Die Winkelharfe aus Fritzens-Pirchboden

Rekonstruktion des Instruments  

Erstellung des Nachbaus 

Resonanzkörper und Hals |Deckelung des Resonanzkörpers und Saitenhalter |Positionierung der Saiten am Hals |Stützstab|Zuweisung der Depotfunde  

Resonzkörper und Hals

Schemazeichnung Winkelharfe

Eine Winkelharfe besteht formal und tektonisch aus zwei Grundkomponenten: dem Hals, an dem die Saiten über Wirbel oder Knebel gezogen aufeinander stimmbar sind, und dem Resonanzkörper, an dem die Saiten fixiert werden und auf den sie die Schwingungen des Anschlagens oder Zupfens übertragen. Beide Teile müssen fix miteinander verbunden sein.

Im Fall des Fritzener Objektes ist der Hals aus Geweih erhalten. Basierend sowohl auf den vorgestellten Vergleichen als auch auf den Spuren am Fundobjekt selbst generierte Gottfried Heel einen Resonanzkörper.

Resonanzkörper/Korpus

Soweit bekannt, bestehen alle bislang archäologisch geborgenen Resonanzkörper von Bogen- und Winkelharfen aus einem kompakten Holzblock, der im Inneren trogartig ausgehöhlt ist. Die Form reicht von Korpora mit U-förmigem Querschnitt (ägyptische Bogenharfe der 18. Dynastie aus Theben im British Museum, London (InvNr. EA6382) ), die auch mittig stark einziehend sein können (Kurgan II in Pazyrik, Eremitagemuseum in St.Petersburg) bis zu langrechteckig ausgeführten Formen (Winkelharfe aus Ägypten aus dem Louvre in Paris (InvNr. N1441).
Die Wandstärke obliegt dem technischen Know-how des Herstellers, weshalb sich innerhalb des archäologisch geborgenen Materials relativ geringe Wandstärken neben sehr kräftigen Ausführungen finden. Generell sind geringere Wandstärken instrumentenbautechnisch gesehen besser, da eine dünne Wandstärke besser schwingt.
In dieser Technik ausgeführte Resonanzkorpora finden sich in Europa bis ins Mittelalters bei Chordophonen wie Fideln, Rebecs oder auch bei Lauten.

Als Vorlage für die Grundform des ausgestemmten Holzblocks dienten die archäologisch geborgene Winkelharfen aus Pazyrik und Ägypten, deren Korpora entweder abgerundete oder eckige Ausführungen zeigen. Da keine genaue Kopie dieser Instrumente angestrebt war, wurde der Nachbau mit relativ dicker Wandstärke hergestellt und die Seiten abgeflacht.

 

Nachbau
Nachbau, Korpus mit Saitenhalter (Version 1), Fixierstiften und Ansatz für den Hals. Foto: Michael Schick, privat

 

Hals

Bei der Positionierung des zweiten Pferdekopf als vorderer Abschluss handelt es sich um eine Rekonstruktion.
Dieser war schon um 2000 als Einzelfund gemeinsam mit anderen, den Hals bildenden Fragmenten im Haus 2 in Fritzens/Pirchboden geborgen worden. Da er nahezu form- und materialgleich mit dem Kopf des am anderen Ende sitzenden Pferdes ist, wurde er vorerst von G. Tomedi als dessen nicht erhaltene Rückseite interpretiert.
Im Zuge der Dokumentationsarbeiten zeigte sich aber, dass er im Gegensatz zum ersten Kopf keine feine Bohrung im Stirnbereich aufweist. Zudem belegten anpassende Neufunde aus dem Depot 2021 eindeutig seine Eigenständigkeit.
Umso schwieriger gestaltete sich seine Positionierung am Instrument. Am wahrscheinlichsten ist eine Anbringung am vorderen Abschluss des Halses, was von Michael Moser in das 3D Modell und den 3D Druck integriert wurde.

 

Ausdruck 1
Fotos: Michael Schick, privat

3D Polymerausdruck

Der Ausdruck war schon strukurell im Polygonmodell speziell im Inneren sehr stabil angelegt worden, um beim Verbau als Instrumententeil dem Zug beim Aufziehen und Spannen der Saiten standhalten zu können.
Erst durch diese exakte Kopie, die auch feinste Details beinhaltet, war es möglich, spezielle Detailfragen wie die Anbringung der Saiten sowie deren Stimmbarkeit sowie Fragestellungen zur Fixierung des Halses selbst am Resonanzkörper experimentell zu untersuchen.

