Erfahrungsbericht – Montreal 2015

Montreal war eine unglaubliche Erfahrung – andere Leute, eine andere Kultur, eine andere Sprache, ein ganz anderes Leben. Der Einstig in diese neue Erfahrung hat reibungslos geklappt, wofür vor allem die Université de Montréal verantwortlich war. Durch die Einführungstage zu Beginn des Studiums wurden alle Fragen bezüglich administrativer Angelegenheiten, Campusgelände, Unileben, etc. geklärt. Und wenn doch noch ein oder zwei Fragen offen waren, traf man auf sehr freundliche Menschen, die einem breitwillig weiterhalfen. Diese Hilfsbereitschaft und Offenheit ist generell überall in Montreal anzutreffen, sei es in den Kursen bei den Professoren, im Bus bei den Passagieren, oder im Supermarkt bei den Verkäufern – das Bild das man von den höflichen und liebenswerten Montrealern hat, trifft also wirklich zu.

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Die Erfahrungen auf der Uni waren sehr spannend. Die Kurse, die ich gewählt habe, betrafen vor allem die Geschichte und die zeitgenössische Literatur Kanadas. Dadurch bekam ich einen sehr guten Eindruck von der Kultur und durfte als zeitweise Einwohnerin von Montreal Teil davon sein. Die Professoren waren sehr bemüht die Kurse interaktiv zu gestalten und daher waren Diskussionen und Meldungen von StudentInnen immer dabei. Zwei Lehrveranstaltungen waren in Englisch, die anderen zwei in Französisch, was für mich als zukünftige Lehrerin dieser zwei Sprachen eine perfekte Kombination war. Außerdem war eines meiner größten Anliegen meine Sprachkenntnisse in Französisch zu verbessern, wofür ich wirklich die besten Voraussetzungen hatte, da ich durch französische, schweizerische und kanadische Kontakte fast ausschließlich Französisch sprach. Es dauerte sogar fast einen Monat bis ich jemand kennenlernte, der Deutsch sprach – was im Ausland oft eine Seltenheit ist, da man sehr oft auf Leute mit der gleichen Muttersprache trifft. Durch mein Volleyballteam, auf welches ich durch die Universität gestoßen bin, hatte ich sogar sehr viel mit „waschechten“ Montrealern zu tun, die auch richtig gute Freunde geworden sind. Obwohl ich zu Beginn Mühe hatte das ganze Team zu verstehen, da der kanadische Akzent dort schon sehr zu spüren war, fiel mir das Verstehen mit der Zeit immer leichter bis man mir sogar am Ende mitteilte, dass ich selber diesen Akzent etwas angenommen hatte. Ähnlich war es mit meinem Theaterkurs, den ich beim centre culturel der Udem absolviert habe. Auf jeden Fall war es sehr spannend diese Sprachvarietäten mitzuerleben, vor allem weil die Sprachpolitik beziehungsweises die Stellung des Französischen doch noch ein sehr heikles Thema in Quebec ist.

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Was mir außerdem einfach sehr an diesem halben Jahr in Montreal gefallen hat, war das unglaublich vielfältige kulturelle Angebot, sowie kosmopolitische Atmosphäre dieser Stadt an sich. Sei es Theater, Kino, Museen, botanische Gärten, Vergnügungsparks, Festivals, Einkaufsstraßen oder kulinarische Vielfalt, in Montreal findet man wirklich alles. Und das Beste ist einfach, dass alles zweisprachig abläuft. Obwohl vorwiegend Französisch gesprochen wird, kann man sich auch problemlos mit Englisch durchschlagen. Sogar der typische Montrealer verwendet ab und zu ein englisches Wort in seinen französischen Sätzen – wenn das nicht sympathisch ist!?

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Die Erfahrung, die ich in diesem halben Jahr gemacht habe, war also in jeglicher Hinsicht, sei es beruflich oder persönlich, unglaublich bereichernd. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit zu einem solchen Austausch ergreifen durfte.

 


 

Erfahrungsbericht über das Auslandssemester an der Université de Montréal (UdeM)


Zeitraum: Herbsttrimester 2014 (September – Dezember)
Ort : Montréal (Québec, Kanada)
Name : Andrea Krotthammer
Email: Andrea.Krotthammer@student.uibk.ac.at

