Logo der Interfakultären Forschungsplattform GeschlechterforschungForschungstagung "Who Cares?"

Abstracts und Kurzbiographien der ReferentInnen in alphabetischer Reihenfolge, inklusive der Kurzbiographien der Kommentatorinnen und Moderatorinnen

 

ReferentInnen

Erna Appelt
Cash for Care. Das österreichische Pflegsystem im europäischen Vergleich

Mit der Einführung des Pflegegeldes 1993 wurde in Österreich erstmals anerkannt, dass die Betreuung und Pflege von Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf weder den betroffenen Familien noch dem etablierten Sozialsystem überlassen werden konnte. Obgleich Österreich mit der Einführung des Pflegegeldes im europäischen Trend lag und liegt, so gibt es quer durch Europa erhebliche Unterschiede - etwa hinsichtlich der Anspruchsberechtigung, der Berücksichtigung von Familienangehörigen als Pflegekräfte, der Organisation und Kontrolle sowie der Finanzierung - zwischen den verschiedenen Modellen des finanziellen Transfers an pflegebedürftige Menschen. Im geplanten Beitrag sollen die Besonderheiten des österreichischen Pflegegeldsystems dargestellt werden und nach den geschlechtsspezifischen und sozialen Auswirkungen dieser österreichischen Lösung gefragt werden.


Erna Appelt / Albert F. Reiterer
Demographische Entwicklung und Entwicklung des Pflegebedarfs in Österreich. Status quo und Prognose

Wie in allen westeuropäischen Ländern hat sich auch in Österreich in den letzten Jahrzehnten die Altersstruktur der Bevölkerung erheblich verändert. Einer Zunahme der älteren Jahrgänge stehen kleinere Kohorten jüngerer Jahrgänge gegenüber. Dazu kommt, dass der Anteil und auch die Anzahl der Hochbetagten deutlich angestiegen sind und allen Prognosen zu Folge weiterhin ansteigen werden.

Der geplante Beitrag soll diese Entwicklungen an Hand statistischer Daten analysieren und unter Zugrundelegung unterschiedlicher Entwicklungsannahmen mehrere Szenarien des künftigen Pflegebedarfs darstellen.

Erna Appelt ist ao. Univ. Prof. am Institut für Politikwissenschaft und Leiterin der Forschungsplattform Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck. Sie war die Initiatorin der Forschungsgruppe CARE an der Universität Innsbruck und ist Co-Herausgeberin der Buchreihe „Demokratie im 21. Jahrhundert“, Innsbruck/Bozen/Wien: Studienverlag. Forschungsschwerpunkte: Geschlechterforschung, Gleichstellungspolitik, Europapolitik.
 
Publikationen: 2009 (Hg.): Gleichstellungspolitik in Österreich, Studienverlag: Innsbruck/Wien/Bozen; 22006 (Hg. gem. mit A. Weiss): Globalisierung und der Angriff auf die europäischen Wohfahrtstaaten, Hamburg: Argumentverlag; 2004 (Hg.): Karrierenschere. Geschlechterverhältnisse im österreichischen Wissenschaftsbetrieb, Hamburg/Wien: LitVerlag. Monographie 1999: Geschlecht – Staatsbürgerschaft – Nation. Politische Konstruktionen des Geschlechterverhältnisses in Europa. Frankfurt/New York: Campus. Email: erna.appelt@uibk.ac.at und http://homepage.uibk.ac.at/~c40238/

Albert F. Reiterer, geb. 1948; Dr. phil., Habilitation für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Lehrbeauftragter an den Instituten für Soziologie sowie Volkskunde der Universität Wien, am Institut für Soziologie der Universität Graz und am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Berufliche Tätigkeiten im Verlagswesen, im Consulting-Bereich und in der Amtlichen Statistik. 2000-2003 wissenschaftlicher Leiter des CIFEM – Carinthian Institute for Ethnic Minorities; seither wieder freiberuflich. Forschungsschwerpunkte: Seit zwei Jahrzehnten Arbeiten zu Ethnizität, Nation und Minderheiten; sowie gesamtgesellschaftliche und demographische Analysen.
 
Publikationen: Insgesamt liegen rund zwei Dutzend Bücher und eine große Anzahl von Aufsätzen vor. Aktuellste Publikation: Overcrowded World? London: Haus Publisher, 2009 (zusammen mit Rainer Münz). Email: albert.f.reiterer@univie.ac.at und.http://homepage.uibk.ac.at/~c40285/cv.html.


Manfred Auer / Heike Welte
Vereinbarung von Pflege/Betreuung und Erwerbsarbeit in Österreich – eine personalpolitische Perspektive

Das Erwerbsverhalten von Frauen und Männern steht im Spannungsfeld der demografischen, konjunkturellen und strukturellen Entwicklung eines Landes und wird von den institutionellen Rahmenbedingungen (insb. öffentlicher Politik, Wohlfahrtssystemen u.ä.), organisationalen Management- und Personalstrategien sowie den gesellschaftlichen Werte- und Verhaltensmustern beeinflusst. Organisationen kommt dabei – nicht nur angesichts der veränderte Familien- und Alterstrukturen, Zunahme von Betreuungspflichten von Beschäftigten oder erhöhter Erwerbsbeteilung von Frauen - eine besondere Rolle zu, denn sie haben durch ihre Managementstrategien und Personalpolitik einen entscheidenden Einfluss auf das Verhältnis und die Gestaltung von Zeit für Beruf, Familie (insbesondere Betreuung von Kindern/Jugendlichen, pflegebedürftigen Personen, älteren Menschen) und Eigenzeit über den gesamten Lebensverlauf hinweg. Sie können wesentlich zu einer Entspannung oder Verschärfung der strukturellen Ungleichheit von Frauen und Männern beim Spannungsverhältnis zwischen privatem und beruflichem Leben auf externen sowie internen Arbeitsmärkten, in den Familien und letztlich in der Gesellschaft insgesamt beitragen.

Maßnahmen der Vereinbarkeit, die nach wie vor vor allem auf Frauen abzielen - erweisen sich als äußerst widersprüchlich. Sie erlauben einerseits eine bestimmte Form der Vereinbarkeit, haben aber nicht nur aktuelle (beabsichtigte und unbeabsichtigte) Konsequenzen in der jeweiligen Lebensphase, in der sie angewendet werden, sondern sie sind weit darüber hinaus für den gesamten Lebensverlauf wirksam. Vielfach greifen personalpolitische Vereinbarkeitsinstrumente als Einzelmaßnahmen auch zu kurz, weil sie der Komplexität und Dynamik der konkreten Vereinbarungssituation nicht gerecht werden (können). Formelle, offizielle Maßnahmen stehen zudem in einer konkurrierenden und/oder komplementären Beziehung zu informellen, inoffiziellen, von der Unternehmensleitung oder Vorgesetzten gar nicht wahrgenommenen oder auch stillschweigend akzeptierten Vereinbarkeitspraktiken, auf die AkteurInnen je nach Arbeitssituation und sozialer (nicht zuletzt hierarchischer) Position in der Organisation zurückgreifen können.

Manfred Auer ist Universitätsdozent am Institut für Organisation und Lernen, Fakultät für Betriebswirtschaft, Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Gender und Organisationen, Vereinbarkeit Beruf und Familie, Industrielle Beziehungen. Email: manfred.auer@uibk.ac.at

Heike Welte ist Assistenzprofessorin am Institut für Organisation und Lernen, Fakultät für Betriebswirtschaft, Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Gender und Organisationen, Lehr-Lernprozesse in Organisationen, Wirtschaftspädagogik. Email: heike.welte@uibk.ac.at
 
Gemeinsame Publikationen: Auer, Manfred; Welte, Heike: Social positioning of equal opportunity actors in Austria, in: Equal Opportunities International, Vol. 26:8: Special Issue: Global knowledge worker, 778 – 801. Dies. Work-family reconciliation policies without equal opportunities? The case of Austria, in: Community, Work & Family 2 (erscheint 2010).


Anneliese Bechter
Die „verweiblichte“ Pflege als Ausdruck eines patriarchalen Paradigmas in der Geschlechterordnung?

