Gastvortrag von Dr. Kurt Pribil (ÖNB) beim BAFIT-Netzwerk

Die Abschaffung des Bargeldes ist ein immer wiederkehrendes Thema in den Medien, welches kontrovers und emotional diskutiert wird. Im gestrigen BAFIT-Vortrag unterzog Dr. Kurt Pribil (ÖNB) die Argumente der Befürworter und Kritiker einer solchen Abschaffung einem Faktencheck.
2017-04-27

Zu Beginn seines Vortrags skizzierte Dr. Kurt Pribil die Diskussion über das Bargeld in den Medien. Er betonte, dass die Diskussion über die Abschaffung des Bargeldes häufig emotional geführt wird, ohne dass die Argumente durch Fakten gestützt werden. Beispielhaft nannte er dabei die Diskussionen über die Abschaffung des 500 € Scheins und Obergrenzen in der Bargeldhaltung, welche bereits in einigen Ländern der Eurozone eingeführt wurden. Diese Maßnahmen werden häufig in Erwägung gezogen, um die Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche zu bekämpfen. Pribil betonte jedoch, dass es bislang keine Evidenz dafür gibt, dass dies wirkungsvolle Maßnahmen sind (in der anschließenden Diskussion am Ende des Vortrags verwies er weiter darauf, dass kriminelle Geschäfte häufig mit Hilfe von Bitcoins durchgeführt werden und nicht mit Bargeld).

„Ich bin eindeutig der Meinung, dass Bargeld Zukunft hat“

Nach der Einführung stellte Pribil zunächst Fakten zum Bargeld vor. Er verwies auf Studien und Erhebungen der ÖNB und der EZB, welche zeigen, dass der Bargeldumlauf in der Eurozone nach wie vor jährliche Wachstumsraten von vier bis sechs Prozent hat, trotz der weiteren Verbreitung bargeldloser Zahlungsmethoden.

„Bargeld ist King in Österreich“

So werden in Österreich nach wie vor 82 % aller Transaktionen am „Point of Sale“ mit Bargeld abgewickelt. Als Gründe hierfür nannte er, dass es nach wie vor nicht möglich ist, überall bargeldlos zu bezahlen. Außerdem schätzen Verbraucher, dass sie dadurch ihre Ausgaben besser im Überblick haben und keine elektronischen Fußspuren hinterlassen, was z.B. beim Kauf von Medikamenten ein Anliegen vieler Verbraucher ist.

Zahlungsverkehr im Wandel

Anschließend skizzierte Pribil, wie sich der Zahlungsverkehr in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Dabei ging er auf neue Zahlungsmethoden wie der Bezahlung mit Smartphones, der Einführung von SEPA-Überweisungen und Instant-Payment ein, welche die Geschwindigkeit von Überweisungen deutlich erhöhten. Gleichzeitig betonte er jedoch auch die technischen, organisatorischen und finanziellen Hürden, die solche Projekte mit sich bringen.

Kritiker und Befürworter des Bargeldes

Abschließend nannte Pribil einige Argumente von Kritikern und Befürwortern des Bargeldes. Die Kritiker führen häufig an, dass die Marktteilnehmer in Zukunft Bargeld freiwillig weniger nutzen werden, Zentralbanken dadurch leichter negative Zinsen durchsetzen können und Schwarzarbeit, Terrorfinanzierung und Geldwäsche bekämpft werden können. Pribil schloss sich an dieser Stelle jedoch den Befürwortern des Bargeldes an, welche die Bürger bei der Wahl ihrer Zahlungsmittel nicht bevormunden wollen, solange sie sicher sind.

Als Fazit seines Vortrags resümierte Pribil, dass das Bargeld weiterhin ein wesentliches Zahlungsmittel bleiben wird und die ÖNB nicht in den Wettbewerb unter den verschiedenen Zahlungsmethoden eingreifen will und die Wahlfreiheit der Konsumenten unterstützt. Er schloss seinen Vortrag mit einem Zitat von Mark Twain, welcher auf eine irrtümliche Meldung über seinen Tod sagte: „Der Bericht über meinen Tod war wohl eine kleine Übertreibung.“

Über den Referenten

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Wien und anschließendem Doktorat an der Johannes-Keppler-Universität Linz hatte Dr. Kurt Pribil zunächst verschiedene Positionen bei der ÖNB inne. Er war außerdem Kabinettsmitglied in der Regierung Schüssel und 12 Jahre Vorstand der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA).