Dorothea Mair

Grenzgebiet und Zentrum: Eine Zusammenschau ausgewählter Funde von der römischen Kaiserzeit bis in das frühe Mittelalter sowie Auszüge aus den Grabungen am Widumfeld der Jahre 1999 und 2000.
Fundtopographie KG Ampass (VB Innsbruck-Land)

 

Ampass

Abb. 1: Ampass, Teil des Widumfeldes, dahinter Palmbühel/Kirchbühel mit Kirche St. Johannes der Täufer, Ansicht nach Norden.


Einleitung

Während der 1999 durch das Institut für Archäologien, Abteilung für Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Verein Archaeo durchgeführten Ausgrabungskampagne am Widumfeld wurde der Grundstein für diese Arbeit gelegt: angeregt durch den Epochen übergreifenden Fundreichtum im gesamten Gemeindegebiet von Ampass sollte eine Gesamtaufnahme sowohl des neu ergrabenen Materials als auch aller Altfunde, die bisher oft nur als knappe Fundnotizen Eingang in die Forschung gefunden hatten, initiiert werden. Der gesamte archäologische Bestand war überdies auf insgesamt mehr als sechs private und eine öffentliche Sammlung aufgeteilt: während zahlreiche Artefakte in die Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum über Jahrzehnte durch Sondagen, Grabungen und Flurbegehungen Aufnahme gefunden hatten, handelt es sich bei den privaten Aufsammlungen durchwegs um Einzelobjekte etwa der letzten fünfzehn bis zwanzig Jahre, aufgespürt durch kontinuierliche Flurbeobachtungen einerseits und durch die Benutzung von Metalldetektoren andererseits.

Wegen der weiten zeitlichen Streuung der Objekte sollte es zur Ausarbeitung zweier getrennter Untersuchungen kommen: der erste Teil umfasst das gesamte prähistorische Material und wurde von Frau Mag. Ulrike Töchterle vorgelegt (U. Töchterle, Archäologische Topografie der Siedlungskammer Ampass, Bez. Innsbruck-Land, Nordtirol. Katalog der Altfunde. Ungedr. Diplomarbeit [Innsbruck 2006]); daran anschließend sind in der vorgestellten zweiten Arbeit alle römischen, spätantiken sowie frühmittelalterlichen Objekte zusammengefasst und bearbeitet.

 

Ausgewählte Fundstellen

Flur Agenbach, obere und untere Terrasse

Bei der so genannten Flur Agenbach oder „Im Winkel“ handelt es sich um ein forschungsgeschichtlich gesehen noch „junges“ Fundgebiet: die beiden ausgedehnten und wohl auch seit jeher gut zu bewirtschaftenden Terrassen bilden den annähernd am weitesten nördlich, etwa zwischen Mensboden und Sonnenbühel gelegenen, flachen Teil im Gemeindegebiet und eröffnen dort der ansonsten gut abgeschotteten Mittelgebirgssiedlung einen direkten und breiten Zugang zum tiefer gelegenen Inntal und zum Inn. Erst seit wenigen Jahren konnten bei Begehungen auch antike Streufunde aufgesammelt werden.

Ampass

Abb. 2: Ampass, Flur Agenbach, obere und untere Terrasse; Kleinfunde aus Bronze und Gold, Spätlatène-/frühe und mittlere Kaiserzeit.

Noch in die Spätlatènezeit datieren einige wenige Fibelfunde; ihre südalpine Herkunft unterstreicht die noch weitgehend intakten Verbindungen der einheimischen Gesellschaft – aus wohl der einzigen sicher lokalisierbaren Siedlung der späten Eisenzeit auf der höher gelegenen Terrasse im östlichen Ortsgebiet – zu ihren italischen Nachbarn. – Die ältesten Fibelfunde der römischen Kaiserzeit datieren in die 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und zeigen eine deutliche Zugehörigkeit zu der in ihren Wurzeln als raetisch bezeichneten Gruppe des westalpinen Bereiches; Parallelen zum Bestattungsplatz „Südwestecke“ im nahen Innsbruck-Wilten werden deutlich. Ob die geborgenen Objekte auf die Kontinuität eines raetischen Siedlungsplatzes hindeuten oder vielmehr den Verdacht auf eine römische Durchgangsstraße in diesem Bereich erhärten, kann nur durch zukünftige Forschungsergebnisse sicher beantwortet werden. Einige nicht mehr nur lokal geprägte Streufunde des 2. Jahrhunderts n. Chr. unterstreichen eher letzteres.