Am Fundobjekt sind zwei unterschiedliche Arten von Metallteilen in situ vorhanden, zum einen ein massiver geschmiedeter Eisenstift, zum anderen Bronzestifte kleinen Durchmessers und geringer Länge, von denen 5 von 7 in situ erhalten sind.
Von Anfang an war klar, dass es sich bei dem geschmiedeten Stift um das Verbindungselement zum Resonanzkörper handeln musste, allein seine Ausrichtung war problematisch. Die Fixierung der von Florian Messner geschmiedeten Kopie im 3D Ausdruck erfolgte in korrigierter Form nach unten verschoben.

umgesetzter Eisenstift
Position des Eisenstifts in der Rekonstruktion (Fotos: Michael Schick, privat und Institut für Archäologien)

Die Repliken der Bronzestifte, die von Ulrike Töchterle in der Restaurierwerkstatt des Institutes für Archäologien in Innsbruck gefertigt wurden, wurden an exakt den gleichen Stellen wie im Original in konisch gebohrten Löchern mit der Tiefe von 1 bis 1,5 cm fixiert, wofür auf die Details der Röntgenuntersuchungen zurückgegriffen werden konnte. 

Positionierung der Bronzestifte

Positionierung der Bronzestifte (Fotos: Michael Schick, privat)

Im nächsten Schritt wurden Hals und Resonanzkörper zusammengefügt. Der Winkel zwischen diesen orientierte sich an den Beobachtungen und Dokumentationen am Fundobjekt, wobei die Lage des inzwischen um 180° gedrehten Eisenstiftes die Zugrichtung des Korpus vorgibt.

Vor dem Eisenstift ist an der Unterseite des Geweiharms ein abgerundeter Bereich erkennbar. Diese Abrundung dürfte den vorderseitigen Abschluss der Verzapfung des Korpus mit dem Hals darstellen. Spuren einer in zähflüssigem Zustand erstarrten Masse sind wahrscheinlich als Rudimente eines Klebstoffs interpretierbar. 

Unterseite Geweiharm
Unterseite des Geweiharms mit vermuteter Verzapfung und Verklebung des Corpus (Fotos: Institut für Archäologien)

In Berücksichtigung dieser Vorgaben erfolgte in der Restaurierwerkstatt des Institutes die Ausformung des halsseitigen Abschlusses des Resonanzkörpers sowie das Aufsetzen des Halses durch Gottfried Heel, Musiker und Mitglied der Musikgruppe Tempus.
(Fotos: Michael Schick, privat)

 

Gottfried Heel mit Rekonstruktion

Der 3D Ausdruck liegt am Klangkorpus auf und ist vorerst aussschließlich durch den Eisenstift fixiert. Solange die dunkle Masse nicht durch Untersuchungen eindeutig als Kleber ausgewiesen ist, scheidet die Verwendung eines solchen für den Nachbau aus. Daher musste der Kontaktbereich aus Gründen der Statik durch zwei Bindungen stabilisiert werden, die am Original nicht nachweisbar sind und eine temporäre Lösung darstellen.

 

Rekonstruktion: Fixierung des Geweihs
Fotos: Michael Schick, privat und Institut  für Archäologien

Mit der aufgrund von Indizien erstellten Grundform liegt nun die Rohfassung eines Instruments vor, das angefasst werden knann und bespielbar ist. 

Deckelung des Resonanzkörpers und Saitenhalter

Die Entscheidung für eine Bespannung des ausgehöhlten Holzkorpus mit Rohhaut ergab sich aus den archäologisch geborgenen Beispielen von Winkelharfen aus Ägypten und Zentralasien.
Für die Fixierung der Rohhaut sind technisch mehrere Varianten möglich, die auch archäologisch nachweisbar sind.
Zum einen kann der Korpus vollständig bedeckt, quasi in die Rohhaut eingenäht sein, wie bei ägyptischen Funden von Rahmen- und Winkelharfen. Mehrfach sind auch Einfärbungen der Rohhaut zu sehen, wie bei der Winkelharfe aus Theben im Louvre, Paris (InvNr. N1441) in grün. Belegt ist diese Art der Rohhautfixierung auch für die Form der Bogenharfe.

