Kornelia Hauser

Das umstellte Selbst – herrschaftskritische Kontextualisierung neuer Vergesellschaftungsstrukturen

Die Signatur des Halbgebildeten ist es, dass er sein Ich durchstreicht, um der Interessen des Ichs willen. Er betreibt Selbsterhaltung ohne Selbst.“ (Th.W. Adorno)

Die neuen Anforderungen und Zumutungen an die Individuen werden sozialwissenschaftlich überwiegend kritisch gesehen und als intelligente Herrschaftsstrategien entziffert. Was aber bleibt wenn die Konzepte von Emanzipation und Mündigkeit, Selbstbestimmung und Kritik als "Eigenschaften" der besseren Vernutzung nicht nur der Arbeits- sondern aller Persönlichkeitskräfte gesehen werden?

Nur in der Bildung ist das Noch-Nicht von Möglichkeiten aufgehoben, wird konkrete Vorstellung und möglicher Handlungszusammenhang. Sie ist insofern das Lebensmittel für Orientierung. Zugleich ist die Vorenthaltung von Bildung und/oder die Halbbildung immer weiter Herrschaftsstrategie. Gesellschaftlich lassen sich drei Prozesse ausmachen, die mit den Begriffen von Entinstitutionalisierung, Psychologisierung und Privatisierung gefasst werden können. Wie kann ein kritischer Bildungsbegriff sich gegen darin enthaltenen Entfremdungen und Begrenzungen der Selbst- und Weltverhältnisse stemmen?