Organisation des Austausches: einzelne Schritte

Meine Bewerbung wurde vom Kanadazentrum1 in Innsbruck abgewickelt und lief über das Austauschprogramm der CREPUQ. Mit diesem Programm kann ein Austausch an verschiedenen Universitäten in der kanadischen Provinz Québec unternommen werden. Die meisten der Unis sind französischsprachig, darunter die Université de Montréal, an der ich studiert habe. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, an englischsprachigen Unis zu studieren, am bekanntesten dabei (und mit dem besten Ruf) in Montréal ist die McGill University. Für die CREPUQ-Bewerbung müssen 2 oder 3 Unis (2 mindestens, die dritte wäre fakultativ) angegeben werden, an denen man den Austausch machen möchte, je nach Priorität gereiht. Dabei schließen sich bei der Bewerbung schon einige Unis aus – d.h., dass manche Unis ihre Bewerber/innen nur in Betracht ziehen, wenn sie die Uni an erster Stelle genannt haben. Die erste wichtige Frage, die man sich stellen sollte, ist also : An welcher Uni bzw. in welcher Stadt möchte ich gerne studieren? Dabei sollte man auch gleich eine zweite Frage für sich selbst beantworten: was ist mir wichtiger – die Uni und deren Programm oder die Stadt und deren kulturelle Angebote? Mir selbst war die Stadt unwichtig – die Wahl des Ziellandes für den Austausch habe ich rational getroffen : Ich selbst habe mich für Montréal entschieden, weil dort die Autorin lebt, über die ich meine Masterarbeit schrieb und die ich vor Ort interviewen konnte. Die Wahl der Uni habe ich dann nach den angebotenen Studiengängen / Kursen ausgewählt, in Hinblick darauf, welche Kurse dabei in meinem Studium in Innsbruck (Master Französisch, Lehramt Deutsch/Französisch) angerechnet werden könnten. Da die UdeM die einzige Uni in Montréal war mit einem eigenen Studiengang in Deutsch (Bachelor und Master) – und nicht nur Deutsch-Sprachkurse – und ich einen Kurs für mein Deutschstudium belegen wollte, habe ich mich für diese Uni entschieden. Unter den Unis, die die CREPUQ noch anbietet, kann ich die Université du Québec à Montréal (UQAM) noch wärmstens empfehlen – sie hat den Ruf, im Vergleich zur etwas ‚klassisch‘ angehauchten UdeM etwas ‚moderner‘ und ‚experimentierfreudiger‘ zu sein, was die Studiengänge und Kursauswahl anbelangt. Außerdem liegt sie, nicht unweit der McGill University, mitten im Zentrum Montréals, das heißt sogar im Herzen der Stadt: am Place des Arts, wo sich auch das Musée d‘art contemporain befindet sowie das Quartier des spectacles (also sämtliche Theaterhäuser, Kinos etc.). Wer es lieber ruhiger mag – so wie ich –, dem ist die Université de Montréal absolut ans Herz zu legen: Sie liegt etwas außerhalb und wird vom Zentrum durch den großen Parc Montroyal getrennt. Zurück zur Bewerbung an der CREPUQ: im Onlineformular, das ausgefüllt werden muss, müssen neben den üblichen persönlichen Daten und der Reihung der ausgewählten Unis auch das Studienprogramm und die Kurse (aus diesem Studienprogramm) angegeben werden, die man belegen möchte. Wichtig hierbei: nicht alle Programme sind für ausländische Studierende zugänglich und unter jenen Programmen, die es sind, können zusätzliche Aufnahmekriterien bestehen – wie z.B. das Sprachniveau. Ich musste zum Beispiel auf das Programm Maîtrise en littérature comparée ausweichen, da das Département de littérature comparée ein niedrigeres Sprachniveau verlangte als das Département des littératures de langue française C2-Niveau forderte (und wenn man nicht gerade das Glück im Leben hatte, zweisprachig aufgewachsen zu sein bzw. die Zeit und das Geld hatte, längere Auslandsaufenthalte zu machen, sondern sich Französisch brav jahrelang durch Schule und Uni aneignen musste, ist C2-Niveau fast unmöglich – und ich bin keine schlechte Studentin). Das Ausfüllen des Onlineformulars der CREPUQ ist übrigens erst mittels eines CODES möglich. Diesen erhält der Studierende über den Partnerprofessor / die Partnerprofessorin der CREPUQ im jeweiligen Heimatland. In Innsbruck ist das Frau Univ. Prof. Ursula Moser. Nach dem Ausfüllen dieses Bewerbungsformulars auf der CREPUQ-Homepage, erfolgt die schriftliche Bewerbung per Post an die erstgereihte Uni: Was in diese Bewerbungsmappe alles hineinkommt, führt die CREPUQ Schritt für Schritt und wirklich idiotensicher auf ihrer Homepage an:

http://echanges-etudiants.crepuq.qc.ca/ > unter dem Punkt : « Étudiants inscrits dans un établissement universitaire hors Québec » > « Demande de participation » > Punkt « Choix de l’établissement d’accueil »

Was die Anzahl der Kurse anbelangt : Die CREPUQ schlägt auf derselben Seite 4-5 Kurse pro Semester vor. Die jeweilige Uni hat dann aber eigene Richtlinien – an der UdeM lauten die:

Für ‘unsere’ BA-Studiengänge (bzw. 1. Abschnitt) :
« Au premier cycle, cela correspond à un minimum de 12 crédits et à un maximum de 15 crédits de cours par session. Un crédit équivaut à 15 heures en salle de cours; la plupart des cours sont de 3 crédits (3 heures par semaine * 15 semaines). Pour les étudiants européens, au premier cycle, 1 crédit UdeM équivaut à 2 crédits ECTS. »2

Wenn die CREPUQ also Pi mal Daumen 4-5 Kurse vorschlägt, richtet sie sich vor allem an BA-Studierende – also Studierende des ‘premier cycle’ (jene, die noch keinen vorhergehenden Universitätsabschluss haben). Ist man, so wie ich, Masterstudent, befindet man sich bereits im ‚deuxième cycle‘ und hier gelten andere Richtlinien:

« Aux deuxième et troisième cycles, l'étudiant doit être inscrit à un minimum de 6 crédits et à un maximum 9 crédits de cours ou de recherche par session. Un cours de cycle supérieur de 3 crédits UdeM a une équivalence de 8 à 10 crédits ECTS. »3

Ich selbst war in 3 Kursen eingeschrieben (also 9 crédits), wobei ich zwei Kurse am Département de littérature comparée absolviert habe (2 Seminare) und einen extrakurrikularen Kurs am Département de littératures et de langues modernes (einen Übersetzungskurs Deutsch-Französisch für mein Lehramt Französisch-Studium). Wichtig hierbei: Es darf maximal 1 extrakurrikularer Kurs gewählt werden – extrakurrikular bedeutet, dass dieser eine Kurs aus dem Rahmen des regulären Curriculums, also Studienplans, für das man sich beworben hat, fällt (in meinem Fall: Maîtrise en littérature comparée) und in einem Programm eines anderen Départements gewählt wurde. Wichtig ist auch noch: Kurse aus dem premier cycle sind in der Regel weniger arbeitsintensiv als Kurse aus dem deuxième cycle. Selbst wenn ‚wir‘ Innsbrucker Studierende es gewöhnt sind, 10 oder mehr Kurse pro Semester (mehr oder weniger gezwungenermaßen) zu belegen, ‚drüben‘ sind 2-3 Kurse im Master / Doktorat bzw. 4-5 Kurse im Bachelor die Norm. Aber nicht zu früh freuen: Was die Arbeitsbelastung anbelangt, decken 3 Kurse absolut die 10 Kurse ab, die ihr üblicherweise in Innsbruck gemacht habt. Wenn ihr neben der Uni noch etwas (bitte auch hier nicht zu viel erwarten) Freizeit haben wollt, dann gleich von Anfang an 2 statt 3 Kursen belegen!

Was noch gesagt werden sollte: Mit der Université de Montréal hat die Uni Innsbruck ein Partnerschaftsabkommen – der Austausch zwischen Studierenden ist hier schon ein Schritt leichter.

Ansonsten: Beim Erstellen der Bewerbungsmappe sollte die Liste der erforderlichen Dokumente, die die CREPUQ auf ihrer Homepage anführt, unbedingt noch mit jener auf der Homepage der Uni abgeglichen werden. Es kann sein, dass die jeweilige Uni noch zusätzliche Dokumente haben will. Der Link aus Fußnote 2 führt auch zur Liste, die die UdeM für ihre Austauschstudierende erstellt hat. Die UdeM verlangt z.B. auch einen Nachweis über die Französischkenntnisse. Studiert man ohnehin Französisch (bzw. auch hier: hatte man das Glück, Französisch in irgendeiner Form als Muttersprache in die Wiege gelegt bekommen zu haben), muss kein Aufnahmetest absolviert werden. Ich selbst bin auf Nummer sicher gegangen und habe eine der Lehrpersonen der Sprachkurse in Französisch gebeten, mir ein Attest auszustellen, das ich dann der Bewerbung beigelegt habe.

