Ringvorlesung:

Die Lust der Veränderung: Feminismus als Kompetenz. Eine orientierende Bestandsaufnahme
 

110.002 VO 2 Monika Jarosch (begleitendes PS von Kornelia Hauser 603.022)

Stand Okt.05

 

 

1. Termin   
Di 11.10.

Monika Jarosch / Kornelia Hauser / Christine Klapeer / Elisabeth Grabner-Niel

           Einführung und Konzept der RV

2. Termin
Di 18.10.

Dr. Monika Jarosch

3. Termin
Di 25.10

Prof. Erna Appelt / Uni Innsbruck

4. Termin
Di 08.11.

Prof. Kornelia Hauser / Universität Innsbruck, Soziologin am Institut für Erziehungswissenschaften

5. Termin
Di 15.11.

Ass.Mag.Dr. Anette Baldauf, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck

           Sociology of Culture: Gender and Shopping.

6. Termin
Di 22.11.

Dr. Jutta Hartmann / Berlin

 

7. Termin
Di 29.11.

Prof. Ruth Becker / Uni Dortmund

8. Termin
Di 06.12.

Maga Christine Klapeer / Uni Innsbruck

9. Termin
Di 13.12.

Ao. Prof. Johanna Gehmacher,  Historikerin / Uni Wien

10. Termin 
Di 10.01.

Fragen von Studierenden

           Moderierte Diskussion

11. Termin
Di 17.01

Prof. Elvira Scheich / HU Berlin

12. Termin
Di 24.01.

Dr. Gabriele Michalitsch / WU Wien

Homepage

13. Termin
Di 31.01.

Dr. Elisabeth Holzleithner / Uni Wien

 

 

 

Anette Baldauf

forscht zu Unterhaltungskultur, Stadtentwicklung, Konsumkultur, Feminismus;
lebt in New York und Wien, ist derzeit Assistentin am Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck.

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Christine Klapeer

Jahrgang 1979

Ausbildung: Studium der Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Gender Studies/Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck

Derzeitige Position/Tätigkeit: Projektassistentin im Rahmen des ÖNB-Jubiläumsfonds Projektes „Bertha von Suttner Revisited“ am Institut für Politikwissenschaft. Forschungen im Bereich der Rezeptionsgeschichte Bertha von Suttner’s innerhalb der österreichischen Frauenbewegung/Frauenfriedensbewegung nach 1945 sowie Bertha von Suttner’s Verbindungen zur US-amerikanischen Frauenstimmrechtsbewegung.

Dissertantin am Institut für Politikwissenschaft im Bereich lesbischer Theorien/Lesbenforschung.

 

Forschungsschwerpunkte: Soziale Bewegungen mir Schwerpunkt Neue Frauenbewegung, Lesben-, Schwulen und Queer-Bewegung, Friedensbewegung/Frauenfriedensbewegung, Queer Theory, feministischer ‚Postmodernism’,

 

Publikationen: Zwischen oberflächlicher Bewunderung und feministischer Marginalisierung. Sichtweisen österreichischer frauen- und friedenspolitischer Aktivistinnen zu Bertha von Suttner nach 1945, in: Laurie R. Cohen. „Gerade weil Sie einen Frau sind...“. Erkundungen über Bertha von Suttner, die unbekannte Friedensnobelpreisträgerin, Wien

 

Klapeer, Christine (2004): Queer Studies an Österreichs Universitäten. Entwicklungskontext – aktuelle Situation –Perspektiven, in: Erna M. Appelt (Hg.): Karrierenschere. Geschlechterverhältnisse im österreichischen Wissenschaftsbetrieb, Wien, 181-200

 

Klapeer, Christine (2005): Zwischen Unsichtbarkeit und Avantgardismus. Lesbische Positionierungen im Kontext der Tiroler Frauenbewegung(en) am Beispiel des „Autonomen FrauenLesbenzentrums“, in: Alexandra Weiss/ Ingrid Tschugg/ Horst Schreiber/Monika Jarosch/ Lisa Gensluckner (Hg.). Gaismair-Jahrbuch 2005, Innsbruck-Wien-München-Bozen, 76-88

 

Anfang 2006 erscheint die Publikation „Queer Contexts“ – eine überarbeitete Fassung der Diplomarbeit, die mit dem  Preis für „Frauenspezifische Forschung der Universität Innsbruck“ sowie dem „Nachwuchspreis für eine ausgezeichnete politikwissenschaftliche Diplomarbeit 2003/2004“ vergeben von der ÖGPW (Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft) ausgezeichnet wurde.

 

Sonstige Tätigkeiten:

Redakteurin und Mitherausgeberin der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift  „AEP-Informationen. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft“

Mitarbeiterin des ArchFem - Interdisziplinäres Archiv für feministische Dokumentation

Queer Theory

6. Dezember 2005

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung: Die Lust der Veränderung: Feminismus als Kompetenz. Eine orientierende Bestandsaufnahme

Abstract

Ursprünglich bedeutet queer im amerikanischen Englisch adjektivisch soviel wie „seltsam, sonderbar, leicht verrückt“ aber auch „gefälscht, fragwürdig“, als Verb wird es gebraucht für „jemanden irreführen, etwas verderben oder verpfuschen“. Umgangssprachlich stellt queer jedoch eines der härtesten Schimpfwörter für Homosexuelle dar und wird gegen all diejenigen ins Feld geführt, die nicht in das Weltbild der US-amerikanischen „moral majority“, also der weißen, christlichen heterosexuellen Kleinfamilie passen. Der traditionell als Schimpfwort gebrauchte Begriff queer erhielt Ende der 1980er Jahre verschiedene theoretische und politische Impulse und hat sich in Folge als Bezeichnung für eine bestimmte theoretische Richtung – Queer Theory – und einem neuen Art von politischem Aktivismus – Queer Politics – etabliert.

