„Bei der Figur auch kein Wunder...“ - Antifeminismus in den Medien 

Ricarda Drüeke und Elisabeth Klaus

Im Titel wird auf den sexistischen Angriff des Extremsportlers Felix Baumgartner gegen die bekannte österreichische Journalistin Corinna Milborn verwiesen, der Teil einer Empörungswelle war, die sich in der Debatte über eine Werbekampagne eines Textil-herstellers entzündet hatte. Dass Sprache in der Lage ist, zu verletzen hat Judith Butler bereits in „Hass spricht“ aufgearbeitet. Rassistische, sexistische und homophobe Beleidigungen treffen insbesondere Frauen* und Themen, die Feminismus bzw. Geschlechterverhältnisse anbelangen. Dabei wirken solche antifeministische Argumentationen auf vielerlei Weise: So zeigen sich in der Adressierung bestimmte sprachliche sowie inhaltliche Muster und die Formen der Angriffe richten sich gegen Individuen und gesellschaftliche Gruppen, gleichzeitig verweisen sie auf strukturelle Ungleichheiten und tradierte Wissensformationen. 

 

Der Vortrag beleuchtet anhand von Beispielen wie Antifeminismus in verschiedenen Feldern medialer Bedeutungsproduktion wirksam ist. So zeigen Shitstorms, die sich antifeministischer und sexistischer Artikulationen bedienen, wie Journalist*innen zunehmend online zum Ziel antifeministischer Angriffe werden. Wie im Falle von Thilo Sarrazin oder Eva Hermann deutlich wird, werden nach wie vor klassische Medien häufig zur Verbreitung von antifeministischen Thesen genutzt. Unter dem Deckmantel „Man darf ja nichts mehr sagen“ werden Diskursgrenzen verschoben und reaktionäre Positionen artikuliert, mit denen gegen Feminismus und Gender Studies mobilisiert wird. Gleichzeitig zeigen sich etwa im sogenannten „Hashtag-Aktivismus“, durch feministische Blogs und Online-Kampagnen neue Formen von Öffentlichkeiten. So wurde beispielsweise mit Hilfe des Hashtags #metoo über Twitter sexualisierte Gewalt thematisiert und damit eine breite mediale Debatte in Gang gesetzt. Zugleich werden diesen Möglichkeiten enge Grenzen gesetzt werden. Besonders aktive Feministinnen, die z.B. als Bloggerinnen aktiv sind, werden oft bedroht und sind menschenverachtenden Fantasien ausgesetzt. Den neuen Möglichkeiten für feministischen Aktivismus stehen damit neue Vulnerabilitäten entgegen.

 

 

Zeit: Montag, 18. Jänner 2021, 18 Uhr 
Ort: Hörsaal 2, SOWI-Campus, Universitätsstr. 15, Innsbruck

 


Kurzbiographien 

Ricarda Drüeke, Dr. phil., ist Assistenzprofessorin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Digitalisierung und Gesellschaft, Öffentlichkeitstheorien sowie Gender Media Studies.

Elisabeth Klaus, Dr. phil., ist Universitätsprofessorin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, Leiterin der Abteilung Kommunikationstheorien und Öffentlichkeiten sowie Co-Leiterin des Programmbereichs Zeitgenössische Kunst und Kultur-produktion am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst an der Universität Salzburg und der Universität Mozarteum Salzburg. Ihre Forschung konzentriert sich auf Öffentlichkeitstheorien, feministische Medienwissenschaft und Populärkultur.


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