Der Bewerbungsbogen sollte dann spätestens bis April in Kanada angekommen sein. Die Einreichfristen befinden sich auch auf dem obigen Link der UdeM aus Fußnote 2:

Session d’automne (sept. – déc.) / année académique complète (sept. – avril) : avant le 1er avril / 1er mai
Session d’hiver (janvier – avril) : jusqu’au 1er septembre
Dossiers CREPUQ (pour toutes les sessions) : avant le 1er avril

Wie lange braucht man, um sämtliche Dokumente für die Bewerbung zusammen zu haben?

So viel Aufwand ist es nicht. Manche träume tatsächlich schon Jahre im Voraus von diesem Austausch, bereiten sich monatelang – wenn nicht sogar ein ganzes Jahr – darauf vor … Ich selbst wusste bis Ende 2013 noch nicht einmal, DASS ich dorthin fahren würde und habe die Bewerbung dann bis März 2014 relativ spontan über die Bühne gebracht. Anfang März wurde die Bewerbungsmappe dann abgeschickt. Die Aufnahmebestätigung habe ich dann schon relativ früh erhalten – Ende April. Sobald dann das offizielle OK der Uni gekommen ist, empfiehlt es sich, mit der Wohnungssuche bzw. der Suche nach einem möglichst billigen Flug zu beginnen.

Einreise & Visum
Im Flugzeug muss ein Formular4 ausgefüllt werden, auf dem unter anderem die Anzahl der Tage angegeben werden müssen, die dem geplanten Aufenthalt in Kanada entsprechen. Die Fragen auf dem ‚déclarations‘-Formular am besten alle mit ‚Nein‘ ankreuzen (Führen Sie Waffen ein? etc.). Nach der Ankunft am Flughafen reicht es, dem Beamten lediglich zu sagen, dass man aus Studienzwecken weniger als ein halbes Jahr in Kanada bleiben wird – hier die Aufnahmebestätigung, die man von der Uni erhalten hat, herzeigen – Pass wird dann gestempelt. Diejenigen, die länger als 6 Monate bleiben, müssen sich um ein Visum kümmern. Das Formular, das man im Flugzeug ausfüllen musste, wird dann in einem zweiten Schritt abgegeben. Hat man alle Fragen mit ‚Nein‘ beantwortet, ist die Grenzkontrolle damit beendet.

Erste Schritte nach der Ankunft

Schritt 1: Ankunft in Montréal : Die meisten Flüge kommen am International Airport Pierre-Elliott-Trudeau. Direkt vor dem Flughafen fährt der Shuttle-Bus 7475 im Minutentakt. Ein Ticket dafür kann entweder an einem der Automaten direkt am Flughafen (bar oder mit Karte) gekauft werden oder direkt im Bus (hier nur bar und in Münzen) – 10 Dollar. Der Shuttle-Bus fährt in die Innenstadt – gute Anschlussmöglichkeiten zu den Metrolinien gibt es bei den Stops Lionel-Groulx und Berri UQAM.

Schritt 2: die ersten Tage nach der Ankunft :

  • Ehestmöglich nach der Anreise zur Uni, um sich offiziell zu inskribieren. Das erfolgt einerseits direkt am Département, in dem man studieren wird und andererseits beim BEI (Bureau des étudiants internationaux).
  • Was das Département anbelangt, standen auf einem der Dokumente, die die UdeM mir zuschickte, genau die Namen und Adressen der Personen, bei denen ich mich melden musste. Zum einen ist das ein conseiller pédagogique (den sollte man bereits vorher per Mail kontaktieren, um die Kurswahl zu besprechen – die ‚Besprechung‘ limitierte sich in meinem Fall darauf, dass mein conseiller pédagogique meine Kurse einfach absegnete, ohne mich groß zu beraten, da sie selbst im Stress war) und Nathalie Beaufay, eine der beiden Sekretärinnen vom Département de littérature comparée – bei ihr schreibt man sich vor Ort offiziell in die Kurse ein. Das sollte in einem ersten Schritt unbedingt erledigt werden – der Studentenausweis kann nämlich erst erstellt werden, wenn die Inskription länger als 24h zurück liegt. Das Département de littérature comparée (sowie die meisten Institute der GEIWI und Sprachenstudien) befindet sich im Pavillon Lionel-Groulx.
  • Dann sollte man sich im BEI melden. Das befindet sich im Pavillon J. – A. De Sève. Nähere Informationen hierzu auf deren Homepage: http://www.bei.umontreal.ca/bei/completer_dossier.htm . Das BEI befindet sich im dritten Stock des Gebäudes – wie überall muss eine Nummer gezogen werden und das heißt es : warten, warten, warten …. Die Mitarbeiter (wahnsinnig freundlich) machen dann eine Kopie vom Reisepass (wo der Einreisestempel drin ist) und damit ist die Akte quasi komplettiert.
  • Danach folgen weitere administrative Schritte:
  • Studentenausweis – dazu einfach sich in die Schlangen im Pavillon Jean-Brillant im ersten Stock einordnen. Es ist absolut unmöglich, das nicht zu finden, es gibt in den ersten Wochen sogar MitarbeiterInnen der Uni, die als Art ‚Einweiser‘ die Studenten in die richtigen Warteschlangen führen. Bitte nicht abschrecken lassen: die Warteschlangen umfassen teilweise die gesamte Flurlänge (das Pavillon ist groß!), die Wartezeit hält sich dafür aber relativ in Grenzen. Der Studentenausweis ist übrigens mit 2 Dollar aufgeladen – die können zum Ausdrucken in der Bibliothek (das Gebäude hinter Lionel-Groulx und Jean-Brillant) verwendet werden. Der Studentenausweis ist übrigens nicht nur dahingehend multifunktional: Es bildet auch die ‚Eintrittskarte‘ zum Sportcentrum CEPSUM.
  • Carte OPUS – Zu Beginn jedes Semesters macht die STM – die ‚IVB‘-Montréals – in den Unis Halt. Dort – ebenfalls im Pavillon Jean-Brillant (zweite Schlange neben jener für die Studentenausweise) kann die OPUS-Karte angefertigt werden – die kostet 14 Dollar. Die Karte kann dann an einer der STM-Automaten in den Metrostationen aufgeladen werden. Wer eine solche OPUS-Karte besitzt, erhält ermäßigte Fahrten bzw. kann sie mit einem 4-Monats-Semesterticket aufladen (180 Dollar). Damit könnten sämtliche Bus- und Metrolinien in der Kernzone jederzeit benützt werden. Die Karte gilt ab dem ersten Tag des ersten Monats bis zum letzten Tag des letzten Monats. Nähere Informationen hierzu auf der Homepage der STM:
    http://www.stm.info/fr/infos/titres-et-tarifs/carte-opus-et-autres-supports/carte-opus
  • Zu Beginn des Semesters finden allgemeine Einführungsveranstaltungen für die Erstsemestrigen und spezielle Veranstaltungen für ausländische Studierende statt. An einer der Einführungsveranstaltungen muss teilgenommen werden, der Rest ist nicht Pflicht. Zur Auswahl stehen u.a. : Stadtführungen, Vorlesungen zur Geschichte, Sprache, Politik Québecs etc.