Die Terrassen der Flur Agenbach haben in der Spätantike und im frühen Mittelalter eine scheinbar nur mehr untergeordnete Rolle ohne direkten Zusammenhang zu der im westlichen Ortsgebiet von Ampass befindlichen Siedlung gespielt; die wenigen bisher geborgenen Münz- und Metallfunde, vorwiegend Zubehör von militärischen Trachten, werden auf einen allgemeinen Durchgangsverkehr einer zu dieser Zeit immer noch bestehenden und eventuell auch von Militärangehörigen genutzten Straße zurückzuführen sein. Die Kontinuität einer Siedlung in unmittelbarer Nähe ist nach den bisherigen Erkenntnissen eher unwahrscheinlich.

Widumfeld, Palmbühel/Kirchbühel

Bei der so genannten Flur Widumfeld handelt es sich um eine einheitliche, zu ihrem südlichen Ende hin flacher werdende Senke, die – nach allen Seiten gut abgeschirmt durch Gaißkogel im Westen, Palmbühel/Kirchbühel im Norden und eine weitere Stufe der ansteigenden Mittelgebirgsterrassen im Süden – heute vor allem als Grünfläche bewirtschaftet wird. Aus dem schmalen Pfarrtal, das sich in Richtung Südwesten nach Aldrans hin öffnet, wird und wurde das Widumfeld mit Frischwasser in Form eines kleinen Baches versorgt, der im Osten der fruchtbaren Fläche abrupt über einen Steilabbruch in die heutige Ortschaft Ampass abfließen kann. Der optimale Sicht- und damit auch Verteidigungsschutz der Flur bei gleichzeitig guter und schneller Erreichbarkeit über die Mittelgebirgswege vom Brenner über das Wipptal bis in das Unterinntal einerseits, sowie die klimatisch begünstigten Flächen mit ausreichenden Naturressourcen andererseits, haben aus dem Widumfeld wohl schon seit jeher einen idealen Siedlungs- und Lebensraum für alle seine Bewohner gemacht.

Schützend erhebt sich nördlich davon die prägnante Kuppe des Palmbühels/Kirchbühels 737 m hoch ü. A. und ist heute zum Großteil bewaldet. Die West- und vor allem die Nordseite des weithin sichtbaren Hügels fällt sehr steil und fast unmittelbar, unterbrochen nur durch einen schmalen Absatz, auf dem heute die Bundesstraße von Aldrans nach Hall i. Tirol verläuft, bis in das nördlich darunter gelegene Inntal hinab. Seine höchste Erhebung, auf dem sich aktuell als einziges Bauwerk nur noch der kurz vor der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute freistehende Glockenturm befindet, ist weitgehend abgeflacht. Im Norden und Nordosten sind mehrere ausgedehnte, leicht flach abfallende Stufen im schon etwas tiefer gelegenen Gelände zu erkennen. Die Pfarrkirche St. Johannes liegt auf einer Steilstufe auf der Südseite des Hügels. Es ist besonders der ungehinderte Blick bis in das Stubaital, auf die westlichen Mittelgebirgsterrassen, zum Martinsbühel bei Zirl, auf sämtliche Siedlungsstellen im nördlichen Mittelgebirge und weit nach Osten bis in das untere Inntal, der erahnen lässt, dass diese durch Gletschergeschiebe entstandene Erhebung aus so genanntem Ampasser Konglomerat von strategischer Bedeutung für eine Besiedlung gewesen sein muss.

Ampass

Abb. 3: Ampass, Palmbühel/Kirchbühel; Streufunde aus Bronze, Spätlatène- bis frühe Kaiserzeit.