Die theoretische Ausformung von queerQueer Theory  – bezeichnet keine Theorie im Sinne eines kohärenten wissenschaftlichen Lehrgebäudes, sondern eine Reihe von theoretischen Ansätzen aus unterschiedlichen Disziplinen,  welche primär die Zweigeschlechtlichkeit als Grundlage von Differenz sowie die soziale Norm der Heterosexualität  in Frage stellen.  Auf der Basis von poststrukturalistischen/dekonstruktivistischen Theorieansätzen, als auch Forschungserkenntnissen aus feministischen und schwul-lesbischen Theorien rückt Queer Theory die Herstellungsprozesse und Funktionsweisen einer Naturalisierung der Zweigeschlechtlichkeit und damit einhergehend einer biologisch begründeten Heterosexualität in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Dabei richtet sich die queere Kritik gegen jedes Verständnis, demzufolge Geschlecht und Sexualität als Kategorien menschlicher Körpererscheinungen diese nur beschreiben und entlang gesellschaftlicher Grenzziehungen als „normal“ oder „abweichend“ einstufen. In einer queeren Perspektive werden Geschlecht und Sexualität im Gegensatz dazu als Effekte vielfältig miteinander verknüpfter und komplexer sprachlich-diskursiver Praxen gefasst, die die Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität nur als „natürlich“ erscheinen lassen. Dabei wird auch nach Strategien gesucht, um nicht nur die Hierarchisierung von „Mann und Frau“ und „Homo/-Heterosexualität“ zu bekämpfen, sondern auch die Vereindeutigung von Geschlecht und sexuellen Orientierungen aufzulösen. Im Zuge dessen werden Konzeptionen von eindeutigen, stabilen und in einer scheinbar natürlichen oder kulturellen Substanz wurzelnde Identitäten bzw. Identitätskategorien (z.B. „die Frau“, „der Mann“, „die Lesbe“, „der Schwule“ etc.) kritisch hinterfragt und auf ihre impliziten Ausschlussmechanismen untersucht.

 

Da es sich bei der Queer Theory damit nicht um eine eigene wissenschaftliche Disziplin handelt, wird in diesem Vortrag neben einer kurzen Einführung in Begrifflichkeiten der Queer Theory auf zwei wesentliche theoretische Paradigmen fokussiert, die queere Ansätze auszeichnen und an der Schnittstelle zwischen feministischen und queeren Theorien liegen.

Erstens soll die zentrale queertheoretische These von der Konstruktion von Geschlecht und damit einhergehend der Entnaturalisierung von Geschlecht vorgestellt werden. Dabei geht es auch die Verdeutlichung der zeithistorischen Entwicklungsgeschichte dieser These im Rahmen politischer  Bewegungen (Lesben- und Schwulenbewegung/Frauenbewegung) sowie einer Verortung innerhalb feministischer Debatten um die Trennung von Geschlecht in sex (Körpergeschlecht) und gender (sozio-kulturelles Geschlecht). Mittels Bildmaterial soll auch gezeigt werden, was unter dem queeren Konzept der sprachlichen Performativität und  Geschlecht als Ergebnis einer ständig wiederholenden Zitationspraxis verstanden werden kann. In diesem Kontext sollen folglich auch Fragen nach den Konsequenzen queerer Theorie- und Politikansätze, auf eine Politik „der Frauen“ oder „für Frauen“ gestellt werden, wenn.

Zweitens soll die Konstruktionsthese in einen analytischen Rahmen, der so genannten „Heterosexuellen Matrix“ (nach Judith Butler) verortet werden. Es soll gezeigt werden, dass die Zweigeschlechtlichkeit als ein fundamentales Organisationsprinzip unserer Gesellschaften, nur im Rahmen eines normativ-heterosexuellen Systems gesellschaftlichen Sinn macht und funktional ist. Damit soll aber auch argumentiert werden, dass damit eine Infragestellung der binären Ordnung der Gesellschaft und damit verbunden einer normativen Heterosexualität nicht alleine im Sinne von Lesben, Schwulen und Transgenderpersonen ist, sondern alle „Frauen“ von diesem System gleichsam betroffen sind, wodurch deutlich wird, dass sich queere Theorie mit feministischen Ansätze überschneiden (sollen). Denn wenn der scheinbare biologische Geschlechtskörper keine selbstverständliche Basis mehr ist, wenn Sexualität als sich veränderndes Kontinuum gedacht wird, dann geht es nicht mehr nur um die Veränderung bestimmter Zuschreibungen, Stereotypen und Diskriminierungen und darauf basierenden Ausgrenzungen von Frauen, sondern dann wird Geschlecht und Heteronormativität in einem ganz grundlegenden gesellschaftstheoretischen Sinn zu einem erklärungsbedürftigen Potential und es eröffnet sich ein Raum, in dem kritische Gesellschaftstheorien und feministische Strategien entwickelt und betrieben werden können.

