Michaela RalserUniv.-Prof. Dr. Michaela Ralser

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Institut für Erziehungswissenschaft
A-6020 INNSBRUCK – Liebeneggstr. 8
Zi. 03-06 (3. Stock)
Tel: 0043-512-507/40054
E-Mail: michaela.ralser@uibk.ac.at



Forschungsprojekte – Eine Auswahl:

Medikalisierte Kindheiten. Geschichte der Heilerziehung in Tirol (1954-1987)

1. Forschungsprojekt zur "Kinderbeobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl" - laufend

Infos auf der Projekthomepage.

Projektleitungsteam

Am 11. November 2013 wurde der Bericht der Medizin-Historischen ExpertInnenkommission über „Die Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation von Maria Nowak-Vogl“ der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kommission empfahl eine weitergehende wissenschaftliche Aufarbeitung. Diese erfolgt gegenwärtig in einem interdisziplinären Forschungsprojekt der Institute für Erziehungswissenschaft, für Geschichtswissenschaft und europäische Ethnologie sowie des Instituts für  Zeitgeschichte (Leitung: Dietrich-Daum, Ralser, Rupnow). Gefördert wird das Projekt durch das Land Tirol, die TILAK–Tiroler Krankenanstalten GmbH und die Medizinischen Universität sowie durch die Leopold-Franzens-Universität-Innsbruck. Das Projekt hat eine Laufzeit von eineinhalb Jahren und gliedert sich in drei Teilprojekte, welche an der Universität Innsbruck angesiedelt sind,  plus einem Zusatzprojekt, welches von der Robert-Bosch-Stiftung ausgeführt wird.

Das an der Universität Innsbruck angesiedelte Projekt „Die Kinderbeobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl – interdisziplinäre Zugänge" gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Projektteile.

  • Projektteil 1: Kontinuität und Bruch. Die Psychiatrische Kinderbobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl (1954-1987) unter eingehender Berücksichtigung ihrer Vor- und Nachgeschichte
  • Projektteil 2: Dimension und Wirkung. Die Kinderbeobachtungsstation und die ihr anvertrauten Kinder.
  • Projektteil 3: Sexualität – Klasse – Geschlecht. Eine sozialhistorisch-feministische Kontextualisierung der Psychiatrischen Kinderbeobachtungsstation von Maria Nowak-Vogl.

Laufzeit: 2014-2016 (Abgabe Bericht: Juli 2016)


Regime der Fürsorge. Geschichte der Heimerziehung in Tirol und Vorarlberg (1945-1990) abgeschlossen - Buchpublikation in Ausarbeitung

Infos auf der Projekthomepage

1. Forschungsprojekt: Das Landerziehungsheim für Mädchen St. Martin in Schwaz

Das Landeserziehungsheim für Mädchen St. Martin in Schwaz der Zweiten Republik - als pars pro toto der frühen geschlechtsgebundenen Fürsorgeerziehung einschließlich der in ihrem Rahmen begründeten und aufzuklärenden Erwerbsarbeits- und Ausbildungsverhältnisse. 

Mädchenerziehungsheim St. Martin

Gegenstand der Untersuchung ist die Rekonstruktion der Geschichte des Landeserziehungsheims St. Martin. Als über Jahrzehnte einzigem Erziehungsheim für schulentlassene Mädchen in Westösterreich kommt ihm strategische Bedeu- tung und pars pro toto Stellung für die regionale Geschichte der weiblichen Ju- gendfürsorge zu. Diese galt es herauszuarbeiten, sowohl was seine Entstehungs­geschichte als Arbeits- und Korrigendenhaus anlangt, als auch was seine Alleinstellung als Fürsorge­erziehungsanstalt für Mädchen einschließlich der zeitspezifischen geschlechtsgebundenen Erzieh­ungsvorstellungen und -praktiken betrifft. Dazu gehören neben dem Prinzip der „Versittlichung und Verhäuslichung“ wesentlich auch das Erziehungsmittel „zur Arbeit durch Arbeit“ und die Aufklärung der in diesem Rahmen begründeten Erwerbsarbeits- und Ausbildungsverhältnisse der Mädchen. Um neben der Institutionen- und Strukturgeschichte des landeseigenen Mädchenheims auch die Heim­wirklichkeit angemessen zu rekonstruieren, wurde auf ZeitzeugInnenbefragung zurückgegriffen. Den Untersuchungszeitraum bildet im Wesentlichen die Zweite Republik. Wo es für die Rekonstruktion der Nachgeschichte notwendig war, wurde der Fokus punktuell auch auf die Zeit vor 1945 ausgedehnt.

