DER STANDARD
Donnerstag, 29. Oktober 1998, Seite 2
Sonderthema/Beilage


UNI - STANDARD

Jungakademiker bewerten ihre Universitäten


Die Methode der Absolventenbefragung bringt neue Aspekte im Reigen der Rankings

Schon 1990 hat das Fessel+GfK Institut das erste Uniranking im Auftrag des STANDARD durchgeführt. Seither sind solche Ranglisten auch in Österreich selbstverständlich geworden.

Die aktuelle Studie baut nun auf den bisherigen Erfahrungen auf, bringt aber drei entscheidende Neuerungen ein:
O Erstmals wurden nicht die Studenten, sondern die Absolventen der jeweiligen Studienrichtung befragt. Wer erfolgreich abgeschlossen hat, kann sein Studium aus einer umfassenderen Perspektive beurteilen. Persönlicher "Tagesfrust" tritt in den Hintergrund, dafür fließen Erfahrungen aus dem Berufsleben mit ein.
Der neuentwickelte und stark erweiterte Fragenkatalog deckt alle qualitätsrelevanten Aspekte ab. Damit bietet die Studie erstmals ein differenziertes Bild der Universitäten nach 35 Einzelkriterien. O Nicht gespart wurde auch bei der Stichprobengröße. Mit insgesamt 3.300 Jungakademiker-Interviews steht die Studie auf einer für Österreich beispielhaften Basis.

Rankings jeglicher Art produzieren Gewinner und Verlierer. Ein Ranking des "bestangezogenen Managers" mag maximal die persönliche Eitelkeit eines einzelnen kränken. Im Falle eines Unirankings bewegt man sich auf ungleich sensiblerem Terrain.

Die Studie soll einerseits eine Orientierungshilfe für Studienanfänger, andererseits eine Meßlatte für Unis und Bildungspolitik sein, ob und wo Verbesserungen notwendig sind. Vor diesem Hintergrund stellt die Untersuchung für den Marktforscher eine besondere methodische Herausforderung und Verantwortung dar.

Wesentlich ist zunächst eine statistisch gut abgesicherte Stichprobe: Die Studie ist repräsentativ für Jungakademiker der Abschlußjahrgänge 1992-1998, rund 65.000 Absolventen aus 125 Studienrichtungen. Die Zahl der Interviews pro Studium orientierte sich an den jeweiligen Absolventenzahlen. Aber auch bei "kleineren" Fächern wurden zumindest 20 Interviews durchgeführt. Und für Studien mit größeren Absolventenzahlen ein Vielfaches, zum Beispiel haben 160 Absolventen die Universität für Bodenkultur beurteilt.

Der Fragenkatalog wurde mit dem Ziel entwickelt, die relevanten Studienkriterien umfassend abzudecken und entsprechend ihrer Bedeutung zu gewichten. Insgesamt 50 Fragen, von denen 35 in die Gesamtwertung eingeflossen sind und zu fünf Hauptfaktoren verdichtet wurden, erlauben eine Stärken/Schwächen-Analyse für jedes Studium.

Das Ranking ist natürlich durch das subjektive Erleben der Absolventen geprägt und spiegelt nur eine Realität in der Qualitätsbewertung von Unis wieder. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und so soll das Universitätsranking der Jungakademiker 1998 auch verstanden werden.
Petra Golja leitet den Bereich Medienforschung im Fessel+ GfK-Institut.


© DER STANDARD, 29. Oktober 1998
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