte er in Freiburg in der Schweiz ein Doktoratsstudium in Theologie (1967-1969). Von 1970 bis 1977 war er Redakteur bei der Zürcher Zeitschrift "Orientierung". 1977 schließlich folgte er einer Berufung auf einen Lehrstuhl für Dogmatische und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, wo er bis zu seinem Tod 2004 wirkte. Während zweier Perioden amtierte er als Dekan (1985-1987 und 1999-2003).

Raymund Schwager mit René Girard

Raymund Schwager mit René Girard

Ignatius von Loyola

Ignatius von Loyola

Hans Urs von Balthasar

Hans Urs von Balthasar

Das theologische Leitwort Schwagers, "dramatisch", zieht sich praktisch durch sein gesamtes wissenschaftliches Wirken. Bereits seine Dissertation trug den Titel "Das dramatische Kirchenverständnis bei Ignatius von Loyola. Historisch-pastoraltheologische Studie über die Stellung der Kirche in den Exerzitien und im Leben des Ignatius" (1970). Die explizite Systematisierung eines ausdrücklich "dramatischen" Ansatzes beschäftigte ihn in mehreren Monographien und zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen über viele Jahre hinweg, bis er sie in seinem Hauptwerk "Jesus im Heilsdrama. Entwurf einer biblischen Erlösungslehre" (1989, 19962) in ihrer "klassisch" fünf-aktigen Gestalt vorlegen konnte. Dabei beeinflusste ihn natürlich der bekannte dramatische Ansatz Hans Urs von Balthasars (v.a. seine "Theodramatik", 1971-1983); während Balthasar das Drama allerdings als sich unmittelbar in der trinitarischen Wirklichkeit Gottes ereignenden Vorgang betrachtete, erarbeitete Schwager seinen heilsdramatischen Entwurf ausdrücklich als einen bibeltheologischen Entwurf, der als maßgebliche Akteure nicht nur die göttlichen Personen, sondern auch die Menschen berücksichtigt. Das Heilsdrama, das sich in besonderer Weise im Verkündigen, Leben und Geschick Jesu ereignete, zeigte sich dabei für ihn als ein Geschehen, das in seiner bis zum Kreuz führenden Dramatik besonders auf dem Hintergrund der Mechanismen des menschlichen Zusammenlebens zu verstehen ist. Gerade diese Option für das Ernstnehmen der Relevanz der menschlichen Akteure im Drama des Heils führte Schwager zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der mimetischen Theorie René Girards, die sich als eine Fundamentalanthropologie versteht, die die Strukturen und Mechanismen menschlichen Interagierens erhellen kann. Bereits vor seiner Berufung nach Innsbruck war er in einen intensiven Dialog mit Girard getreten, der in intensiven persönlichen Gesprächen und einem umfangreichen Briefverkehr (1974-1991) geführt wurde. Schwager übernahm Girards Hypothese von einem objektlosen, an "Modellen" orientierten mimetischen Begehren, das zu einer eskalierenden Konfliktivität neigt und sich - quasi-mechanisch - nur mittels des gewalttätigen kollektiven Ausstoßens eines Dritten ("Sündenbockmechanismus") selbst regulieren kann. Da Girard die Entwicklung seiner grundlegenden These vor allem während den 1970er und 1980er Jahren z.T. massiv vorantrieb, ist davon auszugehen, dass auch Schwager als wichtiger Gesprächspartner Girards Einfluss auf diese Entwicklung genommen hat; mindestens in einem Fall - was die Qualifizierung des Todes Jesu als "Opfer" betrifft - ist das durch den Aufsatz Girards in der Festschrift zu Schwagers 60. Geburtstag ("Vom Fluch und Segen der Sündenböcke" [1995]) von Girard eindeutig festgestellt worden.

