Workshops

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 Bild: Notizzettel (Credit: Unsplash)

Balanceakt Epitext –
Praktiken an der Schwelle zwischen Text und literarischem Feld

21.–22.9.2020, in Terfens / Tirol

 

Bei einem zweitägigen Workshop im Herbst 2020 in Tirol konnten sich alle Projektbeteiligten persönlich kennenlernen und fanden im idyllisch gelegenen ‘Grafenhäusl’ die besten Rahmenbedingungen für intensives Arbeiten vor. Der Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit grundlegenden Problemstellungen und Diskursbereichen im literarischen Feld der Gegenwart mit dem Ziel, eine gemeinsame Theorie-Basis für die drei Arbeitspakete zu schaffen.

Unter dieser Prämisse stand am ersten Tag einschlägige Primär- und Sekundärliteratur zu den Themenfeldern Präsenzkultur und Ritual (Gumbrecht 2004, Schaffrick 2014), Aufmerksamkeit und Singularisierung (Franck 1998, Reckwitz 2017) sowie Realitätseffekt und Simulation (Baudrillard 1978) in Hinblick auf ihre Anwendbarkeit auf das Gesamtprojekt und die einzelnen Arbeitspakete zur Diskussion. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Anforderungen, die an Autor*innen hinsichtlich ihrer Positionierung und Inszenierung im literarischen Feld gestellt und von ihnen zugleich maßgeblich mitgeprägt werden – über die Aneignung bestimmter Praktiken, die im Epitext virulent werden.

Der zweite Workshop-Tag war der Diskussion der Dissertationsvorhaben gewidmet: Dabei wurden zentrale Fragestellungen und Problemfelder der jeweiligen Projekte vorgestellt und ausgewählte Beispiele aus den zu untersuchenden Korpora im Plenum analysiert.

Einen Höhepunkt des Workshops bildete der Gastvortrag von Mag. Dr. Doris Eibl (Institut für Romanistik an der Universität Innsbruck) über Annie Ernaux, deren autofiktionales und sich selbst metatextuell kommentierendes Werk über die Grenzen Frankreichs hinaus zum vieldiskutierten Gegenstand gegenwärtiger literarischer Öffentlichkeit geworden ist. Die 1940 geborene Autorin bezieht sich in ihrem „autosoziobiographischen“ Schreiben explizit auf Pierre Bourdieus Arbeiten zum literarischen Feld, dessen Mechanismen sie für ihre auktoriale Werkpolitik nutzbar macht. Die Einordnung und Rezeption ihrer Texte steuert sie dabei maßgeblich über Epitexte in Form von Interviews, publizierten Kommentaren, Tagebucheinträgen und Arbeitsnotizen sowie den direkten Kontakt zu Leserschaft und Forschung. Doris Eibls Vortrag verwies damit auf Kernbereiche des Forschungsprojekts, bot zahlreiche Anregungen und ermöglichte eine internationale Kontextualisierung des Projektgegenstands.

 

Literatur:

Baudrillard, Jean: Agonie des Realen. Berlin 1978.
Franck, Georg: Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ein Entwurf. München / Wien 1998.
Gumbrecht, Hans Ulrich: Diesseits der Hermeneutik. Die Produktion von Präsenz. Frankfurt a. M. 2004.
Reckwitz, Andreas: Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne. Berlin 2017.
Schaffrick, Matthias: In der Gesellschaft des Autors. Religiöse und politische Inszenierungen von Autorschaft. Heidelberg 2014.

 

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