Atypische familiäre Sorgeverhältnisse im Kontext von Mobilität – Historische und aktuelle Perspektiven
Flavia Guerrini, Paul Scheibelhofer


Abstract

Kritische feministische Forschung hat die sozialen Bedingungen scheinbar privater Sorgeverhältnisse aufgezeigt und darauf hingewiesen, dass diese durch gesellschaftliche Normierungen und vergeschlechtlichte Machtstrukturen geprägt sind (z.B. Federici 2004). Dass sich in diesen Sorgeverhältnissen vielfach auch Fragen von Differenz und globaler Ungleichheit spiegeln, hat etwa Forschung zu transnationaler Pflege durch Migrantinnen gezeigt (Lutz 2011, Gutiérrez Ródriguez 2010). Der Vortrag greift diese Erkenntnisse auf und untersucht anhand von Fallbeispielen, wie sich familiäre Sorgeverhältnisse vor dem Hintergrund unterschiedlicher Formen von Mobilität artikulieren. Dazu werden qualitative Daten aus zwei laufenden Forschungsprojekten gemeinsam analysiert: Einerseits eine zeithistorische Studie über die Erfahrungen von Kindern alliierter Soldaten im Nachkriegs-Tirol (so genannte „Besatzungskinder“), andererseits eine Studie über Beziehungsdynamiken in Patenschaften und Pflegefamilien mit jungen männlichen Geflüchteten in Österreich heute. Der Beitrag geht den Fragen nach, wie „doing family“ (Jurczyk/Lange/Thiessen 2014) unter diesen atypischen Bedingungen ausgehandelt wird, inwiefern hier normative Vorstellungen traditioneller Familialität aufgegriffen, umgedeutet bzw. verworfen werden und welche Formen vergeschlechtlichter Sorgeverhältnisse in diesen Kontexten entstehen.

 

Zu den Personen

Flavia Guerrini hat ihr Doktorat in Bildungswissenschaften an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschlechterforschung und der historischen Bildungsforschung mit einem Fokus auf Jugendfürsorge und marginalisierte Kindheiten.

Paul Scheibelhofer ist Assistenzprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck und befasst sich in Forschung und Lehre mit Fragen zu Männlichkeiten, Rassismus, Flucht und Migration sowie Sexualität und Sexualpädagogik.

 


Panel 04: Familiäre Sorgearbeit jenseits neoliberaler Aufmerksamkeitsräume

Zeit: Donnerstag, 07. November 2019, 14:30-16:00 Uhr
Raum: Seminarraum 4, Universitätsstraße 15, 1. Stock WEST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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