Als zweite Variante scheint aus technischer Sicht eine Fixierung der Rohhaut mit Holzstiften an den Seitenflächen des Korpus am sinnvollsten. Eine zusätzliche Klebung ist in diesem Fall nicht notwendig. Zudem ist die Rohhaut bei einer derartigen Fixierung bei allfälligen Reparaturen sowie beim Saitentausch abnehmbar und kann nach erfolgter Arbeit leicht wieder aufgezogen werden. Bei der ersten Variante ist dies schwieriger, da der Klangkorpus einteilig und einen Zugriff in sein Inneres ohne vollständige Entfernung der Rohhaut nicht möglich ist.

Der Korpusdeckel wurde in Anlehnung an archäologisch geborgene Winkelharfen aus Rohhaut gefertigt.
In einem ersten Arbeitsschritt wurde die Rohhaut angepasst und zugerichtet, in einem zweiten als Korpusdeckel aufgesetzt.
Sie wurde partiell über die Langseiten des Resonanzkörpers gespannt und ohne Verklebung mit Holzstiften nach dem Vorbild der Harfe von Pazyrik fixiert. Bei dieser sind im oberen Bereich des Resonanzkörpers in Reihe ausgerichtete schmale Bohrungen sichtbar, weshalb Bo Lawergren1 bei seiner Rekonstruktion des Fundes den Schalldeckel mit feinen Holzstiften am Resonanzkörper fixierte. Vergleichbare Bohrungen an den Seitenflächen sind auch an einem Fund aus Zaghunluq2 (500-400 v.Chr., Xinjiang, China) zu erkennen.

In Anlehnung an Pazyrik und den entsprechenden Umbau von Lawergren wurden die Saiten an einem Saitenhalter fixiert, einem längsrechteckigem schmalen Holzstab, der direkt auf der Rohhaut auflag. An der Oberseite des vorderen Halsbereichs des Originals sind in den Arealen zwischen den Bronzestiften leicht eingetiefte Politurspuren erkennbar, die durch Wicklungen für die Saitenaufnahme entstanden sein könnten. Dementsprechend wurden in einem ersten Schritt Rohhautringen am Hals fixiert, an denen Schnüre in Position der Saiten justiert wurden.

Problematisch gestaltete sich die Wahl des Saitenmaterials. Nach eingehenden Diskussionen fiel die vorläufige Entscheidung zugunsten von Harfensaiten aus Darm, wie sie auch für kleine Rahmenharfen benutzt werden. Weitere Materialien wie Pflanzenfasern oder insbesonders Pferdehaare stehen zur Diskussion und sollen bei kommenden Nachbauten getestet werden. Pferdehaare als Instrumentensaiten haben neben der Besaitung von Bögen für Streichinstrumente eine lange Tradition. Als  Beispiel sei die mongolische Pferdekopfgeige (morin chuur) , eine zweisaitige Kastenspießlaute genannt, die zudem ebenfalls mit Pferdeköpfen verziert ist. Eine einzelne Saite besteht aus 100 bis 130 einzelnen Haaren eines Pferdeschweifes, die untereinander keinen Zusammenhalt haben, weder miteinander versponnen noch umwickelt sind. 

Leider erwies sich das in dieser Weise gerfertigte Instrument als enttäuschend leise, da der auf der Rohhaut aufliegende Saitenhalter die Schwingung der Saiten nur ungenügend auf den Resonanzkörper übertrug.
So mußte eine neue Lösung gefunden werden, die sowohl den archäologischen Vorgaben als auch den musikalischen Ansprüchen entsprach. Einen entscheidenden Ansatz erbrachte die Konstruktion der ägyptischen Winkelharfe aus dem Louvre in Paris (InvNr. N1441).
Bei dieser Harfe liegt der Saitenhalter nicht auf, sondern unter der noch in situ fixierten Rohhaut. Diese ist für die Befestigung der Saiten am Holzstab perforiert. Beim Spielen wird das Holz stark gegen die Rohhaut nach oben gedrückt und diese gespannt, was eine Schwingungsübertragung bestens gewährleistet.
Ein unverhoffter Glücksfall war, dass exakt diese ägyptische Harfe in einer Dokumentation des TV-Senders Arte ("Soundtrack der Antike", Deutsche Erstausstrahlung 26.06.2021) vorgestellt wurde.3 Auf den Röntgenaufnahmen ist die Lage dieses Saitenhalters unter der originalen Rohhaut gut erkennbar.
Eine Saitenfixierung unter der Bespannung findet sich aber nicht nur bei ägyptischen Funden, wie die Winkelharfe von Yanghai4 aus dem nördlichem Tarim Becken in China beweist. Hier wird angenommen, dass die nicht mehr erhaltenen Saiten durch die Rohhaut hindurch geführt und unter dieser mit einer Knüpfung oder einem Plättchen fixiert waren.
Das Instrument datiert nach Lawergren zwischen 500-400 v.Chr. und wird wie das aus Pazyrik der Gattung „steppe harp“ zugeordnet.
Deshalb erfolgte der Verbau des Saitenhalters in einem zweiten Versuch unter der Rohhaut. Durch den dreieckigen Querschnitt der Leiste spannte sich jetzt die Rohhaut zeltdachartig. Das Resultat war akkustisch weit zufriedenstellender als der erste Versuch nach der Vorlage Lawergrens mit dem aufliegenden Saitenhalter. Zudem kann so eine gerissene Saite viel leichter getauscht werden.