Schritt 3: sonstige administrative Schritte im Laufe des Semesters:

  • Im Laufe der ersten Semesterwochen erscheint im Centre Étudiant die Rechnung für die Krankenversicherung, die auch die Austauschstudierenden zahlen müssen, die von den üblichen Studiengebühren befreit sind. Das Centre Étudiant ist das Portal, das unserem LFU entspricht und in das man sich über die Zugangsdaten, die die Uni einem per Mail zugeschickt hat, einloggen kann). Zugang über die Homepage der UdeM: rechts oben in der Leiste unter dem Punkt „Mon UdeM“ und hier „Mon portail UdeM“. Was die Krankenversicherung anbelangt: Sie beträgt 332 Dollar und kann nur über eine kanadische Bank bezahlt werden – d.h. keine Auslandsüberweisung und auch keine Kreditkartenzahlung. Wer lediglich ein Semester in Kanada bleibt und über kein kanadisches Konto verfügt (für den Zeitraum lohnt es sich wirklich nicht, ein kanadisches Konto zu eröffnen), fragt in dem Fall einfach einen kanadischen Mitstudenten oder Mitbewohner, ob er die Transaktion übernimmt (dafür muss lediglich die Matrikelnummer angegeben werden) und gibt dieser netten Person das Geld in bar.
  • Ein bis zwei Monate nach der Inskription kann man sich (erst) seine Krankenversicherungskarte beim BEI abholen. Das BEI übergibt einem dabei nicht nur die Versicherungskarte, sondern auch mehrere Informationsbroschüren sowie eine Liste der Vertragsärzte (wie bei uns BVA bzw. TGKK …). Am einfachsten ist es aber, sich an das Uni-Krankenhaus direkt am Unicampus (Boulevard Édouard-Montpetit, gegenüber des CEPSUM) zu wenden. Achtung : Einiges deckt die Krankenversicherung nicht ab – z.B. Zahnarztbesuche.

Schritt 4: vor der Abreise:

  • Vor der Abreise muss eigentlich nur noch beim BEI die attestation de présence, also die Bestätigung, dass man auch wirklich an der UdeM während dieses Semesters studiert hat, anfordern und abholen.