Zahlreiche Objekte weisen zunächst auf eine stetig anwachsende prähistorische Besiedlung im gesamten Gemeindegebiet hin. Eine Umkehrung dieses Trends zeichnet sich offenbar aber während der mittleren und späten Latènezeit ab: innerhalb von Ampass scheint – neben dem erst zuletzt bekannt gewordenen Kultplatz am Demlfeld – vor allem der Palmbühel/Kirchbühel Lebenszentrum der ansässigen Bevölkerung gewesen zu sein. Darauf weisen einmal die zahlreichen Metallfunde vom Ostabhang des Hügels hin, die ebenfalls an eine sakrale Benutzung dieses Bereiches denken lassen. Die großen Mengen von Keramik vor allem von der Südflanke des Hügels und vom anschließenden Widumfeld deuten hingegen auf einen eventuellen Weiterbestand der hallstattzeitlichen Siedlung hin. Das Ende dieses raetischen Siedlungsensembles ist zwar noch unklar (auf dem Palmbühel/Kirchbühel haben bisher noch keine systematischen archäologischen Untersuchungen stattgefunden), jedoch gibt es nicht wenige neue Hinweise in Form von frühen römischen Fibeln sowie einzelnen Münzen, die zumindest auf dem Ostabhang an eine Kontinuität der Opferhandlungen über den Zeitpunkt der römischen Eroberung des tirolischen Raumes um 15 v. Chr. hinaus bis in die frühe römische Kaiserzeit denken lassen.

Ampass

Abb. 4: Ampass, Widumfeld; Streufunde aus Bronze und Silber vergoldet, Spätlatène-/frühe Kaiserzeit bis frühes Mittelalter.

Das Bild, das sich nach der Bearbeitung aller Kleinfunde aus heutiger Sicht vom weiteren Siedlungsverlauf am Palmbühel/Kirchbühel und am Widumfeld zeichnen lässt, gestaltet sich vor allem wegen der wenigen aufgedeckten Baubefunde äußerst schwierig: jedoch scheint sich der Strukturwandel, der sich bereits ab der mittleren und späten Eisenzeit bemerkbar gemacht hatte, vorerst auch in der frühen und mittleren Kaiserzeit fortzusetzen und in einem weiteren Besiedlungsrückgang zu manifestieren: spärliche Streufunde in Form von Fragmenten von einfachem Kochgeschirr, wenige, meist kleinteilig zerpflügte Terra Sigillata-Bruchstücke und vereinzelte Trachtbestandteile lassen zumindest an eine Restbesiedlung in diesen Bereichen denken. Bauteile sowie diverse Werkzeuge und Geräte suggerieren eventuell ein einzelnes kleines Gehöft am Widumfeld, dessen Bewohner ihre Lebensgrundlage auf der Bewirtschaftung der weiten Fluren und Wälder im Nahbereich aufgebaut haben werden. In diesem Zeitraum (ab etwa 200 n. Chr.) wird im nahe gelegenen Knotenpunkt Veldidena bereits eine Entwicklung hin zu einem deutlichen Siedlungsaufschwung greifbar, der durch den Ausbau der Brennerstrecke unter Septimius Severus (193–211 n. Chr.) in Gang gesetzt worden war.

Dieser Ausbau ist wohl auch als indirekte Folge dafür anzusehen, dass etwa eine Generation später – ab etwa der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. – infolge der Umlandbesiedlung von Veldidena auch das Widumfeld und der nunmehr wieder stark damit verflochtene Palmbühel/Kirchbühel in das Blickfeld von Siedlern geraten war. Obwohl in ihren baulichen Strukturen und in ihrer Ausdehnung bisher noch nicht fassbar, ist in dem sonst vorwiegend ländlichen Ambiente eine spätrömische Kuppensiedlung auf dem Palmbühel/Kirchbühel durchaus vorstellbar und realistisch. Die auf seiner Südseite am Widumfeld gelegene und in der ersten Zeit wohl auch stetig wachsende Ansammlung von Wohnhäusern, Handwerksbetrieben (Verarbeitung von Horn und Geweih, Metallurgie) und Gehöften (Kultivierung von Garten- und Feldflächen, Haltung von Weidetieren, Fischerei) wird dazugehörige Zivilsiedlung einerseits und Versorgungsareal andererseits gebildet haben. Die archäologisch gut fassbare Ausstattung einiger Wohnbereiche am Widumfeld spiegelt mit typisch spätantikem Kochgeschirr, mit Resten von preziösen Glasgefäßen sowie mit Importkeramik einen relativen Wohlstand einer blühenden Landgemeinde wider. Der dadurch augenscheinlich gewordene Zugang und die exzellente Anbindung an ein intaktes überregionales und/oder internationales Handelsnetz war durch die Nähe zum zentralen Handelszentrum im mittleren Inntal einerseits sowie durch die Lage der Siedlung an den Mittelgebirgswegen vom Brenner über das Wipptal bis in das Unterinntal andererseits gegeben (Affinitäten in Ausstattung, Struktur und Siedlungsgrundlage von Widumfeld und Palmbühel/Kirchbühel sind sowohl zu frühen, handwerklich und landwirtschaftlich regional geprägten germanischen Höhensiedlungen im nördlichen Alpenvorland als auch zu den unter Umständen stark militärisch geprägten Höhenbefestigungen des südöstlichen Alpenbogens zu erkennen). Die Symbiose der beiden sich ergänzenden Siedlungsbereiche mit wohl auch schon zivilen, verwaltungsrechtlichen sowie repräsentativen Aufgaben funktionierte so gut, dass von einer durchgehenden Benutzung während des gesamten 4. und sogar noch 5. Jahrhunderts auszugehen ist, also damit auch noch über das formale Ende des weströmischen Reiches (476 n. Chr.) und den Abzug der römischen Truppen hinaus!