 

Literaturhinweise:

Babka, Anna (2003): Geschlecht als Konstruktion. Eine Annäherung aus Sicht der Dekonstruktion, auf: http://differenzen.univie.ac.at/texte_dekonstruktion.php (Stand: 2.4.2004)

Butler, Judith (1991): Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt/M

Butler, Judith (1995): Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Frankfurt/M

Butler, Judith (1996): Imitation und die Aufsässigkeit der Geschlechtsidentität, in: Sabine Hark (Hg.). Grenzen lesbischer Identität, Berlin, 15-37

Butler, Judith (1998): Haß spricht. Zur Politik des Performativen, Berlin

Foucault, Michel (1983): Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt/M

Fuss, Diana (1991) (Hg.): inside/out. Lesbian Theories, Gay Theories, New York-London

Gildemeister, Regine/Wetterer, Angelika (1992): Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Gudrun-Axeli Knapp/Angelika Wetterer (Hg.). Traditionen, Brüche. Entwicklungen feministischer Theorie, Freiburg, 201-254

Hark, Sabine (1999): Deviante Subjekte. Die paradoxe Politik der Identität, Opladen

Heidel, Ulf/ Micheler, Stefan/ Tuider, Elisabeth (2001) (Hg.): Jenseits der Geschlechtergrenzen. Sexualitäten, Identitäten und Körper in Perspektiven von Queer Studies, Hamburg

Jagose, Annamarie (2001): Queer Theory. Eine Einführung, Berlin

Klapeer, Christine (2004): Queer Studies an Österreichs Universitäten. Entwicklungskontext – aktuelle Situation –Perspektiven, in: Erna M. Appelt (Hg.): Karrierenschere. Geschlechterverhältnisse im österreichischen Wissenschaftsbetrieb, Wien, 181-200

Klapeer, Christine (im Erscheinen): Queer. Contexts, Innsbruck-Wien

Knapp, Gudrun-Axeli (2001): Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht, in: Regina Becker-Schmidt/Gudrun-Axeli Knapp. Feministische Theorien zur Einführung, Hamburg, 63-102

Kraß, Andreas (2003) (Hg.): Queer Denken. Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies), Frankfurt/M

Maihofer, Andrea (1995): Geschlecht als Existenzweise, Frankfurt/M

Perko, Gudrun/Czollek, Leah Carola (2004) (Hg.): Lust am Denken. Queeres jenseits kultureller Verortungen, Köln, 14-30

polymorph/Franzen, Jannik/Klöppel, Ulrike/Schmidt, Bettina/Schulte-Fischedick, Valeria/Walther, Michael/Woitschig, Britta Madeleine (2002) (Hg.): (K)ein Geschlecht oder viele? Transgender in politischer Perspektive, Berlin

Rich, Adrienne (1993): Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz, in: Audre Lorde/Adrienne Rich. Macht und Sinnlichkeit. Ausgewählte Texte, Berlin, 138-169

Schmerl, Christian/ Soine, Stefanie/ Stein-Hilbers, Marlene/ Wrede, Brigitta (Hg.) (2000): Sexuelle Szenen. Inszenierung von Geschlecht und Sexualität in modernen Gesellschaften, Opladen, 183-193

Warner, Michael (2000) (Hg.): Fear of a Queer Planet. Queer Politics and Social Theory, Minneapolis-London

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Elisabeth Holzleithner

Legal Gender Studies: Thesen, Themen und Probleme

 

Einer weit verbreiteten Ansicht zufolge sind Frauen “anders” als Männer. Dieses “Anderssein” musste im Lauf der vergangenen Jahrhunderte als Begründung für ihren Ausschluss von wesentlichen Ressourcen gesellschaftlicher Macht herhalten. Das Recht zu studieren, einen Beruf der eigenen Wahl auszuüben, das aktive und passive Wahlrecht, körperlich-sexuelle Integrität auch in der Ehe – diese Rechte wurden Frauen erst in den letzten hundert Jahren und nur zögerlich zugestanden.

 

Die Geschichte rechtlicher Diskriminierungen bildet den Hintergrund für Analysen im Rahmen der Legal Gender Studies. Ausgangsfrage ist jene danach, wie der Begriff des Geschlechts im Rechtsdiskurs eingesetzt wird und inwiefern die Geschlechtszugehörigkeit – auch heute noch – die Verteilung von Freiheit(en), Ressourcen und Verantwortung im öffentlichen wie im privaten Leben beeinflusst. Daraus ergeben sich die zentralen Themen dieser genuin juristischen, zugleich aber interdisziplinär angelegten Disziplin.

 

Der Vortrag soll sich einigen einschlägigen Fragen im Detail widmen und bezieht dabei historische und theoretische Dimensionen ein. Der Weg führt von verschiedenen Versionen der feministischen Rechtswissenschaft über die Verankerung von Legal Gender Studies in die Legal Queer Studies hinein.