Meine Überlegungen konzentrieren sich auf die institutionengestützte Betreuung von pflegebedürftigen Menschen. Den Ausgangspunkt der Analyse bildet folgende Faktizität: Sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich werden Fürsorge- und Pflegetätigkeiten zu einem hohen Prozentsatz von Frauen (im pflegerischen Dienstleistungsbereich liegt der Frauenanteil bei 85 %) geleistet. Dem Beitrag liegt daher die These zugrunde, dass die vielen unbesetzten Stellen bzw. die hohe Fluktuationsrate im pflegerischen Dienstleistungsbereich einerseits eine „frauenspezifische“ Berufsunzufriedenheit zum Ausdruck bringen und andererseits der Pflegenotstand auch als Gesellschafts- und Kulturkritik am traditionellen Frauenbild sowie an der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung im klinischen Feld interpretiert werden kann. Denn eine klinische Organisationsstruktur, welche die patriarchale Dividende (Connell 2006) nachhaltig auf Kosten der „verweiblichten“ Arbeitsleistungen verteilt und folglich ein stereotypes Frauenbild reproduziert, ist an der Reproduktion gesellschaftlicher Machtverhältnisse, die über die Institutionalisierung von Männer- und Frauenberufen bewerkstelligt wird, maßgeblich beteiligt, zumal alle Tätigkeiten im klinischen Bereich vergeschlechtlicht sind. Vor diesem skizzierten Hintergrund folgt die Darstellung dem Interesse, die Diskurse über die Geschlechterverhältnisse und die Diskurse über (Frauen-)Berufe zusammenzuführen, um daraus dann Überlegungen abzuleiten, über welche „Professionalisierungsstrategien“ eine Aufweichung der „doing gender while doing work-Konzepte“ zu erwirken wäre.

Anneliese Bechter, Dr. phil., geb. 1965. Von 1985–2004 Tätigkeit als diplomierte Krankenpflegerin an der Universitätsklinik Innsbruck. Studium der Erziehungswissenschaften von 2000-2005. 2009 Promotion im Bereich der geschlechterkritischen Familienforschung. Das Dissertationsprojekt wurde 2008 mit dem 1. Maria-Ducia-Frauenforschungspreis ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck. Ab Juni 2009: Tätigkeit als Beraterin im Verein „Frauen im Brennpunkt“. Lehrtätigkeit als externe Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaften (geschlechterkritische Familienforschung). Email: anneliesebechter@hotmail.com
  
Publikation: Die Publikation der Dissertation „Doing family in nonkonformen Familien“ ist im Transcript Verlag (Sept. 2009) geplant [in der Reihe »Konglomerationen – Studien zu Alltagspraktiken subjektiver Absicherung« Wolf, Maria A.; Rathmayr, Bernhard; Peskoller, Helga (Hg.)].


Elisabeth Dietrich-Daum
Versorgungshäuser: Kommunale Armenpolitik im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Versorgungshäuser und Armeninstitute bilden die Eckpfeiler der ländlichkommunalen Armuts- und Altersversorgung des 19. Jahrhunderts. Für ihre „Pfleglinge“, Kinder, Schwangere, Menschen mit körperlichen und psychischen Krankheiten und Behinderungen, Arbeits- und Unterstandslose, Alkoholkranke und alte Menschen, stellte das örtliche Versorgungshaus entweder Zufluchtsort, Verwahrungsort, Durchgangs- oder Endstation ihres auf Fürsorge angewiesenen Lebens dar. Für den Raum der westlichen österreichischen Reichshälfte weist die Sanitätsstatistik im ersten Erhebungsjahr 1828 die Zahl von 1.164 Versorgungsanstalten bzw. –häusern aus, die insgesamt rund 15.000 Personen „verpflegten“. Im gleichen Jahr wurden in über 4.300 Armenhäusern bzw. -instituten fast 75.000 „Arme“ beteilt. Doch während die Zahl der Versorgungshäuser bei Verdoppelung ihres „Verpflegsstands“ bis in die 1880er Jahre mehr oder weniger stagnierte, nahm die Zahl der Armeninstitute auf fast 10.000 Einrichtungen zu. Seit der Ersterfassung hatte sich das Ausmaß der im lokalen Kontext „Beteilten“ verdreifacht, bis 1896 sogar verfünffacht.

Zweifellos bildet sich in diesen Zahlen die vor und während der Industrialisierung feststellbare Zunahme der Armut ab. Sie zeigen aber auch, wie Armut sowohl rationalisiert als auch bürokratisiert wurde. Der Beitrag wird versuchen, Struktur, Profil und Funktion der von Joseph II eingeführten „Vor-Ort-Installation“ Versorgungshaus zu beschreiben, indem sowohl die „versorgte“ Klientel als auch die Pflegenden in den Blick genommen werden.

Elisabeth Dietrich-Daum ist ao. Universitätsprofessorin am Institut für Geschichte und Leiterin des Instituts für Geschichte der Universität Innsbruck, geb. 1959 in Silz (Tirol), Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Innsbruck, Dr. phil. 1986, Habilitation 2001. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Tirols 18. bis 20. Jahrhundert, Sozialgeschichte der Kriminalität, Medizingeschichte, Psychiatriegeschichte; aktuelles Forschungsprojekt: "Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol-Südtirol von 1830 bis zur Gegenwart“ (INTERREG IA Italien-Österreich 2008-2011). Email: elisabeth.dietrich@uibk.ac.at 
  
Publikationen: Elisabeth Dietrich-Daum, Die „Wiener Krankheit“. Eine Sozialgeschichte der Tuberkulose in Österreich, Wien-München 2007; Dies., Arztpraxen im Vergleich: 18.-20. Jahrhundert, herausgegeben gemeinsam mit Martin Dinges/Robert Jütte und Christine Roilo, Innsbruck-Bozen-Wien 2008; Dies., Psychiatrielandschaft/Oltre il manicomio, Themenheft der Zeitschrift Geschichte und Region/Storia e Regione 2/2008 (herausgegeben gemeinsam mit Rodolfo Taiani).


Elisabeth Donat
Sozialkapital in der mobilen Pflege und Betreuung

Neben mehr Autonomie und Gestaltungsspielraum bedingt durch die Mobilität im Dienst, sind Tätigkeiten in diesem Pflegebereich oft durch erhöhte Belastungen aufgrund eines geringerem organisationalen Rückhalts gekennzeichnet. Dem intensiven, sehr persönlichen Kontakten zu den KlientInnen stehen lose, sporadische Kontakte zum Unternehmen und den KollegInnen gegenüber. Schwierige Situationen die speziell in der mobilen Pflege und Betreuung auftreten können (Notfälle, Unwägbarkeiten, hoher Zeitdruck usw.) müssen weitgehend alleine gemeistert werden. Fehlende Anerkennung, fehlende entlastende Gesprächsmöglichkeiten in Form formeller Teamsitzungen und informeller Kontakte am Stützpunkt führen zu hohen Fluktuationen und Krankenständen in diesem Berufsfeld. Ein ausgeprägtes Sozialkapital in Form befriedigender Kontakte zu den KlientInnen kann die professionelle Auseinandersetzung mit dem Arbeitsalltag nicht ersetzen. Zunehmende Ressourceneinsparungen führen zu einer Individualisierung der Problemlösung auf Seiten des Pflegepersonals. Im Beitrag werden sowohl individuelle als auch organisationale Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten diskutiert, Belastungen und Ressourcen wieder in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen.

Elisabeth Donat, geb. 1976, Studium der Soziologie an der Universität Wien; Berufstätigkeiten als Studienassistentin und Projektmitarbeiterin am Institut für Soziologie Universität Wien, Projektmitarbeiterin Forschungsinstitut des Wiener Roten Kreuzes, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Donauuniversität Krems, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Institut für Soziologie Universität Innsbruck. Forschungsinteressen in den Bereichen angewandte Sozialforschung, Methoden der Sozialforschung, Regional- und Gesundheitssoziologie. E-mail: elisabeth.donat@uibk.ac.at


Veronika Eberharter
Betreuung und Pflege - berufliche Segregation und Gender-Wage-Gap

Der Artikel 141 EG-V des Amsterdamer Vertrages (1997) und die Entgeltrichtlinie des Europäischen Rates (75/117/EWG) bilden den rechtlichen Rahmen für den Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit auf der Ebene der Europäischen Union und sind für alle EU-Mitgliedsländer verbindlich. Diese Grundsätze stehen im Widerspruch zu den in vielen Bereichen bestehenden Einkommensdifferenzialen. Empirische Untersuchungen zur Quantifizierung von geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden kommen zum Ergebnis, dass zwischen der Männerquote in einem Berufsfeld und dem durchschnittlichen Erwerbseinkommen ein positiver Zusammenhang besteht.