Zeitraum: 01. Juli 2013 bis Juni 2015

Zum Forschungsbericht "Das Landeserziehungsheim für Mädchen St. Martin in Schwaz".


2. Forschungsprojekt: Fürsorgeerziehungssystem in Tirol und Vorarlberg 

Studie zum Fürsorgeerziehungssystem der Länder Tirol und Vorarlberg in der Zweiten Republik insbe­sondere die öffentliche Heimerziehung, die Heime und die Heimwirklichkeiten betreffend.

Jagdberg

Gegenstand der Untersuchung ist die Aufklärung des Zusammenhangs der unter-schiedlichen Kräfte und Machtwirkungen, die das Fürsorgeerziehungssystem der Länder Tirol und Vorarlberg bis in die 1980er Jahre hinein kennzeichneten und seine Veränderungsresistenz bestimmten. Dazu gehören - nach bisherigem Kenntnisstand - der Fürsorgeerziehungsapparat ebenso wie die Fürsorgeerziehungs­anstalt (das Erziehungsheim selbst), beide flankiert noch durch die mit Fürsorgeerziehungsfragen befasste Kinderpsychiatrie, die Schule und die Behindertenhilfe. Die Effizienz der Symbiose von Recht, Politik, Pädagogik und Medizin stand im Zentrum der Analyse. Die Studie liefert einen Überblick und gewinnt an ausgewählten Beispielen – auf Grundlage kritischen Quellenstudiums ergänzt durch ZeitzeugInneninterviews - Tiefenschärfe.

Die Untersuchung umfasst die Zweite Republik. Um Kontinuität und Bruch zu bestimmen, wurde der Untersuchungszeitraum fallweise - abhängig von der Quellenlage - auch auf die Zeit des NS-Regimes und die Jahre davor ausgedehnt. Neben einer Analyse der Funktionsweise des Fürsorgeerziehungs­systems und der Darstellung der Erziehungswirklichkeit in den Fürsorgeheimen der Region klärt die Studie auch die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen des Jugendwohlfahrtswesens der Länder im historischen Kontext.

Zeitraum: 08. April 2013 bis Juni 2015

Zum Forschungsprojekt "Fürsorgeerziehungssystem in Tirol und Vorarlberg"

Zeitschriftenprojekt - abgeschlossen

Doppelnummer der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften zu den "Kindern des Staates"

Im Juni 2014 ist eine Doppelnummer der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, welche schwerpunktmäßig das Thema "Kinder des Staates" und die Heimgeschichte in den deutschsprachigen Ländern behandelt, erschienen.

Cover Kinder des Staates

 Einen Auszug aus dem Klappentext:

Die strukturelle Gewalt in Fürsorgeerziehungsanstalten aller Art ist das Ergebnis der sozial- und kommunalpolitischen Ambition, in das Leben, in die Familien und in elterliche Erziehung einzugreifen. Die damit verbundene Ausdehnung staatlicher Herrschaft wurde in vielen europäischen und nordamerikanischen Ländern seit den 1890er Jahren mit den Argumenten der Eugenik bzw. der Rassenhygiene durchgesetzt. Dieser Band der ÖZG nimmt jene Humanwissenschaften in den Blick, die diese Ausdehnung staatlicher Herrschaft und Macht ermöglicht haben: Psychiatrie, Heilpädagogik und Entwicklungspsychologie. Sie zeigten ein starkes Eigeninteresse, sich im Schatten des Souveräns als Gatekeeper des „Lebenswerts“ zu etablieren. Als kategorisierende, diagnostizierende und auch experimentell in das Leben eingreifende, es sogar tötende „Lebenswissenschaften“ haben sie Anteil an der strukturellen Gewaltförmigkeit aller modernen Fürsorgepolitik und Fürsorgeerziehung. Ihr Anteil ist die epistemische Gewalt, mit der sie die Grenzen zwischen Normalität und Abweichung ziehen und zwischen wertvollem und minderwertigem Leben unterscheiden. Diese epistemische Gewalt legitimiert und provoziert die strukturelle Gewalt aller staatlichen Erziehung und insbesondere jene der Fürsorgeerziehung. Sie ermöglicht aber auch die exzessive psychische, physische und sexuelle Gewalt konkreter Erzieher/innen an den nackten Körpern der Erzogenen."