 

Kurzbiografie:

Elisabeth Holzleithner, Dr. jur., geboren 1970, Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, Universitätsassistentin am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht; Gastprofessur an der Universität Graz im WiSe 2001/02; Lehrende im Lehrgang Master of European Studies (Universität Wien) und am Rosa Mayreder College; Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Universität Wien 1994-2001; Forschungsschwerpunkte und zahlreiche Publikationen im Bereich der Legal Gender Studies, des politischen Liberalismus und Multikulturalismus; Buchpublikation: Recht Macht Geschlecht. Legal Gender Studies.Eine Einführung, Wien 2002; Jüngst erschienen: Mainstreaming Equality: Dis/Entangling Grounds of Discrimination, in: Transnational Law and Contemporary Problems Vol. 14, Spring 2005, 927-957

http://homepage.univie.ac.at/elisabeth.holzleithner/
 

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Elvira Scheich:

Elvira Scheich wechselte nach ihrem Diplom in Physik zur Politikwissenschaft, wo sie promovierte und sich habilitierte. In ihren Forschungsarbeiten verbindet sie Wissenschaftsforschung, Geschlechterforschung und Gesellschaftstheorie. Sie hat zahlreiche Aufsätze zu diesen Themen veröffentlicht und neben der Monografie “Naturbeherrschung und Weiblichkeit. Denkformen und Phantasmen der modernen Naturwissenschaften” (1993) hat sie mehrere Sammelbände (mit-)herausgegeben. In ihrem aktuellen Buch untersucht sie das Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Geschlecht in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Seit 1997 lehrt sie an der Technischen Universität Berlin. Zur Zeit ist sie Gastprofessorin für Gender & Science an der Humboldt Universität zu Berlin.

 

(Mehr findet sich unter:

http://www.tu-berlin.de/~zenfrau/elvira_scheich_neu-Dateien/frame.htm)

Sex & Gender – Zur Konstruktion naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Tatsachen.

Abstract:

Die Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) einerseits, der kulturellen Bezeichnung  von „männlich“ und „weiblich“ sowie der sozialen Zugehörigkeit zu einer der beiden Genus-Gruppen (gender) war grundlegend, um den Gegenstandsbereich und die Problemstellungen der Geschlechterforschung (gender studies) zu bestimmen. Inzwischen wird jedoch dieser Ausgangspunkt in der feministischen Theorie heftig diskutiert und die soziale Konstruktion körperlicher Geschlechterdifferenzen betont. Darüber hinaus betrachtet die neuere Wissenschaftsforschung ihr Forschungsfeld, die Wissenschaft, als eine soziale Aktivität – und nicht nur als ein Gedankengebäude. Damit werden zahlreiche Untersuchungsfragen aufgeworfen, in denen die Kategorie des Geschlechts eine zentrale Rolle spielt. Diese Ansätze wird der Vortrag im Überblick darstellen und dafür argumentieren, dass hier die Möglichkeit zu einer Neubestimmung der Differenz zwischen „sex“ und „gender“ gegeben ist.

 

Literaturangaben:   

Donna Haraway: „Primatologie ist Politik mit anderen Mitteln“, in: Das Geschlecht der Natur. Feministische Beiträge zur Geschichte und Theorie der Naturwissenschaften, hrsg. v. Barbara Orland und Elvira Scheich, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1995, S. 136-198.

 

Donna Haraway: „Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive“, in: Vermittelte Weiblichkeit. Feministischen Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie, hrsg. v. Elvira Scheich, Hamburg (Hamburger Edition) 1996. Paperback-Ausgabe: Kirchlichteln (Verlag Hoffmann & Hoyer) 2002, S. 217-248.

Dorit Heinsohn: Physikalisches Wissen im Geschlechterdiskurs. Thermodynamik und Frauenstudium um 1900, Frankfurt/M./New York (Campus) 2005.

Ruth Hubbard: “Have only men evolved?”, in: Women Look at Biology Looking at Women, hrdg. v. Ruth Hubbard u.a., Cambridge 1979. Deutsch: Hat die Evolution die Frauen übersehen?, in: Denkverhältnisse, hrsg. von Elisabeth List und Herlinde Studer, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1989, S. 301-333.

Evelyn Fox Keller: Liebe, Macht und Erkenntnis. Männliche oder weibliche Wissenschaft?, München (Carl Hanser) 1986.

Elvira Scheich: ”Naturwissenschaften”, in: Einführung in Gender-Studies, hrsg. v. Christina von Braun und Inge Stephan, Stuttgart/Weimar (Metzler) 2000, S. 191-206.

Elvira Scheich: ”Was hält die Welt in Schwung? Feministische Ergänzungen zur Geschichte der Impetustheorie” in: Feministische Studien, 1/1985, S. 10‑32.

Londa Schiebinger: Natures Body. Gender in the Making of Modern Science, Boston 1993.

Mona Singer: Geteiltes Wissen. Feministische Epistemologie, Wissenssoziologie und Cultural Studies, Wien (Löcker) 2005.
 

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Erna Appelt, Institut für Politikwissenschaft

Politik als Engagement für eine geschlechtergerechte Welt

Abstract zum Vortrag am 25. Oktober 2005 im Rahmen der Ringvorlesung „Die Lust der Veränderung: Feminismus als Kompetenz"

Die Vision von einer geschlechtergerechten Welt hat von der Aufklärung bis heute individuelle unzählige Frauen und Frauenorganisationen in aller Welt dazu veranlasst, sich in die Wissensproduktion und in das politische Geschehen einzumischen, um die bestehende Geschlechterordnungen in Frage zu stellen.

Frauenpolitik/Geschlechterpolitik kann daher als Kampf für eine Welt definiert werden, in der Frauen weder hinsichtlich der Verteilung von ökonomischer Ressourcen, noch hinsichtlich politischer Vertretung oder gesellschaftlicher Anerkennung systematisch benachteiligt werden.