Pflege- und Betreuungsberufe zählen in den Ländern der Europäischen Union neben anderen Dienstleistungsberufen mit einem Frauenanteil von mindestens 60 Prozent zu den typischen Frauenberufen. Der vorliegende Beitrag zeigt die institutionelle Einbettung und die Entwicklung des volkswirtschaftlichen Stellenwertes der Betreuungs- und Pflegeberufe in Österreich im europäischen Vergleich auf und untersucht auf der Basis von Mikrodaten die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Segregation und des Gender-Wage-Gap im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in Österreich im Vergleich zu ausgewählten Ländern der Europäischen Union. Die Kategorisierung der Berufsgruppen erfolgt auf der ISCO88 – Klassifizierung (International Standard Classification of Occupations 1988). Aus den Ergebnissen werden Konsequenzen für künftige wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen abgeleitet.

Veronika Eberharter ist Universitätsdozentin für Volkwirtschaftslehre an der Universität Innsbruck, Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik. Forschungsgebiete: personelle Einkommensverteilung, Arbeitsmarkt, Einkommensungleichheit, Armut und Soziale Exklusion, intergenerationale Einkommensmobilität. Email: veronika.eberharter@uibk.ac.at
  
Publikationen: Veronika Eberharter, Parental background and intergenerational occupational mobility - Germany and the United States compared. The Journal of Income Distribution, 17,2 (2008): 74-94. Dies., Intergenerational income inequality, and dynastic poverty persistence - Germany and the United States compared, in: John Bishop and Zheng Buhong (eds.), Research on Economic Inequality, Vol.16 (2008): 157-175. Dies., "Redistribution, intergenerational inequality, and poverty transmission – Germany and the United States compared." Forthcoming in: John B. Davis (ed.), Global Social Economy: Development, Work and Policy, Routledge, Taylor & Francis: London 2009.


Eva Fleischer
Organisation von Care - Vergleich von Kinderbetreuung und Altenpflege- und -betreuung in Österreich

Beide Bereiche sind zentral - wenn auch der Bereich Pflege und Assistenz von Menschen mit Behinderungen ebenfalls eine große Anzahl von Menschen betrifft und auch die Abgrenzung zu den beiden genannten Feldern nicht immer trennscharf vollzogen werden kann - werden in der Öffentlichkeit meistens als völlig getrennt diskutiert und unterliegen z. T. auch unterschiedlichen Regelungslogiken. Gemeinsam ist die vorausgesetzte Ressource familiärer / weiblicher Pflege- und Betreuungstätigkeit.

In dem Artikel sollen beide Bereiche vergleichend gegenübergestellt werden und auf Aspekte wie Anerkennung, sozialstaatliche Leistungen, öffentlich bereitgestellte Sachleistungen und deren Organisationsform, soziale Rechte der Betreuenden untersucht werden. Ein aktueller Bezug könnte darüber hinaus sein, wie beide Themen im vergangenen Wahlkampf aufgegriffen wurden.

Eva Fleischer, DSA Mag.a Dr.in. Lektorin am Management Center Innsbruck, Studiengang Soziale Arbeit. Studium: Akademie für Sozialarbeit, Studium der Pädagogik und Politikwissenschaft in Innsbruck. Nach Tätigkeiten in Forschung und Lehre, als Leiterin einer Familienberatungsstelle und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Unternehmensberatung als hauptberufliche Lehrende beschäftigt. Zusätzlich ist sie als Referentin in der Erwachsenbildung, als Sozialwissenschaftlerin sowie als Coach (Zukunftszentrum Innsbruck) tätig. Arbeitsschwerpunkte: Sozialpolitik, Kompetenzorientierte Beratung, Feministische Theorien und Gender Mainstreaming, Diversity. Zuletzt Mitarbeit in einem Projekt zur Organisation der Pflege durch Sozialhilfeverbände in Oberösterreich.
  
Publikationen: Eva Fleischer, Geschlechtergerechte Bildungsarbeit braucht reflektierte Geschlechtertheorie. Online im Internet: http://www.erwachsenenbildung.at/magazin/meb08-1.pdf. Dies., Zur gesellschaftlichen Organisation von bezahlter und unbezahlter Fürsorge (Care), in: Sozialarbeit in Tirol (SIT), Nr. 72 /2007, S. 8 – 10. Hg. gemeinsam mit Silvia Exenberger, Marin Maier, Paul Schober, Join In a Job! Instrumente zur beruflichen Beratung jugendlicher MigrantInnen. Innsbruck: Studienverlag 2007. Eva Fleischer gemeinsam mit Christine Baur und Paul Schober, Gender Mainstreaming in der Arbeitswelt, Innsbruck et al.: Studienverlag 2005. Email: eva.fleischer@mci.edu


Michael Ganner
Geschlechtergerechtigkeit in der Altenbetreuung. Eine rechtliche Erörterung

Die Rechtsordnung sichert formelle Gleichheit für Mann und Frau, jung und alt sowie für gesund und krank (bzw. pflege- und betreuungsbedürftig). Das Ziel muss aber „materielle“, also faktische Gleichheit im Sinne von gleichen Chancen und gleichen tatsächlichen Handlungsspielräumen sein. Wie steht es damit im Bereich der Pflege und Betreuung von Personen? Die pflegenden und betreuenden Personen sind ganz überwiegend weiblich, ebenso, zumindest im Bereich der Altenversorgung, die zu pflegenden und zu betreuenden Personen. Die für die Organisationsstruktur Verantwortlichen (Politik, insb Sozialreferenten der Bundesländer, Landesbeamte etc) und die unmittelbar die Einrichtungen leitenden Personen (zB Heimleiter) sind jedoch ganz überwiegend Männer.

In diesem Beitrag soll diese Diskrepanz thematisiert und darauf aufbauend sollen Möglichkeiten zur Veränderung und zur Erweiterung der Handlungsspielräume für Frauen im Bereich der Pflege und Betreuung aus rechtlicher Sicht erörtert werden. Dazu sollen ua. auch Beispiele aus anderen Rechtsbereichen herangezogen werden.

Michael Ganner (geb. 1966) ist ao. Universitätsprofessor am Institut für Zivilrecht der Universität Innsbruck. Er ist Autor und Herausgeber diverser Publikationen zum Altenrecht, das auch sein Forschungsschwerpunkt ist. Email: michael.ganner[at]uibk.ac.at
Seine Habilitationsschrift behandelt das Thema: „Selbstbestimmung im Alter –Privatautonomie für alte und pflegebedürftige Menschen in Österreich und Deutschland“. Weitere diesbezüglich nennenswerte Publikationen sind das gemeinsam mit Peter Barth herausgegebene Handbuch des Sachwalterrechts (Linde Verlag: Wien 2007) sowie die soeben erschienene Festschrift für Heinz Barta mit dem Titel, Die soziale Funktion des Privatrechts (Linde Verlag: Wien 2009).


Bettina Haidinger
„Was sind schon 1000 Euro für 24 Stunden ohne Freizeit und Freiheit?“ Undokumentierte Arbeitsverhältnisse von Migrantinnen in der häuslichen Pflege

Der Beitrag beschäftigt sich mit den Arbeits- und Lebensbedingungen von Migrantinnen in der „Pflege daheim“, die ohne sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche, manchmal auch aufenthaltsrechtliche Absicherung in Österreich pflegen. Insbesondere soll der Beitrag erläutern, wie durch das Zusammenspiel von Alter, Behinderung, Herkunft/Ethnizität, Klasse und Geschlecht in diesem Mikrokosmos des zuhause extreme Ausbeutungs- und gleichzeitig gegenseitige Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen werden. Zunächst soll der Arbeitsalltag von Migrantinnen in der informellen, aber bezahlten häuslichen Pflege dargestellt werden, der durch die undefinierte Abgrenzung nicht nur der Arbeitszeit, sondern auch der Aufgaben und Verantwortlichkeiten in der Pflege selbst gekennzeichnet ist. Die Unsicherheit und Irregularität des Arbeitsalltags ist ebenfalls abhängig vom gesundheitlichen Zustand der betreuten Person und der Rolle, die Verwandte in der Organisation der Pflegearbeit einnehmen.

Darüber hinaus macht die Dominanz affektiver Arbeit in dem Verhältnis zwischen betreuenden und betreuten Personen die Abhängigkeit von der einen Betreuerin enorm. Gleichzeitig bedeuten die defacto Nicht-Durchsetzbarkeit humanitärer und arbeitsspezifischer Rechte, die Unsichtbarkeit der Arbeit und die mangelnden Anknüpfungspunkte für die Anerkennung ihrer Tätigkeit in der Öffentlichkeit auf der Seite der Betreuerinnen ebenfalls eingeschränkte Handlungs- und Behauptungsmöglichkeiten. Welche Strategien des Arrangements in diesem engen Terrain dennoch gefunden und welche (politischen) Forderungen von Seiten der Pflegarbeiterinnen erhoben werden, sollen den Abschluss des Beitrags bilden.

