isbn_978-3-902866-19-6

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Der Sandfallenbauer
Roman

Peter Steiner 

Erscheinungsdatum: September 2014
ISBN 978-3-902866-19-6
Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten
2014, edition laurin bei innsbruck university press • iup
Preis: 18,90 Euro

Was bringt einen Weltenwanderer und Sandfallensteller dazu, sich mit seiner Frau auf einem Stück Brachland irgendwo in Amerika als Bauer niederzulassen? War es der Großvater, der einst den väterlichen Hof im Gebirge verließ und den Enkel der Heimat beraubte? War es der Malerfreund aus der Großstadt, der sich im Grünen ansiedelte, der Makler, der genau zu wissen schien, was der Rastlose suchte, ein Buch, das dem Kind jenes Traumbild einpflanzte, das der Mann nun hier wiedergefunden zu haben glaubt? Vielleicht liegen die Antworten in dem, was der Sandfallenbauer in der Natur beobachtet, in den Ereignissen, den Erinnerungen, welche die Grenzen von Zeit und Raum sprengen und die stillen Felder zum Weltschauplatz machen. Peter Steiner vereint in diesem Buch die Geschichte eines Suchenden mit einer Fülle von Naturphänomenen und Einzelschicksalen zu einem faszinierenden, vielschichtigen und berührenden Ganzen.

„Es war April, der Schnee lag noch hoch in Wächten an den Hügelflanken und im Wald unter gewaltigen Tannen. Ich lief allein über den langgestreckten Bergrücken, den wir späterDie Ridge tauften. Jost van Gelderen, der Makler, hatte es vorgezogen, im Auto sitzen zu bleiben und seine Pfeife zu rauchen. ‚Just follow the ridge until you reach the third tree line, and all you see to your left and right shall be yours.‘ Jost van Gelderen – lange schon im Alten-Paradies von Arizona – der seiner Mutter beim Anblick der Freiheitsstatue gesagt hatte: ‚Jetzt sind wir in Amerika, warum sollen wir noch weiter Holländisch sprechen?‘ Das war 1946, ein Jahr nach dem Ende der Nazi-Herrschaft. Jost hatte überlebt. Und da sitze ich in meiner Totenstille. Unten am Teich schreien noch einige Gänse, die aus welchem Grund auch immer nicht weitergeflogen sind. Worauf warten sie? Vor der Tür steht mein Traktor. Den sollte ich anwerfen und weiter mähen. Eine Woche lang ziehe ich schon meine Schnittbahnen über die Felder, und das Dröhnen der Maschine und das Sirren der großen Messer gehen mir auch nach zwei Tagen Stillstand und Stillsitzen nicht aus den Ohren. Dazu täuscht mir mein inneres Auge Bilder vor, etwa das Bild von Mäusen, die vor den nahenden Messern davonlaufen. Aber es laufen keine Mäuse mehr davon. Auch fahre ich über keine Auswurfhügel von Murmeltieren, sehe keine Truthähne und -hennen, kein Reh am Waldrand. Nichts, bloß die Zugvögel, und jeden Abend das Geheul der Kojoten, ein Rudel hinter den Apfelteichen, ein Rudel jenseits des Bibersees, ein Rudel in der Senke, über welcher der Mond aufgeht.“

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