Spitzenklasse

Innsbrucker Theologische Fakultät schneidet bei österreichweitem Uniranking hervorragend ab.

Die theologische Fakultät Innsbruck ist Spitzenklasse! So stand es in der Kirchenzeitung. Nun mag das noch nicht viel heißen, wachsen doch Kirchenzeitungen und theologische Fakultäten in einem Garten. Es heißt aber sehr viel, wenn "Der Standard", der hier als unvoreingenommener Zeuge betrachtet werden kann, die theologische Fakultät Innsbruck zur Spitzenfakultät erklärt: In einem Ranking östereichischer Universitäten und ihrer Institute landete die Theologische Fakultät Innsbruck unter dem Aspekt des internationalen Renommees auf dem unangefochtenen ersten Platz. Spitzenklasse! Die theologische Fakultät Innsbruck rangiert dabei vor der Montanuniversität Leoben und dem Institut für Physik an der Universität Innsbruck. Spitzenklasse! Auch in den Aspekten der Lehre und Lehrinhalte landete die Theologische Fakultät Innsbruck im "Standard"-Ranking jeweils unter den ersten zehn aller österreichischen Universitätsinstitute und Fakultäten. So what?

Die Theologische Fakultät Innsbruck hat eine lange Tradition und hat sich international, vor allem durch das Wirken der Brüder Rahner und Josef Andreas Jungmanns großes Ansehen erworben. Darüberhinaus weiß die Fakultät mit dem Jesuitenorden einen der größten katholischen Orden hinter sich, der die Fakultät international immer wieder ins Gespräch bringt. Der Anteil Studierender aus Afrika, Asien und Lateinamerika ist auffallend hoch. Sie wohnen zumeist im angesehenen internationalen Priesterseminar "Canisianum" und werden von ihren Bischöfen oder Ordensoberen nach Innsbruck entsandt. Daß die Physiker und Montanisten diesen Vorteil weltkirchlicher Verankerung nicht haben, wollen wir nicht verschweigen. Daß viele deutsche Priesteramtskandidaten ihr Freijahr in Innsbruck verbringen, mag auch mit den Tiroler Skiparadiesen zusammenhängen. Aber das ist ein Startvorteil, den andere Institute durchaus auch besitzen. Daß ein Großteil des internationalen Renommees der theologischen Fakultät Innsbruck mit den Namen der langverstorbenen Karl Rahner, Hugo Rahner, Josef Andreas Jungmann einerseits und mit der institutionellen Verankerung in Jesuitenorden und Weltkirche andererseits zusammenhängt, sollte uns jedoch zu denken geben. Die theologische Fakultät Innsbruck ist Spitzenklasse: Nice to know?

"Nice-to-know"-Wissen ist eine Art von Wissen, das das Gemüt nicht belastet und das Leben nicht verändert. Die Aussage, daß die theologische Fakultät Innsbruck Spitzenklasse ist, könnte diesen Effekt haben: So tun wie bisher und sich auf den Lorbeeren längst Verstorbener ausruhen. Das Karl Rahner Archiv und die Nordkette mit den Skiliften werden nicht so schnell weglaufen. Das gilt auch für die Bücher der Bibliothek und die Handschriften der Mediävistikabteilung und die Hofkirche mit den schwarzen Männern. Dead Poets’ Society?

Daß viele der Innbrucker Fakultätsangehörigen international tätig sind, daß ein Innsbrucker im Vorstand der Europäischen Gesellschaft für Theologie sitzt, daß ein Innsbrucker Dogmatiker den Tiroler Landespreis für Wissenschaft 1998 gewonnen hat, daß unsere theologische Fakultät mit ihren Instituten in den letzten Jahren mehrere internationale Kongresse organisiert hat, daß die Literaturdokumentationen der Innsbrucker Theologie weltweit geschätzt werden, daß das Rahnerarchiv internationale Bedeutung hat, daß an der Innsbrucker theologischen Fakultät Gastprofessoren aus anderen Kontinenten eingeladen werden, all das sollte nicht verschwiegen werden. Dafür brauchen wir uns ja auch nicht zu schämen. An unserer Baustelle wird hart gearbeitet. Daß die Auszeichnung durch den "Standard" dennoch mehr Auftrag als Ertrag ist, soll freilich nicht vergessen werden. Gerade die Diskussionen um die Neustrukturierung der Fakultät und die Neugestaltung der Studienpläne haben innere Grenzen der Innsbrucker Theologischen Fakultät deutlich aufgezeigt. Wo gebaut wird, da fällt für jeden etwas Dreck ab. As good as it gets?

An der Baustelle wird hart gearbeitet: Die internationalen Kooperationen der theologischen Fakultät Innsbruck blühen. Das ist ein wichtiger Schritt. Die Publikationstätigkeit floriert, wie man auch wieder aus dieser Fakultätszeitung ersehen kann. Das ist notwendig. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wächst. Auch das ist ein gutes Zeichen. Die theologische Fakultät Innsbruck ist dabei, einen Umbau durchzuführen. Dieser Umbau betrifft nicht nur die Fassade. Im Mittelteil dieser Fakultätszeitung finden Sie Leitvorstellungen zu den inhaltlichen Profilen der neuen Institute. Das Ringen um Profil ist ein Ringen um Klasse. Die theologische Fakultät Innsbruck soll sich in Zukunft, unter gewandelten universitären und politischen Rahmenbedingungen, international behaupten können. Das Ringen um Profil, das durch den neugewählten Dekan konsequent fortgesetzt werden wird, ist ein Versuch, Theologie zu betreiben "as if people mattered". Denn darüber, was Spitzenklasse ist, entscheiden im akademischen Leben "they, the people", wie Theodor W. Adorno gesagt hat.

Clemens Sedmak, in: Baustelle Theologie 1/3 (1998) 1.