Bettina Haidinger ist Sozialwissenschafterlin bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA). Ihre Interessensschwerpunkte liegen bei Gender, Migration und Arbeitsverhältnissen, Transformation sozialstaatlicher Versorgung, feministischer Ökonomie. Email: haidinger@forba.at
  
Publikationen: Bettina Haidinger, Social Policy and Poverty Alleviation in Ukraine from a Gender Perspective, in: Juliane Besters-Dilger (Hgin), The (Re)Integration of Ukraine into Europe, Peter Lang: Frankfurt 2009. Dies./ Käthe Knittler, Geschlechterverhältnisse und Arbeitsverhältnisse im Postfordismus, in: kulturrisse 03/2008. Dies. gemeinsam mit Sandra Gendera, „Ich kann in Österreich als Putzfrau arbeiten. Vielen Dank, ja.“ Bedingungen der bezahlten Haushalts- und Pflegearbeit von Migrantinnen; in: Grundrisse. Zeitschrift für linke Theorie und Debatte 23 (2007), 28-41. Dies., Contingencies Among Households: Gendered Division of Labour and Transnational Household Organization; in: Helma Lutz (Hg.), Migration and Domestic Work: a European Perspective on a Global Theme, Ashgate et al.:Aldershot 2007, 127-145.


Maria Heidegger
Ehemalige Patientinnen als „Irrenpflegerinnen“ in der k. k. Provinzialirrenanstalt Hall in Tirol 1830 – 1850

Mein geschichtswissenschaftlicher Beitrag soll das Fallbeispiel der in den frühen Jahren der Tiroler Anstaltspsychiatrie als geheilt entlassenen Patientinnen behandeln, welche im Anschluss an ihre Behandlung als Pflegerinnen für weibliche „Irre“ in der Anstalt verblieben. Als Quellen dienen im historischen Archiv des Psychiatrischen Krankenhauses Hall erhaltene Krankenakten und Verwaltungsakten der 1830 gegründeten „k. k. Provinzialirrenanstalt“. Vereinzelte Aussagen von ärztlicher Seite deuten darauf hin, dass das „Insiderwissen“ von an einer ähnlichen Krankheit gesundeten Frauen für die Entwicklung angemessener Behandlungsmethoden fallweise besonders wertgeschätzt wurde. Darüber hinaus dürften auch soziale Motive eine Rolle dafür gespielt haben, diesen Frauen eine Anstellung anzubieten. Vor allem aber wirkt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch das frühmoderne paternalistische, hierarchische Modell der Anstaltsfamilie nach, das Personal und „Insassen“ gleichermaßen umfasste. Nur vor diesem historischen Kontext sind soziale Positionswechsel von Gepflegten zu Pflegenden nachvollziehbar. Für eine historische Dimensionierung der geplanten Publikation möchte ich speziell dieses Anstaltsmodell am Fallbeispiel der Pflegerinnen herausarbeiten.

Maria Heidegger, geb. in Prutz (Tirol) 1969, Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck, Mag. phil. 1993, Dr. phil. 1998. Diplomarbeit und Dissertation aus dem Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte. DOC-Stipendiatin der ÖAW 1996-98. Lehrbeauftragte an den Instituten für Geschichte, Europäische Ethnologie und an der Fakultät für Bildungswissenschaften seit 1996. Vertragsassistentin (Ersatzkraft) am hiesigen Institut im Fach Österreichische Geschichte 1998-2000. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte seit Dezember 2005. Bisherige und aktuelle Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Geschlechterbeziehungen, Medizin- und Psychiatriegeschichte, Kriminalitätsgeschichte, Dörfliches Handwerk, Historische Anthropologie und Alltagsgeschichte. Email: maria.heidegger@uibk.ac.at
  
Publikationen: Seelsorge in der frühen Anstaltspsychiatrie. Das Beispiel Hall in Tirol im Vormärz, in: Virus 8. Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin, Wien 2009(Druck in Vorbereitung). Dies. gemeinsam mit Oliver Seifert, „Nun ist aber der Zweck einer Irrenanstalt Heilung …“ Zur Positionierung des„Irrenhauses“ innerhalb der psychiatrischen Landschaft Tirols im 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: Elisabeth Dietrich-Daum/Rodolfo Taiani (Hg.), Geschichte und Region / Storia e Regione
17, Heft 2 (2008), 24–46. Dies., Der Körper in der Psychiatrie: Psychiatrische Praxis in Tirol in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Andreas Exenberger/Josef Nussbaumer (Hg.), Von Körpermärkten, Innsbruck 2008, 39–58. Dies., Ernährung in der psychiatrischen Anstalt. Quellenbefunde am Beispiel der „Irrenanstalt“ Hall in Tirol 1830–1914, in: Alimentation et santé dans les Alpes/Ernährung und Gesundheit in den Alpen. Histoire des Alpes/Storia delle Alpi/Geschichte der Alpen 13/2008, Zürich 2008,227–244.


Andrea Kretschmann
Gesellschaftlich unsichtbare Bereiche und ihre Sichtbarmachung durch das Recht: 24-Stunden-Pflege in Österreich

Im Zuge der Entstehung einer vergrößerten innereuropäischen Bewegungsfreiheit und der gleichzeitigen Beibehaltung nationalstaatlicher Arbeitsmarktbeschränkungen hat sich in Österreich seit Mitte der neunziger Jahre ein unregulierter Markt für Arbeitskräfte in der häuslichen 24-Stunden-Pflege und -Betreuung herausgebildet. In der Regel handelt es sich bei der feminisierten und ethnisierten Praxis um Frauen aus den neuen EU-Ländern, also der Tschechischen Republik, der Slowakei oder Ungarn, die sich als Transmigrantinnen im Zwei-Wochen-Rhythmus zwischen Österreich und ihrem Residenzland hin- und herbewegen. Deren – wie alle Reproduktionsarbeit – weithin verborgen geleistete und nicht formell geregelte Arbeit wird im Zuge der Pflegedebatte öffentlich sichtbar und öffentlich diskutiert. Damit entsteht ein rechtlicher Regularisierungsbedarf für eine lange Zeit stillschweigend geduldet gewesene Praxis und, so viel sei vorweggenommen, die Regulierung der Care-Arbeit im Sinne der Festschreibung des Status quo.

Ich möchte in meiner Betrachtung auf den Prozess der Legalisierung, seine Implikationen und Effekte eingehen. Dabei beschäftige ich mich immer wieder mit einer Reihe von Unsichtbarkeiten. Denn das, was wir als 24-Stunden-Pflege kennen, ist vielmehr das Ergebnis einer spezifischen Weise der Sichtbarmachung eines als gesellschaftliches Problem verstandenen sozialen Phänomens. Diese Formen der Sichtbarkeit bilden den Ausgangspunkt für die Art und Weise der gesellschaftlichen Problembearbeitung und Problembewältigung der 24-Stunden-Pflege; sie bestimmen aus einem sich neu konstituierenden Möglichkeitsfeld die Grenzen des Sichtbaren und damit auch des Sagbaren. Anhand von 4 aufzustellenden Thesen will ich reflektieren, wie der Nationalstaat in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Kräften Zugehörigkeiten und Ausschlüsse produziert, und welche sozialen Effekte dies im Prozess der Legalisierung und seit Bestehen der 24-Stunden-Pflege hatte und hat.

Andrea Kretschmann, geb. 1978, Studium der Soziologie, Politologie und Psychologie an der Universität Hamburg, 2005-2007 Studium der Internationalen Kriminologie an der Universität Hamburg und Middlesex University (London), seit 2008 Mitarbeiterin im Institut für Rechts- & Kriminalsoziologie. Email: andrea.kretschmann@irks.at
  
Publikationen: Legitimationstechniken, Sicherheitspraktiken: Von der Normalität des Staatsverbrechens. Eine erkenntnistheoretische Diskussion am Beispiel des Falles Murat Kurnaz, in: Kriminologisches Journal 39/4, 2007, 260-277 (mit Walter Fuchs). Dies., Anything goes? Eine kritische Betrachtung der Cultural Criminology, in: Kriminologisches Journal 40/3, 2008, 200-217. Dies., Werkzeugkasten staatlicher Macht. Der Asylgerichtshof und die manageriale Handhabung von Recht, in: Kulturrisse 4/2008, 46-49.