Der Erfolg einer solchen Politik setzt voraus, dass jene Strukturen, die Ungerechtigkeiten immer wieder reproduzieren, erkannt werden.   Er erfordert aber auch, dass immer wieder neue effektive Strategien der Veränderung entwickelt werden.

Literatur:

Helga Braun/Dörthe Jung (Hg.): Globale Gerechtigkeit? Feministische Debatte zur Krise des Sozialstaates, Hamburg 1997.

Hanne Marlene Dahl, Pauline Stoltz, Rasmus Willig: Recognition, Redistribution and Repräsentation in Capitalist Global Society. An Interview with Nancy Fraser, in: Acta Sociologica, Vol 47, December 2004.     

Kornelia Hauser, Soziologin, Professorin für feministische Gesellschafts- und Kulturwissenschaften der Universität Innsbruck.  Forschungsschwerpunkte: Pragmatismus, Weibliche Vergesellschaftung, Gender-Ideologien, „Neo-Sexualitäten“

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Gabriele Michalitsch

Studium der Politikwissenschaft und der Fächerkombination Philosophie, Spanisch, Publizistik an der Universität Wien sowie der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien; 1994–1996 Post graduate-Studium der Politikwissenschaft am Institut für Höhere Studien, Wien; seit 1994 Forschungsassistentin und Lehrbeauftragte am Institut für Volkswirtschaftstheorie und -politik der Wirtschaftsuniversität Wien; seit 2000 außerdem Lehraufträge im Bereich Frauen- und Geschlechterforschung der Universitäten Innsbruck, Salzburg, Linz, Klagenfurt und Graz; seit 2002 Vorsitzende der Expertinnengruppe des Europarats zu Gender Budgeting; 2003–2004 Associate Professor am Department of Economics and Administrative Sciences der Yeditepe University, Istanbul; derzeit Habilitationsprojekt über „Das politische Regime der Zeit“.

Gabriele Michalitsch, Mag. phil., Mag. rer. soc. oec., Dr. phil., Studium der Politikwissenschaft und der Fächerkombination Philosophie, Spanisch, Publizistik an der Universität Wien sowie der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien; 1994–1996 Post-graduate-Studium der Politikwissenschaft am Institut für Höhere Studien, Wien; seit 1994 Forschungsassistentin und Lehrbeauftragte am Institut für Volkswirtschaftstheorie und -politik der Wirtschaftsuniversität Wien; seit 2000 außerdem Lehraufträge im Bereich Frauen- und Geschlechterforschung der Universitäten Innsbruck, Salzburg, Linz, Klagenfurt und Graz; seit 2002 Vorsitzende der Expertinnengruppe des Europarats zu Gender Budgeting; 2003–2004 Associate Professor am Department of Economics and Administrative Sciences der Yeditepe University, Istanbul; derzeit Habilitationsprojekt über „Das politische Regime der Zeit“.

Forschungsschwerpunkte: Neoliberalismus (Subjekt, Zeit), Globalisierung, feministische Ökonomie, Gender Budgeting, Geschlechterkonstruktionen in politischen und ökonomischen Theorien, soziale Ungleichheit.

Neoliberalismus (Subjekt, Zeit), Globalisierung, feministische Ökonomie, Gender Budgeting, Geschlechterkonstruktionen in politischen und ökonomischen Theorien, soziale Ungleichheit.

Abstract: Obgleich Auseinandersetzungen um Frauenarbeit und deren Entlohnung ins 19. Jahrhundert zurückreichen, begann sich feministische Ökonomie als eigenständiges Forschungsfeld erst Mitte der 1990er Jahre zu etablieren. Der Vortrag bietet einen Überblick über den sich seither dynamisch entwickelnden feministischen Diskurs innerhalb der Volkswirtschaftslehre.

Grundzüge feministischer Kritik am ökonomischen Mainstream und dessen wirtschaftspolitischen Konzepten, gesellschaftliche Hintergründe sowie zentrale Ansatzpunkte feministischer Ökonomie werden skizziert, um Geschlechtsspezifika ökonomischen Denkens sichtbar zu machen und die Bedeutung der theoretischen Trennung von Markt- und Versorgungsökonomie, die Begrenzung des ökonomischen Gegenstandsbereiches auf den Markt sowie die scheinbare Universalität und Geschlechtsneutralität „ökonomischer Gesetze“ zu diskutieren.

Literaturempfehlung für Studierende: BEIGEWUM (Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen, 2002): Lebensverhältnisse von Frauen in Österreich, in: Frauen macht Budgets. Staatsfinanzen aus Geschlechterperspektive, Wien, 63-78.

Michalitsch, Gabriele (2002): Engendering Economics. Grundlagen feministischer Ökonomie, in: Kurswechsel. Zeitschrift für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen 1/2002, 10-21.

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Johanna Geh­ma­cher

Mail: J­o­h­a­n­n­a­.­G­e­hma­c­h­e­r­@­u­n­i­v­i­e­.­a­c­.at

 

Geboren am 17. 3. 1962 in Abtenau (Land Salzburg/Österreich).

