LeseLupe Bücher

LeseLupe Osteuropa #3 – Ukraine-Special mit Facebook-Challenge [de]

Dienstag, 29.11.2022, 18.00 Uhr; Cinematograph (Museumstraße 31, Innsbruck)

Liebe Slawist:innen, liebe Osteuropa-Interessierte, liebe Leser:innen,

in Vorbereitung auf unsere nächste #LeseLupe-Veranstaltung zur ukrainischen Literatur haben wir beschlossen, im November eine Facebook-Challenge zu starten – #ukrainianliterarymonth. Jeden Tag im November werden wir auf unserer Facebook-Seite ein Bild mit einer ukrainischen Buchempfehlung für Sie posten, um auf die Vielseitigkeit der ukrainischen Literatur hinzuweisen und Ihnen allen Leseanregungen zu geben. Ob Prosa, Lyrik, Essayistik, Klassiker oder zeitgenössische Literatur – alle Vorschläge sind willkommen! Teilen Sie unseren Post also gerne weiter und verhelfen Sie all den tollen Titel zu einer breiteren Leserschaft! Machen Sie auch gern selbst mit und teilen Sie Ihre ukrainischen Buchvorschläge unter den Hashtags #ukrainianliterarymonth und #leselupeosteuropa!

Wir wünschen allen einen anregenden Lese-November! Der Countdown bis zur LeseLupe am 29. November um 18 Uhr im Cinematograph, Innsbruck läuft!

Die gesammelten Buchempfehlungen dieser Challenge finden sie hier.

 

 


 

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen! Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat uns in diesem Jahr verdeutlicht, wie wichtig das Wissen über unsere europäischen Nachbarn ist, um sich klar zu positionieren. Aus diesem Grund wollen wir einmal mehr auf die wichtigsten Wissens- und Erfahrungsspeicher unserer Zivilisation zurückgreifen – Bücher!

 

Im Format eines literarischen Quartetts diskutieren Mariya Donska, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Graz, Nina Weller, Slawistin in Berlin und freie Mitarbeiterin bei edition.fotoTAPETA, und Gernot Howanitz, Assistenzprofessor am Institut für Slawistik (Innsbruck) gemeinsam mit Yana Lyapova vier ukrainische Titel aus den vergangenen zehn Jahren.

 

Folgende Bücher werden besprochen:

Internat

"Internat" von Serhij Zhadan
(aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr, erschienen 2018 bei suhrkamp)

Ein für den Kriegsdienst untauglicher Ukrainischlehrer macht sich auf den Weg in eine namenlose Stadt in der umkämpften ostukrainischen Donbass-Region, um seinen Neffen aus einem Internat hinter der Frontlinie abzuholen. Geschildert wird die Mission des 35-jährigen Pascha als dantesk anmutende Reise in die Kriegshölle, die dem Protagonisten viele Selbstzweifel aufbürdet und ihm gleichzeitig immer wieder eine klare Positionierung abverlangt. Lässt sich das Private in Zeiten des Krieges vom Kollektiven trennen und wie werden Schuld und Verantwortung für das eigene Land oder die eigene Familie in Ausnahmezeiten von den involvierten Personen ausgehandelt? Zhadans Roman überzeugt durch Spannung, bildhafte Motivik und sprachliche Virtuosität, die die 2018 mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnete Übersetzung von Sabine Stöhr und Juri Durkot hervorragend wiedergibt.

 

Blauwal der Erinnerung

"Blauwal der Erinnerung" von Tanja Maljartschuk
(aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck, erschienen 2022 bei KiWi)

Was verbindet eine von Liebesunglück verfolgte und von Panikattacken geplagte Schriftstellerin in der Ukraine der Gegenwart mit dem polemischen und längst vergessenen Kämpfer für ukrainische Unabhängigkeit Wjatscheslaw Lypynskyj? Die einfache Antwort wäre: Beide werden sterben und in Maljartschuks eindringlicher Metapher vom ‚Blauwal der Erinnerung‘ – der Zeit – wie Plankton verschlungen. Um eine komplexere Antwort auf diese Frage zu liefern, müssen die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen der ukrainischen Geschichte und der Gegenwart des Landes aus Maljartschuks dichtem Geflecht auseinandergenommen werden – eine Aufgabe, die der Leserschaft vor Augen führt, wie die Beschäftigung mit der Vergangenheit diese ständig neu konstruiert. Dabei wird deutlich, dass Fiktion mitunter die beste Möglichkeit ist, konkurrierende Narrative nebeneinander existieren zu lassen.

 

Glückliche Fälle

"Glückliche Fälle" von Yevgenia Belorusets
(aus dem Russischen von Claudia Dathe, erschienen 2019 bei Matthes & Seitz)

Mit Glückliche Fälle legt die 1980 geborene Kiewer Fotokünstlerin Yevgenia Belorusets ihr Erzähldebüt vor. In einer Mischung aus interviewbasierten Kurzgeschichten und Schwarz-Weiß-Bildern aus einer 2017 in der Donbass-Region realisierten Fotoserie der Autorin streut Belorusets Fragmente des alltäglichen Glücks wie Sternenstaub vor die Augen der Leserschaft. Auf der Folie der kriegsgebeutelten Ukraine entpuppen sich diese Fragmente bei genauerem Hinsehen als Salzkörner, die sich in den vom Krieg hinterlassenen Wunden der ukrainischen Gesellschaft festgesetzt haben. Ein überraschendes Buch, das subtil die teils widersprüchlichen Seiten des ukrainischen Alltags beleuchtet und der Leserschaft die menschlichen Objekte von Belorusets erzählerischer Linse ganz nah bringt.

 

Der Erzherzog

"Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde" von Natalka Sniadanko
(aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck, erschienen 2021 bei Haymon

Was wäre, wenn der Erzherzog Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen 1948 nicht in einem sowjetischen Gefängnis gestorben wäre, sondern sich in Lemberg sesshaft gemacht und seiner fiktiven 1969 geborenen ukrainischen Enkelin das eigene Leben erzählt hätte? Aus diesem kontrafaktischen Geschichtsexperiment schöpft Natalka Sniadanko Inspiration für ihren handlungsintensiven und humorvollen Roman, der der Leserschaft die Verflochtenheit der ukrainischen und der österreichischen Geschichte erneut vor Augen führt. Der zum Ukrainer gewordene Habsburger Aristokrat und Protagonist aus Sniadankos Roman dient dabei als Folie für wichtige Fragen der Identitätspolitik, die in diesen Zeiten einmal mehr die Bedeutung einer freien individuellen Entscheidung hervorheben.

 

Besuchen Sie unsere Veranstaltung und entdecken Sie gemeinsam mit uns die vorgestellten vier Titel und Vieles mehr!
Neben diesen vier Titeln werden die Diskussionsteilnehmer:innen noch jeweils kurz einen Überraschungstext vorstellen. Alle besprochenen und vorgestellten Titel sind bei unserem Kooperationspartners liber wiederin (Erlerstraße 6, Innsbruck) erhältlich.

 

Moderation und Organisation: Yana Lyapova, Institut für Slawistik der Universität Innsbruck

Eine Veranstaltungsreihe des Osteuropazentrums in Kooperation mit dem Institut für Slawistik und der Buchhandlung liber wiederin

 

  Plakat
  Veranstaltungsreihe
  Buchhandlung liber Wiederin


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