Bernhard Koch
Männer in Österreichs Kinderbetreuungseinrichtungen

In den letzten Jahren wächst das Bewusstsein dafür, dass Männer für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. Die Diskussion darüber beschränkt sich allerdings meist auf die Thematik „Väter und ihre Kinder“, über Männer in Kinderbetreuungseinrichtungen liegen kaum Studien vor. Erste Forschungsergebnisse des FWF- Projekts „elementar – Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern“ zeigen nun, welchen Einfluss die Tradition als Frauenberuf auf jene Männer hat, die sich für den Beruf interessieren bzw. in ihm tätig sind und in welchen Einrichtungen eher Männer anzutreffen sind. Ergebnisse aus Gruppendiskussionen mit SchülerInnnen vor der Berufswahlentscheidung geben Hinweise darauf, welche Bilder SchülerInnen von männlichen Kindergartenpädagogen haben. Gruppendiskussionen mit tätigen Kindergartenpädagogen und ihre Kolleginnen öffnen Blicke auf ihr Selbstverständnis, auf ihre Rolle im Team und ihre Probleme mit unbefriedigenden Ausbildungsmöglichkeiten. Perspektiven zu einer Steigerung des Anteils männlicher Pädagogen im Vorschulbereich runden den Beitrag ab.

Bernhard Koch, geb. 1962, „Halbtagspapa“, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: „Männer in erzieherischen Berufen“, „Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer“, „Boys Day 2008“, „Elementarbildung“ FWF - Forschungsprojekt „elementar – Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern“. Email: Bernhard.J.Koch@uibk.ac.at
  
Publikationen: Bernhard Koch, "Boys Day 2008/2009, Themenschwerpunkt Erziehung und Pflege", Endbericht gemeinsam mit Josef Christian Aigner im Auftrag des Ministeriums für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (2008). Ders., Berufsorientierung für Burschen. Österreichweiter Boys Day 2008.Erfahrungen, Perspektiven, in: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung für geschlechtsspezifische Bildungsfragen (Hg), 2. österreichischer Gender Day für Schulen. Chancengerechtigkeit durch Gender Kompetenz, Wien 2009, 108 – 113. Ders., "Damit kann man ja keine Familie ernähren" - Das Einkommen in der Kinderbetreuung. Nicht-veröffentlichtes Arbeitspapier im Rahmen des FWF-Forschungsprojektes "elementar - Männer in der pädagogischen Arbeit mit
Kindern" (www.uibk.ac.at/ezwi/elementar).


Gertraud Ladner
Pflege aus Geschlechterperspektive – Pflegethematik aus der Sicht kirchlich engagierter Frauen

2008 führte die Frauenkommission der Diözese Innsbruck auf Anfrage der Diözesanleitung eine Beratung zum Thema Pflege durch. Die Erarbeitung des Themas und die Beratung erfolgten in mehreren Schritten. Die Mitglieder der Kommission nahmen persönlich zur Frage Stellung „Was ist mir als Frau in der Kirche bezüglich Pflege besonders wichtig?“ Ein kurzer historischer Rückblick zeigte die Situierung der Thematik als christliches Aufgabenfeld und dessen Wandel. Auf dem Hintergrund der Pflegebedingungen in Österreich wurde die Frage nach der Pflege aus Geschlechterperspektive dann auf die häusliche Pflege zugespitzt. Die Auswirkungen v.a. der häuslichen Pflege auf das Geschlechterverhältnis wurden dargestellt und mit Beispielen illustriert. Strategien zur Bearbeitung der Pflegeproblematik vonseiten der Kirche wurden vorgeschlagen und diskutiert. Der Erarbeitungs- und der Diskussionsprozess wurden in der Broschüre „Pflege aus Geschlechterperspektive“ zugänglich gemacht.

Mein Artikel wird den Beratungsprozess vorstellen und die Folgerungen, die daraus für kirchliches und kirchenpolitisches Engagement gezogen wurden, darstellen.

Gertraud Ladner ist Assistentin am Institut für Systematische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Themenbereiche: Beziehungsethik, Feministische Theologie und Ethik, Frauen und Spiritualität; Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Innsbruck. Email: gertraud.ladner@uibk.ac.at
 
Publikationen: Gertraud Ladner, FrauenKörper in Theologie und Philosophie. Feministisch-Theologische Zugänge (= Theologische Frauenforschung in Europa 11), Münster et al.: LIT-Verlag 2003. Dies., Gutes Leben und Gefühle. Eine theologische Kritik der Gefühle ausgehend von Martha C. Nussbaum und Beverly W. Harrison, in: Agnes Neumayr (Hg.), Kritik der Gefühle, Wien: Milena-Verlag 2007, 110 - 126. Dies., Irritation der Geschlechter. Theologische Sichtung des Körper-Diskurses bei Judith Butler, in: Thomas Hoppe, Körperlichkeit - Identität. Begegnung in Leiblichkeit (=Studien zur theologischen Ethik 121), Freiburg: Academic Press 2008, 165 - 174.


Hanna Mayer
„Verwissenschaftlichung“ der Pflege –Chance zur Emanzipation? Ein Diskurs aktueller Entwicklungen unter feministischem und professionstheoretischem Blickwinkel

Im deutschsprachigen Raum hat sich die Pflege – mit durchaus großer Verzögerung zu anderen Länder - auf den Weg der „Akademisierung“ gemacht. Dies bedeutete in den Anfängen in erster Linie ein Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen im tertiären Sektor, auf Hochschulniveau. Dies betraf vor allem Pflegelehrerinnen und Managerinnen. Die typische „Pflegepraktikerin“ blieb davon weitgehend unberührt und in Folge blieb auch der erwartete „Professionalisierungsschub“ des Pflegberufs aus. Erst in einem nächsten Schritt ging es um die Entwicklung des Gegenstands der Pflege als Wissenschaft, weniger nur um reine Qualifizierungsmaßnahmen. Im Zuge einer zunehmend wissenschaftlichen Betrachtungsweise der Pflege können verschiedene Entwicklungen beobachtet werden, die im Sinne der Emanzipation der Pflege durchaus kritisch zu hinterfragen sind. In dem Beitrag soll folgenden Fragen nachgegangen werden: 

  • Besteht die Gefahr, dass durch die Verwissenschaftlichung der Pflege „weibliche“ Kompetenzen, einem objektivierbaren, „wissenschaftlichen“ Wissen untergeordnet werden?
  • Entsteht durch die Verwissenschaftlichung der Pflege eine neues Herrschaftswissen, und hierarchisches Machverhältnis, das sich an einem geschlechtlich determinierten Wissenschaftsverständnis orientiert?
  • Bringen Konzepte wie Evidence Based Nursing eine neuerliche Bindung an die Paradigmen und Strukturen der Medizin und damit eine Wiederholung von alten Macht- und Herrschaftsverhältnissen in neuen Kleidern?
  • Wann und unter welchen Bedingungen stellt die Akademisierung oder „Verwissenschaftlichung“ der Pflege eine Chance zur beruflichen Emanzipation dar?

Hanna Mayer ist Universitätsprofessorin für Pflegewissenschaft und Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Wien. Sie war diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester und absolvierte das Studium der Pädagogik.
  
Publikationen: Mayer Hanna, Pflegeforschung anwenden, Facultas: Wien 2007. Dies. mit Sabine Batholomeyczik, Monika Linhart und Herbert Mayer, Lexikon der Pflegeforschung. Begriffe aus Forschung und Theorie, Elsevier, Urban & Fischer:München u. Facultas WUV: Wien 2008. Dies., Pflegewissenschaft und Pflegepraxis. Die Problematik praxisorientierter Forschung und forschungsorientierter Praxis, in: Anette Thoke-Colberg (Hg.), Anwendungsorientierte Pflegeforschung, W. Zuckerschwerdt Verlag: München 2004.


Gerda Neyer
Kinderbetreuung und Geburtenentwicklung – Österreich im europäischen Vergleich

Die niedrigen Geburtenraten in Europa haben in den letzten Jahren zu einer Wiederbelebung des Diskurses um familienpolitische Maßnahmen auf nationaler und supranationaler Ebene geführt. Trotz der Zielvorgaben der EU, die Kinderbetreuung auszubauen und familienpolitische Maßnahmen zu setzen, die die Erwerbsbeteiligung von Frauen erleichtern und zu einer positiven Geburtenentwicklung beitragen, werden von europäischen Ländern unterschiedliche Strategien verfolgt. Der geplante Beitrag beleuchtet diese Strategien und versucht eine Einschätzung der Maßnahmen aus geschlechterkritischer Perspektive. Im Besonderen wird dabei die österreichische Politik im Vergleich mit anderen europäischen Staaten betrachtet.

