¿Cómo ser poeta lesbiana?

Autorización y sexualidad en las figuraciones autoriales de Gloria Fuertes y María Elena Walsh

Gabriele Hassler

Die für ihre Kinderliteratur bekannten Autorinnen Gloria Fuertes (Madrid, 1917-1998) und María Elena Walsh (Buenos Aires, 1930-2011) sind in Spanien bzw. Argentinien regelrechte ‘literary celebrities’: Ihre Autorinnenfiguren sind längst selbst kulturelle Artefakte, die im kulturellen Feld zirkulieren und stets neu interpretiert werden. Nachdem ihre Figuren lange auf ein entsexualisiertes und ‘verharmlostes’ Bild von Mutterfiguren (für das Volk, die Nation, die kleinen Leser:innen) reduziert waren, werden sie in den letzten Jahren vermehrt als feministisch-lesbische Figuren gelesen, deren Subversionspotenzial lange verkannt wurde.

Im Dissertationsprojekt soll das bislang wenig erforschte lyrische Werk für Erwachsene von Fuertes und Walsh dahingehend analysiert werden, mit welchen textuellen Figurationen das schreibende Ich sich selbst als Dichterin entwirft und sich als Autorin legitimiert. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Frage “Wie lesbische Dichterin sein?”, um aufzuzeigen, wie die dissidente sexuelle Identität der Autorinnen ihre Selbstentwürfe implizit immer schon durchdringt: Auf welche Weise verweisen die lyrischen Selbstentwürfe (nicht) auf das zu rechtfertigende “private” Leben der ledigen, kinderlosen Autorin? Wie konstituiert sich weiblich-lesbisch-queere Autor:innenschaft im Spannungsfeld zwischen Hyper- und Unsichtbarkeit? Wie werden kulturelle Diskurse zu den heteronormativen Institutionen der romantischen Liebe und Mutterschaft in den lyrischen Diskurs überführt und dort produktiv angeeignet, umgedeutet und unterwandert? Welche Rolle spielt eine gedachte oder verworfene Genealogie lesbischer Dichterinnen – Sappho – für die eigene Legitimation?

Die Konstruktion einer figura autorial – einer Figur von sich selbst als Autorin – wird dabei als eine für moderne Autor:innenschaft konstitutive und notwendige Strategie der Positionierung und Autorisierung verstanden. Damit knüpft das Projekt an die in den letzten Jahren im Hispanismus vermehrt rezipierten Autorschaftsstudien an und unterzieht deren Methoden und Begriffen einer queer-feministischen Revision. Der zentrale Begriff der poeta lesbiana wird dabei nicht als allumfassende Definition mit Universalitätsanspruch konzipiert, sondern soll, in der interdisziplinären Zusammenschau aus literaturtheoretischen, -soziologischen und sowie queer-feministischen Ansätzen, die konzeptuellen Verflechtungen zwischen kultureller Autor:innenschaft, Autorität und Kreativität einerseits und Geschlechterbinarität und Heteronormativität andererseits auch theoretisch fassbar machen.


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