R. Schwager verstand sich nie als theologischen Einzelkämpfer. Er arbeitete früh daran, innertheologische und interdisziplinäre Gesprächskreise und Forschungsprogramme einzurichten, die sich in einem "dramatischen" Ringen um die Wahrheit mit den drängenden Problemen der Zeit auseinandersetzen sollten. Besondere Bedeutung kam dabei der Auseinandersetzung mit der Gewalt- bzw. Friedensproblematik zu, die auch für Schwagers eigenen (bibel-)theologischen Ansatz von fundamentaler Bedeutung war. Er war einer der Mitbegründer des internationalen und interdisziplinär ausgerichteten "Colloquium on Violence and Religion" (COV&R) im Jahr 1990; 1991 wurde er zu dessen ersten Präsidenten gewählt. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre begann er mit anderen den Aufbau des theologischen Forschungszentrums "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung" (RGKW); die interfakultäre Forschungsplattform "Weltordnung-Religion-Gewalt" (WRG), nunmehr "Politik, Religion, Kunst" (PRK), geht ebenfalls auf die Initiative von R. Schwager zurück. Von 1984 bis 1990 fungierte er als erster Vorsitzender des universitären Senatsarbeitskreises "Wissenschaft und Verantwortlichkeit"; von 1992 bis 1996 war er Vorsitzender des Arbeitskreises der Dogmatiker und Fundamentaltheologen des deutschen Sprachraums. Schwagers theologischer Ansatz wurde von seinen zahlreichen SchülerInnen und KollegInnen in unterschiedlichen theologischen Disziplinen (Christliche Gesellschaftslehre, Fundamentaltheologie, Exegese, Bibeltheologie etc.) übernommen und - in z.T. revidierter Form - weitergeführt. Er starb nur wenige Wochen nach seiner Emeritierung völlig überraschend am 27. Februar 2004. Sein wissenschaftlicher Nachlass wurde daraufhin gesichtet und im "Raymund-Schwager-Archiv" an der Theologischen Fakultät Innsbruck systematisch geordnet und so der Forschung zugänglich gemacht. Das Forschungsprojekt basiert in wesentlichen Teilen auf dem dort erschlossenen Material.

Hauptwerke R. Schwagers

vollständige Bibliographie

Das dramatische Kirchenverständnis bei Ignatius von Loyola.

Das dramatische Kirchenverständnis bei Ignatius von Loyola. Historisch-pastoraltheologische Studie über die Stellung der Kirche in den Exerzitien und im Leben des Ignatius, Zürich 1970.

Dieses erste Buch Schwagers, das als Dissertation an der Universität Freiburg i.d. Schweiz angenommen wurde, entfaltet die ersten Ansätze zu seinem späteren dramatischen Denken. Beeinflusst durch R. Barthes plädiert er dafür, das Kirchenverständnis des Ignatius nicht allein aus dessen hinterlassenen Schriften, sondern auch durch sein - damit oft in nicht auflösbarer Spannung stehendes - konkretes Leben und Ringen mit der Kirche in ihrer amtlichen und hierarchischen Verfasstheit zu rekonstruieren. Die Einheit mit der Kirche vollziehe sich demnach "in der Begegnung von Menschen ..., zwischen denen alle Momente wie in einem Drama, - Entwicklung, Auseinandersetzung, Spannung, Krise, Niederlage und letztliche Versöhnung - spielen können, ja sogar spielen 'müssen'. ... Diese Dramatik ist allerdings keine Tragik, sondern sie ist belebt von der sicheren Hoffnung auf eine letzte Versöhnung. Wo jedoch der Mut zu dieser Dramatik fehlt und die Versöhnung vorschnell gesucht wird, dort dürfte nicht mehr der allumfassende Geist am Wirken sein, sondern eher eine götzenhafte Verabsolutierung sichtbarer Strukturen sich abzeichnen." (S. 186f).

Jesus-Nachfolge. Woraus lebt der Glaube?

 Jesus-Nachfolge. Woraus lebt der Glaube? Freiburg i. Breisgau 1973

(online unter: http://systheol.uibk.ac.at/schwager/buch_gesamt.pdf)

Im Zentrum dieses Buches steht der Versuch, angesichts des Ungenügens herkömmlicher Glaubensbegründungen einen auf dem Neuen Testament basierenden Entwurf der Grundlagen christlichen Glaubens zu erarbeiten. Als zentrales Kriterium echter Offenbarung wird dabei bestimmt, dass diese sich in ihrem Charakter von üblichen menschlichen Erwartungen und Projektionen abzuheben habe. Dieses Kriterium werde sowohl von den neutestamentlichen Erzählungen als auch von den großen christologischen Konzilien des kirchlichen Altertums erfüllt. Letztlich erschließt sich eben dieser Glaube in der konkreten Jesus-Nachfolge - gerade auch für den heutigen Menschen.

