IFFI

IFFI #31 – Internationales Film Festival Innsbruck

Dienstag, 24.05.2022 – Sonntag, 29.05.2022; Leokino (Anichstraße 36, 6020 Innsbruck) / Cinematograph (Museumstrasse 31, 6020 Innsbruck)

Das IFFI – Internationales Film Festival Innsbruck findet vom 24. bis 29. Mai 2022 in seiner 31. Auflage im Leokino-Cinematograph statt. Es ist das größte Filmfestival Westösterreichs und nach der Viennale, Diagonale und Crossing Europe das größte Österreichs. Das IFFI zeigt Filme aus Regionen und zu Themen, die in globalen Kinonetzwerken unterrepräsentiert sind. Sechs Tage lang feiert das IFFI den Film als globales Phänomen in all seinen Facetten. Neben spannenden, aktuellen Filmen in den Wettbewerben, gibt es filmhistorische Schätze in den Retrospektiven zu sehen. Nach dem IFFI werden ausgewählte Filme als Stream angeboten.

Das IFFI hat seit seinen Anfängen im Jahr 1992 stets einen gesellschaftskritischen – oft politischen – Tenor. Dieser Ausrichtung bleibt das IFFI auch in diesem Jahr treu und versuchte jene Zwischenräume auszuloten, die das Politische im Film mit dem gemeinsamen Denken über Alternativen in Beziehung setzt. Das faszinierende am kollektiven Sehen im Kino ist das emotionale und körperliche Erleben von Filmen.

 

Filmpatenschaft des Osteuropazentrums

DO 26.05.2022
21.45 Uhr

Cinematograph

ATLANTIDA (ATLANTIS)
Valentyn Vasyanovych / Ukraine / 2019 / DCP / 106’ / ukrainische OmenglU

Der Donbass im Jahr 2025: Vor einem Jahr hat die Ukraine den Krieg gewonnen. Geblieben sind eine Ruinenlandschaft und traumatisierte Menschen. Ein Industriebetrieb schließt, Minen müssen gesichert und Leichname geborgen werden. Aber vielleicht gibt es für Sergyj doch noch ein anderes Leben?
Die stillen Tableau-artigen Einstellungen stehen im scharfen Kontrast zu den (im Film zitierten) schnell geschnittenen Ausschnitten von Vertovs ĖNTUZIAZM: SIMFONIJA DONBASSA. Der Donbass von ATLANTIDA hat nichts mehr mit Vertovs Ort des Aufschwungs, der Hoffnung und des Fortschrittes gemeinsam.

SO 29.05.2022
11.00 Uhr

Leokino 1

ĖNTUZIAZM: SIMFONIJA DONBASSA
Dziga Vertov / UdSSR / 1930 / 35mm / 67’ / russische OmU

Vertovs erster Tonfilm ist dem ersten Fünfjahresplan gewidmet. Dafür drehte er in den Bergwerken und Fabriken des Donbass sowie auf dem Kongress der ukrainischen kommunistischen Partei in Charkiw. In drei Sätzen zeigt er die Hindernisse auf dem Weg in die lichte Zukunft (den Alkohol und die Religion), die Leistungen der Industrie und deren stetige Steigerung sowie die Vision einer industrialisierten Landwirtschaft. So visionär und modern Vertov bei Schnitt und Montage ist, so ist er es ebenso bei der Gestaltung der Tonspur. Er arbeitete bereits damals mit Originaltonaufnahmen, die mit einem 1000 Kilogramm schweren Aufnahmegerät festgehalten wurden.


Weitere Filmtipps

DI 24.05.2022
21.50 Uhr
Leokino 2

POHANI DOROGY (BAD ROADS)
Natalya Vorozhbyt / Ukraine / 2020 / DCP / 105’ / ukrainisch-russische OmenglU

Vier Episoden aus dem Krieg im Donbass: Ein angetrunkener Schulleiter findet am Checkpoint seinen Pass nicht; drei junge Frauen warten rauchend bei einer Bushaltestelle auf ihre Freunde – alle Soldaten; eine Journalistin wird gefangen genommen und in einem Bunker festgehalten; eine junge Frau überfährt versehentlich ein Huhn; Die Darsteller*innen sind großteils lokale Theaterschauspieler*innen und beeindrucken in diesen von tragisch bis komischen, mitunter brutalen Geschichten. Vorozhbyts Regiedebüt war auch ukrainische Einreichung für die Oscars 2021.

In Kooperation mit dem Institut für Slawistik

SA 28.05.2022
13.15 Uhr
Leokino 2

STOP-ZEMLIA
Kateryna Gornostai / Ukraine / 2021 / DCP / 122’ / ukrainische OmU

Das stille Zentrum des Films ist die introvertierte 16-jährige Masha. Sie, Yana und Senya bilden ihre eigene Clique. Heimlich ist Masha in ihren Klassenkameraden Sasha verliebt. Die Ausgangssituation ist nicht für alle gleich: Mashas Eltern sind liberal und wohlhabend, Sasha befindet sich im ständigen Clinch mit seiner alleinerziehenden Mutter und Senya ist vom Krieg traumatisiert. In der losen Erzählung wird mit viel Sensibilität und Verständnis der Moment auf der Schwelle zum Erwachsenenleben eingefangen. Umso beeindruckender, als es sich um Laiendarsteller*innen handelt, die die Dialoge improvisierten.