Informationen zu Inhalt und Bestellmöglichkeiten.


Forschungsprojekt – abgeschlossen

Geschichte der Tiroler und Vorarlberger Erziehungsheime und Fürsorgeerziehungsregime der 2. Republik. Quellenstudium und Entwicklung von Forschungsfragen


Das auf acht Monate ausgelegte und von den Ländern Tirol und Vorarlberg geförderte Forschungsprojekt erarbeitete im Anschluss an die ersten erschienenen Arbeiten zu erzieherischer und sexueller Gewalt in lokalen Erziehungsheimen auf dem Hintergrund der verfüglichen und zu großen Teilen erst zu hebenden Quellen ein Design zur Erfor-schung der Tiroler und Vorarlberger Heimgeschichte erarbeiten und stellte die Ergebnisse in einer internationalen Forschungskonferenz zur Diskussion. Der ausführliche Bericht samt Vorschlägen wurde an die Landesregierungen zurückgeben, mit dem Ziel in Phase zwei - der Ausschreibung und Umsetzung der Forschungsvorschläge - einzutreten. Forschungsleitend waren bereits in der Erhebungsphase u.a. folgende Perspektiven: Erarbeitung der Fürsorgeerziehung als Vor- und Früh- geschichte der Sozialpädagogik und damit als Geschichte mit der sich eine geschichtssensible Erziehungswissenschaft zu beschäftigen hat, als Teil einer Gewaltgeschichte der Pädagogik der langen 1950-er Jahre, als normalisierende Intervention in die Erziehungspraxen der unteren Klassen, als Geschlechtergeschichte der frühen erzieherischen Hilfen, als kritische Institutionen- und Sozialregimegeschichte im mediko-pädagogischen Feld früher (stets auch geschlechterdifferenzierender) Diagnosebildungen von "Verwahrlosung", "Verderbung"  und „Devianz“ etc.

Projektleitung: Michaela Ralser
Projektmitarbeiterinnen: Dr. Anneliese Bechter, Mag. Flavia Guerrini

Zur Onlineversion des Berichts gelangen sie hier. Eine redaktionell überarbeitete und aktualisierte Version der Vorstudie ist im Juni 2014 in Buchform erschienen. Informationen zu Inhalt und Bestellmöglichkeiten finden Sie auf der Seite des Innsbrucker Universitätsverlages.

Heimgeschichte

Das Forschungsteam: Flavia Guerrini, Michaela Ralser, Anneliese Bechter
(von links)


Forschungsprojekte - in Bearbeitung

Mobilität unter den Bedingungen globaler Prekarisierung. Mikrokosmen sozialer Ent-Sicherung an der Schnittstelle zwischen den Mobilen auf hohem und den Mobilen auf niedrigem Niveau.

Cover Konglomerationen

Das Projekt wurde in Kooperation mit Studierenden und im Rahmen des Forschungszusammenhangs Konglomerationen – Alltagspraktiken subjektiver Absicherung, Institut für Erziehungswissenschaften (gem. mit  Helga Peskoller, Bernhard Rathmayr, Maria A. Wolf), realisiert. Die Ergebnisse werden in einer 10-bändigen Reihe zum Thema im Transcriptverlag publiziert.

Band 1 und 2 sind bereits erschienen: Maria A. Wolf, Bernhard Rathmayr, Helga Peskoller (Hg.) Konglomerationen – Produktion von Sicherheiten im Alltag. Theorien und Forschungsskizzen; transcript, 2009. Bernhard Rathmayr:  Selbstzwang und Selbstverwirklichung. Bausteine zu einer historischen Anthropologie der abendländischen Menschen, transcirpt, 2011.