Glaube, der die Welt verwandelt

Glaube, der die Welt verwandelt, Mainz 1976

In der Konzeption dieser Studie ist erstmals der Einfluss Girards auf das theologische Denken Schwagers direkt greifbar. Im Anschluss an "Jesus-Nachfolge" widmet sich dieses Buch wiederum der Frage, wie christlicher Glaube unter den Bedingungen der Moderne möglich sein kann. In Auseinandersetzung mit den biblischen Zeugnissen des Lebens Jesu bezieht sich Schwager auf das Modell des Dramas insofern, als Offenbarung nicht primär als intellektuelles Kundmachen geistiger Inhalte, sondern als dramatischer Prozess unter Beteiligung mehrerer Akteure zu verstehen ist. Schwager nimmt besonders auf Girards Hypothese des Sündenbockmechanismus Bezug und betont, dass Jesus nicht nur Opfer dieses Mechanismus geworden ist, sondern diesen Mechanismus in seinem konkreten Handeln und Umgehen mit dem ihn treffenden Geschick entlarvt habe. Gott wird von Schwager als ein "Gott auf seiten der Opfer" gezeichnet - eine Option, die sich als roter Faden durch sein gesamtes theologisches Wirken zieht.

Brauchen wir einen Sündenbock?

Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in den biblischen Schriften, München 1978 [Thaur 19943]

(online unter: http://theol.uibk.ac.at/leseraum/artikel/299.html)

Als ein Schlüsselwerk Schwagers bei der Entwicklung seines dramatischen Ansatzes kann dieses Buch gelten. Hier wendet er erstmals intensiv das hermeneutische Instrumentarium der mimetischen Theorie Girards an und unternimmt es so, die auf den ersten Blick nur schwer verständliche enge Beziehung von Gewalt und dem Handeln Gottes in der Bibel einer kritischen Analyse zu unterziehen. Gerade was die Entwicklung des Gottesbildes betrifft, zeigt sich für ihn dabei, dass sich gerade im AT eine nicht lineare, sondern vielfältig dramatisch gebrochene Entwicklung der Gottesvorstellung widerspiegelt. Das AT habe daher über weite Strecken den Charakter eines "Mischtextes", in dem originäre Offenbarungselemente mit teilweise noch archaischen Vorstellungen verbunden seien. Als hermeneutischen Schlüssel zu diesen Mischtexten brauche es aber - will man nicht an einem gewalttätig kontaminierten, ambivalenten Gottesbild festhalten - ein einheitliches und eindeutiges "Deutemodell", das sich für den christlichen Glauben in den das Jesus-Ereignis überliefernden neutestamentlichen Berichten finden lasse. Die besondere Qualität der Evangelien und des gesamten NT liegt für Schwager besonders darin, dass das vom Kollektiv ausgestoßene Opfer (Jesus) als absolut unschuldig erkannt wird und damit alle möglichen gewaltlegitimierenden Ambivalenzen im Gottesbild fundamental überwunden werden. Damit aber überwinde das NT fundamental die kulturellen Verschleierungsstrategien aller Gesellschaften, die die Ausstoßung der Sündenböcke, auf denen alle Kulturen beruhen, als gerechtfertigt schildern.

