Video, Geschlecht und das Versprechen von Selbstermächtigung
Renée Winter


Abstract

Dem Medium Video wurden seit den 1970er Jahren Versprechen von Veränderung, Emanzipation und Demokratisierung zugeschrieben. Die relativ einfache und kostengünstige Möglichkeit, selbständig audiovisuelle Repräsentationen zu schaffen, führe durch mehr Sichtbarkeit für marginalisierte Themen und durch die Schaffung einer "Gegen-Öffentlichkeit" zu Selbstermächtigung.
Das Konzept des Empowerments wurde 1976 von der Psychologin und Professorin für Sozialarbeit Barbara Solomon als Strategie der Ermächtigung Schwarzer Menschen in einem Umfeld der rassistischen Unterdrückung und Diskriminierung beschrieben. In den 1990er Jahren avancierte "Empowerment" zum vielgenutzten Schlagwort in unterschiedlichen Kontexten (Aktivismus, Sozialarbeit, staatliche und EU-Förderprogramme). Aktuelle Verwendungen implizieren oft Defizite der zu Ermächtigenden: Medienkompetenz und Wissen über neue Technologien seien nicht ausgeprägt genug; durch Training und Förderung könnten mediale Selbstermächtigung erreicht und die zur Herstellung einer Öffentlichkeit notwendigen Medienstandards getroffen werden.
Im Vortrag wird zum einen den historischen Argumentationslinien nachgegangen, die das Medium Video als Beitrag zu einer Transformation der (Geschlechter-)Verhältnisse setzen. Zum anderen wird anhand von Verwendungen des Konzepts des (Self-)Empowerments die Frage danach gestellt, wo die Rede vom "Empowerment" Transformationen ermöglicht und wo sie diese verhindert.

 

Zur Person

Mag.a Dr.in Renée Winter. Historikerin mit Interesse an Interdisziplinarität und Intersektionalität. Derzeit Projekt zu Video als Selbsttechnologie als Elise Richter Fellow (FWF) am Institut für Zeitgeschichte (Uni Wien). 2014-2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Österreichischen Mediathek. 2012 Dissertation zu Repräsentationen des Nationalsozialismus im frühen österreichischen TV. Lehre in Wien, Linz und Salzburg.

 


Panel 16: Das digitale Selbst: Entwurf und Handlungsmacht

Zeit: Freitag, 08. November 2019, 11:00-12:30 Uhr
Raum: Seminarraum 3, Universitätsstraße 15, 1. Stock WEST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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