Warum Kommunikative Theologie?

Sinn und Lebensorientierung, geglückte und scheiternde Kommunikation betreffen alle Menschen existentiell. Die Auseinandersetzung mit diesen grundlegenden Fragen des Menschseins wird gesellschaftlich kaum geführt. An die Stelle des traditionell aus (christlichem) Glauben und Theologie motivierten Fragens nach Sinn, Glück und Heil treten plurale Sinn-, Lebensorientierungs- und Kommunikationsangebote. Diese werden - offen oder versteckt - von den Mächten des Marktes und der Medien bestimmt. Somit wird das Orientierungsvakuum zumeist durch Pseudoangebote verdeckt oder mit medial entfremdeten Versatzstücken kirchlicher Religiosität aufgefüllt. Dabei wird Kommunikation funktionalisiert. Dies zeigt sich z. B. in der illusionären ‚Gemeinschaft' der ‚einsamen' Internet-SurferInnen oder im Versuch, Lebenssinn als Produkt zu ‚verkaufen'.

Die Theologie selber scheint sich ebenso wie die Kirchen der gesellschaftlich-sozialen Brisanz dieser Entwicklungen zu wenig bewusst zu sein. Beide richten ihre Orientierungs- und Kommunikationsangebote allzu oft nach den Gesetzmäßigkeiten von Markt und Medien aus. Dies zeigt sich im Bemühen, mit markt- und medienstrategischen ‚Methoden' die Glaubenstradition und das kirchliche Bildungsangebot in Gemeinde, Schule, Erwachsenenbildung und kirchlichen Beratungsangeboten schnell und effektiv ‚rüberzubringen'. Übersehen wird dabei, dass Kommunikationsform und Kommunikationsinhalt in der Perspektive des christlichen Glaubens untrennbar miteinander verbunden sind.

Über das Sinn- und Orientierungsvakuum, seine problematische Füllung sowie über die der christlichen Glaubenstradition angemessene Kommunikation muss eine offensive theologische Auseinandersetzung geführt werden. Die theologische Erkenntnis und - damit untrennbar verbunden - die theologische Bestimmung dessen, was Kommunikation ausmacht, sind keineswegs beliebig. Sie richten sich aus am kommunikativen Gott christlicher Offenbarung und seiner Kommunikation in der Geschichte. Diese ‚kommunikative Wahrheit Gottes' wird in der Kommunikativen Theologie nicht nur diskursiv abgehandelt, sondern in theologischen und kirchlichen, wie auch in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen entdeckt, gefördert und reflektiert. Damit werden Spuren impliziter Geistbegabung aufgedeckt, theologisch gewürdigt und auf ihre ekklesiale Bedeutung hin bedacht. Eine diesbezügliche ‚Kommunikative Theologie' steht in radikalem Gegensatz zur Beliebigkeit und zum Machbarkeitswahn des Methoden- und Medienmarktes und in einer konfrontativen Spannung zu herkömmlicher theologischer Wissensgewinnung.

Die ‚Kommunikative Theologie', die an der Theologischen Fakultät Innsbruck in kooperativ-kritischer Auseinandersetzung mit den Forschungen zur Communio-Theologie an der Universität Tübingen (Bernd-Jochen Hilberath) und zur Dialogischen Theologie an der Marquette University, Departement of Theology, Milwaukee (Bradford Hinze) entwickelt wird, stellt sich diesen Herausforderungen.