Der wunderbare Tausch

Der wunderbare Tausch. Zur Geschichte und Deutung der Erlösungslehre, Kösel 1986

Von 1980 bis 1986 publizierte Schwager in rascher Folge zehn Studien zu besonders wirkmächtigen soteriologischen Entwürfen bedeutender Theologen der Kirchengeschichte (Markion und Irenäus, Der Sieg Christi über den Teufel, Athanasius, Gregor von Nyssa, Augustinus und Pelagius, Maximus Confessor, Anselm von Canterbury, Martin Luther, Karl Barth, Hans Urs von Balthasar), die er auf dem Hintergrund des Deutehorizonts der mimetischen Theorie entworfen hat. Wie von Anfang an geplant, wurden 1986 die ursprünglich in der "Zeitschrift für Katholische Theologie" veröffentlichten Aufsätze in "Der wunderbare Tausch" gesammelt herausgebracht. Für die Entwicklung des dramatischen Modells ist besonders bedeutsam, dass Schwager hier erstmals ein systematisch erarbeitetes, allerdings noch "4-aktiges" (im Vergleich zum später 5-aktigen) Modell zur Diskussion stellt.

Jesus im Heilsdrama

Jesus im Heilsdrama. Entwurf einer biblischen Erlösungslehre (Innsbrucker Theologische Studien 29), Innsbruck/Wien 1989 [19962]

(online unter: http://theol.uibk.ac.at/leseraum/artikel/212.html)

Dieses Buch ist eindeutig das Hauptwerk Schwagers. Hier fließen die Ergebnisse seiner langjährigen Studien zur Bibeltheologie, zur Soteriologie, zum christlichen Leben und seine intensive Auseinandersetzung mit der mimetischen Theorie zusammen und werden systematisch und methodologisch in ihre reifste Form gebracht. Schwager entwirft hier sein für die Dramatische Theologie maßgeblich gewordenes Modell eines 5-aktigen Heilsdramas, das Leben, Wirken und Sterben Jesu in konkrete Handlungszusammenhänge verortet, die durch das spannungsvoll aufeinander bezogene Handeln verschiedener Akteure (Vater, Sohn, Hl. Geist, Menschen) konstituiert sind und von denen her eine "Qualifizierung" der jeweiligen Handlungen und Worte Jesu bzw. der neutestamentlichen Schriftsteller erst möglich werden kann. Der Situation der Verkündigung eines bedingungslos liebenden Gottes (Akt 1) folgt Akt 2, in dem Jesus aufgrund der Ablehnung dieser Verkündigung durch die von mimetischen Mechanismen beherrschten Menschen die oft missverstandenen Gerichtsworte predigt, die nicht als Umschwung in der Verkündigung, sondern als Aufdeckung der "sozialanthropologischen" Konsequenzen der Ablehnung des Gottesreiches zu verstehen sind. Das Gericht, das Jesus in Akt 2 verkündigt, trifft diesen in Akt 3 in der Passion selbst, das Engagement Gottes für die Menschen geht also angesichts der Ablehnung der Gottesreichsbotschaft in der Kreuzigung Jesu anders weiter, als es die ebenfalls unwirksam gebliebenen Gerichtsworte hätten vermuten lassen. In Akt 4 wird der Gekreuzigte vom Vater auferweckt und damit sein Wirken und Predigen von einem Gott, der den Menschen radikal wohl will, ultimativ bestätigt (vgl. die Friedensbotschaft des Auferweckten). Das Wirken des Hl. Geistes in Akt 5 führt diejenigen, die sich zu Christus bekennen, in die Wahrheit des Evangeliums Christi ein, wie es sich in Predigen, Wirken und in Leid und Auferstehung in seiner dramatischen Gestalt gezeigt hat.

Erbsünde und Heilsdrama

Erbsünde und Heilsdrama. Im Kontext von Evolution, Gentechnologie und Apokalyptik (Beiträge zur mimetischen Theorie 4), Münster/Thaur 1997 [Münster 20042]