Gerda Neyer ist Leiterin des Arbeitsbereiches "Bevölkerung und Politik" am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Sie studierte Mathematik und Englische Literatur an der Universität Innsbruck, Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Universität Wien. Nach Tätigkeiten am Institut für Höhere Studien (Wien), an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien) sowie an der Stanford University (USA) ist sie seit 2001 am Max Planck Institut für demografische Forschung in Rostock beschäftigt. Ab Juni 2009 wird sie eine Stelle an der Universität Stockholm annehmen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Fertilitätsentwicklung, Familien- und Geschlechterpolitik im heutigen Europa. Email: Neyer@demogr.mpg.de
  
Publikationen: Gerda Neyer, Family Policies and Low Fertility, in: Western Europe. Journal of Population and Social Security (Population), 1/2003: Suppl., 46-93; auch erhältlich als MPIDR-Working Paper WP 2003-021: www.demogr.mpg.de/papers/working/wp-2003-021.pdf
Dies., Kinderfreundlich und flexibel. Familienpolitik in den nordischen Ländern basiert auf Gleichheitsprinzip, in: Demographische Forschung aus Erster Hand. Informationsletter des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, 4/2004 (www.demografische-forschung.org).


August Österle
Wohlfahrtstaat und informelle Pflege: eine geschlechterkritische Betrachtung

Im Unterschied zu großen sozialpolitischen Risiken wie Alter, Krankheit oder Arbeitslosigkeit wurde Pflegebedürftigkeit erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten verstärkt als eigenständiges soziales Risiko erkannt. Durch neue wohlfahrtsstaatliche Arrangements wurde versucht, neue Leistungsangebote zu schaffen bzw. zu finanzieren und Sozialhilfeabhängigkeit zu reduzieren. Trotzdem wird Pflege und Betreuung nach wie vor überwiegend im informellen Bereich erbracht. Der Beitrag untersucht das Zusammenspiel von wohlfahrtsstaatlichen Arrangements und informeller Pflege aus einer geschlechterkritischen Perspektive. Ausgehend von wohlfahrtsstaatlichen Konzeptionen und deren Umsetzung im Bereich der Langzeitpflege, werden Bedeutung und Entwicklung von informeller Pflege, etwa Tendenzen zu einer Kommodifizierung von informeller Pflege, diskutiert. Die Entwicklungen in Österreich werden dabei in einen breiteren europäischen Kontext gestellt.

August Österle ist ao. Univ.Prof. am Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien. Schwerpunkte in Forschung und Lehre: international vergleichende Gesundheits- und Pflegesystemanalyse aus einer ökonomischen und sozialpolitischen Perspektive, europäische Sozialpolitik. Email: august.oesterle@wu-wien.ac.at
   
Publikationen: August Österle, Long-term Care Policies in Italy, Austria and France: Variations in Cash-for-Care Schemes, in: Social Policy and Administration 41/6 (2007), 653-671 (mit B. Da Roit und B. Le Bihan). Ders., Welfare State Policy and Informal Long-Term Care Giving in Austria: Old Gender Divisions and New Stratification Processes Among Women, in: Journal of Social Policy, 32/1 (2003), 37-53 (mit E. Hammer). Ders., Equity Choices and Long-Term Care Policies in Europe, Ashgate et al.: Aldershot 2001.


Max Preglau
Pflegearbeit im Übergang vom „Fordismus“ zum „Postfordismus“

Pflegeleistungen für Kinder, Kranke und Alte werden überwiegend von Frauen erbracht. Das gilt sowohl für die im Rahmen von Pflegeberufen erbrachten „formellen“, erwerbsarbeitsförmigen Pflegeleistungen, als auch für informelle, als unbezahlte Hausarbeit erbrachten Pflegeleistungen. Diese „Vergeschlechtlichung“ von Pflegearbeit ist Ausfluss einer einer „modernen Geschlechtsstände-Ordnung“ (Beck), die im Rahmen einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung die Männer auf erwerbsarbeitsförmige Produktionsarbeit und die Frauen auf häusliche und erwerbsförmige Reproduktionsarbeit festlegt. Diese Arbeitsteilung der Geschlechter wird auch durch Sozial-, Familien- und Steuerpolitik stabilisiert.
Im Übergang vom „Fordismus“ zum „Postfordismus“wird diese Vergeschlechtlichung von Pflegearbeit in einer ganz spezifischen Art und Weise transformiert:

  1. formelle Pflegearbeit wird rationalisiert, flexibilisiert und präkarisiert.
  2. formelle Pflegeleistungen werden z. T. in die Grauzone der „Schattenarbeit“ und in den Bereich der Hausarbeit verschoben.
  3. Häusliche Pflegeleistungen einheimischer Frauen werden teilweise durch in Form von „Schattenarbeit“ von Migrantinnen erbrachte Pflegeleistungen ersetzt.

Der – vom „Leistungsstaat“ zum „Aktivierungsstaat“ mutierende - Sozialstaat betreibt und unterstützt diese Entwicklung durch entsprechende nach den Kriterien des „New Public Management“ durchgezogene Reformen des „formellen“ Pflegesektors, und durch die Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen für sowie die finanzielle Förderung von in form von „Schattenarbeit“ und Hausarbeit erbrachte(n) Pflegeleistungen.

Diese Entwicklung soll am Beispiel von Pflegewesen und Pflegepolitik in Österreich aufgezeigt werden.

Max Preglau ist o. Universitätsprofessor am Institut für Soziologie an der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck. Arbeitsgebiete: Soziologische Theorie (Kritische Theorie, Geschlechterforschung), vergleichende Sozialstrukturanalyse, Sozial-, Gleichstellungs- und Integrationspolitik, Schwarz-Blaue Wende in Österreich und ihre Folgen. Email: Max.Preglau[at]uibk.ac.at
 
Publikationen: Postmodernes Österreich? Konturen des Wandels in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur, (=Schriftenreihe des Zentrums für angewandte Politikforschung, Bd. 15), Wien 1998 (gemeinsam mit Rudolf Richter). Ders., Sozialstaat am Ende? Erneuerung und Umbau des Sozialstaats in einer Periode des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs, in: Anton Pelinka (Hg.), Wie sozial kann unsere Welt sein? Wien 2005, 202-217. Ders., Schuessel and the Welfare State, in: Günther Bischof, Fritz Plasser (eds), The Schuessel Years in Austria. Contemporary Austrian Studies Vol. XVIII.(erscheint 2009 bei Transaction, New Brunswick).


Heike Raab
Feminismus, Care und Assistenz aus der Perspektive der Disability Studies

Das Assistenzkonzept stammt von der Behindertenbewegung und wurde im Kontext der "Selbstbestimmt-Leben" - Diskussion entwickelt. Dabei versteht sich Assistenz als Alternative zur oftmals entmündigenden, lediglich auf aussondernde Versorgung gerichtete Politik gegenüber Menschen mit Pflegebedarf. Mittlerweile gibt es nicht nur eine Fülle unterschiedlicher Assistenzmodelle und -organisationen. Vielmehr gibt es auch eine kritische Diskussion des "Selbstbestimmt-Leben"-Konzepts in den Disability Studies. Insbesondere die feministische Care-Debatte als auch kritische Diskussionen um das neoliberale Politikprojekt haben zu Reflektionen über den gesellschaftlichen Status von Hilfe, Pflege, Abhängigkeit und Fürsorge geführt.

In dem Vortrag soll die Frage gesellschaftlicher Sorge-Arbeit entlang dieser verschiedenen Perspektiven reflektiert und vor dem Hintergrund neoliberaler Transformationsprozesse des Sozialen diskutiert werden. Ziel ist es in die Diskussion die Sichtweise von Betroffenen einzubringen und zu fragen inwieweit die Disability Studies alternative Vorstellungen zur Sorge-Arbeit und/oder sozialer Arbeit bereitstellen.

Heike Raab, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck


Annemarie Rettenwander
Pflegende Angehörige

Es gibt in Österreich ca. 425.900 Personen, die Angehörige pflegen (vgl. Seidl, 2005). Schätzungen zufolge gibt es zwischen 2 und 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. Hedtke–Becker, 1990, S.16). In der Schweiz werden ca. 220.000 – 250.000 Menschen von Angehörigen zu Hause gepflegt (vgl. Kesselring, 2004, S.504). In den meisten Fällen erhalten Zu-Pflegende Hilfe von ihren Verwandten, meistens von Frauen. In unserem Gesundheitssystem kommt den pflegenden Angehörigen kaum persönliche Aufmerksamkeit und Anerkennung zu. In einer Studie haben wir (Rettenwander & Scharler, 2008) insgesamt 40 pflegende Angehörige mittels psychometrischer Tests und Fragebögen untersucht. Es zeigte sich dabei u.a., dass die pflegenden Angehörigen einer sehr starken Arbeitsbelastung unterliegen und auch sozial signifikant überlastet sind. Die Angehörigen fühlen sich durch ihre Pflege-Aufgaben überfordert und berichten von zunehmender sozialer Isolation. Weiters leiden sie sehr signifikant unter dem Mangel an sozialer Anerkennung für ihre Aufgabe.

