NobelpreisträgerInnen und Forscherpersönlichkeiten

Die Universität Innsbruck verdankt ihre Reputation ihren ehemaligen und heute herausragenden Pionieren sowie Persönlichkeiten in Forschung und Lehre.

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Zwölf wichtige ForscherInnen der Universität Innsbruck

Julius von Ficker Ritter von Feldhaus (1826–1902)

Der Begründer der „Innsbrucker Historischen Schule“, welche in alle Teile Österreichs und Deutschlands ausstrahlte, wurde 1852 an die Alma Mater berufen. Seine Beiträge zur Urkundenlehre, zur mittelalterlichen Geschichte und zur Rechtsgeschichte heben ihn auf eine Stufe mit den Klassikern der Bürgerlichen Historischen Schule mit Leopold Ranke oder Johann Gustav Droysen.

Anton Kerner Ritter von Marilaun (1831–1898)

Der Begründer der modernen kausalanalytischen Pflanzengeographie und der Verfasser des Standardwerkes „Das Pflanzenleben der Donauländer“ Anton Kerner Ritter von Marilaun lehrte von 1860 bis 1878 als Erstinhaber der Botanischen Lehrkanzel an der Universität Innsbruck. Charles Darwin wurde 1876 auf Kerner aufmerksam und leitete auch eine blütenökologische Arbeit Kerners mit einem Vorwort ein.

Eugen Ritter von Böhm-Bawerk (1851–1914)

Sein zweibändiges Werk „Kapital und Kapitalzins“ leitete die Wende in der Volkswirtschaftslehre des ausgehenden 19. Jahrhundert ein. Als Finanzminister (1895, 1897/98, und 1900–1904) war er maßgeblich für die Reform der Personal- und Erwerbsteuer in Österreich verantwortlich. Der „Eugen-von-Böhm-Bawerk-Platz“ vor der Sozial- und Wirtschaftlichen Fakultät erinnert an den großen Ökonomen.

Heinrich Lammasch (1853–1920)

Seine Bedeutung erlangte der Völkerrechtler Lammasch aufgrund seines internationalen Einsatzes für Frieden und durch seine Rolle als letzter Ministerpräsident der Habsburgermonarchie. Lammasch war ein Pazifist und gegen eine Beteiligung Österreichs am Ersten Weltkrieg. Er gilt als Vordenker der Neutralität Österreichs.

Karl Heider (1856–1936)

Von 1894 bis 1917 lehrte der Zoologe an der Universität Innsbruck. Er gilt als Mitbegründer der Genetik und der modernen Biologie. Heiders wichtigste Arbeiten liegen auf den Gebieten der Entwicklungsgeschichte der wirbellosen Tiere und der modernen Entwicklungsphysiologie. Heider war u.a. Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Berlin, Wien, München, Göttingen und Uppsala.

Wilhelm Wirtinger (1865–1945)

Wilhelm Wirtinger gelang die mathematische Formulierung der Ludwig Boltzmannschen physikalischen Theorien. Er war ein bekannter Funktionentheoretiker und wurde aufgrund seiner Erfolge von der Universität Wien abgeworben.

Egon Schweidler (1873–1948)

Schweidler, ein Schüler u.a. von Ludwig Boltzmann, gilt in der Wissenschaftsgeschichte als ein Pionier der Erforschung des statistischen Charakters des radioaktiven Zerfalls. Gemeinsam mit Stefan Meyer, dem Direktor des Wiener „Radiuminstituts“, verfasste Schweidler 1916 das heute noch viel gelesene „Handbuch der Radioaktivität“.

Heinrich Ficker (1881–1957)

1906 – vor 100 Jahren – veröffentlichte Ficker mit seiner Dissertation „Innsbrucker Föhnstudien“ eine Pionierarbeit für die Meteorologie. Mit Wilhelm Trabert, Albert Defant und Felix Maria Exner gilt Ficker als Mitbegründer der „Innsbrucker Meteorologischen Schule“. Ficker gilt als Pionier der „Stratosphärenmeteorologie“, da er als erster die Vorgänge in der bis dahin unveränderlich angesehenen Stratosphäre nachwies.

Victor Franz Hess (1883–1964)

Nach seiner Berufung wurde Hess Vorstand des neuen Instituts für Strahlenforschung. Er errichtete im Sommer 1931 in einer aufgelassenen Baubaracke auf dem Hafelekar in 2300 m Seehöhe ein Labor für Ultrastrahlenforschung zum Studium der kosmischen Strahlung und deren Ionisationswirkung in steigender Höhe. 1936 wurde Hess für die Entdeckung der kosmischen Strahlung der Nobelpreis für Physik verliehen.

Bruno Sander (1884–1979)

Sander begründete mit seiner Abhandlung „Über Zusammenhänge zwischen Teilbewegung und Gefüge in Gesteinen“ (1911) die statistische Gefügekunde, die ihm Weltgeltung und zahlreiche Berufungen ins Ausland eintrug. Sein Schwager Otto Ampferer (1875 – 1947) promovierte ebenfalls an der Universität und trug mit seinem Aufsatz „Über das Bewegungsbild von Faltengebirgen“ (1906) wesentlich zur Erforschung der Tektonik bei. Seine „Unterströmungs-Hypothese“ beeinflusste Alfred Wegeners Kontinental-Verschiebungstheorie.

Arthur March (1891–1957)

Der in Brixen geborene March schuf mit seinen Lehrbüchern über Relativitäts- und Quantentheorie weit verbreitete Standardwerke. 1919 veröffentlichte March das Lehrbuch „Theorie der Strahlung und der Quanten“. 1950/51 gelang es March, den Nobelpreisträger Erwin Schrödinger als Gastprofessor für Innsbruck zu gewinnen.

Erika Cremer (1900–1996)

Die Leiterin des Instituts für Physikalische Chemie, Erika Cremer, ist es mit der in Innsbruck entwickelten Gaschromatographie gelungen, Gasgemische bis in den Mikrobereich zu trennen und zu analysieren. Der Nobelpreis blieb ihr nur aufgrund der schwierigen Nachkriegszeit verwehrt.


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Drei Jahrhundert-Persönlichkeiten an der Innsbrucker Theologie

Josef Andreas Jungmann SJ (1889 – 1975)

Jungmanns Forschungen stellten die Liturgiebewegung auf eine wissenschaftliche Basis und förderten das Verständnis der Liturgie. Seine Arbeit brachten ihm internationale Anerkennung und die Berufung in Kommissionen des II. Vatikanischen Konzils.

Hugo Rahner SJ (1900 – 1968)

Der in Deutschland geborene Rahner dozierte Dogmengeschichte, Patrologie und Kirchengeschichte. Zurückgekehrt aus dem Schweizer Exil „seiner“ Fakultät wurde er 1945/46 erster Dekan der wieder errichteten Theologie, 1949/50 Rektor der Universität Innsbruck und 1950–56 Rektor des Canisianums.

Karl Rahner SJ (1904 – 1984)

Im Mittelpunkt der Forschungen von Karl Rahner stand der Versuch, die Theologie neu zu definieren: „Wie man den christlichen Glauben aus solider Tradition und im Sinne der katholischen Kirche philosophisch und theologisch reflektiert vermitteln kann mit den Problemen unserer Zeit, um auch dem heutigen Menschen die Heilswahrheit lebendig, glaubwürdig und überzeugend zu verkünden.“


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