Ampass

Abb. 5: Ampass, Palmbühel/Kirchbühel; Streufunde aus Bronze, 4.–5. Jahrhundert n. Chr.

Gerade im 5. Jahrhundert n. Chr. manifestierten sich die regen Kontakte in die römische Welt im Bekanntwerden und im zunehmenden Einfluss des frühen Christentums, welches im Bau einer ersten Kirche mit Memoria auf der Südseite des Palmbühels/Kirchbühels seinen Ausdruck im Selbstverständnis einer offenbar souveränen Siedlergruppe fand (Siedlungen mit dem Sitz der lokalen bzw. regionalen zivilen und militärischen Verwaltungseinheiten waren maßgeblich für die frühe Kirchenorganisation und damit auch für den Bau von frühchristliche Kirchen; ihre strategisch perfekte Verteilung in Nordtirol an den wichtigsten Fernstraßen wird so zu einer Art Spiegel der staatlichen, zivilen und militärischen Präsenz im Inntal während des 5./6. Jahrhunderts); der Sakralbau in Ampass war einer der frühest entstandenen im Inntal neben jenen von Imst, Pfaffenhofen, Zirl-Martinsbühel, unter der Stiftskirche sowie der Basilika von Wilten und von Thaur. Nicht zuletzt wurde durch diese Kirche auch wieder an die schon in prähistorischer Zeit bekannte sakrale Bedeutung des Palmbühels/Kirchbühels angeknüpft.

Bereits schon aus dieser Phase könnten auch die ersten Körpergräber stammen, die in einer Art Bestattungsring vom Nordwesten bis in den Nordosten des Palmbühels/Kirchbühels – meist auf kleineren Anhöhen oder Abhängen – angelegt worden waren. Die Toten waren bis auf eine Ausnahme jeweils mit dem Kopf im Norden oder Nordwesten sowie ohne erkennbare Beigaben bestattet worden; einige zeigten darüber hinaus überkreuzte Arme und Hände im Beckenbereich. Wenige Grablegen waren durch eine Steineinfassung besonders hervorgehoben. Vermutlich hat es sich bei diesen Gräbern mehrheitlich um Bestattungen der einheimischen Bevölkerung gehandelt.

Ampass

Abb. 6: Ampass, Palmbühel/Kirchbühel; Streufunde aus Bronze und Bronze versilbert, spätes 5.–6. Jahrhundert n. Chr.