Annemarie Rettenwander, Institut für Psychologie, Universität Innsbruck


Engelbert Theurl
Pflegefinanzierung in Österreich – Bestandsaufnahme und Reformperspektiven aus ökonomischer Sicht

Die Sozialsysteme - insbesondere die Gesundheitssysteme - vom Bismarck-Typ weisen gegenüber den Sozialsystemen vom Beveridge-Typ sowohl in der Organisation als auch in der Finanzierung von Pflegeleistungen deutliche Nachteile (fehlende gesamthafte Prioriätensetzung, Dominanz von Null-Summen-Spielen, Schnittstellenprobleme vielfältiger Natur, etc.) auf. Diese erklären - losgelöst von der quantitativen Entwicklung des Pflegebedarfs - zahlreiche aktuelle Unzulänglichkeiten in diesem Politikfeld in Österreich. An der Wiege der Sozialen Krankenversicherung stand eine starke Orientierung derselben an der „Wiedererlangung von Gesundheit bzw. Erwerbsfähigkeit“. Dies hat dazu geführt, dass das Pflegerisiko aus der Sicherung von „Normalrisiken“ ausgegrenzt und in Organisation und Finanzierung subsidiären Sicherungssystemen – im Extremfall subsidiären Mindestsicherungssystemen (Sozialhilfe) - überantwortet wurde. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass die Korrektur dieser historischen Weichenstellungen sowohl mit Problemen der Pfadabhängigkeit als auch mit institutionell-politischen Rigiditäten verbunden ist. Das Finanzierungssystem stellt sich heute als stark zersplittert dar, auf Grund der zahlreichen „Verschiebebahnhöfe“ ist eine gesamthafte Bestandsaufnahme derzeit auch nur eingeschränkt möglich. Reformperspektiven zur Pflegefinanzierung in Österreich beinhalten sowohl eine weitere Säule der Sozialversicherung, eine steuerliche Finanzierung sowie ein kapitalgedecktes privates Versicherungssystem. Die ökonomische Analyse zeigt, dass das Pflegerisiko ökonomische Eigenschaften aufweist, die einer Absicherung über Märkte enge Grenzen setzt. Die empirisch feststellbare geringe Bedeutung von Marktregelungen des Pflegerisikos kann also nicht nur auf „Crowding-out-Effekte“ durch öffentliche Absicherung zurückgeführt werden, sondern ist ein genuines Problem des Pflegerisikos.

Engelbert Theurl ist ao. Universitätsprofessor am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck, Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Innsbruck, Forschungs- und Lehrschwerpunkte: Finanzwissenschaft, Gesundheits- und Sozialökonomik. Email: engelbert.theurl[at]uibk.ac.at
  
Publikationen: Die Ordnung des Gesundheitswesens, in: Christian Dirninger, Jürgen Nautz, Engelbert Theurl, Theresia Theurl, Zwischen Markt und Staat – Geschichte und Perspektiven der Ordnungspolitik in der Zweiten Republik (=Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Bd. 29), Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2007, 451-552. Gemeinsam mit Josef Nussbaumer und Gerald Pruckner Herausgeber von Streifzüge der Verteilungsgerechtigkeit, Metropolis Verlag: Marburg 2008. Gemeinsam mit Georg Gottholmseder, Klaus Nowotny und Gerald Pruckner, Stress Perception and Commuting, in: Health Economics, Vol. 18:5, 2008, 559-576.


Maria A.Wolf
Care und Educare in Familien

Gesellschaftliche Transformationsprozesse bringen in den letzten Jahrzehnten Eltern zunehmend unter Druck, die klassischen Aufgaben moderner Familien – Reproduktions-, Sozialisations-, Platzierungs-, Bildungs-, Freizeit- und Spannungsausgleichsfunktion – den gewandelten Ansprüchen an „Kindeswohl“ und „verantwortete Elternschaft“ entsprechend zu erfüllen. Sie leisten zwar nachhaltig den wichtigsten Beitrag zu Versorgung, Erziehung und Bildung von Kindern. Familien bleiben eine Schlüsselvariable für den Bildungserwerb, den Bildungsbiographieverlauf und den Bildungserfolg von Kindern und sie bleiben der Ort, an dem Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet werden können zur Versorgung anderer und zur Selbstsorge. Dennoch erhalten Familien und ihre Bildungsleistungen in der aktuellen Bildungsforschung kaum Beachtung. Im aktuellen Bildungsdiskurs von Medien und Politik erfahren sie nur dann Aufmerksamkeit, wenn es darum geht, Fehler und Fehlen von familiärer Care und Educare-Arbeit zu beklagen so wie die Schwierigkeiten und/oder das Misslingen „öffentlicher Erziehung“ durch die Diskreditierung „privater Erziehung“ zu entschuldigen und/oder entlasten.

Der Beitrag zeigt auf, wer in Familien im Hinblick auf Care- und Educarearbeit was leistet, wodurch diese Leistungen unter Druck geraten und wie dieser beantwortet wird. Es wird gefragt, wodurch, wie und wozu gesellschaftlich und individuell eine Feminisierung und Familialisierung von Care und Educare organisiert und aufrechterhalten werden und welche Folgen daraus für öffentliche wie private Erziehung und Bildung erwachsen.

Maria A. Wolf ist ao. Universitätsprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: Sozialtheorie, Sozialisationstheorie, Geschlechter- und Familienverhältnisse, familiäre Erziehung und Bildung. Email: maria.a.wolf@uibk.ac.at
 
Publikationen: Maria A. Wolf, Eugenische Vernunft. Eingriffe in die reproduktive Kultur durch die Medizin 1900-2000, Wien: Böhlau 2008. Dies., Schule als Familienproblem?, in: Paul Resinger, Michael Schratz (Hg.), Schule im Umbruch. 2. Innsbrucker Bildungstage, Innsbruck 2008, 79-101. Gemeinsam mit Helga Peskoller und Bernhard Rathmeier Herausgeberin von Konglomerationen. Herstellung von Sicherheiten in Alltagspraxen. Theorien und Forschungsskizzen, Bielefeld: Transcript 2009.

 


 

Kommentatorinnen

Margrit Brückner, Prof. Dr. habil., geb. 1946, Soziologin, Gruppenanalytikerin und Supervisorin (DGSv), tätig an der Fachhochschule Frankfurt, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit; Koordinatorin des Studienschwerpunktes "Theorie und Praxis der Frauenarbeit"; zusammen mit Monika Simmel-Joachim Vorsitzende des Arbeitskreises „Häusliche Gewalt“ des vom deutschen Justizministerium einberufenen Präventionsausschusses des Landes Hessen; Vertrauensdozentin im Studienwerk der Heinrich Böll Stiftung; Forschungsschwerpunkte: Geschlechterverhältnisse, Gewalt gegen Frauen, Frauen- und Mädchenprojekte, das Unbewusste in Institutionen, Internationale Care-Debatte, letztes Forschungsprojekt: Frauen in der Prostitution. Email: brueckn@fb4.fh-frankfurt.de
 
Publikationen: Margrit Brückner (gemeinsam mit Christa Oppenheimer), Lebenssituation Prostitution – Sicherheit, Gesundheit und soziale Hilfen, Königstein: Ulrike Helmer Verlag 2006. Dies., Kulturen des Sorgens (Care) in Zeiten transnationaler Entwicklungsprozesse, in: Hans-Günther Homfeldt, Wolfgang Schröer, Cornelia Schweppe (Hg.), Soziale Arbeit und Transnationalität, Weinheim-München: Juventa 2008, 167-184.