 

Ausbildung:

1987 Diplomprüfung aus dem Fach Ges­chichte mit einer Diplom­ar­beit zum Thema „Die 'Alkoholfrage' als 'Frauen­frage'. Zur Behandlung des Alko­hols in der Theorie der österrei­chi­schen Sozialdemo­kratie mit besonderer Beach­tung sozial­demokrati­scher Frauen­zeitschriften in Österreich 1918-1934“ (Be­treu­erIn­nen: Univ.-Prof. Dr. Edith Saurer, Univ.-Prof. Dr. An­ton Stau­din­ger).

 

1993 Promotion (Dr. phil.) mit einer Dissertation zum Thema „Na­tionalso­zia­listische Jugendorganisationen in Öster­reich. Eine Unter­su­chung zur Bedeutung des Geschlechts in der Po­li­tik“ (BetreuerIn­nen: Univ.-Prof. Dr. Edith Sau­rer, Univ.-Prof. Dr. Anton Stau­din­ger).

 

2001 Habilitation zur Universitätsdozentin für neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte

 

Berufliche und wissenschaftliche Tätigkeiten, Mitarbeit in universitären Gremien:

Seit 1987  Durchführung von bzw. Mitarbeit an Forschungsprojekten, u.a. zu den Themen „Wiener Jugend­liche 1930-1950“, „Deutsch­nationalismus österrei­chi­scher Frauen (1918-1938)“,  „Perspektiven feministischer Forschung“, und „Erfah­run­gen, Selbst­entwürfen und Le­benskon­struktionen einer Wiener Schulrä­tin 1884 - 1970. Quellenedi­tion und Kommentar“.

 

Dezember 1993 bis Februar 1995: Vertragsbedienstete am In­stitut für Ge­schichte der Univer­sität Wien (Karenzver­tre­tung halbtags). Auf­gabenbe­reiche: Mitarbeit bei der Koor­dina­tion und Redak­tion eines An­trages für ein inter­diszi­plinä­res Wis­sen­schafts­kolleg „Frauen- und Ge­schlech­terfor­schung (Gen­der-Stu­dies)“; Mitarbeit bei der Koor­dination des kontinuierlich durchgeführten Kollo­quiums für Frauen- und Ge­schlechterforschung am Institut für Ge­schichte der Uni­ver­sität Wien; Betreuung und kon­zeptio­nelle Weiter­entwick­lung des Archivs „Frauen­nachläs­se“ am In­stitut für Ge­schich­te.

Seit 1999: Mitherausgeberin der wissenschaftlichen Buchreihe „Querschnitte – Einführungstexte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte“

Seit Juli 1998: Assistentin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. (November 1999-Juli 2001 in Karenz)

2001-2003: Mitglied der Institutskonferenz des Instituts für Zeitgeschichte, ab Jänner 2002 als stellvertretenden Institutsvorständin

2001-2003: Mitglied der Studienkommission Geschichte, ab Jänner 2003 als stellvertretenden Studienkommissionsvorsitzende


2004: Ermächtigte für die Anrechnung von an der Universität Wien abgelegten Prüfungen für das Geschichtestudium (Ermächtigungsverordnung des Studienpräses, 29. 1. 2004)


Seit 2002: Mitherausgeberin der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften

 

Forschungsschwerpunkte:

  • Theoretische und empirische Perspektiven auf Nationalismus und Geschlecht
  • Zeitgeschichte als Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Auto/biographie, Politik und Geschlecht
  • Jugendkulturen und Formen der Jugendorganisierung im 20. Jahrhundert

Auszeichnungen:

1995: Victor Adler-Förderungspreis (Bundesministerium für Wissen­schaft, Forschung und Kunst).

Förderungspreis der Stadt Wien in der Sparte Wissen­schaften (Kul­tur­abteilung der Stadt Wien).

1997: Käthe-Leichter Staatspreis

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Jutta Hartmann

ab Oktober 2005 Verwaltung der Professur "Pädagogik für Soziale Arbeit" Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit an der Fachhochschule Hildesheim, Deutschland

2002-2005 Gastprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaften Universität Innsbruck;

1990-2000 Wissenschaftliche Mitar­beiterin am Fachbereich Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften Technische Universität Berlin;

Jugend- und Erwachenenbildungsreferentin;

Lehraufträge an den Uni­versitäten Graz, Klagenfurt, Wien sowie an FHs für Sozialwesen.

Erziehungswissenschaftliche und pädagogische Arbeits­schwerpunkte: Gender und Queer Studies, Sozialisations- und Biografie­forschung, Diskurstheorie und -analyse, Pädagogik vielfältiger Lebensweisen, systemische Beratung.

Verwaltung der Professur „Pädagogik für Soziale Arbeit“ an der Fachhochschule Hildesheim, Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft

 

Vortrag auf der Ringvorlesung Universität Innsbruck November 2005

Die Lust der Veränderung:
Feminismus als Kompetenz. Eine orientierende Bestandsaufnahme

 

Einmischen und Mitmischen!          
Feministische Herausforderungen der Erziehungswissenschaft

Und/oder: Differenz, Kritik, Dekonstruktion –     
Perspektiven erziehungswissenschaftlicher Frauen- und Geschlechterforschung

 

 

Abstract:

Erziehungswissenschaft stellt ein inter- und transdisziplinär ausgerichtetes Wissenschaftsfeld dar, dessen konstitutive Differenzen in den Kategorien Generation und Geschlecht liegen. Die Wurzeln feministischer Pädagogik lassen sich jedoch in der Frauenbewegung und einer daraus erwachsenen feministischen Bildungsbewegung finden. Diese entwickelte sich in den letzten 35 Jahren zu einer mehr oder weniger etablierten Subdisziplin erziehungswissenschaftlicher Frauen- und Geschlechterforschung mit zahlreichen wissenschaftstheoretischen, methodologischen und handlungsfeldbezogenen Schwerpunktsetzungen. So umfasst das im Jahr 2004 erschienene Handbuch „Gender und Erziehungswissenschaft“ allein über 700 Seiten.

