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Datum: Tue, 4 Mar 2003 08:47:15 +0100
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KATHPRESS/Kirchen/Theologie/Innsbruck/Kommunikative.Theologie/

Innsbruck bildete die ersten "kommunikativen Theologen" aus

Weltweit bisher einzigartiger universitärer Lehrgang an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Tiroler Landeshauptstadt - Anerkennung durch die vatikanische Bildungskongregation=

Innsbruck, 4.3.03 (KAP) 18 Absolventen aus den Diözesen Innsbruck, St. Pölten, Wien, Eisenstadt, Bozen-Brixen und aus Deutschland haben an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck den akademischen Titel "Master of Advanced Studies" (MAS) in "Kommunikativer Theologie" erhalten. Sie haben erfolgreich den ersten fünfsemestrigen Universitätslehrgang "Kommunikative Theologie" absolviert, den die Theologische Fakultät Innsbruck ausgeschrieben hatte. Der zweite, bereits voll belegte Lehrgang startet im Mai. Ein sehr wesentlicher Zweck dieses weiterführenden theologischen Universitätsstudiums ist es, die eigene Kompetenz in der Glaubensvermittlung kritisch unter die Lupe zu nehmen und zu verbessern. Der Innsbrucker Lehrgang "Kommunikative Theologie" ist eine weltweit bisher einzigartige Neuheit im akademisch-theologischen Bildungsangebot.

 

Die hohe Qualität des Lehrgangs hat die vatikanische Bildungskongregation dazu veranlasst, die Möglichkeit zu schaffen, den erfolgreichen Abschluss des Lehrganges mit der Erlangung des
kirchlichen Lizenziats (Lehrerlaubnis) für Kommunikative Theologie zu verbinden. Drei der 18 Absolventen haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Der Universitätslehrgang ist eine Frucht der sogenannten "Kommunikativen Theologie", die der Innsbrucker Professor für Katechetik und Religionspädagogik, Matthias Scharer, und der Tübinger Dogmatiker Bernd Jochen Hilberath seit zirka zehn Jahren betreiben. Die beiden Theologen macht betroffen, dass die Studentenzahl an Theologischen Fakultäten Mitteleuropas zum Teil drastisch abnimmt. Ebenso macht sie betroffen, dass es immer schwieriger wird, an den Schulen Religion zu unterrichten. Auf der (wissenschaftlichen) Suche nach den Gründen wollen sie sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden geben. Vielmehr sind sie überzeugt, dass diese negative Entwicklung nicht zuletzt mit einer seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten praktizierten, weitgehend autoritären Art der kirchlichen Glaubensvermittlung und -verkündigung zu tun hat, die an den Lebenserfahrungen der Menschen vorbeiredet und die heutige Menschen ganz einfach ablehnen.

Die "Kommunikative Theologie" bemüht sich dem gegenüber um ein neues Konzept für theologisches Lehren, Lernen und Forschen. In unbedingter Achtung vor der Würde und Freiheit jedes einzelnen Menschen knüpft sie an den Erfahrungen der Menschen im Alltag, in der Partnerbeziehung, in der Familie, im Beruf, im gesellschaftlichen Leben ebenso an wie an den Erfahrungen persönlichen Erfolgs und Scheiterns. Sie hilft, die eigene Lebensgeschichte als Glaubensgeschichte zu begreifen, als Geschichte, die Gott mit jedem einzelnen Menschen schreibt.

 

Theologisches Lehren und Lernen soll im Verständnis der "Kommunikativen Theologie" dazu befähigen, das eigene Leben ebenso wie das Geschehen in der Welt und im gesamten Kosmos mit "österlichen Augen" zu betrachten, darin für sich selbst lebensfördernden Sinn zu entdecken und zu helfen, den Mitmenschen die eigenen "österlichen Augen" zu öffnen. Vor diesem Hintergrund haben die Innsbrucker Professoren Matthias Scharer (Katechetik Religionspädagogik), Jozef Niewiadomski (Dogmatik) und Franz Weber (Pastoraltheologie) unter Einbeziehung von Prof. Hilberath das Konzept für den Lehrgang "Kommunikative Theologie" entwickelt. Der erste Lehrgang war gleichsam ein Übungsfeld für diese Art, Theologie zu betreiben. Als Mitlehrende und Mitlernende haben im anspruchsvollen Lehrgang weitere Professoren der Theologischen Fakultät Innsbruck und der Theologischen Hochschule Linz mitgewirkt.

 

"Wahrheit in Beziehung"

Zu einer breiten Diskussion über die Grundlagen der noch relativ neuen Art universitärer Theologie kam es auf dem Ersten Kongress zur Kommunikativen Theologie vom 27. Februar bis 1. März in Innsbruck. Er stand unter dem Leitthema "Wahrheit in Beziehung - Der dreieine Gott als Quelle und Orientierung menschlicher Kommunikation". Im Rahmen dieses Kongresses wurden die Master-Diplome verliehen. 175 Theologen und Theologie-Interessierte aus dem deutschen Sprachraum, aber auch z. B. aus den USA und aus Lettland nahmen am Kongress teil. Sie signalisierten großes Interesse an der Weiterentwicklung der "Kommunikativen Theologie". Zugleich wurde aber auch deutlich, dass noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sei, um dieser Art Theologie bessere Anerkennung zu verschaffen. Der nächste Kongress ist für 2005 in Deutschland geplant. Begleitend zur weiteren Entwicklung der "Kommunikativen Theologie" erscheint im "Grünewald"-Verlag eine Buchreihe, die Matthias Scharer und Bernd Jochen Hilberath herausgeben. In dieser Reihe sind bisher drei Bände erschienen: "Kommunikative Theologie - Eine Grundlegung", "Ist Kirche planbar? - Organisationsentwicklung und Theologie in Interaktion" und "vom Leben herausgefordert - Praktisch-theologisches Forschen als kommunikativer Prozess". (Ende)

04.03.2003 08:31

K200301580