PANEL 13

Gesundheitsstatistiken / Big Data / Prognostik

Chair: Wolfgang Meixner (Innsbruck)

13.30-15.00

Die Daten zur Epidemiologie im 19. Jahrhundert

Michael Pammer (Linz)

Der Beitrag beschreibt zunächst die Quellensituation in der Epidemiologie des 19. Jahrhunderts in Österreich-Ungarn, dabei hauptsächlich hinsichtlich der Todesursachenstatistik, am Rand auch hinsichtlich der Mobiditätsstatistik. Dann werden unter Verwendung von Individualdaten und aggregierten Daten räumliche Modelle für Kinderkrankheiten präsentiert.

Michael Pammer, Studien an der Universität Salzburg (Dr. jur 1985, Dr. phil. 1991), ab 1992 Universitätsassistent, seit 2001 Universitätsdozent an der Universität Linz, Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Österreichs und Österreich-Ungarns, 18.–20. Jahrhundert.

(Falsch-)Information, Emotion und Reaktion in Zeiten der Epidemie – Erkenntnismöglichkeiten der mentalitätsgeschichtlichen und wissenssoziologischen Forschung

Carlos Watzka (Linz)

Wenn Wahlkampfzeiten Zeiten „fokussierter Unintelligenz“ sind, gilt dies für schwere kollektive Bedrohungslagen, wie (Bürger-)Kriege, Hungersnöte oder Epidemien erst recht – und hier nicht etwa nur für Angehörige der politischen und gesellschaftlichen Eliten, sondern für alle Menschen. Hierfür lassen sich deutliche neurobiologische Grundlagen erkennen: Allzu großer Stress reduziert die Denk- und Handlungsfähigkeit des Organismus, beschränkt insbesondere die Wahrnehmung verschiedener Optionen. Allerdings ist das Erleben einer Lage als ‚Gefahr‘ selbst wiederum von Wahrnehmungs- und Bewertungsprozessen abhängig, die hochgradig von früheren eigenen Erfahrungen und ‚Vorwissen‘ abhängt – und damit von sozio-kulturellen Gegebenheiten, die höchst variabel gestaltet sein können: Erst das kollektiv geteilte Wissen um die eine mögliche Verbreitung einer bestimmten Erkrankung als ‚Seuche‘, mit schrecklichen Folgen – allen voran rapides massenhaftes Sterben – konstituiert eine ‚Epidemie‘ in diesem gesellschaftlichen Sinn. Gleichzeitig macht auch erst eine deutliche Wahrnehmung der betreffenden Bedrohung eine einigermaßen spezifische Reaktion möglich – und erhöht damit individuelle wie kollektive Überlebenswahrscheinlichkeiten. Epidemie-Angst, damit aber auch Epidemie-Panik und deren dialektisches ‚Gegenteil‘, Epidemie-Leugnung und Epidemie-Verdrängung, zählen so zu den regelmäßigen ‚Begleitern‘ von ‚Seuchen‘ – ebenso wie Bemühungen von ‚Experten‘ verschiedenster Art, bestimmten Reaktionsformen – im besten Fall: angemesseneren, reflektierteren – Geltung zu verschaffen. Insbesondere gilt dies, wie historische und kulturvergleichende Studien aufzeigen können, für als neuartig wahrgenommene Krankheitsbedrohungen. Der Beitrag soll die betreffenden Phänomene an historischen sowie an aktuellen Beispielen fassbar und einer wissenssoziologischen Reflexion zugänglich machen.

Carlos Watzka (geb. 1975): Studium der Soziologie und Geschichte an der Uni Graz. 2004 Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und 2008 Habilitation für Soziologie ebendort. Danach tätig u.a. als Projektleiter historisch-soziologischer Forschungsvorhaben, als Dozent bzw. Vertretungsprofessor. Seit 2020 Assoz. Prof. für Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud Privat Universität in Linz.

Der „R-Faktor“: Epidemiologie als virale Sozialwissenschaft

Andreas Oberprantacher (Innsbruck)

Durch die COVID-19-Pandemie haben die Epidemiologie sowie die biostatistischen und -informatischen Modelle sozialen Verhaltens eine globale Konjunktur erfahren. Sie sind zu einer viralen Sozialwissenschaft avanciert und re-definieren Verständnisse des Zusammenlebens. Folgender Beitrag ist als genealogische Kritik der „epidemiologischen Vernunft“ (Reubi 2018) und ihrer Parameter gedacht.

Andreas Oberprantacher ist als assoz. Prof. am Institut für Philosophie der Universität Innsbruck tätig und stellvertretender Sprecher des DKs „Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung“.

Epidemiologische Studien zu Covid-19 und was wir davon ableiten

Peter Willeit (Innsbruck)

 

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