 

Angesichts einer sehr regen grundlagentheoretischen Debatte und aufgrund zahlreicher pädagogischer Handlungsfelder, auf die sich feministische Erziehungswissenschaft anwendungsbezogen zu richten hat, wird der Vortrag blitzlichtartige Einblicke in ausgewählte Stationen der Debatte vermitteln. Die Auswahl orientiert sich an meiner eigenen Geschichte im feministischen Feld erziehungswissenschaftlicher Forschung, Lehre und Praxis mit Blick auf die Handlungsfelder Schule, Sozialarbeit und Erwachsenenbildung. Dabei werden Überlegungen zum Benachteiligungsdiskurs der 1970er Jahre, der Mittäterschaftsthese der 1980er Jahre, zum Blick auf Dominanzgeflechte und zum Konzept des doing gender seit den 1990er Jahren sowie zu dekonstruktiv-queeren Perspektiven aufgegriffen, die insbesondere seit 2000 Eingang in erziehungswissenschaftliche Debatten des deutschsprachigen Raums gefunden haben.

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Kornelia Hauser

Soziologin, Professorin für feministische Gesellschafts- und Kulturwissenschaften der Universität Innsbruck  Forschungsschwerpunkte: Pragmatismus, Weibliche Vergesellschaftung, Gender-Ideologien, „Neo-Sexualitäten“

 

Titel der Vorlesung

Erfahrung und Theorie. Feminismus als Haltung und Wahrnehmung.

Den herrschenden Begriffen in den Sozialwissenschaften waren nicht die weiblichen Lebenswirklichkeiten zu entreissen. Erfahrung, Alltag und Praxen von Frauen, ihre Aneignung der Verhältnisse konnten von uns nicht aufgefunden werden in den herrschenden Theorien. Zuende gedacht bedeutete dies, dass es kein wissenschaftliches Gedächtnis für das zweite Geschlecht gab. Ohne dieses Gedächtnis aber sind Vorwegnahmen, Antizipationen eines anderen, eines freieren, eines selbstbestimmten Lebens nicht möglich. „Das Opfer hat kein Gedächtnis für den Akt seiner Unterwerfung. Es verliert sich im Unterworfensein.“ (Ursula Krechel).

Die feministischen Wissenschaften suchten aus dem Objekt von gesellschaftlichen Prozessen, das Subjektive und Selbsttätige freizulegen. Systematisch weibliche Erfahrungen zu theoretisieren, das wissenschaftliche Denken als Werkzeuge der Befreiung umzubauen wurde ein wesentlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Disziplinen und der Frauenbewegungen. Gekannt werden, das Zu-Sich-Selber-Kommen der Frau – dieser inständige Wunsch von Frauen, die nicht durch den Mann, sondern durch sich selber leben wollen ist der Beginn und der Prozess dieser wissenschaftlichen Arbeiten.

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Monika Jarosch

Geb.1940. Studium der Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft. Aktiv in der autonomen Frauenbewegung Innsbruck, beim Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, Mitarbeit in der AEP-Frauenbibliothek, Herausgabe und Redaktion der AEP-Informationen. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Externe Lehrbeauftragte an den Universitäten Innsbruck, Linz, Graz und Salzburg. Veröffentlichungen im Bereich Gewalt in der Familie, Gleichstellungspolitik, „Frauenquoten in Österreich“ (2001). Ausgezeichnet mit dem Gabriele-Possanner-Förderungspreis 2002.

„Sag mir, wer hat dir die selbstherrliche Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?“ Traditionslinien der Ersten und der Neuen Frauenbewegung. – 18. Oktober 2005

„Sag mir, wer hat dir die selbstherrliche Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?“ (Olympe de Gouges). Die Gleichheit war und ist der zentrale, politische und rechtliche Angelpunkt von emanzipatorischen Bewegungen und den daraus folgenden politischen Forderungen.

Gleichheit aber auch der Kampf für die Anerkennung der Differenz der Geschlechter war Thema der Ersten Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Diese Kämpfe waren ein zähes Ringen um politische und bürgerliche Rechte mit den Themen Erziehung und Bildung, Arbeitsbedingungen, Eigentumsrechte, Familienrecht, Wahlrecht.

In der Neuen Frauenbewegung geht es zwar immer noch um Gleichheit und Differenz, aber im Vordergrund standen und stehen Themen wie Selbstbestimmung und Autonomie. Die Theorie und die Politik der Neuen Frauenbewegung ist der Feminismus, jedoch gibt es viele feministische Theorien, viele Feminismen, und jede Perspektive versucht die Unterdrückung der Frauen zu beschreiben, ihre Ursachen und Konsequenzen zu erklären und Strategien für die Befreiung der Frauen zu entwickeln.