Das Studiensystem in Québec
1. Das Studienjahr ist in Trimester eingeteilt, und nicht, wie bei uns, in 2 Semester. Allerdings studieren die meisten, so wie wir, nur zwei Semester pro Studienjahr – das dritte Trimester ist – soweit ich das von meinen Studienkollegen mitbekommen habe – für jene, die z.B. einen Kurs nicht geschafft haben und diesen damit ‚aufholen‘ wollen, damit sich ihr Zeitplan nicht verzögert.
2. Pro Semester gibt es – in dem meisten Studiengängen – eine sogenannte ‚semaine de relâche‘ bzw. eher ‚semaine de lecture‘. Der erste Begriff ist insofern ironisch, weil diese LV-freie Woche meistens dazu genützt wird, das Lektürepensum irgendwie doch noch zu bewältigen. Man wird also nicht ‚losgelassen‘ (‚relâche‘), sondern im Gegenteil, eigentlich noch fester als sonst gepackt und zum Arbeiten angespornt.
3. Die Kurse, die ich belegt habe, fanden einmal pro Woche statt – dafür 3 Stunden hintereinander. Jetzt nicht entmutigen lassen: Meistens wird 80 Min. unterrichtet – dann Pause gemacht (20min.) und dann noch einmal etwa 70 weitere Min. Z.B.: Kurs von 13.00-16.00 = 13.00-14.20 (1. Einheit) – Pause – 14.40-15.50 (2. Einheit). 10 Minuten vor dem offiziellen Ende, ist der Kurs eigentlich schon zu Ende, denn die Räume müssen für den nächsten Kurs geräumt werden.
4. Kurse, die wir als ‚Vorlesungen‘ o.Ä. bezeichnen würde – also Kurse mit einer Klausur am Ende des Semesters – haben in Kanada meistens (mindestens) zwei Prüfungen pro Semester. Besser bekannt ist das System in der englischen Bezeichnung ‚mid terms‘ und ‚finals‘. Ich kenne aber auch Studierende, die z.B. 5 Mini-Prüfungen im Semester hatten … Literaturseminare, wie wir sie kennen, laufen allerdings gleich ab wie bei uns: Referat + Abschlussarbeit. Meistens verlangen die Professoren aber, dass die Abschlussarbeit über ein anderes Thema / einen anderen Autor verfasst wird wie im Referat (was man aber auch nicht so streng nehmen muss – in meinen Kursen haben die meisten zumindest über denselben Autor geschrieben und nur die Forschungsfrage etwas abgeändert). Die Abschlussarbeit muss üblicherweise 15 Seiten haben. Im Unterschied zu Innsbruck ist außerdem üblich, dass jeder Professor für seinen Kurs einen ‚Reader‘ zusammenstellt mit den Texten (Artikeln, Ausschnitten aus literarischen Texten), die im Laufe des Semesters für die jeweiligen Einheiten zu lesen sind. Die ‚Reader‘ haben in meinen Kursen jeweils zwischen 20 und 30 Dollar gekostet (im dritten Kurs – der Übersetzungskurs – musste nicht einmal ein Reader gekauft werden). Der Preis lässt den Umfang des Readers erahnen … Dazu kommt in vielen Fällen noch eine bestimmte (große) Anzahl an Werken, die gesamt gelesen werden müssen. Studieren in Kanada heißt : VIEL UND INTENSIV LESEN!
5. Als internationaler Studierender ist man dort keine Seltenheit – Tatsächlich sind sogar jene Studenten, die direkt aus Montréal und Umgebung kommen, fast schon in der Minderheit. Starke Präsenz an lateinamerikanischen Studierenden und natürlich an Franzosen. Da die Literaturseminare, die ich an der Littérature comparée besucht habe, für Master- und Doktoratsstudenten gleichermaßen geöffnet waren bzw. das Institut durch seine interdisziplinäre Ausrichtung für Studierende verschiedenster Richtungen zugänglich ist, gab es in den Kursen eine enorme Diversität, was Erfahrung und Wissen anbelangt. Kurzum: Studieren auf höchstem Niveau, umgeben von Studenten auf höchstem Niveau.
6. Kanadische Studierende zahlen pro Semester ein Vermögen. Wie sie das finanzieren? Entweder sie haben reiche Eltern, arbeiten neben dem Studium (bzw. wechseln ab: 1 Jahr schuften, 1 Jahr studieren …), nehmen einen Studienkredit an der Bank auf oder profitieren von einer der ‚bourses‘ – Stipendien. Die Tatsache, dass wir als Austauschstudierende ein oder zwei Semester GRATIS studieren dürfen – mit denselben exzellenten Studienbedingungen – sollte uns von Anfang an zwei Dinge klar machen. So ein Austausch ist ein Privileg und: Sich während dieses Semesters nicht ins Zeug zu legen, sondern sich auf die faule Haut zu legen und dem Erasmus-Klischee (Party etc.) nachzukommen, zeugt von einem mangelnden Respekt den kanadischen Kollegen gegenüber, die sich diesen Luxus nicht leisten können! Das ist jetzt aber nur meine persönliche Meinung.
7. Dadurch, dass die kanadischen Studierenden so viel Geld für ihre Kurse zahlen müssen, können sie sich auch exzellente (ich übertreibe nicht) Studienbedingungen erwarten – kompetente Professoren, kleinere Gruppen – und sind selbst über die Maßen motiviert (ich habe in den fünf Studienjahren bisher noch nie so motivierte, so belesene, so exzellente Studenten gesehen). Was dabei allerdings auch auffällt: Die kanadischen Studierenden haben ein breitgefächertes Wissen an Theorietexten (Barthes, Foucault, Heidegger etc.) – vor allem an philosophischen Texten. Heidegger scheint zum Beispiel wirklich zur Standardlektüre zu gehören und ein ungefähres Wissen über seine Schriften scheint schon fast vorausgesetzt werden zu können. Ich kann nicht sagen, wie oft Studierende in meinen Kursen an der Littérature comparée Heidegger – einfach so – zitiert haben… Was ich damit sagen will : Jeder, der ein Auslandssemester an dieser Uni anstrebt und Kurse aus dem deuxième cycle wählt, sollte schon in Innsbruck ein ehrliches und besonderes Interesse für die Wissenschaft aufweisen und bereit sein, hart zu arbeiten, um mit den kanadischen Studierenden auch nur annähernd mithalten zu können. Studierenden, die sich in den Literatur- oder Linguistik(pros)eminaren an der Uni Innsbruck schon schwer getan haben bzw. die sich für solche Kurse weniger interessieren, würde ich abraten, derartige Seminare an der UdeM zu belegen. Ich selbst war wirklich keine schlechte Studentin in Innsbruck und auch ich habe einmal mehr an mir selbst gezweifelt.
8. Exzellente Studienbedingungen: Hattet ihr in Innsbruck das Gefühl, die Professoren wollten euch ‚rausprüfen‘, offen oder versteckt, gewollt oder systembedingt, bzw. allen Beteiligten im Kurs sei es egal gewesen, ob ihr studiert oder nicht studiert, was ihr sagt, schreibt, denkt? Kampf um den Studienplatz? … Das mag mein ganz persönlicher Eindruck sein, aber in den Kursen an der UdeM hatte ich zumindest zum ersten Mal während eines ganzen Semesters den Eindruck: wäre ich länger hier geblieben, hätte ich dort studiert, hätte ich mich entfalten können. Kompetente Professoren, motivierte Studenten (auf den ersten Blick für mich schon fast erschreckend motiviert, weil ich schon gar nicht mehr wusste, dass Motivation überhaupt existieren kann, was das überhaupt ist …), Professoren, die, was ihr sagt, schreibt, denkt, für wertvoll erachten (und ich übertreibe auch hier nicht), die euch beim Weiterkommen helfen wollen, die eher mit euch arbeiten, als gegen euch. Es war schon fast surreal.
9. Studienleben am Campus : Der Campus ist so wie man es aus amerikanischen Filmen (über Harvard und co.) kennt: Die Uni ist eigentlich ein ganzes Stadtviertel mit x-Pavillons (deckt 3 ganze Metro-Stationen ab), in denen die verschiedenen Fakultäten angesiedelt sind. Daneben gibt es noch kulturelle Veranstaltungen, z.B. der CinéCampus – dort werden regelmäßige Filme zu billigen Tarifen (4 Dollar) gezeigt in einem echten Kino direkt auf dem Campus, Sportveranstaltungen (die Uni hat eigene Teams – z.B. die Carabins der UdeM – die gegen Teams anderer Universitäten ankämpfen), ein eigenes Sportcenter (CEPSUM – unbedingt ausnützen : für Austauschstudierende ist der Eintritt frei, d.h. sämtliche Sportanlagen – sowie auch die Schwimmhalle (!!) können gratis mitgenützt werden!) und und und … . Das alles erklärt, warum die Identifikation mit und das Zugehörigkeitsgefühl zur Uni stark ausgeprägt sind.

Meine Kurse

Wie oben beschrieben, ist es üblich, im premier cycle 4-5 Kurse zu belegen, im deuxième cycle 2-3 Kurse. Das entspricht etwa dem Arbeitsaufwand von unseren 30 ECTS. Ich selbst habe drei Kurse gewählt. Zwei davon vom Département de littérature comparée, ein extrakurrikularer Kurs am Deutsch-Institut der Uni. Die Kurstitel geben jeweils über das Studienprogramm, aus dem sie stammen, Auskunft (z.B. LCO = Littérature comparée; ALL = Études allemandes).