Während die vor Ort geborgenen militärischen Trachtelemente der 2. Hälfte des 4. sowie der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. also noch durchwegs geprägt waren von spätrömischen Handwerkstraditionen und vom Einfluss germanischen Formengutes, welche typisch für die ins römische Heer integrierten germanischen Söldner dieser Zeit gewesen sind, zeichnen sich danach spürbare Veränderungen beim Trachtzubehör und bei Schmuck- und Gebrauchsgegenständen ab: einerseits werden vor allem bei Fibeln und Schmucknadeln einheimische Elemente tragend, die besonders am Palmbühel/Kirchbühel für eine Prägung der dort angesiedelten Bevölkerungsgruppe durch ein starkes einheimisches Substrat sprechen. Andererseits schlägt sich die in dieser Zeit relevant gewordene Ostgoten-Herrschaft in Italien (476 n. Chr. bis etwa zur Abtretung der Gebiete an die Franken durch Witigis 536 n. Chr.) in etlichen für Tirol singulären Fibelfragmenten nieder, die unter Umständen an diplomatische (?) Beziehungen der Bewohner zu entsprechenden politischen Kreisen im Ostgoten-Reich denken lassen. Als Träger der ortsansässigen Gesellschaft dieser Zeit werden nur Romanen in Frage kommen, die in diesem Teil des Inntales wohl als romanisierte Breonen anzusprechen sind; sie werden in diesem Bereich nach dem Zusammenbruch der römischen Staatsmacht aller Wahrscheinlichkeit nach bald die Organisation und Kontrolle der öffentlichen Verwaltungsstrukturen nach spätrömischem Vorbild unter einer neuen politischen Oberhoheit übernommen haben.

Die lange Belegungsdauer vorläufig vor allem des Palmbühels/Kirchbühels wird durch eine erste Umbauphase der frühchristlichen Kirche noch während des frühen Mittelalters unterstrichen; die zahlreichen Gräber im nördlichen Umfeld des Hügels werden spätestens ebenfalls in diesen Zeitraum datieren (bei Gräbern von christlichen Romanen ist generell von einer regelhaften Beigabenlosigkeit bzw. reduzierten Beigabensitte auszugehen).

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Abb. 7: Ampass, Palmbühel/Kirchbühel; Streufunde aus Bronze, Eisen und Eisen tauschiert, 7.–beginnendes 8. Jahrhundert n. Chr.

Bald nach 536 n. Chr. gerät der alpine Teil der ehemaligen Raetia II immer mehr in den Einfluss- und Herrschaftsbereich der sich ausbreitenden Franken sowie spätestens 568 n. Chr. als eine Art neutrale Zone auch zwischen die Interessenskonflikte der im Süden in Italien eingewanderten Langobarden einerseits sowie der erstarkenden Bajuwaren im Norden andererseits. An das Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. datiert auch der im nahen Aldrans geborgene Hortfund im Wert von genau 100 Tremisses, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um den Teil einer Lösegeldzahlung der Bischöfe von Säben und Trient an die Franken gehandelt hat; die Vergrabung der Summe nahe Ampass unterstreicht erneut dessen zentralörtliche Funktion während dieser Zeit sowie die de facto Kontrolle dieses Bereiches durch die Franken. Während des 7. und eventuell noch im frühen 8. Jahrhundert n. Chr. hat die Siedlung in Ampass wohl nur mehr im Bereich des Hügels selber fortbestanden (am Widumfeld ist nach 600 n. Chr. laut archäologischer Quellen ein Rückgang und eventuell auch das Ende der direkten Besiedlung zu verzeichnen); die geborgenen militärischen Artefakte mit fremdländischer Prägung deuten weiterhin auf rege Kontakte vor allem mit dem Nordwesten Europas hin. Zu einer Besonderheit werden diese Zeichen immer noch intakten gesellschaftspolitischen Lebens nicht zuletzt deshalb, da in den ehemaligen Zentralorten im Inntal aus dieser Zeit kaum mehr vergleichbare Funde beobachtet werden konnten. Der endgültige Niedergang (bisher konnten keine Hinweise auf Zerstörungshorizonte festgestellt werden) und/oder ein Auslaufen der Siedlung kann ohne die Kenntnis von baulichen Strukturen und ohne die Auswertung der hochmittelalterlichen Funde derzeit noch nicht genauer bestimmt werden; auf eine weitere, wie immer geartete Benutzung der Flur lassen jedoch die Umbauten der Kirche St. Johannes d. T. schließen, die mit insgesamt sieben festgestellten Umgestaltungsphasen seit dem frühen Mittelalter bis heute bestehen geblieben ist.


Bestand: Universitätsbibliothek Innsbruck

Kontakt: Dorothea Mair



Für den Inhalt verantwortlich: die Verfasserinnen und Verfasser der jeweiligen Arbeiten

© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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