KURZE EINBLICKE IN DIE STATEMENTS

 

WOLFGANG PALAVER

KOMMUNIKATIONSWELT „WELTGESELLSCHAFT

Wolfgang Palaver sieht Kommunikation als äußerst konfliktreiches und konfliktanfälliges Be­ziehungsgeschehen. Angelpunkt seines Statements ist die kritische Auseinandersetzung mit der so genannten ‚gelingenden’ Kommunikation. Wovon ‚lebt’ diese ‚gelingende’ Kommunikation? Auf wessen Kosten? Wer zahlt drauf? Von welchen Illusionen wird sie genährt?

Schritt für Schritt wird anhand von vielen Beispielen analysiert, was die problematischen, die leben- und beziehungszerstörenden Voraussetzungen einer solchen Kommunikation sind. Das, was durch die Analyse freigelegt wird, lässt hinter die Kulissen blicken, ist verstörend, ernüchternd und lässt sichtbar werden, was in einem vordergründigen Verständnis von ‚gelingender’ Kommunikation ausgeblendet wird.

Am Ende – als Frucht - dieses desillusionierenden Durchganges stellt sich eine Frage neu und wird zur Leitfrage der kommenden Tage: Ist ‚gelingende’ Kommunikation, die nicht auf derart zerstörerischen Bedingungen beruht, eine Illusion? Oder, ist sie – wenn auch nur stückweise - möglich und wodurch wird sie ermöglicht?

 

FRANZ WEBER

KOMMUNIKATIONSWELT „WELTKIRCHEN

Wahrnehmungen – Visionen – Herausforderungen – Widersprüche - Hoffnungen

Franz Weber geht von der eigenen, biografisch geprägten Wahrnehmung der Weltkirchen aus, erzählt von eigenen Weltkirchen-Träumen, -Hoffnungen und –Enttäuschungen und zeichnet dann den Weg der Kirchen von der „Westkirche“ zur „Weltkirche“ nach. Mittelpunkt seines Beitrags ist die hoffnungstiftende Vision des Zweiten Vatikanums von der „communio ecclesiarum“ als Netz unter einander kommunizierender Ortskirchen. Doch ist diese Vision - angesichts der Schere, die Nord und Süd, Reich und Arm, oft auch Männer und Frauen in der Kirche und die christlichen Kirchen scharf voneinander trennt - im Grunde nicht eine Illusion?

Der unbedingte Wille zur Kommunikation, aus dem heraus der unsichtbare dreieine Gott in der Offenbarung die Menschen wie Freunde anspricht, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen (2. Vat., Konst. über die Offenbarung, n.2), scheitert an deren Kommunikationsblockaden. Auch in den christlichen Kirchen stürzt dieses „Programm“ Gottes immer wieder ab, weil es offensichtlich mit vielen Formen kirchlichen Programmierens und Taktierens nicht kompatibel erscheint. Allen Abstürzen zum Trotz ereignet sich aus der Kraft des Geistes Gottes jedoch immer wieder – wenn auch nur im Fragment – die eine Kirche Jesu Christi als geschenktes WIR in Form einer multikulturellen Lern- und Kommunikationsgemeinschaft Weltkirche.

BERND JOCHEN HILBERATH

DER DREIEINE GOTT ALS ORIENTIERUNG MENSCHLICHER KOMMUNIKATION ANGESICHTS DER KOMMUNIKATIONSWELTEN

Dieser Input stellt die Grundfrage des Kongresses auf den Prüfstand: Kann das trinitarische Gottesbild eine orientierende Funktion für unsere Kommunikation haben? Wie könnte dies angesichts der Kommunikationswelten konkretisiert werden? Als Form wählt Bern-Jochen Hilberath die mittelalter­liche disputatio; er hält sie für einen gelungenen Versuch kommunikativer Theologie.

 

BRADFORD HINZE – MATTHIAS SCHARER

DIALOGISCHE UND KOMMUNIKATIVE THEOLOGIE IM GESPRÄCH

Dialog ist charakterisiert durch gegenseitiges Zuhören und beiderseitiges Sprechen. Der wesentliche Gedanke und die zentrale Bedeutung von „Gehorsam“ entsprechen letztlich dieser Art von „Zuhören“. Um dem Phänomen „Dialog“ gerecht zu werden, werden drei Aspekte des Dialoges besonders hervorgehoben. Es sind dies die persönliche, die hermeneutische und die sozial-strukturelle Komponente, die B. Hinze auch im Konzept der Kommunikativen Theologie zu entdecken glaubt. Auf allen diesen drei Dialog-Ebenen treten immer wieder Schwierigkeiten, Konflikte und Stolpersteine auf. Gerade wenn die bruchstückhaften, scheiternden und in die Enge führenden Erfahrungen von misslingendem und abgebrochenem Dialog in den Blick kommen, gibt es für einen christlichen Menschen keinen anderen Weg als den Weg Jesu in Kreuz und Auferstehung, um diese Erfahrungen einzuordnen.

 

In der Kommunikativen Theologie erhält die „Wir-Ebene“ ein besonderes theologisches Gewicht. Sie ist jene Perspektive der Kommunikation, die den Blick auf ein gnadenhaft-geschenktes und nicht durch Kommunikationstechniken herstellbares Wir öffnet und damit die Logik gesellschaftlich und kirchlich anerkannter Anstrengungen um gelingende Kommunikation durchbricht. Das Geschenk des „heiligen Spiels“ der Eucharistie, das sich in seiner Dramatik bis in die letzten kommunikativen Winkel unseres gesellschaftlichen und kirchlichen Alltags hinein fortsetzt, weitet den Blick auf einen „kommunikativen Himmel“ hin, der nicht gemacht, sondern nur geschenkt werden kann.