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Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Zekirija Sejdini

Islamische Religionspädagogik: Univ.-Prof. Mag. Dr. Zekirija Sejdini hielt am 13. Januar 2016 seine Antrittsvorlesung zum Thema "Zwischen Gewissheit und Kontingenz - Auf dem Weg zu einem neuen Verständnis von islamischer Theologie und Religionspädagogik im europäischen Kontext" in der Aula des Universitätshauptgebäudes.

Die Veranstaltung begann mit den Grußworten von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, der die Arbeit von Prof. Dr. Sejdini in hohem Maße lobte und wertschätzte. Weiters sprach er dem Bereich Islamische Religionspädagogik seine volle Unterstützung zu und sah diesen als Bereicherung für die Universität Innsbruck. Prof. Dr. Sejdini bedankte sich bei den Anwesenden und den zahlreichen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Religion sowie Gesellschaft und stellte in seinem Vortrag seine Ansätze und Forschungsschwerpunkte für eine neue islamische Theologie und Religionspädagogik in Europa vor, die wir in kurzen Beispielen auch hier wiedergeben werden.  Zum Schluss soll erwähnt werden, dass die Vorlesung hohen Zuspruch unter den Anwesenden fand.

Islam im europäischen Kontext verstehen

In seinen Forschungen will Prof. Dr. Sejdini neue Ansätze entwickeln, „um den europäischen Musliminnen und Muslimen einen dem europäischen Kontext entsprechenden Zugang zu ihrer Religion zu ermöglichen.“ Aufgrund der geschichtlichen Ereignisse ist jedoch in weiten Teilen der islamischen Theologie und Religionspädagogik eine Aversion gegenüber der Kontextualität entstanden, die es zu überwinden gilt.

Neue Zugänge für die islamische Theologie und Religionspädagogik

Um diesem Anspruch gerecht zu werden erklärt er drei Hauptsäulen, „die die Grundvoraussetzungen jeder anschlussfähigen islamischen Theologie und Religionspädagogik bilden sollten“. Dabei handelt es sich um die Anthropologie als Ausgangspunkt, die Offenbarung und die Bedeutung des Kontexts. Unter der Kategorie der Anthropologie nennt Dr. Sejdini in seinem Vortrag drei entscheidende Merkmale, die von großer Bedeutung für eine neue Theologie sind: die menschliche Würde, die Vernunft und die Freiheit. Auf die Würde des Menschen wird im Koran an verschiedenen Stellen direkt (17:70) oder indirekt hingewiesen. Dies ist eine Grundlage für ein Verständnis, aus dem auch die Menschenreche begründet werden können.

„Ein weiteres entscheidendes anthropologisches Merkmal“, erklärt er, „ist die Vernunft des Menschen. Gott hat den Menschen mit Vernunft ausgestattet und ihn sich dadurch zum Kommunikationspartner gewählt. Aufgrund der Vernunft ist der Mensch in der Lage, sich von der göttlichen Botschaft ansprechen zu lassen und auf diese zu antworten. Gleichzeitig ist er aber auch aufgefordert, seine Umwelt zu erforschen, in Kommunikation mit anderen Menschen zu treten und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, die wiederum in den Dienst der Menschheit gestellt werden können. Daher fordert der Koran den Menschen immer wieder auf, seine Vernunft zu gebrauchen, um sich und die Gesellschaft weiterzuentwickeln (6:32)“.

Als letztes Merkmal führt er die Freiheit an, die grundsätzlich „zum Heil oder zum Unheil führen“ kann. Der Mensch soll aber in der Lage sein, selbst freie Entscheidungen zu treffen und seinen Weg finden, für oder auch gegen Gott. Im Sinne dieser anthropologischen Merkmale sollen „ein Verständnis und neue Zugänge zur Offenbarung“ gefunden werden.

Der Islam als eine Möglichkeit, „Mensch zu sein“

Zum Schluss erwähnt Prof. Dr. Sejdini in seinen Ausführungen, dass die religionspädagogische Aufgabe darin bestehe, „die Kontingenzsensibilität zu stärken und das Bewusstsein der eigenen Beschränktheit nicht defizitär zu qualifizieren, sondern produktiv zu gestalten. Gerade in diesem Zusammenhang muss deutlich gemacht werden, dass es nicht um Kontingenzbewältigung gehen kann, sondern darum, sich in Auseinandersetzung mit der Kontingenz begeben zu können.“

„Auch wenn diese kontingenzsensible Haltung auf den ersten Blick, speziell im religiösen Bereich, als unzumutbar erscheint, so stellt sie doch eine Maxime jeder theologischen und religionspädagogischen Überlegung dar, die ihre primäre Aufgabe darin sieht, die eigene Religion als eine besondere Weise, Mensch zu sein, zu verstehen. So gesehen sollte auch der Islam als eine der hervorragenden Möglichkeiten und Wege, 'Mensch zu sein', verstanden werden.“