 

Positionierung der Saiten am Hals

Am Fundobjekts aus Fritzens/Pirchboden finden sich im vorderen Halsbereich eine Fülle von Nutzungsspuren, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Saitenfixierung und den Vorgang des Saitenstimmens zurückzuführen sind.

Bei der ersten der drei Gruppen handelt es sich um leicht schräg um das Geweih verlaufende Politurspuren zwischen den Bronzestiften (rot). Eine zweite Gruppe aus kurzen Kratzspuren (grün) läuft schräg in einem Winkel von ca. 45° zum Geweih, während eine dritte mit längeren Kratzspuren steil von oben nach unten rückwärts verläuft (oranger Pfeil).

 

Spuren am Original
Dokumentierte Spuren am Original und dementsprechende Postionierung der Rohhautringe zur Saitenfixierung (Zeichnung und Fotos: Andreas Blaickner, Michael Schick, Institut für Archäologien, Daniel Brandner)

Die polierten Bereiche dürften von Wicklungen herrühren, die der Grundfixierung der einzelnen Saiten am Hals dienten. Sie könnten aus Schnurbindungen oder Rohhautringen gefertigt gewesen sein wie bis noch heute bei den äthiopischen Kastenleiern Begana und Krar oder der westafrikanischen Stegharfe Kora. Die Saitenenden werden in die Ringe gewickelt und können so nur über Drehen oder Verschieben der Ringe gestimmt werden. Dies wurde aufgrund von Spuren schon von Lawergren für Pazyrik vorgeschlagen.
Durch das Spannen der Saiten schabte das Gebinde am Geweihmaterial und polierte dadurch im Laufe der Benutzungszeit des Instrumentes die Oberfläche.
Das eigentliche Stimmen könnte über knebelartige Holzstifte erfolgt sein, die direkt mit der Schnurwicklung in Verbindung standen. Durch das Drehen der Wirbel wurden einerseits die Polituren am Hals durch das Bewegen der Schnurwicklungen erzeugt, zum anderen die steil nach unten verlaufenden Kratzspuren. Eine mögliche Erklärung für die als grüne Linien dargestellten feinen Kratzspuren wäre die Verwendung kleiner Keile oder Blöcke, die seitlich zwischen Saite und Geweih zur Feinstimmung eingeschoben gewesen sein könnten. Die Saite selbst wird beim Aufziehen durch eine feine Bohrung durch den Knebel gezogen und an diesem fixiert.

Diese Art der Saitenfixierung und Stimmung mithilfe knebelartiger Wirbel ist unter anderem aus dem Umfeld griechischer Lyrendarstellungen bekannt, wie sie z.B. eine Kylix aus Delphi um 460 v.Chr mit einem Lyra spielenden Apoll5 zeigt. Bemerkenswert ist ein Detail im Randbereich der Knebel, wo ein schwarzer Punkt vermutlich eine Bohrung durch den Knebel angibt, durch den eine Lyrasaite geführt werden kann.
Auch bei seinen Replika rätischer Leiern schlägt Albin Paulus, Wien, knebelartige Wirbel vor. Vergleichbare Wirbel werden auch bei den rezenten äthiopischen Leiern Begana und Krar benutzt.

