No Care. Kompetenz statt Sorge
Gabriele Sorgo


Abstract

Schulbücher bringen gesellschaftlich legitimiertes Wissen zum Ausdruck. Sie können daher als Elemente eines Geschlechterdispositivs fungieren, welches Ungleichheitslagen der Geschlechter aufrechterhält, indem es gesellschaftlich unerwünschtem Wissen keinen Raum gibt.
Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse einer diskursanalytischen Untersuchung österreichischer Unterrichtsmaterialien der Sekundarstufen, die der Frage nachgeht, welchen Platz alltägliche Sorgetätigkeiten in Schulbüchern einnehmen. Der Fokus liegt auf familiärer Sorgearbeit.
Erste Ergebnisse des laufenden Projekts zeigen, dass tägliche Sorgetätigkeiten nicht mehr vergeschlechtlicht werden wie noch in den 1980er Jahren. Ihre soziale Produktivität wird jedoch zugunsten selbstoptimierender Vorsorgetätigkeiten ausgeblendet. Der Vortrag diskutiert diese De-Thematisierung von nicht-professioneller Sorgearbeit als Indiz für einen gesellschaftlichen Verdrängungsprozess, der durch eine geschlechtlich strukturierte globale Ökonomie vorangetrieben wird. Bildungsinitiativen, die Mädchen für MINT-Fächer interessieren sollen, verdecken den parallel dazu stattfindenden Ressourcenabzug aus der familiären Sorgearbeit, die dennoch weiterhin zum größten Teil von Frauen verrichtet wird.

 

Zur Person

Gabriele Sorgo ist Privatdozentin für Kulturgeschichte an der Universität Wien und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Geschlechterforschung an der Pädagogischen Hochschule Salzburg, Forschungsschwerpunkte: Konsumanthropologie, Körpergeschichte, Gabentheorien, Pädagogische Anthropologie der Technik.

 


Panel 04: Familiäre Sorgearbeit jenseits neoliberaler Aufmerksamkeitsräume

Zeit: Donnerstag, 07. November 2019, 14:30-16:00 Uhr
Raum: Seminarraum 4, Universitätsstraße 15, 1. Stock WEST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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