China: selbstbewusster, diverser und auch gefährlicher als viele denken

China: selbstbewusster, diverser und auch gefährlicher als viele denken

Am 14. Oktober 2021 hielt Univ. Prof. DDr. Jürgen Huber im Rahmen des BAFIT-Netzwerkes einen Vortrag zu dem Thema „China – selbstbewusster, diverser und auch gefährlicher als viele denken“.

Zu Beginn des Vortrages schaffte Herr Huber einen generellen Überblick über China. Hierbei standen insbesondere die geographische Lage sowie die Bevölkerungsstrukturen in China im Mittelpunkt. Mit 9,6 Mio. km2 Fläche ist China gemeinsam mit den USA und Kanada das zweitgrößte Land der Welt, welches im Süden unter anderem an Indien, im Norden an Russland, und im Westen an die zentralasiatischen Staaten Kirgistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan s grenzt. Mit 1,4 Mrd. Einwohnern ist China zudem das bevölkerungsreichste Land der Welt, wobei 94% der Bevölkerung in der Osthälfte Chinas leben. Zudem verdeutlichte Herr Huber auch, dass China durchaus multi-ethnisch und multilingual ist, trotz der Dominanz der Han-Chinesen (91,5% der Gesamtbevölkerung). Zu den Minderheiten zählen zum Beispiel die Zhuang/Thai, Uiguren, Tibeter, und Mongolen, mit
welchen China oft sehr hart umgeht. So wurden beispielsweise seit 1951 Han-Chinesen in Tibet angesiedelt, was unter anderem zu einer Einschränkung der Religion führte.

Im zweiten Teil des Vortrages widmete sich Herr Huber der beeindruckenden Wirtschaftsentwicklung Chinas. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf den Start der Wirtschaftsreformen 1979 durch Deng Xiaoping, wodurch sich China Auslandsinvestitionen
öffnete und die Marktwirtschaft einführte. Seither gilt China als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften mit einem durchschnittlichen realen Wirtschaftswachstum von 9,5% zwischen 1979 und 2018. Deng Xiaoping schaffte es dadurch 800 Mio. Menschen vor der Armut zu bewahren. Dieser wirtschaftliche Aufschwung lässt sich auch am Anteil Chinas am weltweilten Verbrauch von Kupfer, Stahl und Aluminium erkennen, wo China klar dominiert. Als Basis für das Wachstum führte Herr Huber die Weltklasse-Infrastruktur an, die China mit einer Investitionsquote von über 40% des BIPs erschafft. Finanziert sind diese Investitionen unter anderem durch eine sehr hohe Sparquote von 45-50% des Einkommens.

Im dritten Teil des Vortrages zeigte Herr Huber verschiedene Ansätze auf, um chinesisches Denken zu verstehen. Es wurde nochmals verdeutlicht, dass China ein sehr altes Reich ist, welches sich selbst lange als das Zentrum der Welt sah (das „Himmlische Reich“). Jedoch war China von 1900-1950 politisch und von 1920-1980 wirtschaftlich schwach. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes sieht sich China nun als selbstbewusste aufsteigende Macht, die ihre „natürliche und verdiente“ Vormachtposition wiedererlangt. Voran getrieben wurde dieser Aufschwung auch durch die Chinesische Kommunistische Partei (CCP), geführt seit 2012 von Xi Jinping, deren Hauptziel es ist durch gutes und kompetentes Regieren „an der Macht zu bleiben.“ Jüngst wurde unter Xi Jinping rigoros gegen Big Tech vorgegangen, was zu einem Verlust von 1/3 des Marktwertes bei den großen chinesischen Technologieunternehmen (z. B. Alibaba) führte. Hierbei ging es insbesondere um eine
Neuregelung in diesem Bereich, welche wahrscheinlich zu geringerem Reichtum und Innovation in China führt, aber zu einer besseren Kontrolle durch die CCP.

Zum Schluss des Vortrages gab Herr Huber seine Einschätzung ab, ob die neuen Verhältnisse etwaig zu Krieg führen können. Als Argumente dafür wurden angeführt, dass durch den Aufstieg Chinas sich die Machtgleichgewichte unweigerlich verschieben wodurch die USA und lokale Mächte (Japan, Indien, Südkorea und Taiwan) herausgefordert sind. Historisch betrachtet haben solche Machtverschiebungen fast immer zu Kriegen geführt. Als mögliche Auslöser nannte Herr Huber die Stärkung der Allianzen in Asien durch die USA, eine Implosion Nordkoreas, ein aktiver Start (wie im 2. Weltkrieg), oder ein ungeplantes „Stolpern“ (wie im 1. Weltkrieg). Neben einem militärisch starken China sieht Herr Huber auch eine Gefahr in KI und Cyberwar, da laut dem zurückgetretenen „First Chief Software Officer“ des Pentagons Nicolas Chaillan, China den Westen und die USA bereits uneinholbar im Bereich KI abgehängt hat.

In der Diskussion beantwortete Herr Huber im Anschluss an den Vortrag Fragen zu der Regulierung des Kryptomarktes durch China, der Rolle des Staates in privaten Unternehmen, der Möglichkeit einer Revolution in China, dem Ausbau des Einflusses Chinas (Stichwort „Neue Seidenstrasse“), der Auswirkungen von Evergrande, sowie der Autarkie Chinas im Falle eines Krieges.

 

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