SA 28.05.2022
17.45 Uhr
Leokino 2

PEJZAŽI OTPORA (LANDSCAPES OF RESISTANCE)
Marta Popivoda / Serbien, GER, FRA / 2021 / DCP / 95’ / serbokroatische OmenglU

Sonja war Partisanin. Sie überlebte mehrere KZs und war eine der Anführer*innen bei den Aufständen in Auschwitz. Nun eine alte Dame, erzählt sie ihrer Großnichte (der Drehbuchautorin) ihre Erinnerungen. Neben den Interviews sehen wir die Orte, nun friedvolle Landschaften, die wenige Jahrzehnte zuvor Schauplatz des Kampfes und des Gräuels waren. Sie werden durch Zeichnungen erweitert und mit tagebuchartigen Einträgen mit dem Leben der Großnichte in Verbindung gesetzt. Das In-Bezug-Setzen von Sonjas Erzählungen mit dem Raum und der Gegenwart verdichtet den Film zu einem zutiefst politischen Statement.

SA 28.05.2022
21.30 Uhr
Leokino 2

LABIRINT (LABYRINTH)
Oktay Namazov / HUN, BEL, POR, AZE / 2019 / DCP / 20’ / aserbaidschanische OmenglU

Nach drei Jahren im Gefängnis als politischer Häftling in Aserbaidschan versucht Rashadat, sein Leben weit weg in Budapest neu aufzubauen. Über den Kontrast zwischen der repetitiven Wiederholung seines alltäglichen Lebens und den Erinnerungen aus der Gefängniszeit erzählt dieser Film die Geschichte eines Lebens im Exil. LABIRINT ist ein feinfühliges und melancholisches Porträt eines aserbaidschanischen Geflüchteten, eines engen Freunds des Regisseurs Oktay Namazov. Gemeinsam ergründen sie das Gefühl der Zugehörigkeit, das Menschen weit weg von zuhause aufbauen können, wenn sie persönliche Gespräche führen, die im Innenhof eines historischen Gebäudes in Budapest Widerhall finden.

SO 29.05.2022
17.40 Uhr
Leokino 2

DAYS IN BETWEEN
Marianna Christofides / GER, FRA, Griechenland / 2015 / DCP / 40’ / englische OF

In DAYS IN BETWEEN geht es um Grenzregionen und Topografien der Gewalt und Verletzung. In einer nuancierten Choreografie audiovisueller Neukalibrierungen beschäftigt sich der Essayfilm mit postindustriellen Landschaften und stereotypen Zuschreibungen des "Balkans". Die disjunktive Haltung des Films und seine Lücken aufweisende Denkform gibt dem Vernachlässigten eine Stimme und zeigt den Betrachter*innen auf ästhetisch-affektive und insofern auch politische Weise Möglichkeiten und Hoffnung in unsicheren Zeiten auf. Im Anschluss: Vorstellung des gleichnamigen Buchs in Anwesenheit der Künstlerin.

SO 29.05.2022
20.50 Uhr
Leokino 1

DANCE OR DIE
Naja Orashvili, Giorgi Kikonishvili / Georgien / 2019 / DCP / 21’ / georg. OmenglU

Im Mai 2018 führt das staatliche Militär eine Razzia im bekanntesten Technoclub von Tiflis, dem BASSIANI, durch. Dieser gilt als Wiege neuer sozialer Bewegungen. Am Tag nach der Razzia gingen tausende Tänzer*innen auf die Straße, um den Club und seine Werte zu verteidigen und die Regierung dazu aufzufordern, sich zurückzuhalten und zu entschuldigen. „Wir tanzen gemeinsam, wir kämpfen gemeinsam“ wurde zum Motto jener Tage. DANCE OR DIE ergründet den historischen Kontext dieser Ereignisse und stellt den Weg von ursprünglichen georgischen Folkstanzritualen, auf denen das Konzept des BASSIANI beruht, bis hin zum heutigen gemeinschaftlichen Tanzen für Freiheit nach.

SILENCE & RESILIENCE
Naja Orashvili / Georgien / 2021 / DCP / 7’ / georgische OmenglU

Die Krise hat uns in die Einsamkeit gezwungen, doch die Melancholie hat uns nur noch mehr vereint. Tanzflächen sind der Ort, der eine Kultur der Einheit, Gleichheit und Solidarität schafft. Doch was, wenn der Tanz aufhört? Was passiert mit der Energie, die die Körper bewegt und sowohl das individuelle als auch das kollektive Bewusstsein widerspiegelt? Wie verändert sich die Dynamik einer lebendigen, atmenden Sozialstruktur, wenn es keinen Dancefloor mehr gibt? Diese Fragen verlangen nach Antwort und untersuchen dabei die vergangene, gegenwärtige sowie zukünftige Rolle der Tanzfläche beim Erschaffen und Wiedererschaffen von sozialem Leben und sozialer Kultur in der Welt nach der Pandemie.

PRIVATE STAGES
Carmen Brucic / Österreich, Georgien / 2021 / DCP / 12 / englische OF

PRIVATE STAGES handelt von fünf Aktivist*innen, die Teil eines Universums sind, einer Revolution, die aufgrund der globalen Pandemie plötzlich zum Stillstand kam. Die Protagonist*innen stehen in Verbindung mit dem berühmten Nachtclub Bassiani in Georgiens Hauptstadt Tiflis, wo sich die junge, queere Community frei bewegen konnte – bis es zu einer Polizeirazzia sowie Angriffen von rechten und religiösen Gruppier- ungen kam. In nur zwei Wochen erschuf Carmen Brucic im Sommer 2021 dieses fragende Porträt: Kann sich Widerstand in Isolation entfalten? Welche anderen Formen des Widerstands gibt es? Wie wappnet man sich für die Zukunft? 

 

Eine Veranstaltung des Otto Preminger-Instituts – Verein für audiovisuelle Mediengestaltung (OPI) 

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