 

Kursname + Professor Kursbeschreibung + Anforderungen

LCO6540 Séminaire de recherche :

« Témoignages et fictions comparés de la Shoah » - Barbara Agnese – 3 crédits (MA-Kurs)

Professor : Kommt ursprünglich aus Italien, war lange Zeit an der Uni Wien tätig, erst seit einem Jahr in Montréal. Spricht also auch Deutsch und hat mir die Möglichkeit gegeben, die Arbeit auf Deutsch zu verfassen (sonst wäre der Kurs, der natürlich sonst auf Französisch gehalten wurde, nicht für mein Deutschstudium angerechnet worden). Sehr kompetent, absolut sympathisch, sehr hilfsbereit und herzlich. Entspanntes Verhältnis mit den Studenten.

Beschreibung : Besprochen wurden die verschiedenen Berichte und literarische Texte, die von den verschiedenen Generationen nach der Shoah geschrieben wurden, d.h. die erste Generation der ‚témoins‘ (Primo Levi, Jean Améry, Jorge Semprun, Ruth Klüger, Aharon Appelfeld, Imre Kertész, Charlotte Delbo, Robert Antelme, Elie Wiesel, Germaine Tillion), die zweite Generation (Art Spiegelman) und dritte Generation (Jonathan Safran Foer, Daniel Mendelsohn). Entsprach dem, was wir unter einem Literaturseminar verstehen.

Anforderungen : Pro Stunde 2-3 theoretische Artikel zu lesen bzw. ansonsten ein gesamtes Werk. Jeder Student stellte ein literarisches Werk aus der Bibliographie vor (exposé) und schrieb über ein anderes Thema / anderen Autor die Abschlussarbeit (ca. 15 Seiten). Wahlweise konnte statt der Abschlussarbeit (essai thématique) eine kritische Besprechung über einen der Artikel verfasst werden (compte rendu über 6 Seiten). Lektürepensum, so wie im folgenden Kurs, sehr aufwändig. Sehr intensive Beschäftigung mit der Thematik (Holocaust) – fast schon zu viel, wenn man bedenkt, dass das Thema nicht gerade ‚facile à gérer‘ ist.

LCO6840 « Penser la communauté » - Amaryll Chanady – 3 crédits (MA-Kurs)

Professor : Unglaublich kompetent, enormes breitgefächertes Wissen.

Beschreibung : Sehr anspruchsvoller Kurs, der auf den ersten Blick (und auch auf den zweiten) nicht viel mit Literaturwissenschaft in ‘unserem’ Sinn zu tun hat. Wir haben um die 20 Theorieartikel aus den verschiedensten Bereichen (Ethnologie, Soziologie, Philosophie, Geschichtswissenschaften…) gelesen und besprochen, lediglich 2 Auszüge aus literarischen Werken – es ist aber gerade die Interdisziplinarität und der extrem weite Literaturbegriff, die das Département de littérature comparée in Montréal einzigartig macht im Vergleich zur Vergleichenden Literaturwissenschaft in Europa. Im Kurs ging es um verschiedenste Konzeptionen der ‚communauté‘, um die Abgrenzung zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft nach Tönnies, Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte (z.B. Multikulturalismus vs. Assimilation) bzw. deren Anwendbarkeit in der Praxis. Besprochene Autoren: Agamben, Anderson, Buzzati, Choy, Cohen, Delanty, Derrida, Edkins, Esposito, Girard, Harvey, Lash, Leroux, Maffesoli, Nancy, Ollivier, Ramonet, Schnapper, Sloterdijk, Sollors, Tönnies, Young. Die Texte wurden nicht ‚erklärt‘, sondern kritisch betrachtet. In der Einheit wurde also vor allem diskutiert – auf höchstem Niveau.

Anforderungen : Auf jede Stunde mussten aus dem Reader zwei Artikel von jeweils unterschiedlichen Autoren gelesen werden – ca. 60-100 Seiten insgesamt pro Woche. Die Texte waren alle anspruchsvoll (ein Wort: Derrida!), ich bin mehr als einmal an meine Grenzen gestoßen, besonders, da ich in dem Gebiet (Soziologie, Philosophie…) als Französischstudentin nicht eingelesen war. Jeder Student musste einen Text selbst präsentieren (keine Zusammenfassung, sondern eine kritische Besprechung mit Vernetzungen zu anderen Texten und Prüfung auf die Anwendbarkeit des im Text entworfenen communauté-Modells) und eine Abschlussarbeit im Umfang von 15 Seiten schreiben (entweder zu einem anderen Theorietext bzw. zu einem lit. Text). Sehr, sehr anspruchsvoll, sehr arbeitsintensiv. Habe aber aus diesem Kurs dementsprechend viel mitgenommen und viel gelernt (und vor allem gelesen).

ALL2110 Traduction 1 allemand-français – Yannick Brisebois – 3 crédits (Kurs aus dem Bachelorprogramm)

Professor: Ist selbst, neben der Lehrtätigkeit, Übersetzer. Jung und dementsprechend dynamisch, absolut nett und entspannt, überhaupt nicht streng.
Beschreibung : Übersetzungskurs literarischer Texte vom Deutschen ins Französische. Entspricht also in etwa den Übersetzungskursen, die die Romanistik bei uns anbietet, mit dem Unterschied, dass auch Grammatikkapitel durchgenommen werden (Zeiten, Passiv, Adjektiv/Adverb …).

Anforderungen : zwei Klausuren, Übungsblätter, Übersetzungen zur Hausübung sowie eine Übersetzung zu zweit (Textausschnitt aus Bahnwärter Thiel). Absolut machbar, was die Anforderungen anbelangt, allerdings aber etwas mehr Arbeit als in ‚unseren‘ Bachelor-Übersetzungskursen in Innsbruck.


Wohnen

Prinzipiell gibt es, wie immer, zwei Möglichkeiten: auf dem Campus im Studentenheim wohnen („Résidences“), oder außerhalb des Campus in einer WG.

Résidences:
Vorteil: definitiv die billigste Variante – kostet monatlich lediglich 375 Dollar6 + direkt am Campus

Nachteil: von Kollegen, die dort gewohnt haben (und das können jetzt Zufälle sein), weiß ich, dass häufig Warmwasser abgedreht wird für mehrere Stunden bzw. das Wasser insgesamt, die Heizungen funktionieren auch nicht immer. Die Küchen wurden teilweise wochenlang renoviert, sodass nur die Mikrowellen auf den Etagen verwendet werden konnten. Zu den Stoßzeiten (also vor allem abends, wenn jeder mit Familie & Freunden skypt) funktionierte auch das Internet nicht. Was ich sonst noch gehört habe: kaum Kontakt zu den anderen Heimbewohnern und wenn, dann nur innerhalb der eigenen Nationalität / Sprachgemeinschaft (also Deutschsprachige mit Deutschsprachigen etc.). Bettdecken werden nicht zur Verfügung gestellt.