Stützstab

Unklar blieb lange Zeit die Funktion eines stark abgeflachten, nahezu planen Bereichs an der Unterseite des vorderen Endes am Harfenhalses. Ein Zusammenhang mit den senkrecht verlaufenden seichten Rillen oberhalb erschien wahrscheinlich, aber nicht interpretierbar.
Im Zuge des Nachbaus erwies es sich dann als sinnvoll, an dieser Stelle eine Stabilisierung des Halses vorzunehmen. Die plane Stelle erwies sich prädestiniert als Kontaktzone für einen Stab oder Säule, wobei die feinen Rillen am Hals jetzt als Spuren einer zusätzlichen Schnurwicklung zur Fixierung Sinn ergaben.

Zuweisung der Depotfunde

Die quaderförmigen Objekte könnten mittels des Eisenstifts als Standfüße am Korpusboden fixiert gewesen sein, damit das Instrument nach dem Spielen abgelegt werden konnte. Obgleich direkte archäologische Vergleiche dazu fehlen, sind vergleichbare Stand- oder Ablagevorrichtungen für rezente Bogen- und Winkelharfen belegt, wie zum Beispiel bei einer Bogenharfe (Saung Kauk) aus Myanmar im Ethnologischen Museum Berlin. Dieser Harfentyp könnte ohne Standhilfe nicht abgelegt werden.

Mit Ende 2021 liegt ein Nachbau vor, in den alle später aufgetauchten Fragmente entsprechend den Ergebnissen der Dokumentation sinnvoll eingearbeitet und bei dem alle erhaltenen Spuren interpretiert werden konnten.

 

 

Nachbau der Winkelharfe Fritzens/Pirchboden, Stand November 2021 (Fotos: Andreas Blaickner)

Spielvarianten

Ob die rätische Winkelharfe aus Fritzens/Pirchboden gezupft oder mit einem Stäbchen oder Plektron angeschlagen gespielt wurde, lässt sich ebensowenig klären wie die Stimmung der einzelnen Saiten oder die Tonskala. Der Prämisse folgend, dass das Instrument zur Stabilisierung über eine Stützsäule verfügte, mag einer Bespielung als vertikaler Winkelharfe wie in Sesto al Reghena der Vorzug gegeben werden.
Als horizontale Winkelharfe könnte das Instrument ebenso wie eine vertikale gezupft werden, beim Anschlagen der Saiten mit einem Stäbchen als horizontale Winkelharfe würde die Säule spieltechnisch im Weg stehen.6

Spielvariante vertikal
Gezupfte Spielvarianten der Winkelharfe, vertikal oder horizontal gehalten (Fotos Andreas Blaickner, Grafik Michael Schick)

1 O.R. Gurney, Bo Lawergren, Ancient Mesopotamian Terminology for Harps and Sound Holes, in: The Archaeology of early Music Cultures, Third International Meeting oft he ICTM Study Group on Music Archaeology (Hrsg.: E. Hickmann, D.W. Hughes) (Bonn 1988) 175-187 Fig.2

2 Bo Lawergren, ebenda, 276, Fig. 9c

3 Vgl dazu auch: http://s128739886.online.de/antike-musik-in-arte/ (23.02.2022). Siehe auch in der Doku selbst Beitrag von Susanna Schulz ab 23:40 min.

4 Bo Lawergren, Angular harps through the ages. A causal history, in: Studien zur Musikarchäologie VI, Orient Archäologie Band 22, Hrsg. A.A.Both, R. Eichmann, E. Hickmann, L.C. Koch, Rahden 2008, 276 Fig. 9e

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Apollo_black_bird_AM_Delphi_8140.jpg (23.03.2022)

6 Bildbeispiele siehe: Bo Lawergren, Angular harps through the ages. A causal history, in: Studien zur Musikarchäologie VI, Orient Archäologie Band 22, Hrsg. A.A.Both, R. Eichmann, E. Hickmann, L.C. Koch, Rahden 2008, 276 Fig. 8a-c, Musiker mit horizontal gespielten Winkelharfen, Reliefs aus assyrischen Palästen (a) NW Palast Nimrud, Ashurnasirpal II, ca. 870 v.Chr.; b) SW Palast Niniveh, Sennacherib, 700 v.Chr.; c) SW Palast Niniveh, 700 v.Chr., Sennacherib, Ashurnasirpal, 650 v.Chr.99)

 

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