Rückkehr in die Familie
Sozialpsychologische Überlegungen zum Unbehagen moderner Väter
Sebastian Winter


Abstract

Die Entwicklung der häuslichen Arbeitsteilung erweist sich als Gemengelage von Persistenz und Wandel. "Rhetorischen Modernisierungen" (Wetterer) stehen zäh sich gleichbleibende Praxen gegenüber, aber auch ideologische Resouveränisierungen von Männlichkeit.
In dem Vortrag werden diese Konflikte auf der Handlungs- und Affektebene des "Doing Masculinity" analysiert: Was passiert, wenn Männer, deren habitusgenerierende Sozialisation in einer Relation der Abgrenzung zur weiblich assoziierten Sphäre der Familie stattgefunden hat, als Väter mit der Familiengründung in diesen Raum zurückkehren? Welche affektiven, leiblichen und habituellen Konflikte bringt dies mit sich? Anhand von Interviews mit jungen, engagierten Vätern wird die These entwickelt, dass die handlungspraktischen Rückzüge von Vätern aus der Kinderpflege trotz modernisierter Einstellungen ihre Ursachen (neben institutionellen und finanziellen Zwängen) auch in unbewussten, in den männlichen Habitus eingelagerten Ängsten vor Souveränitäts- und Autonomieverlust haben. Zugleich ermöglicht es die "Illusion der Emanzipation" (Koppetsch & Burkhard) diese Dynamik vom bewussten Selbstbild (und aus möglichen Paarkonflikten) fern zu halten. Die aktuell an Einfluss gewinnenden "antigenderistischen" Ideologien nutzen das bleibende Unbehagen und versprechen, "unsere Männlichkeit wiederzufinden", wie es Björn Höcke von der deutschen AfD formuliert.

 

Zur Person

Dr. phil. Sebastian Winter hat Sozialpsychologie, Soziologie, Geschichte und Gender Studies an der Leibniz Universität Hannover studiert. Aktuell verwaltet er eine Professur für Heilpädagogik an der Hochschule Hannover. Lehr-und Forschungsschwerpunkte: Subjekt- und geschlechtertheoretische Sozialisationsforschung, Affektives Erleben von Väterlichkeit, Psychoanalytische Sozialpsychologie von Gemeinschafts- und Feindbildungsprozesse. Kontakt: winter@sozpsy.uni-hannover.de 

 


Panel 15: Normalitätskonstruktionen und Männlichkeit

Zeit: Freitag, 08. November 2019, 11:00-12:30 Uhr
Raum: Seminarraum 2, Universitätsstraße 15, 1. Stock WEST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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