Auslandsaufenthalt an der University of Alberta in Edmonton, Kanada
 

WS 2015 - SS 2016, von Katharina Gröbner


Edmonton ist eine typisch nordamerikanische Stadt mit Vororten, Shopping districts und Downtown. Trotz all dieser Eigenschaften ist Edmonton meiner Meinung nach eine lebenswerte Stadt. Die Universität ist umgeben von kleinen Häusern mit Gärten, womit Edmonton sehr grün wirkt. Auch das berühmtberüchtigte River Valley trägt dazu bei, dass man in Edmonton Natur findet. Wie jede Stadt in Nordamerika ist Edmonton eine Auto-orientierte Stadt deren Angebot an öffentliche Verkehrsmittel limitiert ist. Der große Vorteil ist, dass man als Student eine Jahreskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel umsonst erhält. Ansonsten kann man in Edmonton alles sehr leicht mit dem Fahrrad erreichen, was auch ich immer gemacht habe. Auch das Angebot an Bars und Restaurants ist sehr gut. Man kann vom veganen Curry bis Bison-Stake alles bekommen und vor allem gehen die Kanadier auch gerne einmal aus. Entlang der White Avenue befinden sich sehr viele Bars und Clubs, die an fast jedem Wochentag ein „special offer“ haben und somit gut besucht sind. Supermärkte, im Gegensatz zu Innsbruck, befinden sich immer außerhalb der Stadt und nur kleinere, teurere Supermärkte sind in der Nähe der Universität. Das bedeutet man benötigt entweder ein Fahrrad, oder man macht jede Woche einen großen Einkauf mit dem Bus oder dem Auto. Edmonton ist ca. eine 4-5 stündige Autofahrt von den Rockies entfernt. Man gewöhnt sich an diese Fahrtzeiten ziemlich schnell, da Kanada einfach ein so großes Land ist.


Wohnen
Ich habe mir auf rentingspaces.com (eine andere Website wäre kijiji.ca) bevor ich nach Edmonton gefahren bin online eine Wohnung gesucht. Ich wohnte in einem Haus mit Garten und 7 Mitbewohnern. Das bedeutet ich habe von Anfang an Englisch reden müssen, da ich nur mit Kanadiern zusammengelebt habe. Man muss im Allgemeinen mit einer Miete zwischen 480 - 560 CAD rechnen. Ich würde es nicht empfehlen in einem Studentenheim zu leben, da diese sehr teuer sind, teilweise (wie z.B. HUB) sehr laut sind, man seine ganze Zeit nur auf dem Campus verbringt und man nur mit internationalen Studenten zusammenlebt.


Freizeit
Das Freizeitangebot an der University of Alberta ist ein Wahnsinn und nicht zu vergleichen mit dem an der Universität Innsbruck. Durch das Austauschprogramm werden für alle Austauschstudenten sogenannte „Recreational fees“ bezahlt, womit man gratis ins Fitnessstudio, Schwimmen, Klettern, Bouldern etc. gehen kann. Auch im Vergleich zur USI werden viel mehr Kurse (die man bezahlen muss) angeboten. Für Leute die gerne draußen was machen, ist der Outdoors Club zu empfehlen, da dieser, von Studenten geführt, fast jedes Wochenende einen Ausflug in die Rockies organisiert. Aber es gibt eigentlich für jeden den richtigen Club an der U of A: zum Beispiel Scuba Diving, Frisbee, Ski fahren, Snowboarden etc. Für alle die gerne Ski fahren, man sollte unbedingt seine eigenen Ski mitnehmen (z.B. Skisack ist gratis bei Island Air als Gepäcksstück dabei), da man dadurch viel flexibler ist und viel Geld spart. Nur das Ski fahren in Skigebieten ist recht teuer und man zahlt für einen Tag ca. 100 CAD. Auch für Nicht-Outdoor-Verrückte gibt es ein umfangreiches Angebot an Aktivitäten: Theater, Konzerte und auch viele interessante Vorträge an der Universität.


Universität
Der Campus der U of A ist wunderschön und ein typisch amerikanischer Campus. Alle Gebäude und Fakultäten sind binnen 10 Minuten erreichbar und meistens mit Gängen miteinander verknüpft. Eine Sache, die mir wichtig war, ist, dass man in der ersten Woche eine Einführungswoche durch das „International Office“ hat und dort einem alle Fragen beantwortet werden.
Ich habe als Masterstudent an der Geologie (Department of Earth and Atmospheric Science) jedes Semester 3 Kurse (500+ Kurse) belegt. Jeder Kurs für Masterstudenten an der Geologie ist immer gemeinsam mit einem Kurs für Bachelorstudenten. Das bedeutet, dass man Vorlesungen und Prüfungen mit Bachelorstudenten zusammen hat, jedoch als Masterstudent zusätzliche Aufgaben, wie Poster, Präsentationen etc. abgeben oder halten muss. Ich finde dieses System sehr gut, da man sich mit einem Fach viel intensiver auseinander setzen kann und fast in jedem Kurs wöchentlich Hausaufgaben hat. Natürlich bedeutet das mehr Arbeit, jedoch bekommt man für alles Noten und schlussendlich ist die Abschlussprüfung (die zwischen 2 und 3 Stunden lang ist) nur mehr 30% der Gesamtnote und somit hängt die Endnote von der Leistung im gesamten Jahr ab und nicht nur von 3 Stunden. Die Studienkollegen waren extrem hilfsbereit und auch der Umgang zwischen Professoren und Studenten ist viel persönlicher und respektvoller. Es war gar kein Problem alle Kurse auf Englisch zu nehmen, da man extrem schnell in die Sprache hineinkommt und jeder Professor versteht dass man Austauschstudent ist. Was ich jedem empfehlen würde, ist eine „directed oder independent study“. Das bedeutet, dass man direkt mit einem Professor an einem Projekt arbeitet und danach ein „paper“ darüber schreibt. Es ist viel Arbeit, im Umfang wie eine kleine Bachelorarbeit, aber man lernt extrem viel davon.


Fazit
Das Jahr in Kanada und in Edmonton war eine unglaubliche Bereicherung und ich würde es sofort wieder machen. Das Studium war arbeitsintensiv, aber extrem interessant. Das Land an sich ist wunderschön und als Austauschstudent hat man auch genug Zeit zum Reisen. Die Kanadier sind herzensgute, freundliche und offene Menschen und ich habe dort sehr viele Freunde gefunden. Also sollte jeder die Chance nutzen, die man durch das Canada Zentrum bekommt, und ein Jahr in Edmonton an der University of Alberta studieren.