Mit "Erbsünde und Heilsdrama" veröffentlichte R. Schwager seine letzte Monographie, wobei einige Kapitel des Buches - ähnlich wie im Fall von "Der wunderbare Tausch" - z.T. in Artikelform bereits vorpubliziert worden waren. Besonders originell bei der Auseinandersetzung mit dem klassischen Thema der Erbsündenlehre ist dessen Einbettung in den Horizont der modernen Naturwissenschaften und des damit zusammenhängenden evolutiven Weltbildes. Schwager möchte dabei (anders als einige wirkmächtige moderne theologische Entwürfe) das Konzept der Erbsünde keineswegs aufgeben, sondern plädiert im Gegenteil dafür, dass gerade die Berücksichtigung des wissenschaftlichen Weltbildes der Gegenwart Hilfestellungen zur tieferen Durchdringung desselben bieten kann. Gleichzeitig aber profitiere auch das evolutive Denken von einer verantworteten Theologie dahingehend, dass angesichts scheinbar mechanisch-evolutionärer Vorgänge nicht von vornherein die Sinn- und Ziellosigkeit des Verlaufs der Weltgeschichte angenommen werden müsse, sondern diese Vorgänge auf dem Hintergrund eines entsprechenden theoretischen Deutehorizonts, der die Ergebnisse unterschiedlicher Wissenschaften integrieren könne, tiefer verständlich gemacht werden können. Diesen Deutehorizont sieht Schwager in der mimetischen Theorie Girards gegeben.

Raymund-Schwager-Archiv

Das Raymund-Schwager-Archiv ist in den Jahren 2004-2006 mit dem Ziel aufgebaut worden, den wissenschaftlichen Nachlass Raymund Schwagers nach dessen überraschendem Tod am 27. Februar 2004 zu sichern, zu ordnen und damit für zukünftige Forschungen zugänglich zu machen.

Die Bestände des Archivs sind am Institut für Systematische Theologie (Karl-Rahner-Platz 1) untergebracht. Es enthält umfangreiche Unterlagen aus der Lehr-, Vortrags-, Predigt- und Publikationstätigkeit Schwagers sowie einen Bestand an z.T. ausführlichen Korrespondenzen mit Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, wobei zu den bedeutendsten Gesprächspartnern in diesem Zusammenhang René Girard und Hans Urs von Balthasar zu zählen sind.

Die Verwaltung des Archivs (insbesondere die Erlaubnis zur Forschung in seinen Beständen) wird auf der Basis einer Übereinkunft mit der Gesellschaft Jesu von Józef Niewiadomski, dem Leiter des Forschungsprojekts "Raymund Schwager: Dramatische Theologie", verantwortet.

Zum Registraturplan des ArchivsZur Benützungsordnung des Archivs

Dramatische Theologie

Die systematische Deutekategorie des Dramas wurde in besonders wirkmächtiger Weise von Hans Urs von Balthasar in die Theologie eingebracht. Die Entwicklung eines entsprechenden Instrumentariums sollte dabei in besonderer Weise statische Engführungen in der systematischen Theologie - vor allem in der Dogmatik - verhindern und die hinter den zentralen theologischen Aussagen und Begriffen stehende Dynamik des in Jesus Christus in seiner Fülle erschienen Heils konzeptuell fassbar machen. Raymund Schwager übernahm diese grundlegende Intuition Balthasars, wollte sie allerdings nicht auf innertrinitarische Vorgänge, sondern auf das Drama des Heils, wie es sich zwischen dem menschgewordenen Logos und den Menschen ereignete, angewendet wissen. Schwager entwickelte "sein" dramatisches Modell bewusst als eine Bibelhermeneutik, die die spannungsvolle Einheit der biblischen Aussagen auf eine Weise zusammendenken wollte, die weder einer "markionitischen" Versuchung der faktischen Ausscheidung bestimmter biblischer Schriften aus dem Kanon noch der "(post-)modernen" Versuchung einer Qualifizierung der Bibel als einer völlig heterogenen Sammlung unterschiedlichster Bücher nachgeben wollte. Eine tiefere Einsicht in die von ihm konstatierte "dramatische" Einheit der biblischen Bücher entwickelte er auf der Grundlage einer detallierten Rekonstruktion des Dramas des Jesusereignisses, wie es sich im Neuen Testament findet (vgl. sein Hauptwerk "Jesus im Heilsdrama"). Demnach sind im Leben und Wirken Jesu fünf Akte zu unterscheiden, die eine je spezifische Situation konstituieren, von denen her die Worte, die Taten und das Erleiden Jesu als Ausdruck einer trotz aller Vielgestaltigkeit bleibenden Einheit zu erkennen sind, nämlich der Verkündigung eines die Menschen unbedingt liebenden und sie annehmenden Gottes. Akt 1 bildet die vorbehaltlose jesuanische Verkündigung dieses unendlich liebenden Gottes, der seine Liebe allen Menschen zugänglich machen will (Gottesreichsbotschaft). Akt 2 umfasst die meist als allzu hart empfundenen Gerichtsworte Jesu, die Schwager nicht als Umschwung in der Verkündigung Jesu, sondern als Aufdeckung der von den Menschen selbst verursachten Konsequenzen, die über die Menschen, die sich der universalen Liebe Gottes nicht öffnen wollen, kommen werden, deutet. In Akt 3 fällt das Gericht, das Jesus den Menschen als Konsequenz ihrer Ablehnung der Botschaft vom Gottesreich angekündigt hat, auf ihn selbst zurück (Passion und Kreuzigung) und zeigt damit, dass Gott die Menschen nicht einmal in ihrer Ablehnung seines Evangeliums ihrer eigenen Gewalt überlässt, sondern diese Gewalt "stellvertretend" auf sich nimmt. Akt 4 umfasst die Auferstehung Christi, in der der Vater den Sohn in seinem Handeln, Verkündigen und Erleiden als den offenbart, in dem in ultimativer Weise die Wahrheit Gottes ansichtig geworden ist. In Akt 5 schließlich werden die vom Tod Christi erschütterten und von den Ostererfahrungen verwirrten Jünger durch die Sendung des Geistes in die volle Wahrheit des Heilsdramas eingeführt und damit zu wahren Verkündigern des Evangeliums berufen. (zum detaillierten Forschungsprofil des Forschungsprogramms Dramatische Theologie)