Verlagsansicht: http://www.transcript-verlag.de/ts1093/ts1093.php

Teilprojekt in Antragsphase

abstract Teilprojekt Ralser: Gefragt werden soll nach den Mobilitätsvoraussetzungen, -bedingungen und -erfahrungen von Personen im Rahmen der ökonomischen Globalisierung an der Schnittstelle zwischen denen, die den "Globus bewohnen" (im Sinne einer doppelten Verfügung über das Gut Mobilität als ‚Mobile auf hohem Niveau’ und als ausgezeichnete ‚NutzerInnen’ der prekär Mobilen) und denen, die auf der Flucht vor und im Schatten der ökonomischen Globalisierung sich aus Existenzgründen auf eine ganz anders geartete Mobilität einlassen, respektive einzulassen haben (im Sinne eines teil-, prekär oder nicht gesicherten Zugangs zu Mobilität, einer geringen Verfügung über ihre Bedingungen, gleichzeitig aber höchst mobil, auf unterem Niveau). Mit dem Lehrforschungsprojekt ist beabsichtigt, so wie es auch für die Gesamtstudie Konglomerationen in Aussicht genommen ist, Zeugnisse einer ‚zweiten Empirie’ nachzuliefern, die im bezeichneten Fall das Konzept einer „mobilen Gesellschaft“ unter Berücksichtigung der meisten ihrer Mitglieder neu bestimmt und ausarbeitet. Eben dasselbe soll auch für die aktuellen Befunde eines psychischen Strukturwandels (Stichworte: mobiles, nomadisches, hybrides und flexibles Selbst) unternommen werden, mit dem Ziel, ihre Gültigkeit einschließlich ihrer Repräsentativität empirisch nachzuarbeiten.

 


Teamforschungsprojekt (Interreg IV) – abgeschlossen

(Leitungsgruppe)

Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im  historischen Raum Tirol – Südtirol von 1830 bis zur Gegenwart.

Projektleitung gem. mit Elisabeth Dietrich-Daum, Maria Heidegger, Hermann Kuprian

Cover_Ich lasse mich nicht

Ein vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstütztes Gemeinschaftsprojekt der Institute für Geschichte und Ethnologie sowie des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck mit dem Südtiroler Landesarchiv und dem Verein Geschichte und Region sowie als assoziierten Partnern u.a. die Universität Trient und das Museo Storico di Trento.
Laufzeit 2009 – 2011.
abstract: Erstes und allgemeinstes Ziel des Projekts war die Beschreibung und der Vergleich der historischen und aktuellen Systeme in der Versorgung, Betreuung und Begleitung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung im geografischen Raum Tirol-Südtirol. Der Fokus auf die Geschichte erfolgte im begründeten Wissen um deren spezifische Gegenwärtigkeit in der aktuellen psychiatrischen Landschaft der beiden Länder ebenso wie im Alltagsbewußtsein ihrer BewohnerInnen. Das Projekt erarbeitete ein solides und für eine breite Öffentlichkeit zugängliches Wissen um die geschichtliche und aktuelle Dimension der Psychiatrie und stellte es zur Verfügung. In fünf teils parallel, teils aufeinander aufbauenden Entwicklungsschritten wurde ein Dokumentations-, Forschungs- und Lernort zur regionalen Psychiatriegeschichte konzipiert und angebahnt, eine umfassende Online-Dokumentation zu Lehr- und Forschungszwecken erstellt, eine länderübergreifende Publikation zum Thema redigiert, ein eigenes Didaktiktool für sozialmedizinische Berufe entwickelt sowie eine mehrsprachige Wanderausstellung kuratiert.

zur Projekthomepage: http://www.psychiatrische-landschaften.net/

 

Einzelforschung – abgeschlossen

Die Klage des Subjekts.

Cover_Subjekt_der_Normalitaet

Projekt des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung FWF (H193-G04). Die Ergebnisse wurden als Habilitationsschrift im Fach Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck eingereicht. Im Herbst 2010 erschien das Buch zur Arbeit im Wilhelm-Fink Verlag.

abstract: Am Beispiel der „neuen Nervenkrankheiten“ um 1900 werden die historisch spezifischen „Signaturen des geschlechtlichen Körpers“ und die historisch spezifischen „Grammatiken der Seele“ erarbeitet und ihre Wirkkraft auf das 20. Jahrhundert untersucht. Dies mit dem Ziel, die Diagnose eines psychischen Strukturwandels des modernen Individuums historisch zu fundieren und zu validieren: im Sinne eines „Framing Desease“ die Variablen und Vektoren in der Beurteilung der Kulturanhängigkeit der Konzepte von Krankheit und Gesundheit, Normalität und Pathologie zu ermitteln und schließlich im Sinne eines „Explaining Epidemics“ die Hauptakteure in der „Fabrikation psychischer Epidemien“, respektive kollektiver, zeitspezifischer Krankheitsphänomene bezogen auf die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert und darüber hinaus zu erarbeiten.

Michaela Ralser: Das Subjekt der Normalität. Wissensarchiv der Psychiatrie. Kulturen der Krankheit um 1900, Wilhelm-Fink-Verlag, München, 2010.

Verlagsansicht: http://www.fink.de/978-3-7705-4980-1.html





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