Allgemeine Bemerkung: Die Anmeldefristen für die Heimplätze (die schnell vergeben sind) sind relativ früh – d.h. man müsste sich präventiv, wenn man die Bewerbung ausschickt, schon für einen Heimplatz anmelden, ohne überhaupt die Aufnahmebestätigung der Uni bekommen zu haben. Beginn der Anmeldefristen (siehe Link in Fußnote 6):

  • Für das Herbstsemester: 1. März
  • Für das Wintersemester : Ende November, Anfang Dezember

WG:
Vorteil : Zusammenleben mit verschiedenen Nationalitäten bzw. mit Québecern; eigene Küche, die nur mit den colocs geteilt werden muss und nicht mit sämtlichen Bewohnern des Studentenheims. Ich selbst habe in einer WG mit einer Koreanerin und einer Québecerin gelebt – Es war wirklich eine einzigartige Erfahrung, täglich sowohl Englisch als auch Französisch, wie selbstverständlich, gleichzeitig zu verwenden.

Nachteil : Preis – egal, wo man wohnt, ist eigentlich immer deutlich teurer als in den Résidences. Ich selbst habe 550 Dollar Miete (alles inklusive) gezahlt für ein Zimmer in einer 3erWG ganz in der Nähe der Uni (Quartier Côte-des-Neiges), ca. 15 Minuten zu Fuß vom Pavillon Jean-Brillant entfernt, perfekte Lage. Der Preis ist für Montréal in Ordnung, es gibt billigere WG-Plätze – die auch zu bekommen, gerade, wenn man nur ein Semester bleibt, und keine Kontakte vor Ort hat, ist allerdings schwer. Ich selbst habe die Wohnung vor meiner Anreise über das Internet gefunden. Ohne Kontakte vor Ort bzw. Community ist die Wohnungssuche über das Internet nicht gerade einfach. Das liegt vor allem daran, dass Anfragen, die man auf den gängigen Rechercheseiten (wie kijiji.ca) an kanadische Vermieter verschickt, zum Großteil gar nicht beantwortet werden (vermutlich, weil man eine ausländische Mailadresse hat bzw. aufgrund der hohen Anzahl an Bewerbern) bzw. die Anfrage abweisen, weil sie die Zimmer nur für mindestens ein halbes Jahr vermieten (und nicht nur für 4 Monate, was einem Semester entspricht).


Hier einige hilfreiche und weniger hilfreiche Seiten:
Wenig hilfreich für Nicht-Kanadier
o http://www.kijiji.ca/h-grand-montreal/80002 - Gilt als die Rechercheseite, nicht nur was die Wohnungssuche anbelangt, sondern auch alle sonstigen Suchanfragen (etwa wie Amazon) und Carsharing. Über diese Seite habe ich nie Antworten erhalten.
o http://montreal.craigslist.ca/search/roo - Dasselbe Prinzip wie kijiji und auch dasselbe Ergebnis (zumindest in meinem Fall).

Hilfreich
o http://www.getyourplace.ca/fr/ - WG-Suchseite auf Studenten in Montréal zugeschnitten. Für die verschiedenen Unis gibt es Anmeldefristen mit Passwörtern, über die man auf die WG-Plätze dort Zugriff hat. Die WGs sind alle in unmittelbarer Umgebung zu den Unis in Montréal, preislich kaum unter 500 Dollar – und dabei werden die Wohnungen mit durchschnittlich 5 anderen geteilt. Achtung: Die Reservierung eines Zimmers erfolgt über Facebook, innerhalb kürzester Zeit (wenige Minuten) sind alle Plätze dann auch schon vergeben.

Facebookseite: https://www.facebook.com/groups/590328674387468/

Absolut hilfreich
o http://ca.easyroommate.com/quebec/montreal-roommate  - Auf dieser Seite habe ich mein WG-Zimmer innerhalb kürzester Zeit gefunden. Sobald man sich angemeldet hat (kostenlos), erhält man binnen Stunden mehrere Emails mit Angeboten, die den eigenen Suchkriterien entsprechen. Die Kommunikation zwischen Vermietern und Wohnungssuchenden ist hier absolut einfach und schnell. Man muss dazu auch nicht unbedingt die Mitgliedschaft als Premium-Kunde bezahlen (ohne diese Mitgliedschaft kann man die Nachrichten der Anbieter, die an einen persönlich über diese Seite verschickt werden, nicht lesen. Deshalb den Vermieter einfach über den herkömmlichen Emailaccount anschreiben).
o Wohnungsbörse der UdeM: http://www.logement.umontreal.ca/trouver/index.htm : Eingeloggt wird mit den Zugangsdaten, die jeder Student der UdeM bekommt. Emails werden binnen Stunden von den Anbietern beantwortet.

Auswärts essen

Sehr teuer – es empfiehlt sich wirklich, selbst zu kochen. „Spezialitäten“ für den, der’s mag : Poutine (Fleischsauce, Pommes frites, Cheddarkäse) und natürlich das kanadische Bier. Es ist auch nicht sehr üblich, jeden Tag in der Unimensa zu essen – da auch sehr teuer. Die meisten Studenten nehmen sich ihr Essen mit und wärmen es in einer der Mikrowellen auf, die in der Uni verteilt für jeden verfügbar sind.

‚Déplacements‘ in der Stadt:
Bus + Métro der STM : Das Busfahren ist insofern ‚abenteuerlich‘, als die Haltestellen im Bus nicht angekündigt werden – es empfiehlt sich, wenn man nicht ohnehin eine entsprechende App am Handy besitzt, den Fahrer zu bitten, ein Zeichen zu geben, wenn man an der gewünschten Station angekommen ist. Das Ticket für den Bus gilt auch für die Métro und kann an einem der Automaten in der Métro gekauft werden oder direkt im Bus (hier nur der genaue Betrag in Münzen). Um das Ticket zu entwerten, wird es beim Fahrer kurz gescannt. Es ist auch üblich, sich in Warteschlangen anzustellen: eingestiegen wird nur vorne beim Fahrer, das Aussteigen ist an den anderen Türen auch möglich.
Fahrrad: BIXI-Bikes können an vielen Stellen der Stadt entliehen werden.
Taxi: Hier nur ein Wort: Die Trinkgeldpflicht gilt nicht nur in Restaurants, sondern auch in Taxis. Die Taxifahrer bestehen auf ihr Trinkgeld!