Sylvelyn Hähner-Rombach, Mag. Dr., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart. Studium der Geschichte und Germanistik in Stuttgart und Wien. Redaktion des Jahrbuchs Medizin, Gesellschaft und Geschichte und Programmleitung Pflegegeschichte. Lehrbeauftragte der Universität Stuttgart. Forschungsschwerpunkte: Psychiatriegeschichte im 19. Jahrhundert, Sozialgeschichte der Tuberkulose im 19./20. Jahrhundert, bürgerliche Frauenbewegung, Geschichte der Krankenversicherung, Zeitgeschichte und Pflegegeschichte. Email: sylvelyn.haehner[at]igm-bosch.de
 
Publikationen: Sylvelyn Hähner-Rombach, Kranke Schwestern. Umgang mit Tuberkulose unter dem Pflegepersonal 1890 bis 1930, in: Alltag in der Krankenpflege: Geschichte und Gegenwart/Everyday Nursing Life: Past and Present, hg. u. ed. by Sylvelyn Hähner-Rombach, Stuttgart 2009, 201-224. Dies., Geschlechterverhältnisse in der Krankenpflege, in: Quellen zur Geschichte der Krankenpflege. Mit Einführungen und Kommentaren, hg. v. Sylvelyn Hähner-Rombach, Frankfurt/Main 2008, S. 479-499. Dies., "Out of the Frying Pan and into the Fire”: From Private Nurse to Police Assistant. A Case Study from the Turn of the 19th to the 20th Century, in: Nursing History Review 16 (2008), 158-179. Dies., Alltag in der Krankenpflege, in: Quellen zur Geschichte der Krankenpflege. Mit Einführungen und Kommentaren, hg. v. Sylvelyn Hähner-Rombach, Frankfurt/Main 2008, S. 279-292.

Margareta Kreimer, Mag.a Dr.in, ist a.o. Professorin am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz; Studium der Volkswirtschaftslehre in Graz, Promotion 1997; Habilitation im Fach "Volkswirtschaftslehre und Sozialtheorie der Geschlechterverhältnisse" 2006. Forschungsschwerpunkte: Arbeitsmarktökonomik, Arbeitsmarktsegregation und Diskriminierung; Makropolitik; Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaatenforschung; Economics of Care; Feministische Ökonomik; Ökonomie und Gleichstellungspolitik. Email: margareta.kreimer@uni-graz.at
 
Publikationen: Margareta Kreimer, Ökonomie der Geschlechterdifferenz. Zur Persistenz des Gender Gap, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009. Dies., Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Haushalt. Zum Zusammenspiel von individuellem Bargaining im Haushalt und Makropolitik, in: Marlen Bidwell-Steiner und Ursula Wagner (Hg.), Freiheit und Geschlecht. Offene Beziehungen, Prekäre Verhältnisse. Studienverlag: Innsbruck 2008, 77-90. Dies., Kommodifizierung von Care und Arbeitsmarktintegration von Frauen: Positionen aus der feministischen Ökonomik, in: Josef Hödl, Klaus Posch, Peter Wilhelmer (Hg.), Sprache und Gesellschaft. Gedenkschrift für Hans Georg Zilian. Verlag Österreich: Wien 2007, 415-431.

Mascha Madörin, geb. 1946, Ökonomin (lic. rer.pol.), unterrichtete und forschte an der Universität Eduardo Mondlane in Mosambik, war Jahrzehnte lang für Nichtregierungsorganisationen zu den Nord-Süd-Beziehungen des Finanzplatzes Schweiz, zu Geldwäscherei, Steuer- und Kapitalflucht, Finanzsystem und Menschenrechten tätig. Seit Jahren arbeitet sie als Expertin und Forscherin zu feministischer Wirtschaftstheorie und –politik, Gender Budgeting, Care- und Gesundheitsökonomie. Sie hat drei Jahre an der Hochschule für Soziale Arbeit in Basel Ökonomie unterricht. Gegenwärtig befaßt sie sich mit theoretischen Fragen feministischer Ansätze in der Meso- und Makroökonomie, mit der Finanz- und Wirtschaftskrise und ist an einem Forschungsprojekt der UNRISD (UN Research Institute for Social Development zur „politischen und sozialen Ökonomie von Care“ zu 8 Ländern, darunter die Schweiz, beteiligt.
Email: mmadoerin@bluewin.ch
 
Publikationen: Mascha Madörin, Feministische Ökonomiekritik und Wirtschaftspolitik, in: Widerspruch 48 (2005), 179-186. Dies., Plädoyer für eine eigenständige Theorie der Care-Ökonomie, in: Torsten Niechoj, Marco Tullney (Hg.), Geschlechterverhältnisse in der Ökonomie, Marburg: Metropolis 2006, 277-297. Dies., Neoliberalismus und die Reorganisation der Care-Ökonomie. Eine Forschungsskizze, in: Zur politischen Ökonomie der Schweiz. Eine Annäherung. Jahrbuch 2007 von Denknetz, Zürich 2007, 141-162. www.denknetz-online.ch/IMG/pdf/Madorin.pdf

Eva Senghaas-Knobloch, ist Professorin für Arbeitswissenschaft (Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Humanisierungsforschung) an der Universität Bremen, Senior Research Fellow am Forschungszentrum Nachhaltigkeit (artec). Aktuelle Themenschwerpunkte: Soziale Nachhaltigkeit in globalen Strukturen, Arbeitsgestaltung angesichts neuer Geschlechterverhältnisse und flexibler Arbeitsstrukturen, Probleme fürsorglicher Praxis. Email: esk@artec.uni-bremen.de
 
Publikationen: Eva Senghaas-Knobloch, Wohin driftet die Arbeitswelt?, VS Wiesbaden 2008. Dies., Vom Liebensdienst zur liebevollen Pflege? Loccumer Protokolle 80/07, hg. v. der evangelischen Akademie Loccum 2008 (gemeinsam mit Christl Kumbruck). Dies., Care-Arbeit und das Ethos fürsorglicher Praxis unter neuen Marktbedingungen am Beispiel der Pflegepraxis, in: Berliner Journal für Soziologie, 2008, Heft 2.

Angelika Wetterer, promovierte Germanistin und habilitierte Soziologin, ist seit Herbst 2005 Universitätsprofessorin für die „Soziologie der Geschlechterverhältnisse“ und Leiterin des Bereichs Geschlechtersoziologie & Gender Studies am Institut für Soziologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Vorige Stationen: 2000-2003 Vertretung der Professur für soziologische Frauen- & Geschlechterforschung an der Universität Dortmund; 1993-1998 wiss. Koordinato-rin der Marie-Jahoda Gastprofessur für Internationale Frauenforschung an der Universität Bochum; 1988-1993 wiss. Mitarbeiterin am Zentrum für Berufs- & Hochschulforschung und bei der IAG Frauenforschung der Universität Kassel. Forschungsschwerpunkte: Professiona-lisierung, Arbeitsteilung & Geschlecht; soziale und diskursive Medien der Wirklichkeits- und Geschlechterkonstruktion; feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie; Modernisierungsprozesse im Geschlechterverhältnis; Geschlechterwissen & soziale Praxis; Frauen- & Gleichstellungspolitik in praktischer und theoretischer Perspektive.
 
Publikationen: Hg. 2009: Arbeit. Ergebnisse und Perspektiven der Geschlechterforschung. Münster (mit Brigitte Aulenbacher); Hg. 2008: Soziologie & Geschlechterforschung. Schwer-punktheft der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie, 4/2008 (mit Johanna Hofbauer); Hg. 2008: Geschlechterwissen & soziale Praxis. Theoretische Zugänge – empirische Erträge. Frankfurt a. M.; Hg. 2007: Erosion oder Reproduktion geschlechtlicher Differenzierungen? Widersprüchliche Entwicklungen in professionalisierten Berufsfeldern und Organisationen. Münster (mit Regine Gildemeister).

 


 

ModeratorInnen

Erna Appelt, siehe ReferentInnen

Max Preglau, siehe ReferentInnen

Michaela Ralser, Ass.Prof.in am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: Kritische Geschlechterforschung, Wissenschaftsgeschichte und Wissensforschung, Kulturen von Krankheit und Gesundheit, Interkulturalität und Rassismusforschung. Email: michaela.ralser@uibk.ac.at

Heike Welte, siehe ReferentInnen

Maria A. Wolf, siehe ReferentInnen

 


 

Organisatorinnen

Andrea Ellmeier, Mag. Dr., Koordinatorin der Forschungsplattform Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck (www.uibk.ac.at/geschlechterforschung), Historikerin und Kulturwissenschafterin, Lehrbeauftragte an der Universität Innsbruck und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Forschungsschwerpunkte: Konsumgeschichte, Europäische Kulturpolitik(en). Email: andrea.ellmeier@uibk.ac.at

Marion Jarosch, Mag.a, Koordinatorin der Bezirksgruppe Innsbruck-Land der Tiroler Grünen, Psychologin, Mediatorin, Ausbildung in Personalmanagement. Schwerpunkt: Organisationsentwicklung bei Non-Profit-Vereinen. Email: marion.jarosch@gmail.com