Schwagers Dramatische Theologie ist nicht als individuelle Kopfgeburt eines theologischen Einzelkämpfers zu sehen, wiewohl die entscheidenden Intuitionen und Konzeptionen von ihm stammen. R. Schwager hat sich u.a. intensiv mit den Ergebnissen der alt- und neutestamentlichen Exegese befasst und kultur- und sozialanthropologische Überlegungen (vor allem in der Deutung René Girards) ausführlich rezipiert und kritisch weitergedacht. Während seiner Zeit an der Theologischen Fakultät in Innsbruck baute er einen Kreis interessierter MitdenkerInnen (RGKW, Forschungsprogramm Dramatische Theologie, WRG) auf, der bei der theoretischen Weiterentwicklung der Dramatischen Theologie gleichberechtigt mitbeteiligt war. Als diesbezüglich zentraler Text, der von Mitgliedern von RGKW gemeinsam erstellt wurde, ist "Dramatische Theologie als Forschungsprogramm" einzustufen, der die Dramatische Theologie vor allem wissenschaftstheoretisch verortet. Ihr Konzept wurde mittlerweile in zahlreichen Publikationen im Kontext verschiedener theologischer Disziplinen und Fragestellung angewandt und kritisch weiterentwickelt.

Publikationen, die in besonderer Weise die kritische Diskussion und Entwicklung der Dramatischen Theologie widerspiegeln

Dramatische Erlösungslehre

Dramatische Erlösungslehre. Ein Symposion (Innsbrucker theologische Studien 38), Innsbruck/Wien 1992

Józef Niewiadomski und Wolfgang Palaver (Hgg.)

Dieser Band basiert auf einem Symposion, das das Modell der dramatischen Soteriologie, wie Schwager es in ausgeführter Form in "Jesus im Heilsdrama" erstmals 1990 vorgelegt hat, aus verschiedenen theologischen Blickwinkeln diskutiert. Vertreten waren neben theologischen Weggefährten Schwagers prominente Vertreter anderer theologischer Denkschulen aus den USA und Europa, die Schwagers Modell aus ihrer Perspektive in den Blick nahmen und mit ihrer Zustimmung und ihrer Kritik erstmals eine breit angelegte Diskussion der Dramatischen Theologie initiiert haben, wie sie in diesem Band eindrucksvoll dokumentiert ist.

Vom Fluch und Segen der Sündenböcke

Vom Fluch und Segen der Sündenböcke (Beiträge zur mimetischen Theorie 1), Thaur 1995

Józef Niewiadomski und Wolfgang Palaver (Hgg.)

Dieser Sammelband, der Beiträge theologische Weggefährten, Kollegen anderer Wissenschaften und Schüler Schwagers umfasst, erschien als Festschrift zu seinem 60. Geburtstag. Die Autoren stellten sich dabei drängenden gelleschaftspolitischen und theologischen Fragen: Braucht unsere Kultur Sündenböcke? Die Linken sagen: nein, die Rechten sagen: ja. Raymund Schwagers Theologie lässt sich nicht in dieses plakative Muster pressen. Sündenbockdenken und Sündenbockstrukturen stellen ein Mysterium tremendum et fascinosum menschlicher Kulturen dar. Was ist der Preis der Überwindung? Kann christliche Theologie darauf eine Antwort geben?

Dramatische Theologie im Gespräch

Dramatische Theologie im Gespräch. Symposion/Gastmahl zum 65. Geburtstag von Raymund Schwager (Beiträge zur mimetischen Theorie 14), Thaur/Münster 2003.

Józef Niewiadomski und Nikolaus Wandinger (Hgg.)

Dieser Band, der das Symposion zum 65. Geburtstag von R. Schwager dokumentiert, reflektiert zentrale Themen des christlichen Glaubens und der gegenwärtigen kulturpolitischen Lage: Leid, Opfer und Versöhnung, Hoffnung durch Versagen hindurch, Gnade und Sünde. diese Themen werden aus verschiedenen Perspektiven, die durch die Auseinandersetzung mit der dramatischen Sichtweise verbunden sind, beleuchtet. Es zeigt sich, dass Theologie, ihrer eigenen inneren Dynamik folgend, direkt in die Probleme von Gewalt und Politik führt und auch Antworten anbietet. "Dramatische Theologie" stellt so eine neue Form politischer Theologie dar.

Religion erzeugt Gewalt - Einspruch!

Religion erzeugt Gewalt - Einspruch! Innsbrucker Forschungsprojekt "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung" (Beiträge zur mimetischen Theorie 15), Münster/Hamburg/London 2003

Raymund Schwager und Józef Niewiadomski (Hgg.)

Dieser Sammelband ist das dichteste Ergebnis der methodischen, wissenschaftstheoretischen und hermeneutischen Selbstvergewisserung der Forschungsgruppe RGKW, die sich in regelmäßigen Forschungsgesprächen an der Theologischen Fakultät und zahlreichen Publikationen um die kritische Entwicklung der Dramatischen Theologie bemüht. Gleichzeitig werden von den AutorInnen aktuelle Ereignisse der Weltpolitik (11. September, globaler Terrorismus etc.) fundamental berücksichtigt. Der Band erhebt den Anspruch, derartige Phänomene mit dem Instrumentarium der Dramatischen Theologie und der mimetischen Theorie besonders differenziert bearbeiten zu können, indem die komplexen Zusammenhänge zwischen Offenbarungsreligionen, Gesellschaften und Gewalt herausgearbeitet werden.

Kirche als universales Zeichen

Kirche als universales Zeichen. In memoriam Raymund Schwager SJ (Beiträge zur mimetischen Theorie 19), Wien/Münster 2005

Roman Siebenrock und Willibald Sandler (Hgg.)

Nach dem überraschenden Tod Raymund Schwagers 2004 brachte die Forschungsgruppe RGKW mit "Kirche als universales Zeichen" einen Sammelband heraus, der z.T. die abrupt abgerissene Diskussion zwischen Schwager und seinen Kollegen dokumentiert, darüber hinaus aber auch zahlreiche Beiträge liefert, die den Ansatz einer Dramatischen Theologie aufgreifend wichtige Fragestellungen in den verschiedenen theologischer Disziplinen diskutieren und damit - neben ihrer persönlichen Würdigung der jahrzehntelangen Arbeit Schwagers - auch zur Entwicklung der Dramatischen Theologie besonders im Hinblick auf ihre ekklesiologische Relevanz beitragen. Durchgängiges Leitthema ist die Leitfrage, wie die Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil und angesichts massiver gesellschaftlicher und innerkirchlicher Umbrüche als universales Heilszeichen anerkannt werden kann.

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