Zillertaler Granat

Befund des Monats

Oktober 2021

ein gar originelles Bauwerk“ – Einblick in die Lebenswelt der Granatler

Mit archäologischen Methoden und historischen Quellen arbeitet das Forschungsteam an der Rekonstruktion der ehemaligen Infrastruktur in den über 2.000 m Seehöhe gelegenen Granatabbaugebieten im Zemmgrund im hinteren Zillertal. Hierzu gehören die Lokalisierung und Dokumentation von einfachen Granatarbeiterhütten, von denen heute nur noch Ruinen oder spärliche Mauerreste erhalten sind.

Der Naturforscher A. Ziegler beschreibt im 19. Jahrhundert eine Granatarbeiterhütte im Bereich der Alpe Schwarzenstein: ... Der Aufenthalt in Schwarzenstein ist übrigens namentlich speziell für Solche noch zu empfehlen, die für mineralogische Vorkommnisse Interesse haben. Die nächste Umgebung ist sehr reich an seltenem Gestein, Granaten etc. Den ganzen Sommer über findet man deshalb dort auch sogenannte „Granatler“ d. h. Granaten- und Edelsteinsucher aus dem Zillerthal, die aus dem Steinsuchen ein Gewerbe machen. Unweit der Schwarzensteinalpe steht eine Hütte, in der sie ihren Aufenthalt nehmen. Von da machen sie täglich ihren Gang auf die Berge, um immer neue Steine zur Bearbeitung herabzuschleppen, und dorthin bringen sie von Woche zu Woche ihre Lebensmittel von Mayrhofen herauf. So eine Granathütte ist ein gar originelles Bauwerk. Ueberhängende Felsen als Dach, einige zugerichtete Baumstämme und auf einander gelegte Steinplatten als Seitenmauern, der Lagerpfühl ein Felsstück mit Heu belegt, der Tisch ein viereckiger Steinhaufen! Natur und Kunst vereinigen sich eben hier, um in allerursprünglichster Weise einem notwendigen Erwerb zu dienen ...2

 

Granatarbeiterhütte Ziegler_1
Granatarbeiterhütte im 19. Jh., gezeichnet von A. Ziegler 1
Granatarbeiterhütte Ziegler_2
Felsunterstand mit Mauerresten auf der Schwarzenstein Alpe 2

 

Auf einer im Tiroler Landesmuseum archivierten Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert ist „Eine ehemalige Granatarbeiterhütte in der Nähe der Alpe Schwarzenstein“ dargestellt3. Zu sehen ist darauf eine aus Steinplatten und Baumstämmen unter einem Felsüberhang errichtete Hütte. Während der archäologischen Prospektion kam das Forschungsteam unweit oberhalb der Berliner Hütte mehrfach an einer auffälligen Struktur vorbei. Erst gegen Ende der Kampagne nahm die Vermutung Gestalt an, es könne sich dabei um die von Ziegler beschriebene und gezeichnete Granathütte handeln. Eine gezielte Begehung erbrachte daraufhin am Hang unterhalb des Felsüberhangs Funde von granatführendem Glimmerschiefer und gebrochenem Granat, wie sie auf den Aufbereitungshalden der Granathütten zu erwarten sind. Eine Gegenüberstellung des aktuellen Fotos2 aus entsprechender Perspektive und der Zeichnung von A. Ziegler1 in Verbindung mit dem überlieferten Text3 spricht für sich!

Während die archäologische und mineralogische Feldforschung im hochalpinen Gelände nur in den Sommermonaten Juli bis September möglich ist, wird die kalte Jahreszeit vor allem für die Auswertung der Befunde, für Archivstudien und analytische Arbeiten genutzt.

Bianca Zerobin, Gert Goldenberg und Roland Köchl

Fortsetzung folgt!


Quellen:

1Ziegler A. (undatiert, 19. Jh.): Bleistiftzeichnung einer Granathütte bei der Schwarzensteinalpe. Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, W 9711. Legat A. Ziegler, vom 27. VI. 1893.

2Foto und Fotomontage: Gert Goldenberg & Bianca Zerobin 2021

3 Ziegler A. (1871): Im hintern Zillerthal. Ein malerischer Spaziergang zur Alpe Schwarzenstein, in Amthor Eduard (Hrsg.), Der Alpenfreund. Monatshefte für Verbreitung von Alpenkunde unter Jung und Alt in populären und unterhaltenden Schilderungen aus dem Gesammtgebiet der Alpenwelt und mit praktischen Winken zur genußvollen Verbreitung derselben. Band 3, 1871, 1-13.

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