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Ruth Becker

Raum und Geschlecht – eine feministische Reflexion 

 

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung

 

Di 29. 11. 2005  18.00 – 20.00 Uhr

 

Bereits in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts haben (amerikanische) Frauenrechtlerinnen ihre gesellschaftlichen Utopien mit alternativen räumlichen Konzepten verbunden. Denn sie hatten erkannt, dass in den bestehenden räumlichen Strukturen gesellschaftliche Verhältnisse und somit auch das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis eingeschrieben sind. Räume sind „vergeschlechtlicht“ – diese Erkenntnis gilt nicht nur für Gesellschaften mit einer expliziten räumlichen Geschlechtertrennung, sondern auch (und gerade) in westlichen Industriegesellschaften, in denen kaum mehr formal geschlechtsgetrennte Räume existieren.

 

Ich möchte in dem Vortrag zunächst die Beispiele vergeschlechtlichter Räume aufzeigen, an denen sich die feministische Kritik an Stadt und Raum in den letzten 30 Jahren entzündet hat. So vielfältig die Beispiele auch sind – im Kern geht es immer um das Problem der Hierarchie räumlicher Interessen, die in Gesellschaften mit hierarchischem Geschlechterverhältnis in der Regel zu Gunsten der dominanten Genusgruppe ausfallen. Dass es mehr (und größere) „Männerräume“ als Frauenräume gibt, dass also den Raumansprüchen von Männern mehr Raum gegeben wird als denen von Frauen, lässt sich nicht nur im Massenwohnungsbau westlicher Industriegesellschaften, sondern auch im Verkehr, im Sport und im öffentlichen Raum zeigen. Allerdings – die Verhältnisse sind in den letzten 30 Jahren komplizierter geworden (oder werden differenzierter gesehen). Veränderungen im Geschlechterverhältnis sind m.E. nicht zu leugnen – auch wenn sie weit hinter feministischen Forderungen zurückbleiben. Vor allem aber wird es zunehmend problematischer, von „den“ Frauen und „den Männern“ zu sprechen. Der hegemonialen Männlichkeit (auf die ich nicht explizit eingehen will), stehen Differenzen zwischen Frauen gegenüber, die sich auch auf räumlicher Ebene niederschlagen. Wenn also Feministinnen Vorrang für den öffentlichen und den nichtmotorisierten Verkehr und eine „Entschleunigung“ fordern, so trifft das nicht nur autofahrende Männer, sondern auch die zunehmende Zahl autofahrender Frauen. Schon diese Überlegung zeigt: Die Entwicklung feministischer Raumkonzepte unterscheidet sich wesentlich von Konzepten des Gender Mainstreaming, zumindest wenn letzteres (wie dies häufig der Fall ist), auf dem Konzept bloßer „Unterschiedlichkeit“ von Frauen und Männern beruht.

 

Um diese feministischen Raumkonzepte, genauer um die Widerständigkeiten gegen hierarchisch vergeschlechtlichte Räume geht es im zweiten Teil des Vortrags. Denn Räume sind ja nichts Vorgegebenes oder von Planern Gemachtes. Vielmehr werden Räume immer wieder neu und anders hergestellt – durch die Planung, aber auch durch uns alle in unserem (alltäglichen) Handeln. Diese (widerständigen) Praktiken – von der Entscheidung von Frauen für das Alleinwohnen, das, so Löw in ihrer Studie zu alleinwohnenden Frauen, eine Antwort auf ungelöste gesellschaftliche Widersprüche sein kann, bis zu den temporären oder permanenten Räumen der lesbischen Subkultur, die die vorherrschende Heteronormativität in Frage stellt – sollen im zweiten Teil des Vortrags vorgestellt und diskutiert werden.

 

Was diese widerständigen Praktiken für die Raum- (und Stadt)-Planung als Disziplin bedeuten (könnten), das will ich im dritten Teil des Vortrags beleuchten und dabei (am Beispiel der sog. „Angsträume“) auf die Notwendigkeit einer theoretisch unterfütterten Planungspraxis eingehen, die gesellschaftliche Strukturen und Prozesse in den Blick nimmt und nicht nur auf das anscheinend Offensichtliche abhebt (wie dies in Gender Mainstreaming Prozessen leicht passieren kann).

 

Literatur: Ruth Becker(2004): Raum: Feministische Kritik an Stadt und Raum. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methode, Empirie. Wiesbaden, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S. 653-664.

 

Lebenslauf: 1964-1969 Studium der Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftspolitik und Statistik in Stuttgart, Hamburg, Tübingen und München | 1969 Diplom-Volkswirtin in München, 1986 Promotion zur Dr. rer. pol. | 1969-1980 wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. wissenschaftliche Assistentin an den Universitäten München und Stuttgart | 1993 Habilitation am Fachbereich Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Gesamthochschule Kassel |1990-1991 Vertretungsprofessorin an der Universität Gesamthochschule Kassel | Zwischen 1980 und 1993 freiberufliche Tätigkeit (Gutachten, Forschungsprojekte), gleichzeitig Lehraufträge an den Universitäten Stuttgart, Kassel, Hamburg und Weimar | Seit 1993 Leiterin des Fachgebiets Frauenforschung und Wohnungswesen in der Raumplanung der Universität Dortmund | Seit 1998 Koordinatorin des Netzwerks Frauenforschung NRW, Herausgabe des "Journal Netzwerk Frauenforschung" und der "Studien Netzwerk Frauenforschung"

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