Einkaufen
Lebensmittel
Generell heißt es, um billig einzukaufen, sollten große Supermärkte gemieden werden. Es ist richtig, dass es an fast jeder Straßenecke einen ‚épicier‘ (Gemüsewarenhändler) bzw. einen ‚dépanneur‘ (kleinere Geschäfte meistens an Tankstellen, wo die gängigen Lebensmittel für den täglichen Bedarf erworben werden können) gibt – allerdings sind hier die Gemüsepreise nicht zwangsläufig niedriger als in richtigen Supermärkten (Walmart, Maxi, Métro) und vermutlich kommt dort auch noch die Steuer dazu (die wird zum Produktpreis an der Kasse noch dazugerechnet). Ich selbst habe eigentlich immer im Supermarkt Maxi eingekauft – es gibt oft Angebote (z.B. Nudeln um 1 Dollar) bzw. billigere Preise, wenn man die Artikel der Marke NoName kauft. Außerdem entspricht der Preis, der auf dem Produkt vermerkt ist, auch dem Endpreis. Es wird lediglich eine kleine Summe Steuern hinzugerechnet – und das auf den Endpreis und nicht auf jedes Produkt einzeln. Wer sparen will, sollte in jedem Fall die Werbung, die wöchentlich ins Haus geliefert wird (wird in Plastiksäcken gesammelt an jede Haustür gehängt), durchsehen und gezielt einkaufen. Ansonsten gibt es auch in jedem Pharmaprix Eier, Milch, Brot und Süßigkeiten etc. Wer Nüsse kaufen will – und dafür nicht ein Vermögen ausgeben möchte – sollte zu Dollarama gehen: dort kostet eine Packung mit verschiedenen Nüssen lediglich 2 Dollar (mit Steuer: ca. 2,20). Ganz in der Nähe vom Pavillon Jean-Brillant (zwischen der Metrostation Côte-des-Neiges und der Bücherei Olivieri) gibt es im Sommer bis Anfang November einen Gemüsemarkt, der 24h am Tag geöffnet ist. Dort werden Produkte aus Québec angeboten (beinahe das gesamte Gemüse in den sonstigen Supermärkten wird aus den USA oder aus Lateinamerika importiert) und wer größere Mengen einkauft, kann hier viel Geld beim Gemüse-und Obsteinkauf einsparen.

Kleidung
Prinzipiell wird in Walmart und Maxi – so wie bei uns in den Intersportfilialen – auch Kleidung verkauft – sehr billig im Walmart, eher teuer im Maxi. Mützen, Socken, Strumpfhosen etc. – für den Winter – gibt es auch im Dollarama. Ansonsten gibt es, von den Metrostationen im Zentrum ausgehend, mehrere Einkaufszentren: Complexe Desjardins, Complexe Les Ailes … bzw. die allseits bekannte Einkaufsmeile an der Rue Sainte-Catherine.

Drogerieartikel
Pharmaprix und Jean-Coutu (etwas teurer)
Haushaltsartikel
Pharmaprix, Jean-Coutu und am billigsten in den Dollarama-Filialen
Post
Eine Poststelle an sich hätte ich zumindest noch nicht gesehen. Es gibt innerhalb einiger Jean-Coutu-Filialen Poststellen (z.B. der Filiale ganz in der Nähe der Plaza Côte-des-Neiges). Eine Briefmarke nach Europa kostet 2,5 Dollar (+ Taxes).
Apotheke
Medikamente gegen die häufigsten Beschwerden (Kopfweh, Halsweh, Erkältung …) können im Prinzip in jedem Pharmaprix oder Jean-Coutu gekauft werden. In vielen dieser Filialen gibt es auch richtige Apotheken.

Ausflugsmöglichkeiten

Mit dem Greyhoundbus bzw. dem Orléansexpress-Bus sind die umliegenden Städte schnell zu erreichen, es gibt aber auch mit dem Zug gute Angebote. Québec-Stadt ist definitiv ein Ausflug wert – im Vergleich zu Montréal ist das Stadtzentrum dort viel verspielter, verschnörkelter und individueller als die nordamerikanische Großstadt mit ihrem Einheitslook.
Budget-mögliche Richtlinie
Mit dem Stipendium von 400 Euro im Monat und 200 Euro Familienbeihilfe bin ich jedes Monat gut über die Runden gekommen (= 600 Euro = ca. 850 Kan.Dollar) – zwei Tagesausflüge (Ottawa und Québec) sowie Weihnachtsgeschenke und ein bisschen Stadttourismus in Montréal waren auch drin. Da ich immer selbst gekocht habe, konnte ich an Lebensmitteln viel einsparen – pro Monat fielen um die 100 Dollar dafür an (zum Vergleich: einmal auswärts essen kann mit dem obligatorischen Trinkgeld schon einmal um die 30 Dollar kosten…). Der Rest des Geldes ging für die Miete (550 Dollar) und sonstige monatliche Ausgaben drauf: die beiden Ausflüge, die obligatorische Krankenversicherung der Uni (332 Dollar), die Reader (ca. 50 Dollar), das Semesterticket für die Öffis (mit dem Ausstellen der Opus-Carte ca. 200 Dollar), etc. Aus eigener Tasche musste ich vor Ort daneben nicht mehr allzu viel beisteuern.

Abschließende Bemerkungen : würde ich den Austausch an der UdeM weiterempfehlen?

3 Kurse sind nichts im Vergleich zu den durchschnittlich 10 Kursen, die wir in Innsbruck pro Semester zu stemmen haben. Rein studientechnisch gesehen also ein „Verlustsemester“, was die Anzahl der „abgelieferten Scheine“ betrifft. Aber welch ein Gewinn, was die Studienqualität betrifft! – Die Professoren geben dir quasi „Vorschusslorbeeren“ und sehen in dir, so scheint es zumindest, obwohl sie dich nicht einmal kennen, einen intelligenten, fast schon gleichberechtigten Menschen, der im Kurs etwas beisteuern kann, das sonst gefehlt hätte – und keinen im Vornherein schon faulen, verirrten, dummen Studenten, den es gilt, hinauszuprüfen … Und natürlich ist es vor allem für einen selbst bereichernd. Und wenn es einem nur erlaubt, aus dem grauen Innsbrucker Studienalltag zu entfliehen, das Hamsterrad zumindest etwas beiseite zu lassen und die Dinge aus der Ferne mit Abstand betrachten zu können.